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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Heiliger Petrus und heiliger Paulus – Am Tag
Lesejahr A–B–C
Einführung
Wir sind heute am Fest Peter und Paul zusammengekommen. Sie werden »Apostelfürsten« genannt, weil ihr Leben und Wirken grundlegend war für das Entstehen der christlichen Gemeinden und damit unserer Kirchen. Wir wissen viel aus der heiligen Schrift von ihrem Leben, ihren Begegnungen mit Jesus und ihrem Bekenntnis Jesu als Messias, als den Gesalbten, den Christus.
Den auferstandenen und erhöhten Herrn wollen wir jetzt zu Beginn anrufen, dass er in unsere Mitte trete und unser Herz mit Freude erfülle.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du hast jeden deiner beiden Apostel Petrus und Paulus auf ganz eigene Art und Weise berufen.
Herr, erbarme dich.
Jeder ist seinen ganz persönlichen Weg bis zum Tod gegangen.
Christus, erbarme dich.
Wir hören jetzt deinen Ruf und folgen ihm.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Herr, unser Gott,
am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus haben wir uns in Freude versammelt. Wir danken für ihr Wirken aus deiner Kraft am Anfang unserer Kirche.
Lass uns heute durch sie deinen Ruf und deine Nähe erfahren, da ihr Leben uns in diesem Fest vor Augen steht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 608,1.3 »Ihr Freunde Gottes allzu gleich« oder
GL 897,1–3 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Der Himmel soll sich heute freun«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 741/1 »Freut euch, wir sind Gottes Volk« mit 742/2 (Psalm 100) und
GL 530/6 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 257,4–5 »Der Apostel heilger Chor«
Gesang zur Kommunion
GL 483 »Wir rühmen dich, König der Herrlichkeit«
Dankhymnus / Schlusslied
GL 639,1–2 »Ein Haus voll Glorie schauet«

Fürbitten
Ewiger Gott, das Leben der beiden Apostel Petrus und Paulus zeigt uns, dass aus ganz gewöhnlichen Menschen mit Fehlern und blinden Einseitigkeiten große Hirten unserer Kirche werden können, wenn sie auf deine Stimme hören. Darum bitten wir:

– Für alle Christen, die ihren Glauben nur äußerlich von anderen Menschen übernommen haben: Berühre sie in ihrem Leben mit deinem geheimnisvollen Wort und Wirken.
(Öffne ihr inneres Ohr.)
– Für alle Hirten in den Kirchen: Lass sie in den Zeichen der Zeit deinen Willen erkennen und mach sie hellhörig für die Stimme des Volkes, die deine Stimme ist.
– Für die getrennte Christenheit: Hilf ihr, in der bleibenden Spannung eines Petrus und Paulus durch gemeinsame Glaubenserfahrungen zu größerer Einheit zu finden.
– Für alle, die heute ihren Namentag feiern: Erfülle sie mit Stolz und Vertrauen auf ihren Namenspatron und schenke ­ihnen einen lebendigen Glauben.
– Für alle, die es schwer haben mit sich selbst: Gib ihnen im Blick auf das Leben der beiden Apostel neues Selbstvertrauen und ein gesundes Selbstbewusstsein.

Leben schaffender Gott, hilf uns allen, jetzt in diesem Mahl deinem auferstandenen Sohn so zu begegnen, wie ihm damals Paulus vor Damaskus begegnet ist. Darum bitten wir. Amen.
Erfahrungen verändern

Vorüberlegungen

Die Berufung und der Weg der beiden Apostel ist jeweils sehr verschieden. Dennoch wurde ihr Fest von Anfang an gemeinsam gefeiert. Das mag seinen Grund darin haben, dass beide in Rom das Martyrium erlitten und ihre Gräber dort verehrt werden. Aber nicht umsonst werden sie »Apostelfürsten« genannt und gehören für uns bei aller Verschiedenheit gefühlsmäßig zusammen.
In der Predigt möchte ich zeigen, wie beide durch Erfahrungen mit Jesus sich verändert haben und zu dem geworden sind, was sie für uns bedeutungsvoll macht.

Thematische Predigt

Zweifel, Klein- und Unglaube

Unsere beiden großen Apostel Petrus und Paulus sind in sehr verschiedener Art Zeugen unseres Glaubens. Schon als Menschen sind sie sehr verschieden und was das »Allzumenschliche« angeht erst recht. Dieses macht sie uns aber gerade sympathisch und von daher können wir uns mit ihnen leichter identifizieren.
Das große Vertrauen auf den Ruf des Herrn lässt Petrus auf dem Wasser ihm entgegengehen, verschwindet aber sehr rasch angesichts der drohenden Naturgewalten und lässt ihn ins Wasser sinken. Diese Situation wiederholt sich immer wieder in seinem Leben: Gerade einmal sieben Mal, denkt er, müsse man vergeben und versucht Jesus den Gedanken an Leiden und Sterben auszureden. Wohl zieht er bei der Gefangennahme Jesu das Schwert, aber kurz darauf verleugnet er Jesus angesichts der Knechte und Mägde des Hohenpriesters. Vollends hält er sich im Hintergrund, während sein Meister den Kreuzweg geht und stirbt.
Ganz anders gestaltet sich die Ausgangsbasis des Apostels Paulus. Wir wissen nicht, ob er Jesus während seines öffentlichen Wirkens selbst gesehen hat, wahrscheinlich eher nicht. Aber der Panzer seiner Schriftgelehrsamkeit war mindestens so hart wie der vieler seiner Kollegen. In der Diaspora aufgewachsen fühlt er sich bestärkt in seinem Einsatz für die Tradition. Sein persönliches Temperament entflammt seinen Eifer, gegen die neue Lehre anzugehen, angefangen von der Steinigung des Stefanus bis zur Verfolgung der gläubig Gewordenen in Damaskus.

