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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
Siebter Sonntag der Osterzeit
Vom Mut zum Bekenntnis
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung

In diesen Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten bittet die Kirche in besonderer Weise um den Heiligen Geist. Als Christen sind wir in die Welt gesandt, um Zeugnis zu geben von der Frohen Botschaft und dem Glauben, der uns trägt. Dieses Zeugnis stößt in vielen Ländern auf heftigen Widerstand. Nach aktuellen Schätzungen leiden bis zu 200 Millionen Christen unter Verfolgung und Ausgrenzung. Nehmen wir in unserem Gottesdienst nicht nur sie und ihre Situation, sondern auch unseren Auftrag und unsere Sendung in den Blick. Und begrüßen wir Jesus Christus in unserer Mitte mit den Worten des Kyrie.

Predigt


Zum Text: 1 Petr 4,13–16 (2. Lesung)

Ein Beispiel, das unter die Haut geht Es war eine der vielleicht berührendsten Reden der letzten Jahre. Im Oktober 2015 wurde der bekannte deutsch-iranische Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani mit dem bedeutenden Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Seine Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche vor fast 1000 geladenen Gästen ging unter die Haut und ließ wohl keinen der Zuhörer kalt. Mit eindrücklichen Worten rückte Kermani das Schicksal des katholischen Ordenspriesters Jacques Mourad in den Mittelpunkt, der sich im Kloster Mar Elian am Rande der syrischen Kleinstadt Qaryatein mit ganzer Kraft und Leidenschaft der Verständigung zwischen Christen und Muslimen verschrieben hatte. Das Kloster war zu einem Hort gegenseitigen Respekts und Wertschätzung, ja sogar einer großen Liebe zur jeweils anderen Religion geworden und hatte lange Zeit auch den Wirren des syrischen Bürgerkriegs standgehalten. Bis zu jenem Tag im Mai 2015, als Kämpfer des sog. ›Islamischen Staates‹ ins Kloster eindrangen, Pater Jacques und andere Mitglieder der Gemeinschaft als Geiseln nahmen und in der Folgezeit auch das Gebäude, ein altes und traditionsreiches Steinkloster aus dem 7. Jahrhundert, dem Erdboden gleichmachten. Dass mit Navid Kermani gerade ein Muslim mit so dichten Worten an das Schicksal des Katholiken Jacques Mourad und seiner verfolgten christlichen Gefährtinnen und Gefährten erinnerte, berührte zutiefst. Und verlieh den unzähligen Menschen, die auch in der heutigen Zeit aufgrund ihrer Religion verfolgt und getötet werden, ein konkretes Gesicht.

Verfolgung ist Realität

Grausame Verfolgungen von Gläubigen gibt und gab es zu allen Zeiten. Auch der heutige Lesungstext handelt davon und richtet sich mit ermutigenden Worten an die kleine, bedrängte Christengemeinde in Kleinasien. Inmitten all der Beschimpfungen und Verfolgungen sollen sie durchhalten und sich zu ihrem Glauben an Gott bekennen. So heißt es da: »Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr selig zu preisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch.« Ein facettenreicher Satz, der beim ersten Hören vielleicht auch ambivalent verstanden werden kann. Wird da das Leid verherrlicht, indem es als Quelle der Seligkeit oder gar der Freude dargestellt wird? Soll das Schwere in einer Art Leidensmystik glorifiziert werden? Solches Denken wäre uns verständlicherweise fremd. Und doch geht es bei näherem Betrachten sicher nicht um eine Verklärung des Leidens um des Leidens willen, sondern um einen realistischen Blick auf die Wirklichkeit. Und da ist das Leiden an Unverständnis und Ausgrenzung durchaus immer wieder Teil auch unserer Erfahrung. Menschen, die erfüllt sind von ihrem Glauben und ihrem Auftrag, schwimmen meist nicht in der Masse. Sie sind unbequem, denken quer und lassen sich nicht für beliebige Zwecke vereinnahmen. Wer gläubig ist, dient letztlich einem anderen, größeren Herrn. Und stellt dadurch nicht selten eine gefährliche Bedrohung dar vor allem für autoritäre politische Machthaber. Das war zu Zeiten der ersten Christen nicht anders als heute. Und betrifft auch Angehörige anderer Religionen, die oft ja gleichermaßen verfolgt werden, wie zum Beispiel das Schicksal der Jesiden im Irak oder der Buddhisten in Tibet auf tragische Weise zeigt.

