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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
24. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B
Begrüßung und Einführung
Das Bild, das die Öffentlichkeit von uns hat, ist nicht immer das beste. Unverständnis, das Interesse an negativen Schlagzeilen, sicher auch das Beispiel, das wir als Christen abgeben, sind nur ein paar Stichworte für die möglichen Gründe.
Entscheidender aber als die Frage, wie die Kirche in der Öffentlichkeit gesehen wird, ist die Frage: Was halten die Menschen von Jesus von Nazaret? Wie stehen sie überhaupt zu Gott? Diese Frage stellt sich auch uns, die wir uns aufmachen, Christus nachzufolgen. Wer ist Jesus Christus für mich? Wahrscheinlich können wir diese Frage nicht mit wenigen Worten beantworten, sondern brauchen unser ganzes Leben lang dazu. Was wir aber alle gemeinsam sagen können ist: Jesus Christus ist der, um den herum wir uns Sonntag für Sonntag versammeln. Er ist jetzt für uns die Mitte.

Kyrie-Ruf
GL 485 »Herr, erbarme dich«

Tagesgebet
Menschenfreundlicher Gott,
du bist mit unserem Innersten besser vertraut als wir selbst. Du weißt, wie sehr wir deiner Hilfe und deines Zuspruchs bedürfen. Du bist mitten unter uns, wenn wir jetzt das Wort des Evangeliums hören und in Jesu Namen das Brot miteinander brechen.
Lass uns mit Christus unverzagt und hoffnungsvoll den Weg des Glaubens gehen, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 519 »Komm her, freu dich mit uns, tritt ein«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 624 »Auf dein Wort, Herr, lass uns vertrauen« und
GL 530/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 618 »Brich dem Hungrigen dein Brot«
Gesang zur Kommunion
GL 634 »Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 622 »Hilf, Herr meines Lebens«

Fürbitten
Als den Messias hat Petrus einst den Herrn bekannt, zu ihm wollen wir beten:

- Für die Christen, die sich mit ihrem Glauben schwer tun, die nach Halt und Orientierung in ihrem Leben suchen und scheinbar keine Antwort erhalten.
(Christus, höre uns – Christus, erhöre uns.)
- Für Frauen und Männer, die in der Politik und Öffentlichkeit für die Würde eines jeden Menschen und für mehr Gerechtigkeit eintreten.
- Für Menschen in den Kriegsgebieten dieser Erde, die sich nichts sehnlicher wünschen als Frieden und Sicherheit.
- Für die Kranken aus unserer Gemeinde und für alle, die sich um sie kümmern und sorgen.
- Für die Verstorbenen und für alle, die über den Verlust eines lieben Menschen nicht hinwegkommen und von der Last des Lebens niedergedrückt sind.

Guter Gott, du hast uns deinen Sohn Jesus Christus gesandt, damit wir in deiner Nähe leben können. Dafür sagen wir dir Dank, heute und alle Tage. Amen.

»Fragen ohne Antwort?«


Vorüberlegungen
Zum Text: Mk 8,27–35 (Evangelium)

In der Frage nach Jesus spiegelt sich die Frage nach dem Menschen wider. Um die Frage Jesu: »Für wen haltet ihr mich?« angemessen beantworten zu können, ist es darum nicht unwesentlich zu wissen, für wen wir uns selbst halten. Die Predigt verfolgt darum die Intention nachzuspüren, was die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils meinten, als sie formulierten: »Jeder Mensch bleibt vorläufig sich selbst eine ungelöste Frage, die er dunkel spürt. Denn niemand kann in gewissen Augenblicken, besonders in den bedeutenderen Ereignissen des Lebens, diese Frage gänzlich verdrängen. Auf diese Frage kann nur Gott die volle und ganz sichere Antwort geben; Gott, der den Menschen zu tieferem Nachdenken und demütigerem Suchen aufruft.« (GS 21)

Predigt

Der Mensch als Maß aller Dinge

Wenn wir heute manche politischen Diskussionen verfolgen oder uns auf dem Buchmarkt umschauen, so können wir je nach Standpunkt leicht den Eindruck gewinnen, die Menschheit befinde sich entweder auf einem aufsteigenden Ast oder aber in einem gefährlichen Abwärtstrend. Die einen werten die Entspannung zwischen Ost und West und die europäischen Annäherungen als Indizien für einen Erfolgskurs der Menschheit, während sich andere angesichts der drohenden Umweltkatastrophe, der Finanzmarktkrise und der Konfliktherde in Afghanistan oder im Nahen Osten darin bestätigt fühlen, dass wir Menschen nichts dazulernen, sondern im Laufe unserer Geschichte nur ständig neue und letztlich unlösbare Probleme schaffen.
So verschiedenartig die Standpunkte auch sein mögen, eines ist ihnen gemeinsam: Es sind immer wir Menschen, die im Mittelpunkt der Weltbetrachtung stehen und darin zeigt sich ein wichtiges Merkmal unserer Zeit: Mögen die politischen und ideologischen Positionen auch noch so verschieden sein, in einem kommen sie alle überein, ohne sich je abgesprochen zu haben: Niemand, der die heutige Weltlage in den Blick nimmt, kann von uns Menschen absehen. Wir stehen wie nie zuvor im Mittelpunkt der Weltbetrachtung. Jedes Reden über die momentane Situation, jede Analyse der Weltlage, ja jede Erklärung der Welt muss sich heute daran messen lassen, inwieweit sie die Situation und die Empfindungen der Menschen in rechter Weise zur Sprache kommen lässt.
Ebenso sind wir Menschen in das Interesse der Wissenschaften gerückt. Wie viele unterschiedliche Wissenschaften wenden sich uns Menschen zu! Ob es der Verhaltensforscher Konrad Lorenz oder der Psychologe Sigmund Freud waren, alle versuchen sie uns Menschen zu durchleuchten und zu erklären. Neurobiologen erforschen unsere Gehirnwindungen und manche von ihnen sprechen uns dabei Freiheit und Bewusstsein ab. Wir sind zum Zankapfel der Wissenschaften geworden und darüber hinaus zum Maßstab von allem.

