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Leseprobe 1
30. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung
Unser Glaube ist nicht kompliziert, wie verschiedentlich behauptet wird. Christlicher Glaube entfaltet sich aus wenigen Grundsätzen. Im heutigen Evangelium nennt Jesus den entscheidenden auf die Frage eines Gesetzeslehrers. In der zweiten Lesung, aus dem Thessalonicherbrief, deutet sich freilich an, dass ein einfaches und klares Gebot zu leben in den konkreten Umständen seine Schwierigkeiten erfährt, die Mut und Widerstandskraft des Christen herausfordern.

Nachdenken über den Glauben heute anlässlich des Glaubens der Christen in Thessalonich

Predigt

Zum Text: 1 Thess 5,5c–10 (2. Lesung)

Große Schwierigkeiten, großer Erfolg

Die zweite Missionsreise des Apostel Paulus führt ihn in den europäischen Teil Griechenlands. Das 16. bis 18. Kapitel der Apostelgeschichte berichtet darüber. Es ist eine Reise voller Dramatik. Zweimal müssen er und seine Begleiter fliehen auf Grund von Demonstrationen gegen sie. Misstrauen gegen die Fremden und ihre Überzeugung sowie Angst vor wirtschaftlichem Schaden durch diese neue Glaubensrichtung waren die Gründe. Und da die Behörden des römischen Weltreiches Bürgerunruhen fürchteten, waren sie in ihrem Vorgehen in solchen Situationen nicht zimperlich. In Philippi kamen Paulus und seine Begleiter ins Gefängnis, nachdem sie öffentlich ausgepeitscht worden waren. Aber Sie sollten das in der Apostelgeschichte zu Hause selbst nachlesen. Es zeigt uns, unter welchen großen Schwierigkeiten die Verkündigung des Glaubens einen überraschend großen Erfolg hatte. Kaum vorstellbar, dass in einer relativ kurzen Zeit des Wirkens von einigen Wochen, höchstens wenigen Monaten, in Thessalonich eine gefestigte Gemeinde wächst. Von Bedrängnis ist im Text der Lesung die Rede. Was das für Bedrängnisse waren, kann man aus dem Brief erahnen; in der Apostelgeschichte werden sie greifbarer, in Zeugnissen der Profangeschichte werden sie ergänzt. Obwohl man wegen Paulus und seiner Verkündigung in öffentliche Konflikte gerät, bleiben die neuen Christen Thessalonichs in ihrem Glauben standhaft. Trotz des Widerspruchs durch die Mitbürger sind sie in der Beziehung zu Jesus Christus unbeirrt geblieben. Offenkundig hat man sich an ihrer Standhaftigkeit unter den anderen Christengemeinden in Mazedonien ein Beispiel genommen. Überzeugender Glaube wirkt ansteckend.

Verhältnisse wie im Anfang?

Wenn wir uns das Entstehen einer christlichen Gemeinde in der Frühzeit des Christentums vergegenwärtigen und wenn wir dann auf uns selbst als Gemeinde schauen, möchte man sich vielleicht diese Zeit des Anfangs zurückwünschen. Man fängt miteinander an. Der Geist und die Impulse des Neuen sind da, das innere Licht, die Initialzündung. Es gibt den Zauber und die Gnade des Ursprungs, die Bereitschaft des Aufbrechens. So etwas ist doch auch der Antrieb kleiner und großer Revolutionen oder von Erneuerungsbewegungen.
Nun denken Sie aber bitte nicht: »Ja damals, das war eine andere Zeit. Es waren andere Umstände. Was bringt uns das für heute?«
Der Glaube wurde den Menschen in Thessalonich und anderswo nicht in paradiesischen Umständen geschenkt. Er musste wie heute in das aktuelle Leben der Menschen hinein gesprochen sein, sich im Alltag bewähren und darin eine Gestalt gewinnen. Damals brachte das in gewisser Weise auch eine Abgrenzung im Sozialen mit sich. Man ließ sich nicht mehr zum Opfermahl in heidnische Tempel einladen, obwohl das zum gesellschaftlichen Leben gehörte. Man feierte nicht mehr die üblichen allgemeinen Feste. Man traf sich aber in den Privathäusern zum Brotbrechen, das den Nachbarn geheimnisumwittert und verdächtig vorkam. Wir heute können das zumindest ein wenig nachempfinden, denn viele unserer Mitbürger wissen mittlerweile nicht mehr, was wir Christen an den hohen Festtagen, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, eigentlich feiern. Ich weise nur darauf hin, um zu zeigen, dass trotz aller Gnade des Anfangs den Christen in Thessalonich nichts anderes geschenkt wurde, was uns nicht auch geschenkt worden ist. Um unseren Glauben heute zu leben und zu bekennen, sind uns wesentlich weniger Hindernisse in den Weg gelegt als den Menschen in Thessalonich. Wir leben nicht in extremen gesellschaftlichen Unterschieden einer Sklavengesellschaft wie in der Zeit der Antike. Bei uns sind jedem weitgehend die gleichen Rechte gegeben und uns stehen noch nie da gewesene Entfaltungsmöglichkeiten offen, vor allem in der Ausübung des Glaubens. Die Thessalonicher mussten sich in Privaträumen versammeln. Erst ab dem 3. Jahrhundert lassen sich die ersten christlichen Kulträume nachweisen. Kirchenbauten von guten Architekten entworfen, gab es damals noch nicht. Die Evangelien waren zur Zeit der Thessalonicher noch nicht schriftlich gefasst, die Überlieferung wurde mündlich weitererzählt und erklärt. Einfach in den Bücherschrank greifen und eine Bibelausgabe herausziehen, konnte man damals nicht. Gerade einmal der Brief des Apostels Paulus wurde in der Gemeinde verwahrt. Wir brauchen uns gewiss nicht in die Zeit des Anfangs zurücksehnen. Uns tut aber ein Nachdenken not, wenn der Glaube der Thessalonicher sich so viel kräftiger und lebensdienlicher zeigt als der vieler Christen heute.

