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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Fest der Taufe des Herrn
Lesejahr B
Einführung
Mit diesem Sonntag klingt die weihnachtliche Festzeit aus. Wir begehen den Festtag der Taufe Jesu. Dieser Tag erinnert daran, dass Jesus sich am Jordan von Johannes taufen ließ.
Er will uns aber auch an unsere eigene Taufe erinnern. Bei unserer Taufe ist das geschehen, was sich damals bei der Taufe Jesu am Jordan ereignet hat: Über uns hat sich der Himmel geöffnet! Und über uns sprach die Stimme Gottes: »Du bist mein geliebter Sohn! Du bist meine geliebte Tochter!«
Ja – das bedeutet die Taufe: dass wir von Gott bei unserem Namen gerufen sind! Ich wünsche uns, dass wir davon auch heute in unserem Gottesdienst etwas spüren dürfen. Im weihnachtlichen Lied zum Beginn des Gottesdienstes bekennen wir uns dankbar zu Gottes Entgegenkommen und empfangen dabei das geweihte Wasser als Segenszeichen.
GL 134,1.4 »Lobt Gott, ihr Christen alle gleich«

Kyrie-Ruf
Jesus Christus, du kamst in der Kraft Gottes.
Herr, erbarme dich.
Du bist das Zeichen der liebenden Zuwendung Gottes.
Christus, erbarme dich.
Durch dich wird die Trennung zwischen Himmel und Erde aufgehoben.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Guter Gott,
bei der Taufe Jesu am Jordan hast du deinen Sohn beglaubigt und bezeugt. Uns hast du bei unserer Taufe als deine Söhne und deine Töchter angenommen.
Lass uns aus dem Geschenk deiner Zusage und deiner Treue leben.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Bruder und Herrn.

Schlussgebet
Gott, der du uns getreu bist und dessen Treue wir auch hier wieder erfahren haben:
Zerreiß den Himmel über uns. Beende die Trennung zwischen dir und uns. Sprich uns an als deine Söhne und Töchter. Zeige uns, wozu du uns rufst. Führe uns an den Platz, an dem du uns haben willst.
Der du lebst und wirkst in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang nach der Einführung
GL 134,1.4 »Lobt Gott, ihr Christen«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 528/6 »Der Herr schenkt seinem Volk den Frieden« mit Versen aus Psalm 29 (vgl. Die Zwischengesänge der Messfeier, Lesejahr B, Seite 22) und GL 530/1 mit Vers (vgl. Die Zwischengesänge, Seite 22)
Gesang zur Gabenbereitung
GL 635 »Ich bin getauft und Gott geweiht«
Gesang zur Kommunion
GL 290,1–2.5 »Gott wohnt in einem Lichte«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 144,1–2.5 »Jauchzet, ihr Himmel«

Fürbitten
Ewiger, guter Gott, in deinem Sohn bist du Mensch geworden. Du kennst uns und liebst uns. Deshalb bringen wir unsere Bitten voll Vertrauen vor dich:

- Gott, du liebst uns: Wir hören diese Botschaft oft und sind doch so wenig von ihr durchdrungen: Schenke uns einen lebendigen Glauben und ein festes Vertrauen auf dich.
- Gott, du liebst uns: Es ist unser Wunsch, dass dies in unseren Gemeinden zu spüren ist. Schenke allen, die in deiner Kirche Dienst tun, einen weiten Blick, ein offenes Herz und die tiefe, innere Gewissheit des Glaubens.
- Gott, du liebst uns: Doch es gibt Menschen, die an unserer Kirche verzweifeln, weil sie in ihr zu wenig von deiner befreienden Botschaft spüren. Schenke uns die Gabe, alle Menschen, auch die, die anderes denken und fühlen als wir, liebevoll anzunehmen.
- Gott, du liebst uns: Doch wir erleben viele Menschen, die ihren großen Einfluss in Politik und Wirtschaft nur zum eigenen Vorteil nutzen. Schenke du ihnen Erfahrungen mit deiner Liebe, damit sie sich mit ganzem Herzen für ein Ende der Gewalt, des Hungers und der ungerechten Strukturen einsetzen.

Liebendes Du, guter Gott, in deinem Sohn bist du uns entgegen gekommen. Wir vertrauen auf deine Zusage. Wir loben und preisen dich dafür, heute und in alle Ewigkeit. Amen.

