Dienst am Wort – Startseite
Startseite » Archiv » Ausgabe 4/2018 » Leseprobe 1
Titelcover der archivierte Ausgabe 4/2018 – klicken Sie für eine größere Ansicht
Die Inhalte
der Zeitschrift
»Dienst am Wort«
Herausgeber
Unsere Autoren
<<< zur vorherigen Ausgabe zur nächsten Ausgabe >>>
Leseprobe 1
Pfingstsonntag
Hinter verschlossenen Türen die Herzen öffnen
Lesejahr A – B – C
Beitrag I zum Evangelium

Einführung


»Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt.« So bitten wir singend den Heiligen Geist. Welche Sehnsucht legen wir in dieses Gebet hinein? Wie viel an Erstarrung müsste aufbrechen, wie viel an Kälte und Härte weichen, wie viel Ausgeschlossen-Sein überwunden werden, damit in unserer Welt mehr Leben möglich ist? Bringen wir zu Beginn dieser Feier das vor Gott, was in uns, in unserem Leben sich lösen und in Bewegung kommen soll.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, dein Geist führt uns zum Glauben und ist das Leben der Kirche.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, dein Geist öffnet die Türen unserer Herzen und stärkt unsere Gemeinschaft.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, dein Geist sendet uns zu den Menschen und schenkt uns den Mut zum Zeugnis.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott,
du hast am heutigen Tag die Herzen der Jünger hinter den verschlossenen Türen mit dem Feuer des Heiligen Geistes erfüllt.
Öffne auch unsere Herzen durch deinen Geist für den Frieden und die Versöhnung, die du schenkst, und zeige uns den rechten Weg in unserem Leben.
Darum bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft alle Tage bis in Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 329 »Das ist der Tag, den Gott gemacht« oder
GL 815 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Komm herab, o Heilger Geist«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 342 »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft«
GL 346 »Atme in uns, Heiliger Geist«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 457 »Suchen und fragen« oder
EH 249 »Im Jubel ernten«
Gesang zur Kommunion
GL 331 »Ist das der Leib, Herr Jesus Christ« (Strophe 4!) oder
EH 247 »Gottes Geist bricht über uns ein«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 349 »Komm, o Tröster, Heilger Geist« oder
EH 153 »Unser Leben sei ein Fest«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 20,19–23 (Evangelium)

Bei Johannes gehört die Geistsendung zum Ostergeschehen und wird als Ereignis des ersten Tages der Woche berichtet. Liturgisch orientiert sich das Pfingstfest an Lukas und der Apostelgeschichte. Die Erfahrung des Geistes steht am Ende einer 50-tägigen »Klausur« der Jünger. Die Predigt greift beide Aspekte auf. Die Jünger versammeln sich hinter verschlossenen Türen. Sie ziehen sich zurück. Aber ihre Herzen werden geöffnet. Sie erfahren die Nähe des Auferstandenen und hören seine Botschaft in dieser Situation, die von Furcht, Ratlosigkeit und der unausgesprochenen Frage, wie es denn nun weitergehen soll, geprägt ist. Darin sind sie uns nahe, wenn wir – als Einzelne wie als Kirche – nach einem Weg oder Ausweg suchen und uns dazu in Klausur begeben, wenn wir in geschütztem Rahmen nachdenken und dabei offen bleiben für den Impuls des Geistes.

Predigt

Hinter verschlossenen Türen …

Die Kamera erheischt noch einen Blick von der Runde, die schon an den Tischen Platz genommen hat. Dann schließt sich langsam die Tür. Die Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit beginnt. Wir kennen solche Szenen. Aus der Politik, wenn jene, die die Möglichkeiten einer Großen Koalition sondieren, sich zurückziehen. Aus dem kirchlichen Leben, wenn die Bischofskonferenz sich zur Frühjahrsvollversammlung trifft oder Kardinäle im Konklave verschwinden. Aus dem Gerichtswesen, wenn sich wegen einer nicht öffentlichen Verhandlung die Türen schließen. Oder aus dem beruflichen Alltag, wenn ein Team sich in eine Klausur zurückzieht. In eine Klausur gehen und hinter verschlossenen Türen beraten Menschen, wenn sie konzentriert und ungestört arbeiten wollen, wenn das Thema brisant oder heikel ist, wenn kontrovers und hitzig debattiert wird oder persönliche Dinge zur Sprache kommen.

