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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Allerseelen
Lesejahr A – B – C
Einführung
Bei vielen unter Ihnen trat im vergangenen Jahr der Tod ins Leben. Sie haben sich von Ihrem Mann, Ihrer Frau, Ihrem Kind, Ihrem Bruder, Ihrer Schwester, einer guten Freundin, einem guten Freund verabschieden müssen.
Es ist gut, wenn wir noch einmal zusammen kommen, um miteinander aller Seelen zu gedenken. Wir beten und singen gemeinsam und bezeugen so einander unseren Glauben an die Auferstehung der Toten. Wir sehen, dass wir nicht allein sind in unserer Trauer, auch wenn jeder und jede selbst lernen musste, mit diesem Verlust zu leben. Wir stärken uns durch die Feier von Tod und Auferstehung Jesu. Die Osterkerze erinnert uns an dieses Licht, das durch Jesu Auferstehung in die Welt kam.
Osterkerze entzünden.

Kyrie-Ruf
Jesus Christus, Sohn Gottes, du bist in die Welt gekommen, um Hoffnung zu bringen.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, Auferstehung und Leben, du bist in die Welt gekommen, um zu zeigen, dass das Leben stärker ist als der Tod.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus, Bruder und Freund, du bist in die Welt gekommen, um Gottes Liebe zu uns Menschen zu verkünden.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott des Lebens,
dein Sohn kam in die Welt, um den Tod zu überwinden. Durch ihn gibst du unserem Leben eine Perspektive, die über den Tod hinausreicht. Du gibst uns Hoffnung, wenn wir an der scheinbaren Endgültigkeit des Todes verzweifeln.
Schenke uns den Glauben an das ewige Leben bei dir.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 621 »Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr«
EH 88 »Hoffen wider alle Hoffnung«
Antwortgesang
GL 520 »Liebster Jesu, wir sind hier«
EH 22 »Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht«
Gesang zur Gabenbereitung
GL »Das Weizenkorn muss sterben«
EH 121 »Meine Zeit steht in deinen Händen«
Gesang zur Kommunion
GL 618 »Brich den Hungrigen dein Brot«
EH 112 »Durch das Dunkel hindurch«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 295 »Wer nur den lieben Gott lässt walten«
EH110 »Bewahre uns Gott«

Kerzen anzünden zur Erinnerung an die Verstorbenen
Nach der Predigt werden die Angehörigen eingeladen, für jeden Verstorbenen ein Teelicht an der Osterkerze zu entzünden. Die Gläschen, in die die Teelichter gestellt werden, sind auf einem schwarzen Tuch in der Form des Alpha und Omega neben der Osterkerze vorbereitet.
Zu Beginn und am Ende wird folgender Text gesprochen:

Gott
alles kommt von dir
Anfang und Ende
Geburt und Tod
zur Welt kommen
aus der Welt gehen
uns gegeben
uns genommen
Anfang und Ende
Alpha und Omega
alles kommt von dir
Gott

Fürbitten
An der Osterkerze wird entsprechend der Bitte eine Taufkerze, eine Kommunionkerze, eine Hochzeitskerze, ein Grablicht entzündet und zu den Teelichtern auf ein weißes Tuch gestellt.
Lebendiger Gott, der Tod macht bewusst, wie wertvoll unser Leben ist. In diesem Gottesdienst erinnern wir uns besonders an unsere Angehörigen, von denen wir Abschied nehmen mussten. Wir bringen unsere Trauer, unseren Schmerz und unsere Hoffnung zu dir:

- Gott des Lebens, durch die Taufe gehören wir zu deinem Volk. Dein Licht leuchtet uns auf unserem Weg: Sei bei uns, wenn das Leben schwierig wird.
(EH 62 »Geh mit uns auf unserm Weg«)
- Gott des Lebens, du lädst uns ein an deinen Tisch. Du stärkst uns durch Brot und Wein. Sei in uns, wenn uns die Kraft fehlt.
- Gott des Lebens, in dir sind wir miteinander verbunden. Deine Liebe schenkt Gemeinschaft über den Tod hinaus. Sei unter uns, wenn wir die Einsamkeit nicht mehr aushalten.
- Gott des Lebens, wir Menschen müssen Abschied nehmen. Deine Barmherzigkeit gibt Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist. Sei mit uns, wenn wir verzweifeln.

Gnädiger und treuer Gott, dir vertrauen wir unsere Verstorbenen an. Vollende ihr Leben und nimm sie auf in die Gemeinschaft der Heiligen. Stärke uns in unserem Glauben an die Auferstehung. Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn. Amen.

»Du bist die Auferstehung und das Leben!«

Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 11,17–27 (Evangelium)

Der Abschnitt entstammt dem letzten der sieben »Zeichen« im Johannes-Evangelium, der Auferweckung des Lazarus. Eine vielschichtige, in mehreren Abschnitten entstandene Wundererzählung. Sie kreist, angesichts des Todes, um die Frage: Was kommt danach? Offensichtlich gab es zwar bereits die Lehre und auch den Glauben an die Auferstehung, doch was heißt das, wenn ich selbst direkt mit dem Tod konfrontiert werde? Der Dialog zwischen Martha und Jesus zeigt – wieder einmal – in aller Klarheit, dass es einerseits der Glaubensformel bedarf. Diese Formel bleibt jedoch leer, wenn sie nicht gelebt, lebendig geglaubt wird, ins eigene Leben übersetzt wird. Damit sind wir sofort bei uns selbst: Bekenne ich mich zum Glauben an die Auferstehung gerade dann, wenn der Tod so real in mein Leben dringt?

