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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Fronleichnam
Lesejahr B
Begrüßung und Einführung
Fronleichnam, zu deutsch: »Leib des Herrn«, feiern wir heute! Dass in einem einfachen Stück Brot Gottes Sohn selbst unter uns ist, das ist uns zur lieben Gewohnheit, ja Selbstverständlichkeit geworden in jeder Eucharistiefeier. Aber es ist nicht selbstverständlich. Es stellt alle unsere Maßstäbe und Gewohnheiten auf den Kopf, dass sich Gott, der allgewaltige Schöpfer der Welt, wehrlos in unsere schwachen Hände gibt. Und er will jedes Mal, wenn wir ihn empfangen, unser Leben verändern.
Öffnen wir uns für die Begegnung mit ihm, unserem Herrn Jesus Christus, der jetzt Gastgeber ist und Speise zugleich.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist jetzt mitten unter uns.
Herr, erbarme dich.
Du willst unser Leben heilen und verwandeln.
Christus, erbarme dich.
Du bleibst bei uns, wenn wir in unseren Alltag zurückkehren.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Guter Gott,
grenzenlos ist deine Liebe zu uns Menschen. In deinem Sohn Jesus Christus gibst du dich ganz und gar in unsere Hände, um uns zu beschenken mit Leben in Fülle.
Erneuere unser Denken, Reden und Tun, damit wir dich würdig und voll Freude aufnehmen in unser Leben, dass wir dich zu den Menschen tragen können, die hungern nach dir und deiner Gerechtigkeit.
Darum bitten wir dich, Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröf fnung
GL 258,1–2.4 »Lobe den Herren«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 176/5 »Der Kelch, den wir segnen« mit Nr. 34A aus dem Kantorenbuch
zum Gotteslob oder
GL 634,3–5 »Wir, die wir alle essen von dem Mahle« und
GL 531/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 537,1–3 »Beim letzten Abendmahle«
Gesang zur Kommunion
GL 546,1–2.5 »Gottheit tief verborgen« (ggf. Aussetzung)
Dankhymnus/Schlusslied
GL 257,1.5.10 »Großer Gott, wir loben dich«

Fürbitten
Jesus Christus, Bruder und Herr, im Brot der Eucharistie bist du mitten unter uns, du schenkst uns neues Leben. Wir bitten dich für Menschen, die nach diesem Leben hungern.

– Für alle Einsamen, Alleingelassenen, für die von Krankheit und Ängsten gepeinigten Menschen. (GL 358,3 »Lasset zum Herrn uns beten: Herr, erbarme dich ...«)
– Für die Opfer von Krieg, Vertreibung, Hunger und Naturkatastrophen.
– Für die verschiedenen christlichen Kirchen, die auf dem Weg zur Einheit und Eucharistiegemeinschaft so schwer vorankommen.
– Für alle, die bereit sind, dich durch ihr Reden und Handeln zu den Menschen zu tragen.
– Für alle, die in unseren Gemeinden keine Sehnsucht mehr nach dem Leben spüren, das du uns im Brot der Eucharistie schenkst.
– Für unsere Verstorbenen, die wir dir in der Hoffnung auf das ewige Leben anvertrauen.

Ja, erbarme dich, Herr. Sei bei uns und stärke uns durch deinen Leib und dein Blut, nicht nur in dieser Feier, sondern in unserem ganzen Leben, Tag für Tag. Amen.

Wir Christusträger

Vorüberlegungen
Zum Text: Mk 14,13–16.22–26 Evangelium)

