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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Christi Himmelfahrt
Lesejahr B
Einführung
Unsere Gottesdienstfeier ist immer ein Fest der Erinnerung an den wichtigsten Bezugspunkt unseres Lebens, an Gott. Jeder weiß, wie oft wir diesen Bezugspunkt aus den Augen verlieren. Wenn wir Gottesdienst feiern, treten wir aus dem Alltag ein paar Schritte heraus und betrachten unser Leben unter dem Blickwinkel des Evangeliums. Die Rückkehr Jesu zu seinem Vater, dorthin, wo er von Anfang an hingehörte, steht im Mittelpunkt des heutigen Evangeliums Begrüßen wir den Herrn in unserer Mitte und rufen wir um sein Erbarmen.

Kyrie-Ruf
Herr, du bist deinem Vater treu geblieben durch Leiden und Tod hindurch.
Herr, erbarme dich.
Herr, du hast die Dämonen dieser Welt entmachtet.
Christus, erbarme dich.
Herr, du sitzt zur Rechten des Vaters.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott,
du hast die Welt nicht sich selbst und ihren eigenen Zwängen überlassen.
Vielmehr hast du uns deinen Sohn gesandt, der dein Reich unter den Menschen aufgerichtet hat.
Dafür danken wir dir und bitten dich: Stärke uns in dieser Feier, damit wir dich als den wichtigsten Bezugspunkt unseres Lebens nicht aus den Augen verlieren.
Darauf hoffen wir und darum bitten wir durch Jesus Christus unseren
Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröf fnung
GL 229 »Ihr Christen hoch erfreuet euch«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 230 »Gen Himmel aufgefahren ist«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 490 »Was uns die Erde Gutes spendet« oder
GL 826 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Erhabner
Fürst der Ewigkeit«
Gesang zur Kommunion
GL 617 »Nahe wollt der Herr uns sein«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 228 »Christ fuhr gen Himmel«

Fürbitten
Guter Gott, du hast deinen Sohn auf die Erde gesandt und uns gezeigt, wie sehr wir dir am Herzen liegen. Daher rufen wir zu dir und bitten dich:

– Für alle, die sich in der komplexen Welt nicht zurechtfinden und in der Gefahr sind zu resignieren.
– Für alle, die sich schwer tun, Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden, und sich von vielen Zwängen eingeengt sehen.
– Für alle, die den Namen Christi tragen und durch die Taufe Anteil an deinem Leben haben.
– Für alle, die dich suchen und sich schwer tun, dich zu finden.

Du, Gott, willst, dass wir frei werden von falschen Zwängen. Wir hoffen auf dich und vertrauen dir. Amen.

Wo gehören wir hin?

Vorüberlegungen
Zum Text: Mk 16,15–20 (Evangelium)

Die vorliegende Predigt geht davon aus, dass das Evangelium mit der Himmelfahrt eine Bildersprache verwendet, um eine Botschaft zu übermitteln. Es geht also nicht um die Beschreibung eines Vorgangs, bei dem sich etwa die Frage stellt, wie man sich die Auffahrt in den Himmel vorzustellen hat. Das Bild von der Aufnahme in den Himmel stellt den Endpunkt des Weges Jesu dar. Er kehrt dahin zurück, wo er herkommt und wo er auch hingehört. Daher dreht sich die Predigt nicht um die Himmelfahrt als Ereignis, sondern um die Frage, wie Jesus diese Spannung gestaltet hat zwischen in der Welt sein und in den Himmel, also zur Rechten Gottes gehören. Eben diese Spannung gehört zum Leben jedes Getauften. Dieser Spannungsbogen beginnt mit der Taufe.
Die Predigthörer sollen hineingenommen werden in das Himmelfahrtsbild. Sie sollen nicht zum passiven Betrachten eines bestenfalls spektakulären Himmelfahrtsereignisses gemacht werden. Vielmehr sind die Glaubenden und Getauften Teil des verwendeten Bildes. Die Taufe ist für den Getauften der Beginn eines Weges, bei dem er, wo immer er sich befindet, in Gott verankert ist. Wertvolle Impulse für die Interpretation des Himmelfahrtsbildes gab mir der Kommentar von Eugen Drewermann, Das Markusevangelium, Zweiter Teil, Olten und Freiburg im Breis gau 3. Aufl. 1990, 723 ff.