… sitzen die Jünger

Hinter verschlossenen Türen sitzen auch die Jünger Jesu am Abend dieses ersten Tages der Woche. Nein, sie haben sich nicht zu einer Klausur zurückgezogen. Es ist ihre Angst, die sie in diesem Raum zusammenkommen und die Türen fest verschließen lässt. Ihre »Furcht vor den Juden«, sagt Johannes, vor den Führern des Volkes, die ihnen jetzt womöglich genauso übel mitspielen wie ihrem Meister, der am Kreuz gestorben ist. Und doch befinden sich die Jünger in einer Art Klausur. Nach den Erfahrungen des vermeintlichen Scheiterns Jesu versammeln sie sich in einem Raum. Lukas schreibt in seiner Apostelgeschichte, dass sie nach der Himmelfahrt Jesu in einem Obergemach in Jerusalem bis zum Pfingsttag »nun ständig blieben«. Wir können uns denken, dass sie da nicht schweigend saßen. Ich stelle mir vor, wie sie von ihren Erlebnissen mit Jesus erzählen, von dem, was sie erhofft und erwartet haben, von den Enttäuschungen, von ihren Sorgen, wie es nun weitergehen soll, von ihrem Glauben und ihren Überlegungen, was Jesus denn nun von ihnen erwarte. Es ist eine gespannte Atmosphäre. Irgendetwas muss jetzt geschehen, wenn sie nicht in der Erstarrung verharren wollen, im Lamentieren, im Grübeln, in der Ratlosigkeit.

Eine Tür muss doch aufgehen

Irgendetwas muss sich bewegen, haben wir uns vor gut vier Monaten gedacht, als die Verantwortlichen der Parteien zu ihren Sondierungen für die Große Koalition zusammengekommen sind. Eine Tür muss doch aufgehen, haben viele gehofft, als die Bischöfe sich damals in Rom zur Familiensynode versammelt und unter anderem über den Kommunionempfang für die wiederverheirateten Geschiedenen beraten haben. Eine Lösung muss her, haben die rund 12.000 Leute gesagt, die mit Blick auf den Priestermangel das Memorandum für die Weihe von sogenannten viri probati, also von verheirateten Priestern, unterzeichnet haben. (Memorandum der Reformgruppe »pro concilio e. V.« (Esslingen) im Jahr 2017.) Wie können wir heute als Kirche in unseren Städten und Dörfern präsent bleiben und Menschen erreichen, fragen sich Hauptberufliche und Ehrenamtliche in Klausuren, Sitzungen und Synoden.

In einer »Klausur« mit offenen Herzen …

Um aus einer Sackgasse herauszukommen, um in vertrackten und komplizierten Situationen Lösungen zu finden, braucht es zum einen in der Tat das konzentrierte Beisammensein. Eine Klausur, in der in Ruhe und ohne große Öffentlichkeit beraten werden kann. Ein Gespräch hinter verschlossenen Türen, in dem eine Familiensituation, eine Beziehungskrise, ein Konflikt mit klarem Blick und in geschütztem Rahmen angeschaut werden kann. Aber es braucht ebenso ein offenes Herz. Die Bereitschaft, aufeinander zu hören, Spannungen auszuhalten und sich verändern zu lassen. Ein Herz, das wahrnehmen kann, wo der Geist uns eine Tür öffnen will. Eine Sensibilität für die Botschaft, die in einer bestimmten Situation deutlich wird und uns einen Weg weisen will. Das steckt für mich in der Geschichte von der Geistsendung, die bei Johannes am Abend des Ostertages stattfindet. In diese Klausur der Jünger, in diese ratlose und nachdenkliche und zugleich von Furcht geprägte Situation tritt der Auferstandene. Mit einer klaren Botschaft, die lautet: Gott bleibt im Gekreuzigten, den er auferweckt hat, an unserer Seite – auch auf den Wegen des eigenen Scheiterns, des Fragens und Suchens. Und mit einem Auftrag, der da heißt: Tragt diese Botschaft hinaus. Verkündet die Liebe Gottes. Lasst Menschen die Kraft der Versöhnung und Befreiung erfahren, die darin steckt. Hinter den verschlossenen Türen war das Herz der Jünger offen, das zu hören und zu spüren. Der Auferstandene hat sie herausgeholt und mit dem Heiligen Geist gestärkt. Und sie sind schließlich aufgebrochen und haben begonnen, Kirche Jesu Christi zu sein und zu gestalten.