Predigt

Auferstehung der Toten, ewiges Leben – kann man das irgendwann im Leben verstehen oder gar begreifen? Könnte ich, könnten Sie wie Martha sagen: Ich weiß, dass er auferstehen wird? Könnten wir das in dem Moment sagen, wo ein Angehöriger verstorben ist? Oder geraten wir da nicht ins Stammeln: Wir hoffen auf die Auferstehung der Toten, wir glauben zaghaft, dass es so sein wird, auch wenn wir nicht wissen wie … Klingt das nicht fast wie ein Traum, der die Realität, die Endgültigkeit des Todes beschönigt, aber nicht nimmt?
Manchmal wäre ich gerne an der Stelle Marthas – ich würde gerne mit Jesus über den Tod reden. Martha erlebt wie wir Sterben und Tod. Vier Tage liegt Lazarus bereits im Grab. Ja, wenn ein Mensch gestorben ist, zählt man zu Beginn die Tage, weil man sich gar nicht vorstellen kann, längere Zeit ohne diesen Menschen zu leben. Vier Tage schon, da gilt es zu lernen, sich damit abzufinden. Da gilt es, damit zurechtzukommen, dass man selbst weiterleben muss. Das Leben geht weiter, es wird auch durch den Tod nicht angehalten. Auch das erlebt Martha. Dazu kommt noch: Jesus, derjenige, der hätte helfen können, kommt zu spät. Auch er hat den Tod nicht verhindert, ihn nicht aufgehalten.

Ich weiß nicht, ob ich noch dieses Vertrauen in Jesus gehabt hätte, das Martha zeigt. Ob mir nicht die Klage, das Hadern, der Vorwurf viel mehr auf der Zunge liegen würde: Warum musste er sterben? Warum schon jetzt? Warum hast du nicht geholfen? Du hättest doch die Möglichkeit gehabt!
Würde ich an Marthas Stelle Jesu Worten glauben, wenn er sagt: Aufstehen wird dein Bruder. Ich weiß, dass er auferstehen wird …
Irgendwann einmal, vielleicht, am letzten Tag, beim Jüngsten Gericht, wenn alle Menschen sterben, dann mag es sein, dass die Toten auferstehen. Daran zu glauben ist nicht ganz so schwer. Aber das hat mit meinem Leben hier und jetzt sehr wenig zu tun. Der Tod zwingt mich zur Frage, ob damit alles zu Ende ist und was vom Leben letztlich bleibt. Er zwingt mich zur Auseinandersetzung damit, woran ich wirklich glaube. An was kann ich mich halten, wodurch werde ich getröstet, was gibt mir Hoffnung angesichts von Sterben und Tod? Das kann ich zunächst ganz allgemein beantworten und es damit belassen, so wie es Martha zunächst tut: Ich weiß, dass er auferstehen wird.

Von der Formel zum Bekenntnis

Das Evangelium bleibt nicht bei der Formel stehen. Jesus bringt eine ganz andere Dimension hinein, wenn er zu Martha sagt: »Ich bin die Auferstehung und das Leben.« Er steht mit seiner ganzen Person für die Auferstehung. Damit geht es nicht mehr um eine ferne Zukunft, sondern um das Hier und Jetzt. Das Leben bei Gott hat bereits begonnen. Glaube spielt sich nicht irgendwann ab, nicht vielleicht, sondern in jedem Moment des Lebens, auch und gerade im Angesicht des Todes. Der Glaube an Jesus Christus ist der Glaube an das Leben – das verheißt Jesus mit seiner Offenbarung. Mitten in meinem Dasein, in meinem Zweifel zeigt er sich als das Leben selbst.
Das hat Martha wohl gespürt. Deshalb kann sie nicht bei der halbherzigen Formel bleiben. Deshalb findet sie zum Bekenntnis und sagt: ich bin zum Glauben gekommen. Das Heil ist mit Jesus bereits gegenwärtig. Auferstehung ist erfahrbar in der Begegnung mit Jesus.

Manchmal kommt es mir vor, als lädt uns heute Allerseelen zum Einüben ein. Die Begegnung mit Tod und Sterben lenkt unseren Blick auf das Leben. Verschiebe ich das Leben in eine ferne Zukunft, in ein Irgendwann, in ein Vielleicht? Oder lebe ich bereits jetzt in der Gegenwart Gottes, in der ich so sein darf, wie ich bin? Der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben zeigt uns, dass das, was wir sind, was wir denken und fühlen, uns niemand nehmen kann. Das Leben hat bereits begonnen. Die Wirklichkeit des Lebens reicht weiter als der Tod, weil Jesus die Auferstehung und das Leben ist. Wenn wir jetzt schon in diesem Glauben leben, dann können wir dem eigenen Tod getrost begegnen. Daran erinnert uns Allerseelen. Der Tod ist Übergang in ein verwandeltes Leben bei Gott, das hier schon seinen Anfang nahm. Ewiges Leben.

Barbara Janz-Spaeth

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