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»Dienst am Wort«
Herausgeber
Leseprobe 2
Fünfter Fastensonntag
Stunde der Entscheidung
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Mit dem fünften Fastensonntag beginnt in der katholischen Kirche die Passionszeit. Passion – vom Lateinischen her bedeutet das Leiden, Krankheit, aber auch Hingabe und Leidenschaft. All das schwingt mit, wenn wir in den zwei Wochen vor Ostern das Leiden und den Tod Jesu bewusst in den Blick nehmen. Nicht als Schaulustige oder Schockierte aus der Ferne, sondern um uns noch stärker mit Jesus Christus zu verbinden und uns in seiner Nachfolge ermutigen zu lassen.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, voller Liebe bis in den Tod!
Herr, erbarme dich.

Herr Jesus Christus, standhaft in allen Anfechtungen!
Christus, erbarme dich.

Herr Jesus Christus, auf unserem Weg uns zur Seite!
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Du Gott der Liebe und des Lebens,
wir schauen auf Jesus Christus, deinen Sohn, der dir und seinem Weg der Liebe treu blieb bis in den Tod.
Öffne uns für dieses Geheimnis. Schenke uns Anteil an Jesu Hingabe und stärke uns für seine Nachfolge.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge


Gesang zur Eröffnung
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben«

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 301 »Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott« mit GL 639/2 (Psalm 51)
und GL 176/3 »Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre«

Gesang zur Gabenbereitung
GL 461 »Mir nach, spricht Christus, unser Held«

Gesang zur Kommunion
GL 460 »Wer leben will wie Gott auf dieser Erde«

Dankhymnus/Schlusslied
GL 291 »Holz auf Jesu Schulter«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 12,20–33 (Evangelium)

Der Tod Jesu ist im Johannesevangelium die Stunde der Erhöhung und Verherrlichung, auf die das ganze Wirken Jesu zuläuft, schon von seinem ersten Zeichen, dem Weinwunder in Kana, an. Dort und ähnlich an anderen Stellen im Johannesevangelium heißt es: »Meine Zeit ist noch nicht gekommen« (Joh 2,4; 7,6; 7,30; 8,20). In der Perikope für den fünften Fastensonntag nun heißt es: »Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird« – ein entscheidender Moment. Der Evangelist lässt Jesus innenhalten und sich seiner Sendung vergewissern. Und er lässt diese Entscheidung von Gott bestätigen. In meiner Predigt versuche ich das für unsere Zeit und für die Nachfolge von Christinnen und Christen zu übersetzen.

Predigt


Jetzt ist es soweit: Das Leben und Wirken des Jesus von Nazaret ist an einem entscheidenden Punkt angekommen. Von den ersten Kapiteln des Johannesevangeliums an haben wir immer wieder gehört: »Meine Stunde ist noch nicht gekommen« oder »Seine Zeit war noch nicht gekommen«. Doch jetzt ist es soweit: »Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.« Jesus ist wieder in Jerusalem, freudig empfangen von vielen Menschen bei seinem Einzug in Jerusalem. Aber der Tötungsbeschluss des Hohen Rates steht bereits. Nachdem Jesus seinen toten Freund Lazarus auferweckt hatte und damit ein großes Zeichen seiner Wirkmacht und seiner Gottessohnschaft gegeben hatte, war der Hohe Rat zusammengekommen und hatte beschlossen, ihn zu töten.

Jesus weiß also, was ihn erwartet: »dass der Menschensohn verherrlicht wird«. Was der Evangelist so positiv formuliert, ist ein grausamer Leidensweg und Tod.

Können wir überhaupt ermessen, was das heißt? Wie hart das ist, sehenden Auges in den Tod zu gehen? Nicht auszuweichen, sondern konsequent seinen Weg weiterzugehen, auch wenn es das Leben kosten wird? Können wir ermessen, welche Kraft das kostet?

Entschiedenes Handeln heute

Diese Frage stelle ich mir auch manchmal, wenn ich lese oder höre, wie auch heute Menschen voller Leidenschaft ihren Weg gehen, selbst wenn dieser sehr gefährlich ist oder gar in den Tod führt.

Wie lebt ein Christ, eine Christin in Nigeria oder in Pakistan, im Wissen, dass jederzeit ein Anschlag passieren könnte? Wie schaffen es Journalistinnen und Journalisten in der Ukraine, in Mexiko, China und anderswo, ihre Arbeit zu tun, sich in Gefahr zu begeben, obwohl sie wissen, dass einige ihrer Kolleginnen und Kollegen ums Leben kamen? Wie hart ist es für unzählige Oppositionspolitikerinnen und Menschenrechtler in so vielen Ländern unserer Erde, sich weiter einzusetzen und Widerstand zu leisten, im Bewusstsein, dass sie jederzeit wie viele ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefangen genommen oder getötet werden können?