… öffnet Gottes Geist Türen

Dort, wo unsere Angst, unsere festen Vorstellungen, unsere Fixierung auf uns selbst, unser Egoismus uns einschließen, will Gottes Geist ein Türöffner sein. Oder anders gesagt: Wo wir Mut bekommen, neue Perspektiven gewinnen, uns von außen anfragen lassen und die Bedürfnisse anderer in den Blick nehmen, ist Gottes Geist am Werk. Das kann auf vielfältige Weise geschehen. Ich denke an einen Bekannten, der in Familienaufstellungen und durch geistliche Begleitung einen neuen Blick auf sein Leben bekommen hat. Ich denke an die Beratungen in unserem Prozessteam zu »Kirche am Ort« (»Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten« lautet der pastorale Prozess, der derzeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart läuft.), in dem bei allem Lamentieren über die aktuelle kirchliche Situation immer wieder die Begeisterung des Glaubens und das Feuer für Jesus Christus und seine Botschaft in uns auflodern. Ich denke an eigene Exerzitien, in denen ich mich für Tage zurückziehe, um dann gestärkt und mit einem erneuerten Blick auf mich und mein Leben in den Alltag zurückkehre. Zu einem geistlichen, einem pfingstlichen Ereignis werden solche Erfahrungen, wenn ich sagen kann: Gott hat mich durch Jesus Christus berührt, gestärkt, bewegt. So wie damals die Jünger. Das kann im Gebet geschehen, im Gottesdienst, in der eucharistischen Anbetung, bei der Schriftlesung, in einem geistlichen Gespräch, im gemeinsamen Ringen um seine Botschaft und seinen Auftrag an uns, in einer behutsamen Begleitung. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie der Auferstandene in die Mitte unseres Lebens treten kann. Denn das ist es, was Jesus Christus im Heiligen Geist bis heute will und tut: dort, wo wir hinter verschlossenen Türen sitzen, Herzen öffnen. Das haben die Jünger bei ihrer »Krisen-Klausur« an bzw. nach Ostern erfahren. Ihre Türen sind wieder aufgegangen und sie sind mit Mut und einer Vision aufgebrochen. Das wünschen wir uns auch heute so oft, für uns, für die Kirche und unsere Gesellschaft. Dass Menschen aus Klausuren, Beratungsprozessen und klärenden Gesprächen mutig, hoffnungsvoll und mit einer neuen Vision herauskommen und weitergehen.

Fürbitten
Gott, dein Geist öffnet unsere Herzen, damit wir erkennen, wie der Auferstandene uns nahe ist, uns ermutigt und uns den Weg weist. Ihn, Jesus Christus, bitten wir:

- Für die Bischöfe, die Pastoralteams und die Räte in unseren Gemeinden und Diözesen, die sich immer wieder zurückziehen, um in Fragen des kirchlichen Lebens zu beraten und zu entscheiden. – Stille – Herr Jesus Christus: (Sende ihnen deinen Geist.)
- Für die Politikerinnen und Politiker, die in Parlamenten, Ausschüssen und Kommissionen diskutieren, wie unsere Gesellschaft den aktuellen Herausforderungen begegnen kann. – Stille – Herr Jesus Christus:
- Für alle, die als Berater und Supervisoren Menschen in Entscheidungs- und Krisensituationen begleiten. – Stille – Herr Jesus Christus:
- Für alle, die sich ängstlich zurückziehen und notwendige Auseinandersetzungen mit anderen scheuen. – Stille – Herr Jesus Christus:
- Für alle Priester, die in der Beichte mit der Schuld von Menschen konfrontiert werden und denen der Dienst der Sündenvergebung aufgetragen ist. – Stille – Herr Jesus Christus:

Gott, durch den Heiligen Geist lässt du uns deine Nähe und Liebe spüren und öffnest uns für die Freude, die uns Jesus Christus schenkt. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Klaus Kempter

Zurück zur Startseite

pastoral.de


Das bewährte
BasisProgramm
auf CD-ROM


pastoral.de - BasisProgramm

oder jetzt ganz neu

Die neue
Web-Plattform
im Browser


pastoral.de - Web-Plattform

Vergleichen Sie hier

Anzeigen
Mit Anzeigen und Inseraten erreichen Sie Ihre Zielgruppe. Anzeige aufgeben

Unsere neue Dienstleistung für Verlage, die Ihr Abogeschäft in gute Hände geben wollen.


aboservice

mehr
Informationen



Dienst am Wort
Telefon: +49 (0) 711 44 06-134 · Fax: +49 (0) 711 44 06-138
Senefelderstraße 12 · D-73760 Ostfildern
Kontakt | Sitemap | AGB | Widerruf | Datenschutz | Impressum