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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Fest der Erscheinung des Herrn
Eine Begegnung auf Augenhöhe
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


Das Hochfest der Erscheinung des Herrn ist ein strahlendes Fest! Was wir an Weihnachten »im kleinen Kreis« im Stall zu Betlehem gefeiert haben, das soll heute hinausstrahlen in die ganze Welt und alle Menschen erreichen: Der unbegreifliche Gott wird Mensch. Sein gutes und lebensbejahendes Wort ist Fleisch und damit verständlich geworden. Indem Gott Mensch wird und uns in Jesus Christus begegnet, ermutigt er uns ebenfalls dazu, Mensch zu werden und den Mitmenschen menschlich zu begegnen. Sein Wort bekommt auf diese Weise in unserem Tun Hand und Fuß. So grüßen wir Christus in unserer Mitte und bitten ihn um sein Erbarmen.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du wahrer Mensch.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus, du wahrer Gott.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus, du Licht der Welt.
Kyrie eleison.
Oder
GL 159 »Licht, das uns erschien«

Tagesgebet
Messbuch – Fest der Erscheinung des Herrn

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 241,1–4 »Nun freut euch, ihr Christen«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
Psalm 72 aus dem Kantorenbuch oder
GL 240,1–4 »Hört es singt und klingt mit Schalle« und
GL 244 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 239,1–4 »Zu Betlehem geboren«
Gesang zur Kommunion
GL 239,5–6 »Dich wahren Gott ich finde«
Dankhymnus
GL 261,1–4 »Stern über Betlehem«
Schlusslied
GL 238,1–3 »O du fröhliche«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 2,1–12 (Evangelium)

Der vorliegende Text aus dem zweiten Kapitel des Matthäusevangeliums ist uns sehr vertraut. Gerade bei bekannten Bibelstellen hören wir schnell weg und übersehen die tiefen Aussagen. Außerdem kann das Auftreten der Sternsinger und das Vorstellen ihres Jahresmottos leicht vom Evangeliumstext ablenken. Die Predigt greift ein zentrales Wort auf: »huldigen«. Das griechische Wort pros-kynéo drückt eine Unterwürfigkeit und Abhängigkeit aus und könnte in etwa so wiedergegeben werden: »sich niederwerfen und die Füße küssen«. Das scheint uns zunächst fremd zu sein, aber wenn wir unser Leben anschauen, können wir sehr wohl viele Unterwürfigkeiten und Abhängigkeiten entdecken. Die Begegnung mit dem Kind indes will einen Weg zum Menschsein aufzeigen und ist eine Einladung, Jesus durch das Evangelium hindurch zu begleiten und sein Menschsein sich zu eigen zu machen.

Predigt

Dem Stern auf der Spur

Um den Dreikönigstag herum begegnet uns immer wieder die neugierige Frage: Was war das für ein Stern damals? Ein Komet? Eine besondere Sternenkonstellation? Ein einzigartiges Himmelsphänomen? Etwas Übernatürliches? Doch was die einen erklären, widerlegen die anderen. Geht es wirklich um den Stern? »Wir haben seinen Stern aufgehen sehen«, heißt eigentlich nur: Wir sind davon überzeugt, dass ein ganz besonderer Machtträger geboren worden ist. Den wollen wir finden!

Diesen Mächtigen suchen die Sterndeuter: »Wo ist der neugeborene König der Juden?« Ihre erste Anlaufstelle ist selbstverständlich die Hauptstadt Jerusalem. Aber dort erschrecken alle, denn ein neuer König bedeutet Veränderung und Revolution. Herodes ist König. Ein grausamer zwar, aber wer weiß, ob es wirklich besser wird? Herodes wird seine Krone sicherlich nicht freiwillig abtreten. Wir wissen auch schon, wie die Geschichte weitergeht: Herodes wird alle Neugeborenen in Betlehem brutal töten lassen, um seine eigene Macht zu erhalten. Er hat große Angst davor, sie zu verlieren.

Was ist ein König?

Wenn wir »König« hören, denken wir vielleicht zuerst an die Königin von England oder den König von Spanien. Unsere Könige in Europa heute haben nur noch repräsentative Aufgaben. Die Klatschpresse freut sich über jede Hochzeit und über jeden Skandal.

Ein König damals aber ist ein absoluter Herrscher. Sein Wort gilt. Alle sind ihm untergeordnet. Er hat eine für uns unvorstellbare Machtfülle. Einem König huldigen heißt, sich ihm völlig zu unterwerfen. Wo wir in unserem Text »huldigen« lesen, heißt es ganz wörtlich so viel wie »sich niederwerfen und ihm die Füße küssen« (pros-kynéo). Das ist ein völliges Ausgeliefertsein. Das eigene Leben liegt in anderen Händen. Vor diesem König ist jeder einfach nur klein und unbedeutend. Von einem König zu reden, meint also: Da ist etwas, was alles in meinem Leben bestimmt. Etwas anderes hat Macht über mich.

Könige heute ...