Der Mensch als Maß kirchlicher Verkündigung

Auch die kirchliche Verkündigung kann heute nicht mehr vom Menschen absehen. Sie muss von uns ausgehen, unsere Situation, unsere Empfindungen, Ängste und Hoffnungen aufgreifen und ihnen im Reden von Gott gerecht werden. »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen
Widerhall fände.« So formulierten die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Alles religiöse Reden bleibt leer und nichtssagend, wenn wir uns darin nicht wieder finden. Entweder die kirchliche Verkündigung holt mich ab, geht auf mich ein, oder aber sie bleibt mir fremd und damit gleichgültig.

Der Mensch als Geheimnis

Ein großer Theologe, der sich unermüdlich um eine richtige, der Situation der Menschen gerecht werdende Theologie bemühte, war der Jesuit Karl Rahner. Sein Verständnis von uns Menschen lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen: Wir sind ein Geheimnis.
Wie treffend Rahner damit unser Gefühl und unsere Empfindungen zur Sprache bringt, zeigt sich, so denke ich, immer wieder aufs Neue. Wie oft fällt es mir schwer, mich selbst zu verstehen, und wie sehr bleibt mir der andere oft unzugänglich, fremd und rätselhaft? Ist nicht unser Zusammenleben erschwert und belastet von Missverständnissen und Unverständnis? Auch manche Weltereignisse bleiben für uns rätselhaft, sodass uns leicht das Gefühl der Leere, der Hilflosigkeit und der Ohnmacht beschleichen kann. Wie wird es weitergehen mit dem Bevölkerungswachstum? Werden wir die Umweltprobleme, die sich uns derzeit stellen, jemals lösen können? In welchem Maße werden die aufblühenden Länder in Fernost die Weltwirtschaft zukünftig bestimmen?

Frage und Antwort

Ich bin mir selbst ein unendliches Geheimnis, weil ich Fragen habe und ständig neue Fragen stelle, auf die ich selbst keine Antwort parat habe.
Wie aber gehen wir heute mit dieser Antwortlosigkeit um? Wie werden wir damit fertig, dass sich uns gerade das, was für unser Verständnis und für unsere Zukunft als so wichtig erscheint, unserer Erkenntnis entzieht? Unsere Gesellschaft, so hatte es einmal der verstorbene Bischof Georg Moser sinngemäß ausgedrückt, gleicht einer Bahnhofshalle, in der Menschen suchend, fragend und oft richtungslos umherirren, ständig auf der Suche nach dem richtigen Gleis ihrer Lebensreise.
Wer gibt uns Antwort auf unser Fragen und Suchen? Für uns ist dieses Wort in Christus Jesus ergangen, mehr noch: Fleisch geworden. Doch ist er auch Antwort auf meine Fragen? »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?«, so fragte Jesus die Jünger und so fragt er auch mich: »Du aber, für wen hältst du mich?« Welchen Platz nehme ich in deinem Leben ein? Bin ich dir Antwort inmitten deiner Freude und Hoffnung, Trauer und Angst?

»Du bist der Messias«

Petrus spricht für alle, die mit Jesus vertraut sind, und seine Antwort trifft den Kern: »Du bist der Messias.« Das heißt doch, du bist der, nach dem wir suchen und fragen, du bist der, in dem uns das wahre und echte Bild von uns Menschen aufleuchtet, du bist der, der unseren Hunger nach Leben stillt.
Petrus hat wohl gespürt, dass ihm hier einer gegenübersteht, der nicht nur mit dem Leben vertraut ist, die Bedürfnisse, Nöte, Sorgen und Hoffnungen der Menschen kennt, sondern der auch Antworten geben kann, so machtvoll wie niemand anders: »Sie waren erstaunt über seine Lehre, er lehrte in der Weise eines, der Macht hat« (Mk 1,22).
All dies hatte Petrus erkannt, und doch musste er erfahren, dass Gottes Antwort auf unsere menschlichen Fragen oft anders ausfällt, als wir uns dies erhoffen und ausmalen. Zum Bekenntnis: »Du bist der Messias«, gehört auch die Verleugnung: »Ich kenne diesen Jesus nicht!« und die Erkenntnis, dass Gottes Wege nicht unsere Wege sind, dass das Leben erst durch den Tod, durch das Kreuz hindurch zu seiner Erfüllung gelangt.
Um in Jesus wirklich das befreiende Wort erfahren zu können, müssen zuvor all die falschen Vorstellungen und Bilder, die wir uns von uns und anderen machen, in uns absterben. »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst.« Aber von eigenen Gedanken, Ideen und Wunschvorstellungen, von eigenen Antwortversuchen einfach Abschied zu nehmen, fällt wohl keinem von uns leicht, aber billiger, so gibt Jesus uns unmissverständlich zu verstehen, ist die Befreiung zu einem geglückten Leben nicht zu haben.

Christoph Böttigheimer

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