Predigt

Rückkehr Jesu dahin, wo er hingehörte

Wie immer, wenn Entscheidendes von Jesus erzählt wird – es kommt im Neuen Testament nicht spektakulär daher. Auch die sogenannte Himmelfahrt. Fast beiläufig kommt der Schluss des Markusevangeliums darauf zu sprechen: »Nachdem Jesus dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.« Und doch ist dieser Hinweis wichtig. Er liegt auf der Linie des Markusevangeliums, das uns durch seine Geschichten zur Erkenntnis führen will: Jesus war Gottes Sohn. Am Ende seines Weges kommt er dort an, von wo er ausgegangen ist und wo er hingehört: zur Rechten Gottes. Das ist der Standort, von dem aus er die Welt betrachtet und verändert hat. Nur so konnte er in der Unordnung der Welt die Gesetzmäßigkeiten Gottes, das Reich Gottes aufrichten. Himmelfahrt ist die bildliche Beschreibung dafür, dass die Welt mit ihren Gesetzmäßigkeiten, die ihm Leiden und Tod brachten, eben nicht das Letzte für ihn ist. Es klingt paradox, aber es ist so: Er konnte seine Aufgabe in der Welt nur erfüllen, weil er nie aus den Augen verlor, wo er hingehörte und wo sein eigentlicher Bezugspunkt war, nämlich zur Rechten Gottes.

Taufe als Beginn unserer »Himmelfahrt«

Im Glauben an ihn und in der Nachfolge sind wir auf einem vergleichbaren Weg. Wir gehören durch die Taufe zu einer Welt, die nach den Maßstäben Gottes neu geschaffen wird. Das meint das Evangelium, wenn es sagt: »Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.« Wer glaubt und sich taufen lässt, der lebt zwar nach wie vor in dieser Welt, aber er gehört zu einer neuen Welt Gottes. Durch die Wiedergeburt der Taufe treten wir in einen neuen Bezug zu dieser Welt. Wir gehören Gott und bekommen dadurch unsere Größe und Würde als Mensch. Wir können Mensch sein bzw. Mensch werden. In der Taufe bekommen wir unseren eigentlichen Bestimmungsort, nämlich bei Gott. Im Bild der Himmelfahrt gesprochen fängt in der Taufe unsere »Himmelfahrt« an. Es wird deutlich, wo wir hingehören.

Neue Freiheit durch Taufe und Glaube

Durch Glaube und Taufe treten wir in eine neue Beziehung zur Welt. Wir sind ihr nicht mehr ausgeliefert, wie man zum Beispiel dämonischen Mächten ausgeliefert ist. Die vielen Gesetzmäßigkeiten der Welt sind trotzdem noch da, aber sie verlieren ihren Absolutheitsanspruch und damit auch ihre dämonische Wirkung. Wir bekommen tagtäglich vor Augen geführt, wie verheerend es ist, wenn die menschlichen Gesetze des Geldes, der Macht, der Wirtschaft, des Staates, aber auch der Kirche mit Absolutheitsanspruch daherkommen und quasi göttliche Züge annehmen. Wer zu Gott gehört, kann ihm allein die göttlichen Züge überlassen. Wenn der Evangelist betont, dass der, der nicht glaubt, verdammt wird, dann ist das wohl so zu verstehen: Wer nicht glaubt, bleibt den dämonischen Mächten ausgeliefert. Die Aussage ist nicht als Strafandrohung gemeint, sondern als Beschreibung eines Zustands. Wer nicht glaubt, bleibt in solchen dämonischen Absolutheitsansprüchen heillos verstrickt. Der aber, der glaubt, hat einen Bezugspunkt über die Welt hinaus. Die Dämonen verlieren ihre Macht, die Schlangen ihr tödliches Gift und Krankheiten ihre verheerende Wirkung. Es entsteht eine neue Freiheit in einer Ordnung, in der wir unterscheiden können, was heilsam und unheilvoll ist, was wesentlich und unwesentlich, was absolut und was von relativer Bedeutung ist.
Der Ort, wo wir hingehören, ist bei Gott. Dieser feste und verlässliche Bezugspunkt nimmt den vielen Gefahren und sogar den dämonischen Seiten unseres Lebens die tödliche Wirkung.
Das ist Grund genug, die Botschaft weiterzusagen, wie es uns das Evangelium aufträgt.

Josef Birk

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