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Leseprobe 2
32. Sonntag im Jahreskreis
Glaubst du an die Auferstehung? – Eine Frage auf Leben und Tod
Lesejahr C
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Es ist November geworden. An Allerheiligen und Allerseelen, am Volkstrauertag und am Ewigkeitssonntag führen unsere Wege häufiger auf den Friedhof. Wir stehen an den Gedenkstätten unserer Verstorbenen und denken auch an unseren eigenen Tod. Und unwillkürlich steht vor uns die Frage: Glaubst du an die Auferstehung der Toten? Glaubst du an ein »Leben danach«? Das ist die Frage, der sich auch Jesus gegenübersah. So erzählt es uns das heutige Evangelium. Seine Antwort will uns zu unserer Antwort herausfordern und ermutigen.

Bringen wir vor den Herrn unser zerbrechliches und unfertiges Leben, unsere Ängste und unsere Hoffnungen:

Kyrie-Ruf
Du, Gott des Lebens.
Kyrie, eleison.
Du, Gott der Liebe.
Christe, eleison.
Du, Gott der Hoffnung und der Auferstehung.
Kyrie, eleison.

Tagesgebet
Gott, unser Vater,
festhalten wollten wir gern unser eigenes Leben und das Leben der Menschen, die wir lieben. Und doch wissen wir, dass einmal die Stunde des Abschiedes kommt.

Sei du unser Halt, wenn alles wankt. Sei du unsere Hoffnung, wenn alles dunkel und unsicher erscheint. Sei du unser Ziel, wenn der Tod nach uns greift und wir aufbrechen müssen.

Das erbitten wir von dir im Namen Jesu Christi, unseres auferstandenen Herrn und Bruders, der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 464,1–6 »Gott liebt diese Welt«
Antwortgesang mit Ruf zum Evangelium
GL 629/3 »Ich gehe meinen Weg vor Gott« mit 629/4 (Psalm 116) oder
GL 147,1–3 »Herr Jesus Christ, dich zu uns wend« und GL 175/2 »Halleluja« und Vers Offb 1,5a.6b
Gesang zur Gabenbereitung
GL 336 »Jesus lebt, mit ihm auch ich«
Gesang zur Kommunion
GL 421 »Mein Hirt ist Gott, der Herr«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 417 »Stimme, die Stein zerbricht«
GL 502 »Näher, mein Gott, zu dir«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 20,27–38 (Evangelium)

Wir haben vor uns das letzte einer ganzen Reihe von Streitgesprächen Jesu im 20. Kapitel des Lukasevangeliums. Der Evangelist nützt und erweitert die Vorlage des Markus. Das Ziel ist dabei die Verteidigung der christlichen Auferstehungshoffnung.

Die Sadduzäer, Mitglieder der Oberschicht und der hohepriesterlichen Familien, treten an Jesus heran (Lk 20,27). Sie lehnen den Auferstehungsgedanken ab, weil sie ihn in ihren Glaubensschriften (den 5 Büchern Mose) nicht finden. Ihre Gegner sind darin die Pharisäer und Schriftgelehrten. Mit einem Beispiel zum Gebot der Schwagerehe wollen sie Jesus zu einer Stellungnahme veranlassen (Lk 20,28–33). Sie suchen kein echtes theologisches Gespräch. Denn eigentlich wollen sie sich mit ihrer Darlegung über den Auferstehungsglauben lustig machen und Jesus bloßstellen.

Jesus geht auf die Anfrage ein. Und er benützt als Schriftbeleg ein Wort aus der Thora (Ex 3,6), also aus den Glaubensschriften, die von den Sadduzäern anerkannt sind. Er verweist auf die Souveränität Gottes, des universellen Schöpfers, der kein Gott der Toten, sondern der Lebenden ist. So steht er für den Auferstehungsglauben ein und distanziert sich vom überlegenen Lächeln der Sadduzäer.

Aber er grenzt sich geradeso ab von den Pharisäern und deren naiver Vorstellung, dass die kommende Welt sich im Wesen nicht von der vorhandenen Welt unterscheide, dass sie nur ein wenig schöner und glanzvoller sei.

Die schlüssige Argumentation wird von »einigen« Schriftgelehrten anerkannt. Die Gegner Jesu verstummen jedenfalls (Lk 20,39f ).

Für den christlichen Hörer des Evangeliums geht es nicht mehr um die Stellungnahme Jesu zum Konflikt der jüdischen Kontrahenten, Sadduzäer, Pharisäer und Schriftgelehrte. Für sie wird das Wort Jesu zu einer Bestärkung der Auferstehungshoffnung, die vor allem auf die Erfahrung der Auferstehung Jesu gründet.

Predigt

Eine passende Frage

Jetzt im November, auf dem Weg zu den Gräbern unserer Angehörigen, im Gedenken an unsere Verstorbenen – da kann unwillkürlich die Frage in uns aufsteigen: Glaubst du eigentlich an eine Auferstehung der Toten?

