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Leseprobe 3
Mariä Aufnahme in den Himmel
Der Mächtige hat Großes an mir getan
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Bereits seit dem 5. Jahrhundert ist der Glaube an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel bezeugt: Maria gestorben, wie jeder von uns, wird aufgenommen mit Leib und Seele, ganz und gar, nichts wird ausgeklammert.

Christus Jesus, der »Erstgeborene von den Toten«, schenkt Maria, was uns allen verheißen ist: Von Gott angenommen um Jesu Christi willen. Und aufgenommen in Gottes unendliche, ganz erfüllende Gemeinschaft mit allem, was mich ausmacht, mich prägt, mich begeistert oder traurig macht, mit meinem Denken und Fühlen, mit meiner ganzen einmaligen Geschichte und Identität. Welche Hoffnung! Nichts wird übersehen, nichts geht verloren, alles gerettet und erlöst. Ostern ist unsere Verheißung, unsere Hoffnung, unsere Rettung.

Diese frohe Botschaft unseres Glaubens mag aufscheinen, mitten im Jahr, mitten im Leben, mitten im Alltag.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist Mensch geworden aus Maria.
Herr, erbarme dich.
Du hast deine Mutter aufgenommen in deine Herrlichkeit.
Christus, erbarme dich.
Du willst auch uns schenken dein neues Leben in Ewigkeit.
Herr, erbarme dich.
oder:
GL 161 »Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld«

Tagesgebet
Messbuch 749 oder

Gott unserer Hoffnung,
unseres Glaubens und unserer Liebe,
Mensch geworden in Jesus Christus,
nimmst du uns Menschen an.
Auferweckt von den Toten,
aufgefahren ins Leben,
nimmst du um seinetwillen auf,
die hören, was lebensnotwendig ist,
die bewahren, was liebenswert ist,
die bewegen, was unfähig ist,
und tun, was tief ins Herz gefallen ist.
Wie an Maria,
handle auch an uns.
So bitten wir durch Jesus Christus.
(Vgl. Rautenbach, Sr. Renate. In: Laacher Messbuch 2017. Stuttgart 2016, 746)

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 536 »Gegrüßet seist du, Königin«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 522 »Maria aufgenommen ist« und GL 174/3 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 526 »Alle Tage sing und sage«
GL 893 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Gruß dir, Mutter, in Gottes Herrlichkeit«
Gesang zur Kommunion
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 395 »Den Herren will ich loben«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 1,39–56 (Evangelium)

Glaubensgeschichten sind oft Weggeschichten: Auch im heutigen Evangelium bricht ein Mensch auf: Maria. Sie hat gehört, erfahren, was aus ihrem Leben werden soll, und hat ihre Antwort des Glaubens gegeben: »Mir geschehe, wie du gesagt hast« (Lk 1,38).

Maria bricht auf, macht sich auf den Weg, um darüber zu reden und ihre Erfahrung zu teilen. Sie eilt zu Elisabet. Und aus deren Mund hören wir, warum wir Maria verehren: »Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes […]. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (Lk 1,42.45).

Maria antwortet darauf mit dem »Magnifikat«, in dem zum Ausdruck kommt, wer Maria ist und wie Gott am Menschen handelt. Dies will auch die Predigt in den Blick nehmen. Das Magnifikat, einer der am häufigsten in der Liturgie gebeteten und verkündeten Hymnen, lässt im Abendgebet der Kirche unermüdlich den Tag ausklingen in der Hoffnung und Zuversicht, dass Gott die Armen und Entrechteten nicht vergisst, dass er ein Gott des Morgens und der Zukunft ist, dass er treu zu seinen Verheißungen steht. Das Bekenntnis zum Wirken Gottes an Maria will unsere Hoffnung stärken und festigen, dass Gott zu keiner Zeit und auch heute die Menschen vergisst, in welcher Niedrigkeit und auch Erniedrigung auch immer sie leben, und die Hungrigen und nach Gerechtigkeit, Frieden und Leben Hungernden nicht links liegen lässt.