Für diese Menschen empfinde ich Bewunderung und Respekt. Ich weiß nicht, ob ich imstande wäre, unbeirrt an meinem Glauben festzuhalten oder meinen Überzeugungen treu zu bleiben, wenn es mein eigenes Leben bedrohen und gefährden würde. Wird man da nicht unsicher, zweifelnd? Ja, muss man nicht manchmal den eigenen Weg in Frage stellen, um nicht starr und eng zu werden?

Ein erschütterter Jesus

Wir erleben in unserem Evangeliumstext einen erschütterten Jesus. »Jetzt ist meine Seele erschüttert«, sagt er.

»Erschüttert« – dieses Wort hat zwei Bedeutungen. Zum einen meint es ein tiefes, inneres Bewegtsein, Berührtsein. Kein Wunder, Jesus steht an einem besonderen Punkt seines Weges. Er weiß, was auf ihn zukommt. Selbst der Evangelist Johannes, der sein Augenmerk stärker auf den souveränen Gottessohn richtet, kann nicht leugnen, dass der menschliche Jesus angesichts der Konsequenzen seines weiteren Handelns zutiefst betroffen und aufgewühlt ist.

»Erschüttert« kann aber auch zum andern bedeuten, dass da etwas ins Wanken kommt, dass da Grundlegendes in Frage gestellt wird. »Mein Leben ist durcheinandergeraten«, übersetzt der Theologe Fridolin Stier. Es kann gut sein, dass Jesus an diesem Scheidepunkt ins Grübeln und Fragen gerät, dass er bestürzt und durcheinander ist, dass er sich fragt, ob der Weg, den er eingeschlagen hat, der richtige ist. Jesus sieht durchaus zwei Möglichkeiten. Die eine, den Vater zu bitten, ihn zu retten, die andere, seinen Weg weiterzugehen und Gott zu verherrlichen. Dieser innere Konflikt wird vom Evangelisten nur kurz angedeutet und mit einer rhetorischen Frage übergangen: »Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!«

Wie hart muss das sein, am eingeschlagenen Weg festzuhalten, zu wissen, dass es in den Tod geht? Jesus bleibt seinem Weg treu. Er bekräftigt seine Entscheidung mit dem Gebetsruf: Vater, verherrliche deinen Namen. Und – das ist verwunderlich – Gott bestätigt diese Entscheidung. Eine Stimme vom Himmel antwortet: Ich habe ihn schon verherrlicht.

Unsere Entscheidungen


Die wenigsten von uns kommen – Gott sei Dank – in solch eine oder eine ähnliche Lage. Und doch gibt es genug Situationen, in der auch von uns Entscheidungen gefragt sind. Jesus Christus ruft uns auf, ihm nachzufolgen; er ruft uns auf, unser Leben gering zu achten, uns nicht so wichtig zu nehmen. Wie weit zu gehen sind wir bereit? Ihm zu folgen auf einem Weg der Liebe und Barmherzigkeit, der Ohnmacht und des Leidens? Wie weit wagen wir uns aus unserer Komfortzone heraus?

Und dann gibt es noch die vielen kleinen und großen Entscheidungen in unserem Leben, die an manchen Wendepunkten kommen oder die manchmal ganz unvermutet und unvorbereitet uns abverlangt werden: die Entscheidung für einen Beruf, eine Lebensform, einen Menschen, ein Kind; die Entscheidung, eine Trennung anzunehmen oder es bei einem kranken oder dementen Menschen auszuhalten; der erzwungene Abschied des Todes; unser Glaubensweg und vieles mehr.

Vom heutigen Evangelium können wir lernen: Jede Lebensentscheidung kann ins Wanken geraten. Zweifel und Fragen gehören zum Leben dazu, besonders wenn es schwer wird, gefährlich, unbequem. Wir sollten vor Erschütterungen nicht erschrecken, sondern sie zulassen. Vielleicht können wir unsere Fragen – wie Jesus – vor Gott bringen, sie bedenken, abwägen und zu einer neuen Entscheidung kommen. Eine Stimme vom Himmel werden wir wohl nicht hören, aber wir dürfen gewiss sein, dass wir in den Stunden der Entscheidung nicht allein sind. Dass wir mit Jesus Christus das Leben gewinnen.

Fürbitten

Wir kommen mit unseren Fragen und den Erschütterungen unseres Lebens zu Gott und bitten ihn:

– Für die Christinnen und Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt, gefangen genommen oder getötet werden.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Für die Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft, die weitreichende Entscheidungen treffen müssen.
– Für die Menschen, die sich für andere Menschen oder für ihre Überzeugung in Gefahr begeben.
– Für die Menschen, die ihre Angehörigen unterstützen und an den Krankenbetten und Pflegebetten ausharren.
– Für die Menschen, die vor wichtigen Lebensentscheidungen stehen.

Du bist ein Gott der Liebe und des Lebens. Dich loben und preisen wir, heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Beate Jammer

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