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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Pfingsten – Am Tag
Lesejahr A–B–C
Gottesdienst I
Einführung

Wir feiern Pfingsten. Wir feiern, dass Gott uns seinen Geist schenkt. In den Texten aus dem Neuen Testament, die wir heute hören werden, ist von zwei ganz unterschiedlichen, fast gegensätzlichen Weisen die Rede, wie die Jünger den Heiligen Geist erfahren: einmal als lautes Brausen und Feuerzungen und dann als leichten Atemhauch. Und heute? Wie erfahren wir das Wehen des Geistes? Sind wir auf alles gefasst, auf gewaltige wie auf zarte Töne? In diesem Gottesdienst können wir damit beginnen, uns neu darin zu üben, uns dem Geist Gottes zu öffnen.
Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du hast den Tod überwunden.
Herr, erbarme dich.
Du lässt die nicht allein, die auf dich hoffen.
Christus, erbarme dich.
Du schenkst uns den Beistand, den Heiligen Geist.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Lebendiger Gott,
groß bist du. Deine Liebe ist stärker als der Tod.
Komm in unsere Herzen in deinem Heiligen Geist und begeistere uns. Erfülle uns mit deiner Liebe und mach uns Mut, wo wir ängstlich zögern, sie in Wort und Tat weiterzuschenken.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Bruder.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 245,1–4 »Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 253/1 »Sende aus deinen Geist« mit 253/2 (Psalm 104) und
GL 531/3 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 298 »Herr, unser Herr, wie bist du zugegen«
Gesang zur Kommunion
GL 247 »Komm, Heiliger Geist, Herre Gott«
Dankhymnus
GL 220 »Das ist der Tag, den Gott gemacht«

Fürbitten
Barmherziger Gott, du lässt uns nicht allein. Vor dich tragen wir unsere Bitten:

– Für alle, die in Ängsten gefangen sind.
(Sende ihnen deinen Geist.)
– Für alle, die unter erstarrten Strukturen leiden.
– Für alle, die durch ihr Leben deiner Liebe Hand und Fuß geben.
– Für alle, die sich nach dem Wehen deines Geistes sehnen.

Großer Gott, auf deinen Beistand vertrauen wir, auf deinen Mutbringer hoffen wir. Wir danken dir und preisen dich in Ewigkeit. Amen.

Ostern kommt in unserem Alltag an – und sprengt ihn auf

Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 20,19–23 (Evangelium)

Das Stichwort »Pfingsten« evoziert meist das eindrückliche, starke Bild von lautem Brausen und Feuerzungen. Dagegen schlägt dieser Text aus dem Johannesevangelium, den wir in jedem Lesejahr am Pfingstsonntag hören, leisere Töne an. Aber hinter der Erzählung von der Geistspendung verbirgt sich eine nicht minder große Sprengkraft. Wichtig an diesem Text ist mir, dass an ihm die tiefe innere Zusammengehörigkeit von Pfingsten, d. h. der Sendung des Heiligen Geistes, und dem Osterfest klar wird. Für mich stellt er Pfingsten als das Ereignis heraus, das Ostern in unser Leben, in unseren Alltag »hineintransportiert«.
Ich möchte den Kreis der Jüngerinnen und Jünger, die sich vom Geist in Bewegung setzen ließen und vom verängstigten, verunsicherten Häuflein zur Keimzelle der jungen Kirche wurden, als Beispiel anbieten. Beim Schreiben denke ich an Menschen in der Gemeinde, die sich selbst als gefangen erleben in ihren Ängsten und Befürchtungen und denen der »Mutbringer« Heiliger Geist zu »mehr« Leben, zu Leben anderer Qualität verhelfen kann. Aber ich denke auch an Situationen, wo ängstliches Sich-Zurückziehen und Um-Sich-Selbst-Kreisen unsere Sendung als Christen in unserer Kirche und unserer Welt behindert oder sogar verhindert. Auch hier will ich einladen, dem Geist Gottes zu vertrauen, dem Beispiel der Jüngerinnen und Jünger zu folgen und sich dem Mutbringer zu öffnen. Bewusst bin ich dabei sehr nah am Text geblieben.