Prägend für die Tradition des Fronleichnamsfestes ist die Fronleichnamsprozession, bei der Christus in Gestalt der Eucharistie aus der Kirche heraus in Dorf oder Stadt getragen wird. Auch wenn es nicht mehrüberall Fronleichnamsprozessionen gibt, sind sie doch den Kirchenbesuchern ein Begriff. Allerdings besteht die Gefahr, dass dieser Brauch vor allem als katholische Folklore wahrgenommen wird. Die Predigt ist ein Versuch, eine neue Verbindung zwischen dem Brauch der Fronleichnamsprozession und dem persönlichen Glaubensleben herzustellen und damit der Prozession wieder einen Sitz im Leben der Christen zu geben.
Sie setzt an am Grundgedanken der Fronleichnamsprozession, Christus in das alltägliche Leben der Gemeinde hineinzutragen, und überträgt dieses gemeinsame Tun ins persönliche Tun eines jeden Christen. Die Predigt ist also nicht in erster Linie Auslegung des Evangeliums. Dieses bietet den Abendmahlsbericht des Markus (den zweitältesten neben Paulus in 1 Kor 11,23–25) und damit die biblische Grundlage der Eucharistie und des (im Mittelalter eingeführten) Fronleichnamsfestes. In der Gemeinde des Evangelisten hatte die Feier der Eucharistie wohl schon eine feste rituelle Form gefunden, so überliefert er auch die Worte Jesu in knapper, fast liturgisch klingender Sprache ohne weiteres erklärendes Beiwerk.
In dieser Weise sind sie auch den Mitfeiernden in der Regel gut vertraut. Es ist daher meines Erachtens zu verantworten, die Auslegung des Evangeliums einmal zugunsten des Festtagsbrauchtums hintan zu stellen.
Bei der Predigt wird davon ausgegangen, dass sich eine Fronleichnamsprozession anschließt. Wird der Gottesdienst ohne Prozession gefeiert, sind kleine Änderungen nötig, für die sich im Predigttext Vorschläge finden.

Predigt

Christophorus – Prototyp der Christusträger

Erinnern Sie sich an die Legende vom heiligen Christophorus? Da war ein großer, starker Mann, der zog aus, um dem mächtigsten Herrn der Welt zu dienen. Zuerst kam er zu einem König. Alle fürchteten sich vor ihm, und der Mann trat in seinen Dienst. Aber eines Tages erfuhr er, dass auch der mächtige König vor einem anderen Angst hatte: vor dem Teufel. Der war also noch mächtiger! Der Mann ging weiter und diente nun dem Teufel. Als er aber mit dem Teufel einem Kruzifix begegnete, fürchtete sich dieser und konnte dem Gekreuzigten nicht nahe kommen. So beschloss der Mann, Christus zu dienen, dem Mächtigsten dieser Welt. Da ihm aber das Beten ebenso wenig lag wie das Fasten um Christi Willen, ließ er sich an einem Fluss nieder, um die Reisenden sicher durch das Wasser zu tragen. Durch seine Größe und Kraft fiel ihm das nicht schwer. Eines Tages aber kam ein kleines Kind und er nahm es auf seine Schulter. Auf dem Weg wurde ihm das Kind so schwer, dass ihn die Last fast erdrückte. Am anderen Ufer sagte das Kind zu ihm: Du hast den getragen, der die Last der ganzen Welt auf sich genommen hat. Du bist Christophorus, das heißt: Christus-Träger.

Heute werden alle zu Christus-Trägern

Warum erzähle ich Ihnen diese alte Legende heute, am Fronleichnamsfest? Weil an diesem Fest etwas ganz Ähnliches geschieht: Menschen werden zu Christus-Trägern. Wir feiern das heilige Mahl, empfangen Leib und Blut Christi, Christus selbst. Anschließend ist es (bei uns und) an vielen Orten Brauch, ihn, Christus in der Gestalt des eucharistischen Brotes in der Monstranz hineinzutragen in die Straßen der Gemeinde. Überall, wo eine Fronleichnamsprozession stattfindet, werden Menschen zu Christus-Trägern!
Aber das geschieht nicht nur heute und nicht nur bei der Prozession. Es geschieht, nur weniger augenscheinlich, in jeder Eucharistiefeier: Wir empfangen Christus in der Kommunion, wir nehmen ihn in uns auf und tragen ihn mit uns hinein in unsere Häuser, in unser Leben. Alle, die am heiligen Mahl teilnehmen, werden zu Christus-Trägern! Das ist es, woran uns die Fronleichnamsprozession sichtbar erinnert: Christus will nicht zurückbleiben, wenn wir die Kirche verlassen. Wir tragen ihn mit uns. Er geht mit hinein in unser Leben.