Glaube und Trägheit.

Auf zwei Dinge sei noch verwiesen. Viele Menschen fühlen sich heute mit den Errungenschaften des modernen Lebens so abgesichert, auch so in Anspruch genommen, dass sie meinen, auf eine Praxis des Glaubens privat oder gemeindlich verzichten zu können. Sie fühlen sich dazu nicht mehr angeregt. Sie haben nicht das Gefühl, dass ohne eine Glaubenspraxis in ihrem Leben etwas fehlt. In vielen Bereichen sind andere Menschen und sind Institutionen anstelle ihrer aktiv. Das aber macht den Einzelnen träge, sowohl im Nachdenken über sich als auch in der religiösen Praxis. Der Glaube lebt aber von der persönlichen Beziehung zu Gott, von einer persönlichen Dankbarkeit und Hinneigung. Man kann nicht für sich anderswo glauben lassen. Der Glaube lebt von der Sicht, wie das eigene Leben in den Weltlauf eingeordnet ist. Der Glaube lebt von der Erfahrung, was uns schon mit dem Leben von Gott alles geschenkt ist: Anlagen, Fähigkeit, Mitmenschen, Einsicht in die Welt mit all ihren Rätseln und ihrer Faszination. Der Glaube lebt vor allem von der Botschaft und dem Leben Jesu Christi im eigenen Leben.
Aber die Trägheit des Herzens und des Geistes sieht über so vieles hinweg, versinkt in Passivität und mündet höchstens in Forderungen und Anklagen, wenn man sich infrage gestellt sieht. Dann ist zum Beispiel die Messe langweilig und bringt nichts, der Pfarrer predigt schlecht und überhaupt – das Versagen der Kirche in Vergangenheit und Gegenwart. Die Trägheit sucht sich Ausflüchte.
Am Ende der heutigen Lesung erinnert Paulus, dass man sich in ganz Mazedonien erzählt, wie sich die Christen in Thessalonich von den Götzen zu Gott bekehrt haben. Welches sind die modernen Götzen, durch die wir uns den Blick auf den wahren Gott und Vater verdunkeln und in die Passivität abstellen lassen?

Fürbitten
Gott und Vater, im Namen Jesu Christi sprechen wir vor dir unsere Bitten aus. Dein Sohn hat uns ermutigt, dies immer neu zu tun, weil du uns hörst. So bitten wir:

- Für die Christen in unserem Land: dass sie den Heiligen Geist in sich wirken lassen, der uns zu einem Leben aus dem Glauben anregt. Gott, unser Vater:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für die Menschen in unserem Land, die nach dem Sinn und Verständnis ihres Lebens suchen: dass sie durch das Beispiel von Christen einen Weg dahin finden.
- Für unsere Gemeinden: dass sie offen sind für notwendige Veränderungen, auch wenn Liebgewordenes und Vertrautes sich ändern.
- Für uns selbst: um Mut und Selbstbewusstsein, dass wir unseren Glauben im öffentlichen Leben nicht verstecken und so Jesus Christus bezeugen.

Diese und auch die stummen Anliegen unserer Gemeinde vertrauen wir dir an und wir danken dir, heute und alle Tage und bis in Ewigkeit. Amen.

Johannes Jeran

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