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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
21. Sonntag im Jahreskreis
Die Freiheit der Wahl
Lesejahr B
Beitrag zur Lesung

Einführung

Als Menschen genießen wir viele Freiheiten und das ist gut so. Diese Freiheit führt dazu, dass wir uns entscheiden können und immer wieder entscheiden müssen. Oft sind es einfache Fragen wie die nach unserer Kleidung oder die Frage, wie wir einen freien Tag verbringen. Manchmal sind es auch ganz große Fragen wie diejenigen nach einer Partnerschaft oder einer Berufswahl. Es gehört zu unserer Würde als Menschen, dass wir uns entscheiden können. Zugleich aber ist damit eine große Verantwortung verbunden. Das Wort Gottes gibt uns Orientierung, um gute Entscheidungen zu treffen. Öffnen wir uns Gott und seinem Wort in dieser Feier.

Predigt

Zum Text: Jos 24,1–2a.15–17.18b (1. Lesung)

Der Sonntag ist der Tag der Versammlung …

Schön, dass Sie am Gottesdienst unserer Gemeinde teilnehmen. Gerade der Gottesdienst am Sonntag hat für uns Christen eine hohe Bedeutung. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt von der Eucharistiefeier, dass sie »Quelle und Höhepunkt« des ganzen kirchlichen Tuns ist. Bekannt ist das Zeugnis einer Gruppe von Christen, die zur Zeit der Christenverfolgungen gefragt wurden, warum sie sich entgegen kaiserlicher Anordnung zu ihrer sonntäglichen Feier versammeln würden. Diese sagten: »Wir können nicht ohne den Sonntag leben.« Vielleicht geht es Ihnen ganz ähnlich, dass Ihnen der Sonntag lieb und kostbar ist, weitaus mehr als nur eine Gewohnheit, und dass Ihnen etwas fehlen würde, wenn Sie am Sonntag nicht an der Feier des Gottesdienstes teilnehmen würden. Der Sonntag ist der wöchentliche Festtag der Christen, der Tag unserer Versammlung. Er ist der Tag, an dem wir Gottes Wort hören, ihn loben und ihm Dank sagen.

… und doch bleiben viele der Versammlung fern

Auf der anderen Seite erleben wir, dass dies längst nicht mehr alle so sehen und empfinden. Die Teilnahme am Sonntagsgottesdienst lässt nach und das in fast allen christlichen Kirchen und Gemeinden. Eine große Zahl von Menschen bleibt heute dem Gottesdienst fern. Oft sind es 90 Prozent der Getauften oder mehr, die zwar noch zur Kirche gehören und doch nicht regelmäßig am Gottesdienst teilnehmen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Manchmal ist es der Gottesdienst selbst, der als langweilig oder unbedeutend empfunden wird. Viele sagen, dass sie keinen wöchentlichen Gottesdienst bräuchten, um Christen zu sein. Sie könnten ihren Glauben auch so leben. Sie könnten zuhause oder andernorts beten, wann immer sie das Bedürfnis dazu haben. Den Gottesdienst besuchen sie vor allem zu besonderen Anlässen, zu besonderen Feiertagen oder wenn es in der Familie etwas zu feiern gibt. Und nicht wenige geben ihren Glauben ganz auf und treten aus der Kirche aus. Ein Leben ohne Kirche, ohne Glauben, ja vielleicht sogar ohne Gott ist heute kein Tabu mehr. Die Zeiten, in denen der größte Teil der Menschen fast schon automatisch zur Kirche gehörte und den Gottesdienst besuchte, sind vorbei. Manche erinnern sich mit Wehmut an ehemals volle Gotteshäuser. Die leeren Bankreihen zu sehen, das schmerzt.