Predigt

Hinter verschlossenen Türen

Fünfzig Tage lang haben wir Ostern gefeiert. Die ganze Osterzeit ist ja im Grunde ein einziges Osterfest. Und heute, an Pfingsten, der Vollendung und dem Ende dieser Festzeit, kehren wir mit dem Evangelisten Johannes wie in einem großen Bogen zurück zum Abend des Ostertages.
Und wir hören, wie die Jünger aus Angst hinter verschlossenen Türen sitzen, wie sie sich einigeln und abschotten. Was in den Tagen zuvor passiert ist, das hält sie noch ganz gefangen. Und was einige von ihnen erlebt haben und Maria von Magdala ihnen erzählt hat – nämlich dass Jesus lebt und sie ihm begegnet ist –, das haben sie zwar gehört, aber verstanden in seiner ganzen Tragweite haben sie es noch nicht. Nein, sie sind verschreckt, verstört und voller Angst, es könnte auch ihnen ans Leben gehen. Sie wissen nicht, was jetzt kommen wird, was sie tun sollen. Ostern ist bei den Jüngerinnen und Jüngern noch gar nicht angekommen.
Und jetzt kommen die Fragen: Wie kann es sein, dass aus so einem verängstigten Häuflein Menschen innerhalb kurzer Zeit eine Bewegung entsteht, die nahezu überall in der damals bekannten Welt Fuß zu fassen beginnt? Die trotz vieler Widerstände und schlimmer Verfolgung mehr und mehr Anhängerinnen und Anhänger findet? Und das ohne schnelle Verkehrsmittel und Massenmedien wie Fernsehen, Zeitung und Internet. Was ist passiert?

Jesus in der Mitte

Jesus, der Auferstandene, ist in ihre Mitte getreten. Er hat sich von den verschlossenen Türen nicht abhalten, nicht aussperren lassen. Aber er hat diese Türen auch nicht gewaltsam von außen aufgerissen oder aufgebrochen. Genauso wenig hat er versucht, sie vor der Tür stehend von außen zu überreden, ihn doch bitte hereinzulassen. Er ist auf einmal da, mittendrin, bei ihnen in ihrem selbst gewählten Gefängnis. Jesus nimmt sie ernst in ihrer Angst und er geht ihr Tempo mit. Sie selbst werden die Türen öffnen müssen, sie werden selbst nach draußen gehen müssen und es auch können. Aber so weit ist es noch nicht.
Zunächst einmal ist er mitten unter ihnen, und er spricht ihnen den Frieden zu. Damit ist nicht »ein bisschen Frieden« gemeint, nicht einfach die Abwesenheit von Zank und Streit, von Krieg und Gewalt. Damit ist der umfassende Friede Gottes, damit sind Heil und Leben in Fülle gemeint. Und wie einen Ausweis, wie einen Beweis zeigt Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern seine Wunden: Er ist wirklich der, der am Kreuz gelitten hat und gestorben ist, der in Wahrheit tot war. Und jetzt erfahren sie, dass er lebt. Er ist nicht im Tod geblieben, er hat ihn überwunden. Seine Liebe, die Liebe des Vaters ist so groß, dass sie den Tod bezwingt und damit alles, was ihn von den Seinen trennt. Am Friedensgruß und an den Wundmalen erkennen seine Freundinnen und Freunde ihn und mit einem Mal ist ihre ganze Angst in Freude verwandelt.
In diese Freude hinein sagt Jesus ihnen ein zweites Mal den Frieden zu wie zur Bestärkung. Und er gibt der Freude seiner Jüngerinnen und Jünger auch eine Zielrichtung: Was geschehen ist, soll nicht auf diesen Raum, auf diese Gruppe von Menschen beschränkt bleiben. Denn jetzt sagt Jesus ihnen, wie es weitergehen wird: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch« (Joh 20,21). Jesus lässt sie ihren Blick nach außen richten, er gibt ihnen eine Perspektive. Sie sind es, die an dem anknüpfen werden, was Jesus begonnen hat. Es ist nicht aus und vorbei. Die Sache Jesu ist nicht erledigt. Sie sind es, die diese fortführen und den Grund ihrer eigenen Freude verkünden sollen: den Sieg der Liebe über die Macht des Todes.

