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Leseprobe 1
Fest der Erscheinung des Herrn
Lesejahr A – B – C
Wenn Grenzen fallen

Beitrag zur Lesung

Einführung
Am Erscheinungsfest erinnern wir uns der Sterndeuter, der »Heiligen drei Könige«. Sie werden unwiderstehlich angezogen von einem Stern, von einem Licht – vom Licht Gottes, der in dieser Welt erschienen ist. Über alle Grenzen hinweg kommen sie zum neugeborenen Gotteskind.
Das Fest heute stellt uns die Frage: Welches Licht leuchtet uns? Was zieht uns denn unwiderstehlich an?

Predigt

Zum Text: Jes 60,1–6 (1. Lesung)

Welch grandioses Zukunftsbild zeichnet der Prophet Jesaja: Während die ganze Erde im Dunkel liegt, leuchtet Jerusalem durch Gottes Anwesenheit. Die Stadt und die Menschen in Jerusalem werden zum Anziehungspunkt für ganze Völker. Die ganze Welt schenkt Gott – und damit auch seinem Volk – Anerkennung, nicht nur im religiösen Sinn, sondern in ganz irdisch-praktischen Dingen: Grenzen fallen, die Völker ziehen nach Jerusalem und überschütten es mit Reichtum.
Eine großartige Vision – die mit der Realität gar nichts zu tun hat. Als diese Sätze gesprochen wurden, war gerade eine Gruppe von ehemals Verbannten aus dem babylonischen Exil heimgekehrt. Sie fanden die Stadt Jerusalem in Trümmern und das Land Israel in großer Armut und Unsicherheit. Ihre Hoffnungen auf einen schnellen Aufbau der Stadt und des Tempels und auf einen wirtschaftlichen Aufschwung erfüllten sich nicht. Israel blieb ein armes, politisch ohnmächtiges Land. Dieses große Zukunftsbild bewahrte vielleicht vor Resignation, aber in Erfüllung ging es nicht.

Eine Botschaft über die Grenzen hinweg

Heute lesen wir diese Worte am Fest der Erscheinung. Wir hören sie mit Blick auf Jesus Christus. In ihm, so glauben wir, hat sich diese Vision erfüllt. Er ist das Licht, das die ganze Welt erleuchtet; seine Botschaft ging an alle Menschen, über alle Grenzen hinweg. Er bringt die Völker zusammen und die Völker kommen mit ihren Gaben wie die Sterndeuter, die dem Kind huldigen.
Doch Jesus ging es nicht um Macht und Reichtum. Seine Anziehungskraft ist eine andere. Von ihm wird erzählt, dass er andere Grenzen überwindet: die zu den Sündern, den Unreinen und Ausgestoßenen. Er überwindet die Grenzen zwischen Männern und Frauen, zwischen Priestern und Laien und letztendlich zwischen Tod und Leben. Seine Anziehungskraft ist die der übervollen Liebe Gottes, die wie ein strahlendes Licht in das Dunkel der Welt hineinscheint. Durch Zeit und Raum leuchtet dieses Licht und zieht Menschen an, immer wieder und immer wieder neu.
Aber auch hier: Die Realität unserer Welt ist weit entfernt von dem Bild eines Lichtes, zu dem alle aufschauen. Viele Grenzen sind gefallen in unserer globalisierten Welt, aber es gibt neue und alte Gräben und Widersprüche: die Schere zwischen Arm und Reich, die immer weiter auseinandergeht; die Ungleichheit bei der Teilhabe an Bildung und Arbeit; die fehlende Perspektive für ganze Länder, während es anderen gut geht, und so weiter.
»Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker« (Jes 60,2). Dieser Satz aus der Lesung stimmt auch heute.

Wo geht uns da ein Licht auf?

Dass eine Botschaft, eine Lichtgestalt die Erde friedlich miteinander vereinen könnte und alle Grenzen überwindet, das ist tatsächlich eine Illusion, die jeder menschlichen Erfahrung widerspricht. Selbst die Botschaft Jesu Christi hat diese Kraft nicht. Und dennoch: Wir, die wir uns Christinnen und Christen nennen, leben doch von dieser Verheißung. Weil Gottes Licht in dieser Welt leuchtet, können wir sie sehen, so wie sie ist, ganz realistisch, mit allen Grenzen und Verwerfungen. Weil Gottes Licht in dieser Welt leuchtet, können wir sie mit Gottes Augen sehen, mit den Augen der Liebe. Können wir das unsere dazu beitragen, dass Grenzen überwunden werden, dass Gottes Liebe ausstrahlt, dass Menschen sich begegnen können jenseits aller Berührungsängste.

»Licht« werden

Freilich: Das gelingt uns mal mehr, mal weniger. Da ist es tröstlich, dass nicht wir selbst das Licht erzeugen müssen, dass wir nicht aus eigener Kraft erstrahlen müssen. »Werde licht«, hieß es, »denn es kommt dein Licht« (Jes 60,1). »Werde licht« im Sinne von »werde hell«, das verstehe ich so, dass ich mich anstrahlen lasse von Gottes großem Licht. Wenn ich mich immer wieder hineinstelle in das Licht der Gegenwart Gottes, wenn ich mich immer wieder hineinbegebe in das Licht des Evangeliums, dann kann ich etwas von dieser Ausstrahlung reflektieren, widerspiegeln. Dann leuchtet und wirkt Gott durch mich hindurch.

Fürbitten
Uns und der ganzen Welt leuchtet Gottes Licht auf, das alle Grenzen überwindet. Wir bitten:

- Für die Kirche, die in der ganzen Welt dich und dein Reich verkündigt.
(Erleuchte uns, Gott, mit deinem Licht.)
- Für alle Menschen, die aufgrund ihrer Nationalität oder Religion ausgegrenzt werden.
- Für die Menschen, die keine Chancen auf Bildung oder Arbeit haben.
- Für die Kinder und Jugendlichen, die als Sternsinger die Botschaft von deinem Licht weitertragen.
- Für uns, die wir oft so wenig von deiner Liebe widerspiegeln.
- Für alle, die von einem Menschen Abschied nehmen müssen.

Großer Gott, in deinem Licht können wir leben und handeln. Dir sei Lob und Preis, heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Beate Jammer

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