Predigt

»Der Mächtige hat Großes an mir getan« (Lk 1,49) …


Wer von uns kann oder mag das von sich sagen, gar singen: »Der Mächtige hat Großes an mir getan!?« Wie viel fällt uns ein, das unser Leben klein und schwer macht? Wie schnell fällt uns ein, was uns niederdrückt und enttäuscht? Wie groß stehen vor uns oder mitten in unserem Leben Sorgen, Befürchtungen, Ängste und Nöte? Unsere Zeit ist ja keine leichte und einfache. Unsere Welt scheint aus den Fugen: Krieg, Terror, Vertreibung, ungezählte Tote und Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Ungeahnte Herausforderungen für Gesellschaft, Politik und Staat. Werden wir sie meistern: die weltweiten Krisen, die Europakrise, die Integrationsherausforderungen in unserem Land? Oder sind wir machtlos Getriebene, Ausgelieferte?

Viele der Menschen, die mir Tag für Tag begegnen, sind merklich angekratzt und reizbar. Ich erlebe, wenn ich mich nicht sehr täusche, merklich mehr Reibereien, Streitereien und Konflikte. Die Verunsicherungen wirken sich aus, scheinen sich auf allen Ebenen unserer Lebensvollzüge breit zu machen: lähmend, verwirrend, beunruhigend.

»Der Mächtige hat Großes an mir getan«, …

das scheint schon auf Maria nicht richtig zu passen, zu dieser jungen Frau, die unehelich schwanger geworden bei ihrer Cousine Elisabet Hilfe und Unterstützung sucht. Immer wieder, wenn ich in Spello, einem kleinen Ort in Umbrien, in der Franziskanerkirche das frühbarocke Fresko »Maria und ihre Verwandten« betrachte, sind sie zum Greifen bedrängend, die Blicke der Verwandten: verständnislos, vorwurfsvoll, ablehnend, ärgerlich. Sie eilte, eilte offensichtlich vor all dem weg ins Bergland von Judäa, zu der ihr wohlgesonnenen Base, sucht Schutz in deren Haus und Nähe, drei Monate lang, bevor sie nach Hause zurückkehrt, sich womöglich erst zurückzukehren traut.

Und wenn wir das weitere Leben von Maria anschauen – bei dem Wenigen, äußerst Lückenhaften, was wir aus der Heiligen Schrift von ihr wissen –, so ist zunächst wenig »Großes« zu entdecken: Wir hören von der ärmlichen Niederkunft im Stall und der armseligen Futterkrippe für das neugeborene Kind, von der Hals über Kopf notwendigen Flucht. Wir erfahren von den dunklen Ahnungen des greisen Simeon. Wir vernehmen, dass die Eltern, Maria und Josef, ihren Buben bei der Wallfahrt nach Jerusalem drei Tage voller Angst suchen müssen. Auf das sorgenvolle: »Kind, wie konntest du uns das antun?«, hört seine Mutter nur: »Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?« Und sie versteht nicht, was er damit sagen will. Wir lesen, dass sie sich mit Verwandten auf den Weg macht, um den Sohn zurückzuholen, von dem sie sagen, er sei von Sinnen, und dass er in seiner Heimat abgelehnt wird und kein Ansehen hat. Wir hören, dass Maria schließlich mitansehen und miterleben muss, wie ihr Sohn leidet und stirbt. Wo ist das »Große« in ihrem Leben?

Es ist auch zunächst nicht Marias Leben, …

welches das Magnifikat zuerst in den Blick nimmt. Maria schaut mit ihrem Lobpreis keineswegs einfach auf sich. Sie hat Gott im Blick und sein Wirken. Sie singt ein Loblied auf ihren Gott, der für sein Volk da ist, der sich der Kleinen und Hungernden, der Niedrigen und Erniedrigten erbarmt, der zu seinen Verheißungen steht, der durch die Zeiten hindurch mit seinem Volk geht und für es einsteht. Maria, die kleine Frau, die niedrige Magd, reiht sich ein in die Schar derer, die auf Gott vertrauen und sich seiner Barmherzigkeit anvertrauen: »Meine Seele preist die Größe des Herrn!« (Lk 1,46).