Die Taufe: Der Ort der Berufung für Jesus Christus, auch der Ort unserer Berufung

Vorüberlegungen
Zum Text: Mk 1,7–11 (Evangelium)

Diese Perikope führt uns an den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. Dem nackt geborenen Kind von Betlehem in den Kindheitsgeschichten bei Matthäus und Lukas entspricht hier der nackte Erwachsene Jesus, der sich untertauchen lässt in den Fluten des Jordan.
In zwei Abschnitte gliedert sich diese Perikope: Die Ankündigung des Kommenden (Mk 1,8–9) und die Taufe Jesu mit seiner Sendung (Mk 1,9–11). Die Person des Jesus Christus ist gekennzeichnet im Kontrast zur Gestalt des Johannes des Täufers.
Betont wird im griechischen Text von ihm gesagt: Er kommt (Mk 1,9)! Er ist also der Kommende, der Verheißene. Seine Überlegenheit wird angedeutet mit der Gegenüberstellung von Wassertaufe ( Johannes) und Feuertaufe/Geisttaufe ( Jesus).
Überraschend ist, dass Jesus sich der Taufe zur Vergebung der Sünden unterzieht. Das ist ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die in ihrer Unfertigkeit und Unvollkommenheit ständig der Reinigung und Läuterung bedürfen.
Jesus selbst hat in seiner Taufe eine überwältigende Gotteserfahrung: Der Himmel öffnet sich, der Heilige Geist kommt wie eine Taube auf ihn herab, er hört die Stimme Gottes. Damit wird seine Ausrüstung für das messianische Amt beschrieben.
»Du bist mein geliebter Sohn« – mit dieser Zusage ist eine Berufung verbunden. Dieses Wort spricht an auf Jesaja 42,1 – das erste Lied vom Gottesknecht. Es spricht von seiner besonderen Sendung, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten. Und es spricht an auf Psalm 2,7 – ein Wort bei der Proklamation eines neuen Königs. Damit ist sowohl die Hoheit des Kommenden angesprochen als auch die Rolle des Knechtes, der den kleinen, niedrigen Weg des Dienstes am Heil der Menschen wählt.
Der Blick auf Jesus Christus will bei uns Folgen haben: Wir sind eingeladen, in die Fußstapfen Jesu zu treten. Auch für uns ist der Himmel offen. Mit der Zusage vom geöffneten Himmel beschenkt, stehen auch wir unter dem Auftrag, Recht und Gerechtigkeit zu wirken.
In der Predigt soll sowohl die besondere Berufung Jesu als auch unsere eigene Berufung in seiner Nachfolge ausgefaltet werden.

Predigt

Der Kommende

Worte vom Anfang des Markusevangeliums haben wir gehört. Ganz ausdrücklich stehen sie heute auch über dem Anfang des neuen Jahres. Das Kommen des großen Herrn wird da ausgerufen. Und sein Kommen will Folgen haben!
Unser Evangelist hält sich dabei nicht auf mit den Kindheitsgeschichten, wie etwa die Evangelisten Matthäus und Markus. Er stellt uns gleich den erwachsenen, den großen Jesus vor, und das im Gegenüber zu Johannes dem Täufer.
In dieser Konfrontation gewinnt der kommende Christus sein Profil: Jesus zieht wohl anschließend auch in die Wüste hinaus wie Johannes. Aber von dort wird er aufbrechen, wird hingehen zu den Menschen, von Ort zu Ort: in die Gebetshäuser, auf die Plätze, an die Tore der Städte. Er kehrt ein bei den Menschen. Er wendet sich den Menschen am Rande zu, den Kranken, den Ausgesonderten, den Verurteilten, den öffentlichen Sündern. Er hat keine Scheu. Er verkündet den Gott der Vergebung, den Gott, der keinen verloren gehen lässt, den Gott, der auch dem einzelnen, verlorenen Schaf nachgeht. »Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken!« Das ist sein Leitwort. Und: »Als er die Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen!« Und: »Er heilte viele, die man zu ihm brachte!« Das ist die Sendung, zu der Jesus hinfindet – nach seiner Begegnung mit Johannes am Jordan und im Kontrast zu ihm.

Der Stärkere

Und das spricht Johannes selbst im heutigen Evangelium aus: Jesus ist der Stärkere! Aber zugleich wird deutlich: Stärker ist Jesus nicht durch eigene Kraft, nicht durch Eigen-Mächtigkeit. Was er ist, das ist gottgeschenkt.
Wenn wir stark sein wollen, dann bemühen wir uns in der Regel, möglichst keine Schwäche zu zeigen, keine Fehler zuzugeben.
Die Stärke, die Jesus zeigt, ist anders: Es ist seine unbedingte Liebe: die Liebe, in der er sich selbst ganz und gar verschenkt. Seine Stärke ist am Ende seine wehrlose Liebe am Kreuz. Eine Liebe, in der er die Arme ausbreitet und alle gleichsam in seine Arme nehmen will. Diese Liebe ist stärker als der Tod. Nichts Schwächliches, nichts Weichliches, nein – durch und durch Stärke.