»… ein Leben, das kein Tod entreißt«: Empfangt den Heiligen Geist

Das ist eine große Aufgabe, die Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern zutraut und zumutet, denselben Menschen, die sich eben noch ängstlich verkrochen hatten, weil sie um ihr Leben fürchteten. Aber Jesus lässt sie nicht allein. Er tut etwas Entscheidendes, um sie zu rüsten für ihre Sendung: Er haucht sie an und wie er es zuvor versprochen hatte, schenkt er ihnen den Heiligen Geist, den Beistand, oder, wie Fridolin Stier so schön übersetzt, den Mutbringer. Die Szene lässt sofort an den zweiten Schöpfungsbericht denken, wo Gott den Menschen aus Ackerboden formt und ihm dann den Lebensatem einhaucht. Was hier geschieht, ist neue Schöpfung: Jesus haucht seinen Jüngern mit dem Heiligen Geist neues Leben ein. Eigentlich ist das der Moment, in dem Ostern bei den Jüngerinnen und Jüngern ankommt. Im Heiligen Geist ist ihnen ein Leben geschenkt, das kein Tod entreißen kann. Im Heiligen Geist ist Ostern in ihrem Leben, in ihrem Alltag angekommen und sprengt ihn auf, wandelt Angst in Freude und Enge in Weite. Denn in ihm ist es Jesus selbst, der bei ihnen ist und sein wird, der sie nicht allein lässt und der durch sie das vollenden will, was er begonnen hat. Zeichen dieser alles überwindenden Liebe Gottes ist die Vergebung der Sünden. Nichts soll die Seinen mehr von ihm trennen. Und so beauftragt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger mit der Sündenvergebung. Durch sie soll diese Liebe in der Welt erfahrbar werden.
Was hinter ängstlich verriegelten Türen begann, das war der Anfang von dem, was wir Kirche nennen. Sicher waren die Freunde Jesu nicht ab sofort von Ängsten und Zweifeln vollkommen befreit. Johannes erzählt, dass sie nach acht Tagen wieder hinter verschlossenen Türen versammelt waren. Aber die Kraft des Mutbringers war in ihnen so stark, dass sie es schafften und die Türen aufstießen, dass sie aus sich herausgingen, andere begeisterten und die Frohe Botschaft so ihren Weg um die ganze Welt fand.

Aufgesprengt!

Was den Jüngerinnen und Jüngern am Abend des Osterfestes widerfahren ist, das gilt auch uns. Der Geist Gottes ist uns allen geschenkt, nicht nur ein paar Funktionsträgern oder Hauptamtlichen. Wir alle stehen in den Schuhen der Jünger. Wir alle haben den Geist empfangen in Taufe und Firmung. Vielleicht müssen wir ihm nur mehr zutrauen!
Pfingsten, das ist, wenn auch wir spüren: Jesus ist da. Er ist bei uns, auch wenn wir in Ängsten und Sorgen gefangen sind.
Pfingsten, das ist, wenn wir darauf vertrauen, dass der Friede Gottes uns zugesagt ist, und wenn wir in unserem Alltag etwas von dem erahnen können, was dieser Friede bedeutet.
Pfingsten, das ist, wenn wir uns losschicken lassen für die Sache Jesu und nicht ängstlich hinter verschlossenen Türen um uns selbst kreisen, das ist, wenn wir in Wort und Tat Zeugnis ablegen von der Liebe Gottes, der nichts, nicht einmal der Tod, Grenzen setzen kann.
Pfingsten, das ist, wenn wir uns dem Mutbringer öffnen, wenn wir darauf vertrauen, dass uns jemand beisteht und wir nicht allein sind, wenn wir den Mut haben, den Geist wehen zu lassen, auch wenn dabei einiges durcheinandergewirbelt werden könnte in unserem Leben, in unserer Kirche, in unserer Welt.
Pfingsten, das ist, wenn Ostern ankommt in unserem Alltag und ihn aufsprengt – für das Leben.

Gabriele Hüben-Rösch

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