Und so wird das Loblied ein Hoffnungslied für alle, die nichts Großes in ihrem Leben erfahren oder viel, vielleicht allzu viel Gebrochenes oder Zerbrochenes; ein Hoffnungslied für die Geknechteten und Erniedrigten, für alle, die leiden unter welchen Mächtigen und Mächten auch immer; ein Hoffnungslied für alle Kleinen und Entrechteten, die nicht weiter wissen mit all dem übermächtig gewordenen Widrigen, Verqueren oder Unversöhnten in ihrem Leben.

Und doch kann Maria von sich sagen:

«Der Mächtige hat Großes an mir getan.« Das Große, das an ihr geschehen ist, ist die Menschwerdung Gottes, ist die Geburt des Gottessohnes aus dieser kleinen, einfachen Maria, ist das Hineintreten Gottes in unsere Welt als Mensch, als Bruder, ist das so sehr Für-uns-Eintreten Gottes, dass er sich nicht scheut, Mensch zu werden, einer von uns, der ganze große Gott ein ganz kleiner Mensch für uns: »Meine Seele preist die[se] Größe des Herrn [, der sich für uns erniedrigt] und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter!« (Lk 1,46–47).

Es ist Großes geschehen, uneinholbar Großes: Gott ist Mensch geworden und damit sind wir gerettet: Gott an unserer Seite! So an unserer Seite, ganz und gar und bleibend! Kein Mensch ist mehr allein und kein Mensch ist mehr nur ein einfacher Mensch, denn Gott teilt unser menschliches Leben in allen Höhen und Tiefen, von der Geburt bis zum Tod. Menschliches Leben ist seit dem Großen, das er getan hat an Maria, gottnahes, gottbegleitetes, gottvolles Leben, selbst in den dunkelsten Stunden und Erfahrungen: Gott hat alles angenommen, was unser menschliches Leben ausmacht und nicht selten schwer macht.

Wir können das Loblied Marias mitsingen: …

Jede und jeder von uns, denn mit seiner Menschwerdung hat er Großes an jedem und jeder von uns getan. Seit seiner Menschwerdung können uns alle Geschlechter selig preisen. Gott ist für uns, der Gottessohn und Menschensohn, der Jesus von Nazaret und Jesus der Christus zeigt es, spricht es aus, lässt es erfahren, dass Gott unser Leben mit uns lebt: Mit Christus lebt er es, unser menschliches Leben, durchleidet es, stirbt es und ersteht zum neuen Leben, das kein Tod mehr bedroht.

Und mit Christus beginnt die Umwertung aller vermeintlich menschlichen Wertigkeiten und Werte: Hochmut, Macht, Reichtum, das sind Versuchungen, diabolische Versuchungen. Gottes Leben, Gottes Wertigkeit zeigt sich in seiner Zuwendung zum Menschen, in seiner Nähe, seinem Erbarmen, seinem Erhöhen, seinem Schenken.

Die Kirche dachte dieses Große weiter, das an Maria geschah …

Sie dachte vor ihre Geburt zurück und über ihren Tod hinaus. Wenn Gott Maria auserwählt für seine Menschwerdung, wenn Gott Maria zur Pforte des Lebens für uns macht, dann hat sie vom Anfang ihres Lebens an eine besondere Erwählung durch Gott. Und sie hat am Ende ihres Lebens einen besonderen Platz bei Gott, sie ist mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen.

Christus, der aus ihr geborene Gottes- und Menschensohn, »ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen«, schreibt Paulus an die Gemeinde von Korinth (1 Kor 15,20). Durch ihn ist uns die Auferstehung von den Toten geschenkt, unsere Rettung: »In Christus werden alle lebendig gemacht werden« (1 Kor 15, 22). Maria, seine Mutter ist die erste, so glaubt die Kirche, der diese Rettung zuteilwird, der erste Mensch, dem die ganze Gnade des Lebens, die ganze Rettung in Christus, das ganze Heil der Menschwerdung Gottes zuteilwird.