Die Berufung

In der Taufe am Jordan wird Jesus zu dieser Sendung berufen. In drei Bildern empfängt er sie:
Der Himmel ist über ihm geöffnet – will sagen: In Jesus ist Gott ganz zugänglich; in ihm hat er sein Herz aufgeschlossen; in ihm ist der Himmel gleichsam durchlässig; die Strahlen von Gottes Güte, Gottes Barmherzigkeit und Liebe sind an ihm ablesbar. Gott leuchtet auf in seinem Wort, in seinem Wirken, in seiner liebenden Zuwendung.
Der Geist Gottes kommt auf ihn herab wie eine Taube – will sagen: Gott selbst ist gegenwärtig in seiner Kraft. Gottes Geist wirkt ein auf diese Welt .Und Jesus Christus selbst ist erfüllt von seiner Kraft. Er ist von ihm ganz und gar geführt, von ihm ganz und gar durchdrungen, Die Stimme vom Himmel sagt: »Du bist mein geliebter Sohn« – will sagen: Gott erscheint nicht als einer der Mächtigen dieser Welt. Er zeigt sich vielmehr in einem demütigen Menschen, der sich still und wortlos in die Schar der Sünder einreiht, mitten unter den Menschen in den Fluten von Hass, Neid und Widerspruch! Er zeigt sich in einem Menschen, der gehorsam seinen Weg geht, in äußerster Solidarität mit den Menschen: der aber in seinem Wirken auch unerbittlich für Recht und Gerechtigkeit eintritt, der für die Schwachen und Beiseitegeschobenen Partei ergreift.

Seine Taufe und unsere Taufe

Jesus Christus wird gerade in seiner Taufe als der Kommende ausgerufen, als der Zeuge, der Botschafter Gottes, als der offene Himmel. Seine ganze Sendung leuchtet schon hier auf.
Die Bilder des Evangeliums bleiben irgendwie offen. Sie fragen uns danach, was uns unsere eigene Taufe bedeutet. Sie fordern uns heraus, selbst auch Stellung zu beziehen.
Unsere Taufe – zunächst einmal schenkt sie auch uns die wunderbare Zusage, dass wir unter dem geöffneten Himmel leben dürfen. Wir sind in Gottes Blick. Wir sind beschenkt mit dem Geist Gottes. Wir dürfen seine Zusage auch für uns hören: »Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter.«
Diese Zusage macht uns stark: Stärker als all die Mächte, die in dieser Welt und in unserem Leben manchmal so stark auftreten. Stärker etwa als die Ängste, die uns bisweilen lähmen. Stärker als die Last unserer Vergangenheit, unseres Versagens, unserer Schuld, die uns nach unten ziehen. Stärker als die Hoffnungs- und Mutlosigkeit, die uns bisweilen besetzt halten. Wir brauchen uns nicht klein machen zu lassen. Durch Gottes Zusage in der Taufe sind wir stark.
Aber wenn wir auf Jesu Taufe und seine Berufung schauen, erkennen wir, dass auch in unserer Taufe eine Herausforderung liegt:
In der Kraft Gottes aufzustehen, angstlos für Recht und Gerechtigkeit einzutreten, wo Menschen und ganze Personengruppen nicht zu ihrem Recht kommen, wo ihre Rechte mit Füßen getreten werden, wo sie nicht mit ihren Gaben und Fähigkeiten, mit ihren Schwächen und Verletzungen wahr genommen werden.
In der Kraft Gottes uns unerschrocken einzumischen in die öffentliche Diskussion, in den politischen Diskurs in unserer Stadt und in unserem Land, wo die Kleineren und die Schwächeren bei Seite geschoben werden.
Vor allem unser eigenes kleines Umfeld im Blick zu behalten und Partei zu ergreifen, auch auf die Gefahr hin, dass wir uns damit keine Freunde schaffen.

Das Vorzeichen über diesem Jahr, über unserem Leben

Wenn wir heute dieses Evangelium hören, dann will das auch wie ein ermutigendes und zugleich herausforderndes Vorzeichen über diesem neu begonnenen Jahr sein.
Es sagt uns: Nicht eine Lehre, nicht ein Gesetz, nicht die Sternzeichen, nicht irgendwelche klugen geistliche Weisheiten sollen das Sagen haben über diesem Jahr, über unserem Leben, sondern Jesus Christus, die kraftvolle, liebende Zuwendung Gottes in Person. Seine Sendung will auch unsere Sendung werden.
Ihn dürfen wir mit uns nehmen in das neue Jahr hinein. Als Getaufte wissen wir uns mit seiner Kraft ausgerüstet. Warum sollten da die Menschen um uns herum nicht spüren: Da ist der Himmel ein gutes Stück geöffnet!

Wolfgang Schrenk

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