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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
18. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Ins neue Gewand hineinwachsen

Predigt
Zum Text: Eph 4,17.20–24 (2. Lesung)

Der Kleiderwechsel ...

begleitet unseren Tages- und Lebensrhythmus. Wir steigen morgens vom Schlafanzug in die Arbeits- oder Ausgehklamotten; wir legen nach getaner Arbeit den Business-Anzug ab und ziehen Freizeithemd und -hose an. An manchen Tagen bekleiden wir uns danach sogar noch mit Abendgarderobe, um später wieder den Pyjama überzuziehen. Der Tag ist vom vielfachen Wechsel des Kleides bestimmt und das ganze Leben auch. Es gibt ja kein einschneidendes Ereignis unseres Lebens, das wir nicht mit einem eigens dafür angeschafften Gewand begehen würden. Bei Einschulung und Erstkommunion, bei Schulentlassung und Abitursfeier, bei der Hochzeit und bei Jubiläen, zu Ernennungen, Ehrungen und Beförderungen erscheinen wir im neuen Gewand. Die Bibel beider Testamente ist reich bebildert mit menschlichen und göttlichen Gewändern – Beispiele sind der Mantel der Gerechtigkeit (Ijob 29,14) und das Kleid des Heiles (2 Chr 6,41). Paulus, oder wer auch immer in seinem Namen den Brief an die Epheser verfasst hat, nimmt dieses Bild des Kleiderwechsels auf. Offensichtlich konnten die Heiden aus der griechischen Tradition dieses Bild so leicht verstehen wie die Gläubigen aus dem Volk Israel. Wo Jesus vom Umkehren spricht und zur Umkehr aufruft, da fordert der Briefschreiber zum Umziehen und zum Kleiderwechsel auf.

Das Taufkleid ...

steht fast immer im Hintergrund, wo im Neuen Testament vom Umziehen die Rede ist. Die Gemeinde wird erinnert an den konkreten Ritus des Kleiderwechsels, nachdem der Täufling dem Taufbrunnen entstiegen ist. Bis heute ist der damit verbundene Zuspruch gebräuchlich: »Du hast Christus angezogen. Bewahre diese Würde für das ewige Leben« (vgl. Gal 3,27). Der Ritus ist wunderbar. Öffentlich das äußere Gewand zu wechseln, ist eindrücklich und geschieht in wenigen Augenblicken. Aber existenziell betrachtet, schließt die Übergabe des Taufkleides den Auftrag, Christus anzuziehen, nicht ab, sondern bringt ihn erst in Gang. Sich selbst verändern zu lassen, in der inneren Ausrichtung und im äußeren Verhalten neu zu werden, ist die ungleich schwierigere Aufgabe. Den neuen Menschen anziehen, darf ja nicht heißen, sich zu verkleiden, sich christlich zu kostümieren und unter dem neuen Gewand das alte Leben weiterzuführen. Diese Gefährdung, das Gewand Christi entgegengenommen zu haben und doch der alte Mensch bleiben zu wollen, ist einer der Anlässe des Briefes an die Epheser und Grund zur Ermahnung. Da trifft der Brief auch unsere Glaubens- und Lebensverhältnisse: Vieles verkleidet sich christlich und fromm, ist aber doch nur Gehabe und Kostümierung. Was grundsätzlich in der Taufe als Gottes Gnade an uns geschehen ist, das müssen Christen im Alltag bewähren. Wir bleiben ein Leben lang damit beschäftigt, das zu werden, was wir aus Gnade sind!

Christus lernen –

nennt der Verfasser des Briefes den Auftrag, der jedem Getauften aufgegeben ist. Das schöne Wort Christus lernen meint ja nicht eine intellektuelle Aufgabe von Verstehen und Begreifen, sondern das Hineinwachsen in die Existenz des Christus. Christus zu lernen, ist ein Übungsweg und wird es ein Leben lang bleiben. Selbstverständlich hat das mit Anstrengung und Mühe zu tun, selbstverständlich braucht die christliche Existenz das alltägliche Training – aber der Grund und die Verlässlichkeit der neuen Existenz ist uns geschenkt. »Ihr seid in der Wahrheit unterrichtet worden, die Jesus ist« – wird uns gesagt. Gemeint ist damit die Verlässlichkeit seiner Gegenwart unter uns und in uns. Weil Er selbst, Christus, der Verlässliche ist, darum sind wir berufen zur Treue, zur Verlässlichkeit gegenüber unseren Mitmenschen und gegenüber Gott. Es ist ein Geschenk, wenn man einem verlässlichen Menschen begegnen darf – verlässlich in seinem Wort, verlässlich in seiner Zuneigung und Fürsorge, verlässlich unter allen Widrigkeiten, die es zwischen Menschen ja auch gibt. Gott ist verlässlich, darum sollen, können wir zuverlässig sein ihm und den Menschen gegenüber.
Die Verlässlichkeit Gottes und die Verlässlichkeit des Evangeliums umgeben uns wie ein Mantel, wie ein Gewand. Alles andere, das wir außerhalb dieser Verlässlichkeit Gottes leben, wird dem Zerfall anheimgegeben. Es wird zugrunde gehen.
Das Gewand des Christus ...
ist ein zu großes Gewand für uns. Jeder, der sich dieses Gewandes bewusst wird, weiß um seine Größe und seinen Anspruch. Im Gewand des Christus geht man nicht wie im Freizeitlook. Man geht darin eher wie im Festgewand, das uns Würde und Bedeutsamkeit verleiht, das uns schmückt und zugleich einen Anspruch ausdrückt. Das Gewand des Christus ist ein Ehrenkleid – es ist uns wahrhaftig viele Nummern zu groß. Wir sollen hineinwachsen in dieses Gewand. Und was uns darin fehlt, wird Er selbst ersetzen.

Fürbitten
Herr Jesus Christus, wir gehen in der Spur deines Wege bekleidet mit dem Gewand des Heils. Dich, unseren Herrn, rufen wir an:
Für die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Finanz-wesen, denen es an zukunftsfähigen Visionen und an der Kraft zur Veränderung fehlt.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)

- Für alle, die in dieser Ferienzeit unterwegs sind auf der Suche nach Erholung und Entspannung oder nach Erlebnis und Abenteuer.
- Für Menschen mit geringem Einkommen und ihre Familien, die sich in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise keinen Urlaub leisten können.
- Für die Menschen, die zu einer religiösen oder ethnischen Minderheit gehören und deswegen benachteiligt oder verfolgt werden.
- Für die Familien, die nicht in der Lage sind, ihren Kindern Halt und Geborgenheit zu vermitteln.
- Für die Christen, die das Evangelium als Lebensgrundlage und als Herausforderung in ihrem Alltag zu leben versuchen.

Herr Jesus Christus, in der Kraft deines Evangeliums kann unsere Welt heilig und gerecht werden. Dir sei Ehre und Dank, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Anton Seeberger

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