»Der Mächtige hat Großes an mir getan«

Wer von uns kann oder mag das so einfach von sich sagen? Und doch schenkt dieser Satz, wenn ich ihn mir verinnerliche, wenn ich ihn nicht nur höre, sondern annehmen, im wahrsten Sinne des Wortes wahr-nehmen kann, einen neuen Blick auf mich und mein Leben.

Nicht, dass mein Leben nur glücklich und unbeschwert verliefe; nicht, dass Gott alles so richtet, wie ich es mir erhoffe oder vorstelle, dass es sein müsste. Aber selbst wenn ich ganz unbedeutend bin, mich für klein halte oder klein gemacht werde: Mit Maria kann ich hoffen und singen, dass ich Mensch Gottes Erbarmen gefunden habe und nie aus Gottes Erbarmen falle; dass er um meinetwillen Mensch geworden ist, um meiner Niedrigkeit, meiner Hoffnungslosigkeit, meiner Verlorenheit und meiner Rettung willen. Mit Maria kann ich singen, dass der Mächtige Großes an mir getan hat und an allen, die mit mir unterwegs sind: Gott ist Mensch geworden und bleibt uns, mir und dir, jedem Menschen nahe. Mit Maria dürfen wir sicher sein, darf jede und jeder von uns, darf ich sicher sein, dass Gott wohlwollend auf mich schaut und ich für ihn wertvoll bin, selbst und gerade in meiner Niedrigkeit. Mit Maria kann ich glauben und hoffen und darauf vertrauen, dass Gott die Welt verändert, dass mein und unser Leben geborgen ist in seiner Gerechtigkeit.

Wir sind immer gefordert, herausgefordert, das Unsere zu tun zugunsten von Leben, Gerechtigkeit und Friede. Was auch immer aber bleibt: Am Ende wird Gott alles nach seiner Gerechtigkeit richten und auf seine Gerechtigkeit hin ausrichten und aufrichten: die Niedrigen und Erniedrigten, die Hungernden und Dürstenden, alle, die seines machtvollen Armes bedürfen.

Am heutigen Tag schauen wir auf Maria in Gottes Herrlichkeit und damit auf die große Zukunft, die uns allen verheißen ist. Nicht weil ich Großes vorzuweisen hätte: Sondern weil der Mächtige Großes an Maria getan hat und Großes an mir, an uns tut.

Fürbitten
Mit Maria preisen wir Gott und vertrauen ihm unsere Bitten an:

- Herr Gott, du tust Großes an uns.
Wir bitten dich für alle Männer und Frauen in der Kirche, die dich und dein Wirken verkünden. Bewahre uns alle vor Blindheit für dein Wirken Tag für Tag.
Herr, unser Gott:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)

- Du erbarmst dich über alle, die dich fürchten.
Wir bitten dich für die Gläubigen der verschiedenen Konfessionen und Religionen, die deine Größe, deine Barmherzigkeit und Liebe ehrfürchtig erkennen und beantworten.
Bewahre uns alle vor dem Verlust der Gottesfurcht.
Herr, unser Gott:

- Du zerstreust, die im Herzen voll Hochmut sind.
Wir bitten dich für die Menschen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, denen es um das Wohlergehen der ihnen anvertrauten Menschen geht.
Bewahre uns alle vor Hochmut.
Herr, unser Gott:

- Du stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöhst die Niedrigen.
Wir bitten dich für die Opfer von Gewalt, Terror und Krieg um Gerechtigkeit und Frieden und für die Gewalttätigen, für die Terroristen und Kriegstreiber um Einsicht und Umkehr.
Bewahre uns alle vor Macht, die selbstherrlich wird.
Herr, unser Gott:

- Die Hungernden beschenkst du mit deinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.

Wir bitten dich für alle Menschen dieser Welt, die hungern und dürsten nach dem täglichen Brot und dem lebenswichtigen Wasser und nach Gerechtigkeit und Frieden. Bewahre uns alle vor Reichtum, der nicht teilen will. Herr, unser Gott:

Wir jubeln über deine Größe, Gott, und danken dir heute und
alle Tage bis in deine Ewigkeit. Amen.

Clemens Stroppel

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