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Leseprobe 1
Fest der Taufe des Herrn
Lesejahr A
Gottes Geist durch die Jahrhunderte –
Der »Charismatische Retter« im Alten Bund und der Neubeginn bei der Taufe Jesu


Predigt
Zum Text: Jes 42,5a.1–4.6–7 (1. Lesung)

»Servus – wie geht es dir?« Oder: »Servus – auch weiterhin alles Gute ...!« So und ähnlich lauten Begrüßung oder Verabschiedungswünsche, die wir ab und zu von guten Bekannten hören. Für manche möglicherweise etwas verwunderlich. Zwar kennt man damit verwandte Ausdrücke, etwa Service, servieren. Aber servus? Das bedeutet doch wohl Sklave, Knecht. Damit sind wir bereits im Umfeld unserer heutigen 1. Lesung. Sie stammt freilich aus einer anderen (der hebrä­ischen) Sprache, etwa des 6. Jh. v. Chr. Am Anfang des Lesetextes kommt jedoch das gleiche Wort vor wie beim obigen Gruß, nämlich »Knecht« (aebaed – pais – servus). Und da diese Anrede zu einem Spruch Gottes gehört, nennt man den Gemeinten »Gottes-Knecht«.

Gottes-Knecht: was ist das?

Um dies zu verstehen, müssen wir uns in die damalige Lage ver­setzen. Die Juden lebten in der babylonischen Vertreibung. Äußerst depressive Stimmung war vorherrschend, Aufmunterung nötig (Exil: 587–538). Der Verfasser (Deuterojesaja) fühlt sich von Gott ange­sprochen. Er soll durch die Ankündigung eines Befreiers belebende Zuversicht vermitteln. Dabei gebraucht er für dessen »Namen« ein mehrdeutiges Wort (vgl. oben). Seine Bedeutungsweite reicht inhalt­lich von: Sklave, Knecht über Diener, Bediensteter, Beamter bis zu Vertrauter und Verehrer. Dies sollten wir bedenken. Da nämlich Gott ihm Vertrauen schenkt und wichtige Aufgaben zu lösen sind, hat er ihn erwählt. Damit das Ziel erreicht wird, stattete er ihn mit sei­nem Geist, Verstand und Stärke aus. Trefflich kann man ihn deshalb »Charismatischer Retter« seines Volkes nennen.

Gottes-Knecht: wie lautet seine Aufgabe, wer mag es sein?

Sein Wirkungsfeld ist umfangreich, Schwerpunkte sind deutlich betont. In bildhafter Sprache werden Einzelheiten konkret. Etwa »Beschädigte« (geknicktes Rohr) aufrichten, Mutlose (glimmender Docht) wieder zum Leuchten bringen. Darüber hinaus soll er Weg­weiser (Licht) in größeren Dimensionen sein. Einerseits für die jüdische Glaubensgemeinde, andererseits für alle Völker. Dabei: Schäden beheben und neue Perspektiven anbieten. Vor allem muss er seiner Sendung bis zum Letzten treu bleiben. Damit das universale Heil Gottes verwirklicht wird!
Wer diese »bildliche Gestalt« in ihrer Vielfalt war oder sein könnte, darüber hat man viel gerätselt. Das gesamte jüdische Volk, aber ebenfalls Einzelpersonen wurden genannt. Bei den letzteren so­wohl Juden (Jakob/Israel) als auch andere (Kyros) . Alle diese Vor­schläge enthalten bedenkenswerte Facetten.

Neutestamentliche Akzente

Im Rahmen dieser Kontinuität will auch das Neue Testament seinen Part beitragen. Das zeigt sich am heutigen Evangelium (Mt 3,13–17). Alle Evangelisten bekunden, dass bei der Taufe im Jordan der Geist Gottes auf Jesus kam. Und im Zitat aus der heutigen Lesung (Jes 42,1) deuten die Synoptiker an, wer für sie die verheißene Person ist, an der Gott »sein Wohlgefallen« fand. Von Petrus, der in der 2. Lesung zu uns spricht, erfahren wir dass er die gleiche Auffassung hat (Apg 10,34–38). Er fügt noch hinzu, dass dieser »Gesalbte« umherzog, Gutes tat und heilte.

Folgerungen

Das »Wohlgefallen Gottes« erlangen, mit »seinem Geist« beschenkt werden! So lautet der rote Faden des heutigen Festes. Dies betrifft zunächst den »Charismatischen Retter« der hebräischen Bibel. Für Jesus offenbart sich dieser Neubeginn bei der Johannestaufe. Doch auch wir, seine Jünger, erleben ähnliche Stationen. Nach der Taufe erfolgt speziell bei der Firmung die »Besiegelung mit der Gabe Got­tes, dem Heiligen Geist«. Ähnlich wie bei den zwei Genannten hat das ebenfalls für uns Konsequenzen. Die Schlussmotive der beiden heutigen Lesungen könnten zu Beginn der (grünen) »Zeit im Jahres­kreis« als Impulse richtungsweisend sein. Jesaja und Petrus bezeich­nen sie: Augen öffnen, befreien, Gutes tun und heilen.

Fürbitten
Bei der Taufe am Jordan kam der Geist Gottes auf Jesus herab. Auch im Alten Bund wurden Frauen und Männer mit dieser Gabe be­schenkt. Der Brauch, um den Heiligen Geist zu beten (Apg 8,17) ist in der Kirche lebendig. Wir wollen nun bitten um Geisteskraft in heutiger Zeit:

– Für die christlichen Kirchen: dass sie kräftig die Scheinhürden überwinden, damit die Einheit der Christen näher rückt.
(Stille – Herr, erbarme dich.)
– Für alle, die sich in Wissenschaft, Wirtschaft und Technik be­tätigen: dass sie Einsicht und Kraft zum Wohl der Menschheit erlangen.
– Für Notleidende und unsere Mitchristen, die ihre geistliche Orientierung aufgaben: dass sich ihnen Wege der Besserung und Neubesinnung eröffnen.
– Für unsere Gemeinden: dass das Geistesfeuer der Gefirmten wächst und sich in geisterfülltem Tun realisiert.

Gott, dem wir vertrauen. Seit Erschaffung des Universums hat dein Geist zu erstaunlicher Evolution geführt, die wir bewundern. Du schenkst diese Gabe auch immer wieder den darin lebenden Menschen. Sende diesen Heiligen Geist ebenfalls in der gegenwärtigen Zeit. Er möge unser Wirken vom Beginn bis zur Vollendung begleiten. Da­rum bitten wir durch Christus, deinen Sohn, unsern Bruder und Herrn. Amen.

Hermann Reifenberg

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