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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Fünfter Sonntag der Osterzeit
Lesejahr A
Begrüßung und Einführung
Wir alle sind froh, dass wir eine Wohnung haben. Obdachlosigkeit führt dazu, nicht zu wissen, wo man hingehört.
Wenn Jesus sagt: »Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen«, will er uns vermitteln, dass wir bei Gott eine Heimat haben. Keine enge und einzwängende Heimat, sondern eine Geborgenheit, in der wir ganz bei ihm sind und ganz zu uns selbst gekommen sind.
In dieser Zuversicht lasst uns die Gegenwart des Herrn feiern, der uns zu sich einlädt.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist unser Wegbegleiter.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus, du Verkünder der göttlichen Wahrheit.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus, du bist eingestanden für das Leben.
Kyrie eleison.

Tagesgebet
Gütiger Gott,
dein Sohn Jesus Christus hat uns durch seine Auferstehung vom Tod befreit und uns eine ewige Wohnung bereitet.
Lass uns darauf vertrauen, dass wir darin geborgen und angenommen sind. Diese Zuversicht strahle aus auf unser ganzes Leben.
Darum bitten wir dich, durch unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 226 »Nun freut euch hier und überall«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 649/1 »Selig, die bei dir wohnen, Herr« mit 649/2 (Psalm 84) und
GL 217 »Singt, ihr Christen« (Kehrvers)
Gesang zur Gabenbereitung
GL 618 »Brich dem Hungrigen dein Brot«
Gesang zur Kommunion
GL 620 »Das Weizenkorn muss sterben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 280 »Preiset den Herrn, denn er ist gut«

Fürbitten
Herr Jesus Christus, auferstanden von den Toten bleibst du uns nahe. Dir vertrauen wir uns an und bitten:

– Du hast gesagt: Ich bin der Weg. Geleite alle, die noch ohne Orientierung sind.
– Du hast gesagt: Ich bin die Wahrheit. Öffne dich allen, die auf der Suche sind.
– Du hast gesagt: Ich bin das Leben. Ermutige Menschen, ihr Leben nach deinem auszurichten.
– Du hast gesagt: Ich bin die Auferstehung. Schenke unseren Verstorbenen das ewige Licht.
Herr Jesus Christus, du stehst uns bei in der Kraft des Geistes. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen.

Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen

Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 14,1–12 (Evangelium)

Die Abschiedsreden Jesu, zu denen unser Text im Johannesevangelium gehört, haben die Intention, die bedrängten Gemeinden des 1. und 2. Jahrhunderts zu stärken und zu ermutigen. Das Einzigartige der Person Jesu ist durch seinen Tod nicht ausgelöscht worden, sondern lebt in vielfältiger Weise fort. Auf österliche Weise wirkt Jesus weiter, indem er Heimat und Wohnung bei Gott allen bereitet, die ihn lieben und suchen. Diese Verheißung soll der Gemeinde Trost und Halt verleihen. Angst und Verwirrung verlieren so ihren Schrecken. Die »Ich bin«-Aussagen zeigen in ihrer reichen Bildersprache die vielen Zugänge zu Jesus. »Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen« – in dieser Aussage können sich moderne Menschen wiederfinden. Plurale Zugänge zu Jesus sind möglich, genauso wie individuelles Aufgehobensein. Nirgendwo verwirklichen sich Menschen individueller als in ihren Wohnungen.
Die Predigt versucht, von diesem Bild aus die besondere Dienst-Leistung Jesu an den Menschen deutlich zu machen. Sie bringt uns nicht in neue Abhängigkeiten, sondern lässt Raum, ausgedrückt in dem Satz: »Ich gehe, um euch einen Platz zu bereiten ... und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin« (Joh 14,3).

Predigt

Ich mache gerne Hausbesuche. Zu Hause fühlen sich Menschen Fremden gegenüber sicherer. Sie bewegen sich auf vertrautem Gelände und können ihren Gewohnheiten folgen.
Keine Wohnung gleicht einer anderen. Auf einen Blick zeigen sie das Leben und die Vorlieben ihrer Bewohner. Wie in einem aufgeschlagenen Buch kann ich mich anregen und innerlich öffnen lassen.
Selbst in Hochhäusern und Plattenbauten, die äußerlich so einheitlich wirken, zeigt sich im Innern oft ein verblüffend buntes und vielfältiges Leben. Wohnungen sind Ausdruck unserer Selbstverwirklichung und Individualität. Wo das nicht möglich ist aufgrund von Verelendung, gilt das Wort von Heinrich Zille aus dem Berliner Milieu des 19. Jahrhunderts, dass man mit einer Wohnung auch einen Menschen erschlagen kann wie mit einer Axt. Nicht umsonst gedeihen in Slums und seelenlosen Trabantenstädten Kriminalität und Verbrechen.

Wohnung als Bild für gelungenes und erfülltes Leben

Jesus gebraucht dieses Bild so selbstverständlich, weil es zu seinem Gebetsschatz gehört. Im Psalm 27 hören wir Sätze wie: »Nur eines erbitte ich, danach verlangt mich: Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens.« Und: »Denn er birgt mich in seinem Haus am Tage des Unheils, er beschirmt mich im Schutz seines Zeltes.« Oder im Psalm 23: »Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und im Hause des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.« Oder im Psalm 84: »Wie liebenswert sind deine Wohnungen, Herr der Heerscharen, meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn.«
Jesus wächst mit diesen Bildern auf und muss seinen Eltern bei der Wallfahrt zum Tempel nach Jerusalem vorhalten: »Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?« Er drückt damit seine Beziehung und besondere Nähe zu Gott aus. Geborgenheit und Sicherheit sind Kennzeichen dieser Gebete. Ohne eine solche Verankerung geraten wir in Angst und Verwirrung.