Erfahrungen verändern beide

Was mag wohl in Petrus vorgegangen sein, dass er auf die Frage Jesu: »Für wen haltet ihr mich?« bekennt: »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!« Wir wissen es nicht. War es eine augenblickliche Eingebung? Hat er mit den anderen Jüngern darüber gesprochen? Jedenfalls sagt Jesus im Evangelium, das wir vorher gehört haben: »Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel« (Mt 16,17). Und danach folgt die Zusage, Fels der Kirche, der Jüngergemeinschaft zu sein und die Schlüssel des Himmelreiches zu empfangen. Trotz allen Versagens bleibt diese Zusage gültig, da der Auferstandene ihm den Auftrag gibt: »Weide meine Schafe« (Joh 21,17) Und durch das Pfingstereignis wird ihm und den Jüngern der Geist geschenkt, der sie bekennen lässt: »Jesus ist auferstanden!«
Bei Paulus ist das Erleben vor Damaskus die entscheidende Erfahrung. Nach der Apostelgeschichte ist es ein äußeres Geschehen: Ein Sturz vom Reittier und Erblinden, das Hören der Stimme Jesu, dann aber das Geschenk des Erkennens im Glauben. Nach dem Galaterbrief war es eher eine innere Erfahrung: »Nicht Fleisch und Blut« (Gal 1,16) hat er zu Rate gezogen nach dieser geheimnisvollen Erfahrung, sondern ging in die Wüste Arabiens. Es wurde ihm bewusst, dass nicht die eigene Leistung in der Erfüllung des Gesetzes ihn rettet, vielmehr die Ein-Wirkung des Geistes Gottes. Er ist gesandt, den Heiden die Frohbotschaft zu bringen.

Unsere Erfahrungen

Wir haben von äußeren und inneren Erfahrungen der beiden Apostel gehört. Was erleben wir selbst? Unsere äußeren Erfahrungen sind meist nicht so umwerfend wie diese, die wir von den Aposteln gehört haben. Wir haben meist gläubige Eltern erfahren, gute Gottesdienste erlebt und Religionsunterricht. Aber keine äußeren umwerfenden Wunder. Wir sind angewiesen auf Zeugen und Gewährsleute.
Und dennoch braucht es auch eine innere Erfahrung! Es muss in unserem Inneren eine Antwort und Bewegung auf das Äußere da sein, sonst bleibt unser Glaube leer und kraftlos. Bemühen wir uns, auf das Innere hinzuhören? Spüren wir etwas von Ruhe und Geborgenheit in unserem Beten und Mitfeiern? Sicher nicht immer, aber kennen wir nicht solche seltenen Augenblicke, in denen uns etwas anderes berührt? Vielleicht eine ganz unerwartete Versöhnung nach aussichtslosem Streit? Eine Wiederherstellung der Gesundheit nach einer langen Krankheit? Woher kam ein solches Ereignis? Wer hat es bewirkt?
Immer wieder geschehen Dinge, die uns erstaunen lassen. Manche Menschen sehen nur die negativen Ereignisse, es gibt aber auch das andere: neue Hoffnung nach einer verzweifelten Situation – und vielleicht sogar mittendrin – ohne einen äußeren Anlass. So beschreibt beispielsweise Alfred Delp 1944 in seiner Gefängniszelle in Berlin, wie es ihm auf einmal ganz leicht ums Herz wird. Ist nicht auch unsere Angst einmal verwandelt worden, obwohl die äußeren Fakten gleich geblieben sind? Hat sich nicht auch in unserem Leben so manches verwandelt, was uns zunächst unannehmbar erschien?
Wir haben bis jetzt nur von Hilfe in der Not gesprochen. Es gibt natürlich ebenso viele andere sehr positive Anlässe, die für uns zu Glaubenserfahrungen werden können: ein freundlicher Gruß, ein anerkennendes Wort, ein neugeborenes Kind und vieles andere mehr.
Man muss nicht unbedingt eine Pilgerreise nach Santiago machen, um eine solche innere Erfahrung zu machen. Sie wird uns sicher hin und wieder einmal geschenkt, wenn wir nur aufmerksam sind und sie wahrnehmen. Dazu ruft uns das Leben der beiden Apostel, die wir heute feiern.

Anton Durner

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