Ein eindeutiger Auftrag

Auch wir Christen leben in der Gefahr, verfolgt zu werden. Und doch dürfen wir darauf vertrauen, in unserem Leiden nicht allein zu sein. Denn wie es die heutige Lesung formuliert: »Der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch.« Ein Satz, der ermutigen möchte und auf die Quelle verweist, die uns innerlich stark macht. Der Geist Gottes, um den wir in diesen Tagen vor Pfingsten besonders bitten, gibt uns von innen heraus die Kraft, unseren Weg aufrecht zu gehen und uns zu bekennen. Der Geist Gottes schenkt die richtigen Worte zur rechten Zeit, Hoffnung in Zeiten von Hoffnungslosigkeit, Perspektive in Zeiten von Orientierungslosigkeit. Und er verleiht den Mut, sich den Herausforderungen der heutigen Zeit zu stellen und sich dort einzubringen, wo unser Einsatz gefordert ist. Wir haben das Glück, in einem Rechtsstaat und politischen System zu leben, in dem wir als Christen nicht verfolgt werden. Und doch dürfen wir uns auf unseren Freiheiten und Sicherheiten nicht ausruhen, zumal wir in der heutigen Zeit durch die politischen Entwicklungen in Ländern wie der Türkei oder Russland und selbst in den USA erleben, wie schnell die Freiheitsrechte in Gefahr geraten. Unsere wache Aufmerksamkeit ist notwendig und unsere deutliche Stimme als Christen ist gefordert, wo Menschen unterdrückt werden. Wo Schwachen nicht geholfen wird. Wo Verfolgte keine Aufnahme finden. Wo Kranke an den Rand gedrängt werden. Wo Andersdenkende diskriminiert werden. Dass solch ein kompromissloser Einsatz für die Menschen selbst hier bei uns inzwischen oft wüste Beschimpfungen oder Hasskommentare im Internet hervorruft, lässt die in der Lesung beschriebene Situation von Verfolgung auch in die Nähe unserer eigenen Erfahrung rücken. Dass dies dann kein Grund ist, sich zu schämen, sondern die Bedeutsamkeit und Strahlkraft unseres Handelns zeigt, kann dabei nicht nur tröstlich stimmen, sondern zugleich auch zu weiterem Engagement ermutigen.

Leuchtende Menschen


Der Muslim Navid Kermani würdigt in seiner Rede (die übrigens auch im Internet nachzuhören bzw. nachzulesen ist) in berührender Weise das leuchtende Beispiel des syrischen Christen Jacques Mourad und formuliert: »Ein Christ, ein christlicher Priester, der damit rechnen muss, von Andersgläubigen vertrieben, gedemütigt, verschleppt oder getötet zu werden, und dennoch darauf beharrt, diesen anderen Glauben zu rechtfertigen – ein solcher Gottesdiener legt eine Größe an den Tag, die ich sonst nur aus den Viten der Heiligen kenne.« Umgekehrt könnte man formulieren: Ein gläubiger Muslim, der in solch wertschätzender Weise den Reichtum des Christentums hervorhebt und sich mit so viel Herzblut für Verständigung und Versöhnung der Religionen einsetzt, legt eine Größe an den Tag, von der wir uns als Christen anspornen und inspirieren lassen können. So geben wir wechselseitig Zeugnis von einem Gott, dem alle Menschen wichtig sind. Verherrlichen den Namen Gottes durch unser Bekenntnis. Und setzen uns vereint und mutig ein für die Zukunft unserer Welt.

Fürbitten
Gott, du sendest uns in die Welt, um Zeugnis zu geben von deiner
Liebe zu allen Menschen. Dafür brauchen wir deinen Beistand.
Wir bitten dich:

- Um den Geist des Mutes für alle, die zaghaft sind und sich nicht trauen, ihre Stimme zu erheben gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit.
- Um den Geist der Stärke für alle, die aufgrund ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen unschuldig in Gefängnissen sitzen.
- Um den Geist der Heilung für alle, die Folter und Gewalt erfahren haben und unter schweren Traumata leiden.
- Um den Geist der Weisheit für alle, die Verantwortung tragenin Politik, Kirche und Gesellschaft.
- Um den Geist des Trostes für alle, die trauern um den Verlusteines geliebten Menschen.

Guter Gott, dein Geist macht die Finsternis hell und schenkt neue Hoffnung und Zuversicht. Lass uns und alle Menschen erfahren, dass neues Leben und eine gute Zukunft möglich sind. Darum bitten wir dich heute und alle Tage unseres Lebens.
Amen.

Annegret Hiekisch

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