Verwirrung als Bild für gefährdetes Leben

»Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde«, beten wir oft nach dem Vaterunser. Diese Bitte drückt eine wesentliche Gefährdung unseres Lebens aus. In Drucksituationen und Krisen können wir schnell in Verwirrung geraten. Wir wissen weder aus noch ein und geraten in ein Tohuwabohu. Ich kann keine Prioritäten mehr setzen und bin überfordert. Isolation und Absonderung können die Folge sein. Die Freude am Leben geht verloren, das Zutrauen ins Leben und das Vertrauen in die Umgebung ebenso.
»Euer Herz lasse sich nicht verwirren«, meint also, in der Gegenwart Gottes, in seinem Haus, ein Obdach zu haben. Gott wohnt jedoch nicht nur im Gotteshaus. In jeder Seele, die sich ihm öffnet, kann er Wohnung nehmen. Ihr seid der Tempel Gottes, in euch wohnt Gottes Geist, erinnert uns Paulus im Korintherbrief.
Seelische Obdachlosigkeit kann wie äußere Obdachlosigkeit unser Leben gefährden.

Wohnen ist mehr als nur Aufenthalt

Bei meinen Hausbesuchen merke ich meist schnell, ob der Bewohner gut zu Hause ist oder ob er sich dort nur aufhält. Ob er gelassen und souverän bei sich ist oder außer sich unstet Unruhe verbreitet.
Oft meinen Menschen, sie müssten alles im Griff haben und eine Wohnung wie eine Ausstellung oder ein Museum führen. Da spüre ich den Druck, perfekt sein zu müssen. Funktion überlagert das Leben.
Wohler fühle ich mich in einer Umgebung, wo ich spüre, dass da Leben stattfindet mit Kanten und Ecken, mit Unaufgeräumtem und Fehlerhaftem. Hier bin ich Mensch, hier darf ich genauso sein. Ich muss keine perfekte Rolle vorspielen. Ich werde auch nicht reduziert auf mein Amt. Als Mensch mit Auftrag und Privatleben, mit Stärken und Schwächen angenommen zu sein, tut gut, Gastgebern und Gästen. Daheim sein ist mehr als schöner Wohnen. Daheim sein heißt authentisch sein, echt, einladend mit Wärme.

Mitbewohner

Wärme wird nicht nur durch Heizungen erzeugt. Wärme entsteht im Umgang der Menschen untereinander. Das Miteinander im Haus bestimmt das Klima. Die vielen Wohnungen im Haus Gottes möchten keine Schließfächer sein, wo jeder nur für sich haust und sich abkapselt. Partnerschaft entsteht, wo sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, wo sie bei sich selbst gut zu Hause sind und offen für andere. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, markiert die richtige Balance. Jesus bietet sich an, dafür Raum zu schaffen. »Ich gehe hin, um euch einen Platz zu bereiten«, sagt er. Maßstab für die Platz- und Raumgestaltung ist er selbst.
Er gestaltet die Räume der Begegnung so, dass Menschen Annahme erfahren. Nicht zuerst das Suchen nach Fehlern oder das Mokieren über die Zustände, sondern Zugehen, Einkehren und am Tisch Platz Nehmen kennzeichnet das Verhalten Jesu. So will auch Gott uns begegnen: Einladend, annehmend und bejahend. Diese Atmosphäre dürfen wir in der endgültigen Begegnung mit ihm erwarten. Doch schon heute können wir uns bemühen, der Vorgabe Jesu nachzukommen.

Dienstleister

Der Dienst Jesu an den Menschen beeindruckt bis heute. In vielen Gemeinden wird erkannt, dass die einladende und mitgehende Art Jesu auch im Alltag notwendiger ist denn je. Menschen möchten angesprochen und angenommen werden. Aber nicht um verplant und wieder eingeordnet zu werden, sondern um ihr Leben weiterzuentwickeln und mit andern zu teilen. Sie kommen nicht mehr automatisch oder aufgrund von Geboten. Sie kommen, wenn sie spüren, dass sie ernst genommen werden, egal in welchen Lebensumständen sie leben.
Die Vielfalt der Wohnungen ist auch Ausdruck der unübersehbar komplizierter gewordenen Lebensverhältnisse. Single-Haushalte, Patchworkfamilien, wiederverheiratete Geschiedene, Völkervielfalt sind Stichworte für eine Pastoral, die nicht ausgrenzen darf. »Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen«, darf nicht nur ein Hoffnungsbild für die ewigen Wohnungen sein. Vielmehr ist es Ansporn, hier und heute diese Hoffnung Wirklichkeit werden zu lassen. Offene Gemeinde zu sein, vielfältige Gruppen zuzulassen, verschiedene Frömmigkeitsformen zu pflegen und vor allem den Tisch des Wortes und des Brotes reich gedeckt zu halten.
Hier ist die Quelle und der Höhepunkt christlichen Lebens. Die Eucharistie und die vielen Gastmähler des Alltags können uns die Kraft geben, diese Dienstleistung Jesu an uns für andere wirksam werden zu lassen, im Haus Gottes und in den Häusern der Menschen.
Oder kennen Sie eine Wohnung, in der nicht gegessen und getrunken wird?

Karl Kaufmann

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