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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Fünfter Fastensonntag
Lesejahr A
Lebensodem statt Modergeruch

Predigt
Zum Text: Ez 37,12b-14 (1. Lesung)

Mumien, Sarkophage und menschliche Knochen …

Unzählige Menschen haben die Mumienausstellung in Mannheim schon besucht, die noch bis 24. März 2008 zu sehen ist. Diese mumifizierten Leichname aus verschiedenen Epochen und Regionen der Welt faszinieren offensichtlich. Sie bieten den Besuchern einen Blick, den man sonst nicht zu sehen bekommt und der einen normalerweise eher schaudern lässt: den Blick in die letzte Ruhestätte eines Menschen. Ebenso finden es nicht wenige Menschen faszinierend, in eine modrig riechende Gruft einer Kirche hinabzusteigen oder einen Blick in das Beinhaus eines alten Friedhofes zu werfen.

… lassen das Leben zum Vorschein kommen

Ich habe mich gefragt, was mich daran fasziniert. Die Sarkophage, die menschlichen Knochen, die mumifizierten Körper regen meine Fantasie an. Sie erzählen von früheren Zeiten. In meiner Vorstellung werden diese Menschen lebendig. Ich mache mir Gedanken, wie sie gelebt haben, woran sie gestorben sind, und entdecke, wie abrupt ein Menschenleben manchmal zu Ende ging und seiner Möglichkeiten beraubt wurde. Ich finde es faszinierend, dass die Geschichte eines Menschen in diesen sprechenden Überresten seines Leibes bis in unsere Zeit lebendig bleibt. Der Modergeruch an diesen Stätten des Todes wird vertrieben durch das Leben, das noch in dem toten Gebein zum Vorschein kommt.

»Können diese Gebeine wieder lebendig werden?«

Ein ganzes Feld übersät mit menschlichen Knochen bekommt der Prophet Ezechiel zu sehen. In einer Vision, von der er in den Versen berichtet, die unserer heutigen Lesung vorausgehen. »Können diese Gebeine wieder lebendig werden?«, wird er von Gott gefragt und erhält den Auftrag, zu diesen Gebeinen prophetisch zu reden. Er darf dann erleben, wie Gebein an Gebein zusammenrückt, mit Sehnen versehen und mit Fleisch und Haut umgeben und schließlich mit Lebensgeist erfüllt wird und so ein »großes, gewaltiges Heer« an Menschen aufersteht. Was er da vor seinem inneren Auge sieht, bringt er mit dem in Zusammenhang, was er in seinen Tagen erlebt. Das Volk Israel ist ausgetrocknet wie diese Knochen. Das Land erobert und Teile der Bevölkerung verschleppt, fühlen sich die Menschen völlig erledigt, wie tot und begraben. Wenn da Rettung kommt, ist das wie Auferstehung und Befreiung aus dem Grab. Und genau das kündigt Ezechiel in der heutigen Lesung an. Gott wird die Gräber öffnen. Er wird sein Volk aus den modrigen Gräbern der Verbannung herausholen und ihnen seinen Lebensodem einhauchen, damit sie wieder aufleben und in ihr Land heimkehren können.

Die Botschaft von Gott, der aus Gräbern befreit …

Dieser Text aus dem Buch des Propheten Ezechiel hat in der jüdischen Liturgie am Sabbat in der Woche des Pessachfestes seinen Ort, also in der Feier, in der das Volk Israel des Auszuges aus Ägypten gedenkt. Aus der Erfahrung der Befreiung schöpfen sie Hoffnung, dass Gott immer wieder in die Freiheit und in neue Lebensmöglichkeiten führen wird. Wir hören den Text in der Fastenzeit, in der wir uns auf unser Fest der Befreiung, auf Ostern, vorbereiten und uns zugleich unserer Taufe erinnern. In der Taufe hat Gott uns seinen Geist verliehen, der uns neues, unvergängliches Leben verheißt. Dieser Text des Ezechiel redet von unserem Glauben an einen Gott, der das Abgestorbene zu neuem Leben bringen, der aus den Gräbern befreien, der vom Tod ins Leben führen kann.

… und dessen Lebensodem den Modergeruch des Todes vertreibt

Diese Botschaft kann denen Mut machen, die den Tod vor Augen haben oder die in das Grab eines lieben Verstorbenen schauen müssen. Denen gilt die Zusage, dass unser Gott dort noch Leben einhauchen kann, wo menschlich gesprochen alles aus ist, dass er – wie es in einem bekannten Osterlied heißt – »uns einstens aus der Gruft zum ewig neuen Leben ruft«. Die Verheißung gilt uns aber auch, wo wir mitten im Leben vom Modergeruch des Todes umgeben werden. Wo Menschen am Ende sind, in Verzweiflung versinken oder sich lebendig begraben fühlen, will Gott ihnen neuen Lebensgeist einhauchen. Er will mit seinem Geist bewegen, wo Unversöhnlichkeit Beziehungen tötet, Gewalt und Terror Menschen ins Grab bringen oder ungerechte Strukturen Menschen vom Leben ausschließen. Überall dort, wo sich der Modergeruch des Todes und all seiner »Vorboten« ausbreitet, will Gottes Lebensodem ein Gegenmittel sein. An diesem Misereor-Sonntag dürfen wir daran denken, wie Gott dies durch Menschen tut. Durch Männer und Frauen, die an so vielen Orten der Welt von Gott in Bewegung gesetzt werden, um dem Leben zu dienen. Wenn sie Kindern eine Schuldbildung ermöglichen, soziale Projekte fördern oder gegen die Ursachen der Armut kämpfen, geschieht, was Ezechiel verheißt. Dann werden Menschen aus ihren Gräbern geholt und mit neuem Lebensmut erfüllt, die manches Mal schon aufgegeben haben. Dann finden Menschen wieder eine Heimat, einen Ort, an dem sie menschenwürdig leben können. Dann wird der Modergeruch des Todes, den Ungerechtigkeit, Ausbeutung oder Katastrophen in dieser Welt verbreiten, vertrieben durch den Lebensodem Gottes.

Fürbitten
Gott, du kannst uns aus unseren Gräbern heraufholen. Deshalb bitten wir dich:

– Für das bischöfliche Hilfswerk Misereor und alle, die in seinem Dienst arbeiten: dass sie Menschen aus Armut befreien und zu einem Leben in Würde verhelfen können.
(GL 253/1 »Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu«)
– Für die Länder, in denen die Menschen unter Terror und Krieg leiden: dass Friede und Versöhnung möglich werden.
– Für die Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder auf der Flucht sind: dass sie zurückkehren können oder einen anderen Ort finden, an dem sie sicher leben können.
– Für Menschen, die keinen Lebensmut mehr haben: dass dein Geist sie aufrichtet und neue Perspektiven zeigt.
– Für unsere Verstorbenen: dass sie erfahren, wie du die Gräber öffnest und die Toten zu neuem Leben erweckst.

Gott, wo dein Lebensodem den Modergeruch des Todes vertreibt, erkennen wir, dass du der Herr bist. Dir danken wir durch Jesus Christus im Heiligen Geist. Amen.

Klaus Kempter

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