Würdige Trage-Gefäße für Christus

Das Gefäß, in dem wir bei der Fronleichnamsprozession Christus in unser Leben tragen, nennen wir Monstranz, auf deutsch heißt das schlicht: Vorzeigegefäß. Aus edelstem Material ist die Monstranz aufwändig hergestellt, weil sie das Edelste, Wertvollste trägt, was es für uns gibt, Christus selbst. Und wir Christus-Träger? Aus welchem Material sind wir? Wie müssen wir Menschen beschaffen sein, dass wir würdig sind, Christus zu tragen? Die Legende vom heiligen Christophorus kann uns hier weiterhelfen: Er wollte Christus dienen. Christus dienen heißt, nach seiner Botschaft leben, seinen Worten folgen, mit den Menschen so umgehen, wie er es getan hat. Und das tat Christophorus mit dem, was er konnte. Er konnte nicht fasten oder beten. Er konnte Lasten tragen. Also diente er Jesus damit.
Und das gilt auch für uns: Wir müssen uns nicht umkrempeln, unser Leben völlig verändern. Wir müssen nicht lassen, was wir gerne tun und gut können, um Christus zu dienen. Es gilt zu überlegen: Wie kann ich meine Stärken in den Dienst Jesu stellen? Im ganz alltäglichen Leben?

Christus dienen konkret

Praktisch kann das heißen: Du kannst gut beten? Dann bete auch für die Mitmenschen, die es derzeit nicht können, aus welchen Gründen auch immer. Du kannst praktisch zupacken? Dann tu es nicht nur für dich und die Deinen, sondern auch für andere. Du hast eine gute Hand für Geld und Geschäft? Dann gib vom Erwirtschafteten großzügig den Armen. Du bist eine gute Sportlerin? Dann setz dich ein für Fair Play und eine gute Gemeinschaft. Du bist Hausfrau oder Hausmann? Sei unkompliziert gastfreundlich. Du bist ein guter Schüler? Sei kein Streber, der nur für sich selbst lernt. Hilf denen, die sich schwer tun.
Es gibt für jeden und jede von uns die eigene, ganz persönliche Möglichkeit, Christus zu dienen und so gute, würdige Christus-Trägerinnen und -Träger zu werden. Edles Metall wie für die Monstranz brauchen wir dazu nicht. Aber die Bereitschaft, uns mit unserem Können für Gott und die Menschen einzusetzen.

Gute Christus-Trägerinnen und -Träger geben ein glaubwürdiges Zeugnis

Immer wieder trifft uns Gottesdienstbesucher der Vorwurf, wir würden zwar sonntags fromm in der Kirche sitzen, aber im Alltag würde man von unserem Glauben nichts merken. Ganz oft ist dieser Vorwurf bestimmt unberechtigt. Ist er aber berechtigt, dann ist das schlimm! Wenn in unserem täglichen Leben der Christus nicht auftaucht, den wir im Gottesdienst empfangen haben, dann haben wir unsere Aufgabe als Christus-Träger verraten.
Deshalb: Haben Sie Mut, Christus-Träger zu sein wie Christophorus! Sie brauchen dazu nicht perfekt zu sein wie die Monstranz, deren Kunsthandwerk wir bewunden. Sie brauchen dazu nur das zu tun, was Sie können, und das mit Liebe im Herzen, mit Entschiedenheit, und mit dem Bewusstsein, dass Sie es als Dienst für Jesus Christus tun.
Und Sie brauchen keine Angst zu haben, dass Ihre Fähigkeiten nicht ausreichen oder die Kraft ausgeht! Denn was Sie brauchen, das schenkt Ihnen Jesus schon hier, an seinem Tisch. Das haben Sie also schon empfangen, bevor Sie den ersten Schritt als Christus-Träger getan haben. Tragen wir also nachher wieder Christus in unser Leben hinein, in die Straßen, Häuser und Wohnungen. Nicht nur heute an Fronleichnam, sondern Woche für Woche, Tag für Tag. Denn dort, mitten im Leben, möchte er sein und heilsam wirken.

Stefan Möhler

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