Auch wenn wir heute politisch betrachtet in einer Demokratie leben, so sind doch immer noch Königinnen und Könige in unserem Leben präsent! Es gibt so Vieles, was unser Leben bestimmt und was Macht überuns hat – für uns als Einzelne wie auch für uns als Gesellschaft:

- Ein unsichtbares Virus, das unser Leben total verändert hat.
- Wir sind den Naturgewalten und den Folgen des Klimawandels ausgeliefert.
- Der Arbeitsalltag, den wir als Hamsterrad erleben können: ständige Erreichbarkeit und Leistungsdruck.
- Wir können in Süchte und Abhängigkeiten hineingeraten.
- Oftmals unbegreiflich und undurchsichtig ist der Weltmarkt mit seinen steigenden und fallenden Preisen und den daraus folgenden Konsequenzen für den Arbeitsmarkt und die Politik.
- Viele Menschen lassen sich von ihren Ängsten bestimmen und andere geraten in Depressionen.
- Aktuelles: ...
- Und vieles mehr ...

Die Königinnen und Könige, denen wir in unserem Leben huldigen – denen wir ausgeliefert sind – haben verschiedene Namen. Letztlich halten sie uns vom Leben und damit vom Menschsein ab. Das heutige Hochfest fordert uns auf, diese Herrschaften zu erkennen und zu benennen. Allein schon zu wissen, was mich unfrei sein lässt, ist der erste Schritt in die Freiheit und ins Leben!

Ein anderer König

Zurück zu den Sterndeutern! Warum wollen sie einem neuen König huldigen? Sich in neue Abhängigkeiten begeben? Geraten sie da nicht vom Regen in die Traufe? Hoffen sie, dass es besser wird? Auf Herodes sind sie zumindest nicht hereingefallen. Sie haben zwar in Jerusalem den Stern aus den Augen verloren, ihn aber wieder auf dem Weg nach Betlehem gefunden. Und ausgerechnet Herodes hat sie in die richtige Richtung geschickt.

In Betlehem finden sie in einem Haus das Kind und Maria, seine Mutter. Ihm huldigen sie. Denn er ist ein völlig anderer König! Warum? Das deuten die Geschenke an:

Das Gold als wertvolles Edelmetall ist Symbol für den König und damit für seinen Reichtum und seine Macht. Doch das neugeborene Kind kann damit nichts anfangen. Das Gold hat keinen Einfluss mehr. Der Weihrauch ist ein Glaubensbekenntnis und drückt aus, dass in diesem menschlichen König uns Gott begegnet. Aber nicht als Tyrann, sondern freundlich und gerecht. Und die Myrrhe unterstreicht, dass dieser königliche Gott – so unfassbar er ist – uns als Mensch nahekommt und unser Leben teilt. Der bittere Geschmack der Myrrhe steht für alle Herausforderungen des Lebens und damit für das spätere Leiden Jesu.

Diesem Kind huldigen die Sterndeuter. Vor ihm werfen sie sich nieder. Wenn wir uns vorstellen, dass das Neugeborene im Arm der sitzenden Mutter liegt, dann ist das eine Begegnung auf Augenhöhe. Beim Bücken verrutschen die kostbaren Gewänder und die Kopfbedeckungen, welche die Würde der Gäste ausdrücken, fallen auf den Boden. All das zählt nicht mehr. Die Sterndeuter machen sich klein und sind so dem Kind ähnlich. Das ist eine Begegnung von Mensch zu Mensch.

Was uns Matthäus hier ganz am Anfang seines Evangeliums erzählt, ist schon ein Hinweis auf den erwachsenen Jesus. Er ist den Menschen zugewandt und setzt sich ein für eine friedliche, gerechte und menschliche Welt. Er nennt das das Himmelreich oder das Reich Gottes. Seine Botschaft will helfen, wirklich Mensch zu werden und den Königinnen und Königen dieser Welt nicht zu huldigen, sondern zu leben.

Was bleibt?

Die Sterndeuter gehen wieder. Was nehmen sie von Betlehem mit? Hat die Begegnung mit dem Kind ihr Leben verändert? Wir wissen es nicht. Wie aber steht es um uns? Auch wir dürfen dem Kind begegnen, Jesus Christus. Wir glauben, dass er bei uns ist, wenn wir uns hier in seinem Namen versammeln, dass er zu uns spricht, wenn wir das Evangelium hören, und dass er sich selbst uns schenkt, wenn wir das Brot brechen. Was nehmen wir mit, wenn wir wieder nach Hause in unseren Alltag gehen? Seine Einladung ist es, Mensch zu sein und einander als Menschen zu begegnen.

Nichts anderes erzählen unsere Sternsinger, wenn sie in diesen Tagen von Tür zu Tür ziehen und singen. Und jede Gabe, die sie bekommen, ist eine Hilfe für Kinder weltweit – ein Betrag für eine friedliche, gerechte und menschliche Welt.

Fürbitten
Was uns beschäftigt und bewegt, dürfen wir vor Gott tragen. Er weiß um uns und hört uns. Zu ihm rufen wir:

- Wir beten für unsere Sternsinger, die von Haus zu Haus ziehen und die Botschaft vom Menschsein erzählen, für alle, die sie dabei unterstützen und begleiten, und für die Menschen, denen sie unterwegs begegnen.
(Herr, wir vertrauen auf dich.)
- Wir beten für die Kinder weltweit, denen die Sternsingeraktion zugutekommt, und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sternsinger Hilfswerkes, die die Projekte vor Ort betreuen.
- Wir beten für die Menschen, die in Ängsten und Abhängigkeiten leben, und für die Menschen, die ihnen helfen wollen und Wege ins Leben eröffnen können.
- Wir beten für die Politikerinnen und Politiker, die Verantwortung tragen für das Wohl der Gesellschaft, und für alle, die sich einsetzen für eine friedliche, gerechte und menschliche Welt.
- Wir beten für ... (aktuelles Anliegen)

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist – wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Dominik Weiß

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