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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Ostersonntag
Lesejahr A–B–C
Gottesdienst I
Einführung

Der Stein ist vom Grab weggewälzt. Was Ende war und auswegloser Tod, ist Weg ins Leben geworden. Weil Jesus Christus, der Auferstandene, auch uns den Weg gebahnt hat aus der Finsternis ins Licht, aus der Grube in die Freiheit und aus dem Tod ins Leben, darum dürfen wir aus ganzem Herzen die österlichen Freudenlieder singen. Darum dürfen wir ihn bitten, dass er uns ansteckt mit dem österlichen Leben.

Kyrie-Ruf
Herr, Jesus Christus, du lebst und auch wir werden leben.
Herr, erbarme dich.

Du bist uns vorausgegangen zu deinem und zu unserem Vater.
Christus, erbarme dich.

Mit deinem Geist und mit deiner Liebe bist du bei uns, alle Tage bis ans Ende der Welt.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gütiger Gott,
mit der ganzen Schöpfung feiern wir Ostern. Du hast das verschlossene Grab geöffnet. Dein Sohn Jesus Christus hat den Tod besiegt und das Leben neu geschaffen.
Hilf unserer Verzagtheit auf und räume die Steine weg, die uns den Weg versperren. Belebe uns durch deinen Geist, dass auch wir auferstehen und aus deiner Kraft leben, heute, morgen und in Ewigkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 218,1–4 »Gelobt sei Gott im höchsten Thron«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 235/1 »Danket dem Herrn« mit 235/2 (Psalm 118, ausgewählte Verse) und GL 235/3 »Halleluja« mit Joh 20,29
oder GL 223,1–3 »Wir wollen alle fröhlich sein«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 226,1–3 »Nun freut euch hier und überall«
Gesang zur Kommunion
GL 227,1–4.11–12 »Danket Gott, denn er ist gut«
Dankhymnus
GL 222,1–3 »Nun freue dich, du Christenheit«

Fürbitten
Jesus Christus, wir feiern das Fest unserer Befreiung, das Fest der Erlösung, das Fest deiner Auferstehung. Ein Engel hat den Stein von deinem Grab weggewälzt und dein Vater hat dir Zukunft und unvergängliches Leben geschenkt. Dich bitten wir:

– Du bist vom Tod erstanden: Mach alle Gläubigen zu Boten der Hoffnung und zu Zeugen des Lebens für diese Welt.
– Du hast die Finsternis erhellt mit dem Licht deiner Auferstehung: Lass dein Licht aufgehen für alle, die in der Dunkelheit um sie keinen Ausweg sehen.
– Der Stein an deinem Grab war weggewälzt: Wir bitten dich für alle, denen die Last der Vergangenheit die Hoffnung auf Zukunft verstellt.
– In deiner Auferstehung hast du alles Leid überwunden: Erlöse die Leidenden, tröste die Trauernden und führe die Unterdrückten zur Freiheit.
– Du lebst in der Gemeinschaft mit Gott dem Vater: Erhalte allen Getauften die Freundschaft Gottes.
– Du bist nicht in der Nacht des Grabes geblieben: Gib allen Menschen Anteil an deinem österlichen Leben.

Ewiger, lebendiger Gott, der Tag der Auferstehung ist der Tag des Sieges über Not und Tod. Gib uns Anteil an der Auferstehung deines Sohnes, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.

Licht am Ende des Tunnels
Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 20,1–9 (Evangelium)

Die Erzählung vom »leeren Grab« ist den österlichen Gottesdienstbesuchern sehr bekannt. Kann einen so Bekanntes wie das Bild des »leeren Grabes« dennoch anrühren und bewegen? Und wie gelingt es, die Osterberichte so zu verdeutlichen, dass sie ihre Relevanz für das Leben mitten in diesem irdischen Leben entfalten können und nicht nur im Zusammenhang mit der Frage nach den »letzten Dingen« gesehen werden? Mit zwei Gedanken versucht die Predigt den Brückenschlag zu unserer Lebenswirklichkeit:
Im Grab Jesu ist nicht nur sein Leichnam begraben, sondern auch die Hoffnungen seiner Jünger. Unser Zugang zu Ostern beginnt genau dort, wo wir vor den begrabenen Hoffnungen unseres eigenen Lebens stehen. Begrabene Hoffnungen und begrabener Glaube, das ist der Punkt, von dem das österliche Geschehen seinen Ausgang nimmt.
Vielleicht ist ein Perspektivwechsel angesagt. Wir sollten das Grab nicht nur von Außen betrachten. In einem gewissen Sinn befinden wir uns selbst oft in einem verschlossenen Grab und ein schwerer Stein ver-sperrt uns den Weg ins Freie. Ostern bedeutet – in diesem Bild bleibend – für uns: Licht am Ende des Tunnels, Öffnung eines Weges, der in die Freiheit, zum Glauben und zum Leben führt.