Der Schmerz über die Abkehr von Gott …

Einen ganz ähnlichen Schmerz scheint Josua zu empfinden. Im Alten Testament begegnet uns eine Schrift, die nach ihm benannt ist und aus der wir die Lesung gehört haben. Josua ist ein bedeutender Anführer des Volkes Israel. Er gilt als der Nachfolger des Mose. Moses hatte das Volk Israel aus einer seiner größten Krisen, der Knechtschaft in Ägypten, herausgeführt. Er führte das Volk durch die Wüste bis an die Grenze des verheißenen Landes. Dann starb Mose. Er konnte das Land der Freiheit noch mit eigenen Augen sehen, hat es aber nicht mehr betreten. Josua fiel die Aufgabe zu, die Menschen in das Land Israel zu führen und das Land zu besiedeln. Nachdem das Volk in Freiheit und Sicherheit lebte, zeigten sich erste Auflösungserscheinungen. Die schweren Zeiten schienen vergessen und Einzelne wandten sich vom Gott Israels ab und anderen Göttern zu. In dieser sich neu abzeichnenden Krise versammelt Josua alle Stämme Israels und ihre Oberhäupter und ruft sie zur Entscheidung auf: »Wenn es euch nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten – womit Josua die Götter Ägyptens meint –, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.«

… und die Reaktion darauf

Ich kann die Enttäuschung und den Schmerz von Josua gut nachvollziehen. Er hat seine ganze Energie dafür aufgewandt, die Stämme Israels in das verheißene Land zu führen. Dies ging nicht immer friedlich ab. In den Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen hat Josua sein Leben riskiert. Es hat ihn viel Kraft und Ausdauer gekostet, die Befreiung aus Ägypten und die Landnahme in Israel zu einem Abschluss zu führen. Bei allen Misserfolgen und Schwierigkeiten, die er erleben musste, kann er mit seinem Lebenswerk zufrieden sein. Doch nun muss er mit ansehen, wie das, was Israel erreicht hat und von Gott geschenkt bekam, sich aufzulösen zu scheint. Und wie reagiert Josua? Er spricht dieses Problem offen an. Ja, mehr noch: Er versammelt alle Stämme des Volkes und bespricht das Problem mit ihnen. Zugleich aber lässt er dem Volk die Freiheit, sich selbst zu entscheiden. Gewiss bezieht er Stellung und sagt deutlich, dass er und sein Haus dem Gott Israels treu bleiben werden. Er erinnert die Menschen an die Taten, die Gott für sein Volk getan und wie er es befreit hat. Am Ende aber lässt er ihnen die Wahl. Sie sollen sich selbst entscheiden, wem sie dienen wollen.

Von Josua können wir lernen …


Dieses Verhalten, aber auch das Vertrauen von Josua beeindrucken mich sehr. So sehr es auch schmerzt, mitanzusehen, wenn andere sich vom Glauben entfernen und ihr Heil woanders suchen, so sehr muss man ihre Freiheit achten und respektieren. Mit Vorwürfen oder Anschuldigungen ist niemandem gedient und wird man keinen Menschen überzeugen. Auf der anderen Seite könnten wir auch vom Mut des Josua lernen, das Problem offen anzusprechen. Wie oft können wir in Gemeinden erleben, dass der Auszug aus der Kirche stillschweigend geschieht. Wir sehen, dass jemand, der regelmäßig kam, nicht mehr zum Gottesdienst kommt. Und doch geschieht es häufig, dass wir uns nicht nach ihm erkundigen, dass wir ihn nicht fragen, was denn los ist und wie es ihm geht. Vielleicht bräuchte ja jemand unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung gerade jetzt. Josua hat beides getan. Er hat die Menschen auf ihre Nähe oder Ferne zu Gott angesprochen, ihnen am Ende aber die Freiheit der Wahl gelassen. Die Entscheidung für ein Leben mit Gott oder ohne ihn, die muss jeder Mensch für sich treffen. Wir dürfen Menschen zu einem Leben mit Gott ermutigen und einladen. Das ist eine Aufgabe, die wir von Josua lernen können.

Fürbitten

Gott hat immer wieder Großes an seinem Volk getan. Ihn bitten wir:

- Für jene, die dein Wort hören oder verkünden: Lass sie ihr Leben nach deinem Wort gestalten.
- Für jene, die auf der Suche nach Orientierung sind: Sende ihnen deinen Geist, der ihnen hilft, gute Entscheidungen zu treffen.
- Für jene, die ausgelaugt, krank oder verzweifelt sind: Stärke sie und gib ihnen neue Kraft.
- Für jene, die dem Tod nahe oder bereits gestorben sind: Führe sie in das ewige Leben.

Mit allen unseren Bitten, den ausgesprochenen wie denen, die wir noch im Herzen tragen, vertrauen wir uns dir, Gott, an. Dich loben und preisen wir heute und in Ewigkeit. Amen.

Adrian Warzecha

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