Predigt

Die begrabene Hoffnung

Es war noch kein christliches Begräbnis, mit dem die paar verstreuten Jünger und Josef von Arimathäa Jesus heimlich, still und leise an seinem Todestag beisetzten. Es war noch kein christliches Begräbnis, weil über diesem Grab noch nicht die Hoffnung der Ostersonne leuchtete.
Ich glaube, was Ostern heißt, verstehen wir erst, wenn wir erahnen, welche Hoffnungslosigkeit zunächst über diesem Grab lag, in das der Leichnam Jesu gelegt wurde. Groß war die Liebe, die ihn in dieses Grab legte, genauso groß die Trauer über sein Ende und noch größer die Trost- und Hoffnungslosigkeit der Frauen und Jünger.
Nicht nur Jesus war begraben worden, sondern auch alle Hoffnung wurde zu Grabe getragen: Begraben die Hoffnung, dass Gottes Reich der Liebe, das im Handeln Jesu angebrochen war, einen Platz in dieser Welt haben könnte! Begraben die Hoffnung, dass sich das Gute und die Gerechtigkeit gegen die Mächte des Bösen durchsetzen könnten. Mit dem schweren Stein, der das Grab verschloss, war nicht nur der Tod Jesu besiegelt, sondern besiegelt war auch der Tod der Hoffnungen seiner Jünger! »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen« – der Schrei Jesu hallte noch in ihren Ohren und in ihren Herzen: Gottverlassen, das war nicht nur Jesus, sondern auch die Frauen und Männer aus seiner Jüngerschaft bis zu diesem Ostertag: Von Gott vergessen und verlassen – wer sich so fühlt, fühlt sich wie die Jünger am frühen Ostermorgen.
In diesem Grab lag nicht nur der Leichnam Jesu, in diesem Grab liegen auch die begrabenen Hoffnungen – vorbei ist vorbei –, in diesem Grab liegt auch der begrabene Glaube – wir hatten geglaubt, dass er der sei, der Israel erlösen werde, so sagen die Emmausjünger: Wir hatten geglaubt! Nun ist der Glaube begraben und darüber liegt der schwere Stein!

Der Stein ist weggewälzt

Und nun, irgendwann mitten in der Nacht, beginnt Ostern. Kein Mensch weiß die Stunde. Kein Mensch hat gesehen, wie es geschah. Über all dem liegt der Schleier des göttlichen Geheimnisses.
Aber frühmorgens, als es noch dunkel war, da sieht Maria von Magdala als erste, dass der Stein, der das Grab verschlossen hatte, weg ist. Und vielleicht haben Sie auch gemerkt, wie kunstvoll das Johannesevangelium an diesem Punkt aufgebaut ist: Maria von Magdala sieht, dass der Stein weg ist. Der Jünger, der dann kommt, es ist Johannes, beugt sich vor und sieht schon etwas mehr. Und der dritte, Petrus, er geht schließlich durch die Öffnung des Grabes, das nun nicht mehr verschlossen ist, und sieht die Totentücher, zusammengefaltet und aufgeräumt. Und schließlich geht auch Johannes ganz hinein – und von ihm sagt das Evangelium: Er sah und glaubte!
Genau genommen ist an der Geschichte nach natürlichen Kriterien etwas falsch! Wenn es draußen noch Nacht und dämmrig ist, dann kann man im Grab doch unmöglich besser sehen. Aber von seinem Standpunkt aus hat das Evangelium recht: Im Grab leuchtet schon das österliche Licht, während es draußen um die Menschen noch dunkle Nacht ist!

Licht am Ende des Tunnels

Wenn ich das in einem Bild darstellen darf, dann male ich mir das ungefähr so aus: Um die Jünger ist es tiefste Nacht, hoffnungslos sitzen sie selbst wie in einem Grab ihrer enttäuschten Wünsche, denn wenn wir die geistige Situation der Jünger recht verstehen, dann sind sie so etwas wie lebendig begraben – fast so wie Verschüttete in einem eingestürzten Bergwerk – und die Hoffnungslosigkeit versperrt jeden Ausgang. Da sieht Maria von Magdala in der Morgenfrühe plötzlich, wie ein Lichtstrahl durch die Trümmer der eingestürzten Hoffnungen dringt, unter denen die Jünger begraben sind, und sie merkt, der Stein, der den Ausgang versperrte, ist weg! Johannes eilt bis zum Ende des Tunnels und bleibt stehen, den Kopf hinausgestreckt ins helle Osterlicht! Petrus rennt ihm hinterher und springt hinaus ins Freie! Da geht auch Johannes hinaus, er steht mitten im Osterlicht und merkt: Wir sind befreit, das Grab ist offen! Und wie ein Blitz muss es ihn wohl getroffen haben: Dann hat es gestimmt, als Jesus gesagt hat, dass er uns befreien werde! Dann stimmt es, dass durch seinen Tod die Tür zum Leben aufgesprengt wurde! Dann war sein Leben und Sterben nicht vergeblich, dann hat uns Gott gar nicht vergessen und verlassen, dann hat er auch Jesus nicht verlassen! Und er sah und glaubte!

Wo ereignet sich Ostern

Wo ereignet sich Ostern? Ostern ist da, wo die Steine von den Gräbern weggewälzt sind.
Ostern begann damals, als der Stein von Jesu Grab weggewälzt wurde. Ostern begann damals, als die Jünger aus dem Grab ihrer eingestürzten Hoffnungen hinausgeführt wurden und sie an dem Ort, an den sie den toten Jesus gelegt hatten, zur Freiheit fanden und vom Glauben an den lebendigen Jesus Christus ergriffen wurden.
Und Ostern ist heute da, wo die Türen zum Leben aufgesprengt werden und Menschen, die wie lebendig begraben waren, ans Licht kommen. Ostern ist heute da, wo sich die Gräber der Hoffnungslosigkeit öffnen. Ostern ist da, wo gestorbene Beziehungen und tote Liebe wieder zu leben beginnt. Ostern ist da, wo der tot gesagte Glaube sich plötzlich wieder regt. Ostern ist da, wo man am verschüttet geglaubten Ende des Tunnels plötzlich wieder Licht sieht.
Und Ostern wird dann sein, wenn das Grab, in das man auch uns einmal legen wird, die Tür wird zum Leben, das Gott uns schenkt.
Ostern war nicht nur damals, vor fast 2000 Jahren, sondern Ostern ist auch heute. Und ich wünsche uns, dass es uns wie Maria von Magdala geschenkt wird, das österliche Licht sehen zu dürfen, und dass wir wie Johannes sehen und glauben.

Martin Schniertshauer

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