Ich kenne Ihre Antwort nicht. Aber ich weiß aus den Umfragen zu diesem Thema, dass auch viele, die sich zu den christlichen Gemeinden rechnen, beim Thema Auferstehung eher verlegen werden und mit den Achseln zucken. Viele Zeitgenossen halten die Auferstehung sowieso für eine schon fast lächerliche Illusion: Was nicht überprüfbar ist, wird nicht ernst genommen. Für manche ist der Glaubenssatz von der Auferstehung sogar gefährlich, weil er so leichtfertig mit dem kommenden Leben vertröstet und die Kraft raubt, für eine glücklichere Welt heute zu kämpfen. Deswegen die Frage: Wie hältst du es mit der Auferstehung?

Wie Jesus mit der Frage umgeht


Im Evangelium heute bekommt Jesus eben diese Frage gestellt, von den Sadduzäern. Sie leugnen die Auferstehung, weil diese Glaubensaussage in ihren heiligen Schriften nicht vorkommt. Die Sadduzäer sind an einem ernsthaften theologischen Gespräch gar nicht interessiert. Ihnen geht es nur darum, Jesus in die Enge zu treiben.

Aber Jesus lässt sich nicht in die Ecke drücken. Er bleibt souverän mit seiner Antwort. Zum einen sagt er ein klares Ja zum Auferstehungsglauben! Doch zugleich wendet er sich gegen die allzu naiven Vorstellungen einer kommenden Welt. Er wischt die Jenseitsspekulationen der Pharisäer beiseite, die im Himmel bloß die etwas bessere und vollkommenere Fortführung der hiesigen Welt sehen. Für Jesus ist es klar: Die Welt Gottes ist kein billiger Aufguss des Alten. Und da ist auch kein Platz für allzu Bescheid wissende theologische Spekulationen!

Warum er selbst auf die Auferstehung hofft? Er verweist auf die Glaubensüberlieferung Israels, die eine verborgene Andeutung der Auferstehungshoffnung enthält: Gott bezeichnet sich am Dornbusch als der Gott der Väter, Abrahams, Isaaks und Jakobs! Jesus sagt: Er, der Gott des Lebens, wird sich doch nicht auf Tote berufen! Die Stammväter sind keine Gestalten der Vergangenheit. Wer wie die Stammväter in die Nähe Gottes geraten ist, der ist angesteckt vom schöpferischen Leben Gottes. Ganz eng verknüpft Jesus also die Frage der Auferstehung mit der Gottesfrage, mit dem Blick auf die schöpferische Kraft und die schöpferische Liebe Gottes. Er sagt: Wenn die Väter des Volkes im Tod nicht einfach verloren sind, dann dürfen auch wir hoffen: auf Leben, auf Auferstehung. Jesu Überzeugung steht da! Unwidersprochen! Die eben noch so spöttisch und überlegen vorgetreten waren – sie schweigen.

Und so sind wir gefragt

Glaubst du an die Auferstehung der Toten? Die Frage ist uns gestellt in einer Welt, die vom Tod gezeichnet ist: Von schmerzlichen Toden, von unverständlichen Toden, von schrecklichen Toden! Das zurückliegende Jahr hat uns allen wohl wieder eine ganz Reihe unserer Weggefährtinnen und Weggefährten genommen! Viele von uns mussten die eigene Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit spüren! Darum: Glaubst du an die Auferstehung? – Das ist eine Frage, die im Raum steht und die auch von uns eine Antwort verlangt!

Ich sage ein hoffnungsvolles Ja! Ja, ich glaube an die Auferstehung der Toten. Und ich berufe mich zuerst auf Jesus Christus selbst! Ich darf und will ohne alle Spekulation und ohne alle Bescheidwisserei darauf vertrauen, dass ich in der Liebe und Zuwendung Gottes nach meinem Tod einen Platz habe. Ich will auf den Gott vertrauen, dessen Möglichkeiten und dessen Kraft viel weiter reichen, als ich selbst es mir vorstellen kann. Das war Jesu Weg! Er ist ihn gegangen in dem Vertrauen auf den Gott des Lebens. Und er hat seine Lebenslinie durchgehalten. Auch als er erlebte, in welche Auseinandersetzung und tödliche Konsequenz ihn das führte! Er hat bis zuletzt sein Leben in Gottes Hand gelegt. Und die Lebenskraft Gottes hat sich an Jesus Christus erwiesen, in seiner Auferweckung zum Leben. Das macht mir Mut, auf meine Auferstehung zu hoffen!

Der Glaube an den lebendigen Gott, den Gott der Väter Abraham, Isaak und Jakob, den Gott des auferstandenen Christus, ist mir wichtig auch für das Gedenken der Verstorbenen in diesem Novembermonat. Er macht mich gewiss, dass bei diesem Gott auch meine Eltern, meine Angehörigen, Nächsten und Freunde, um die ich traure, leben dürfen! Ich weiß sie in Gottes Leben schaffender Liebe geborgen. Wir alle, die Verstorbenen und die Lebenden, haben bei ihm eine Lebenschance. Da wird mir der österliche Glaube an die Auferstehung zu einer ganz starken Kraft meines Lebens.

Vom Auferstehungsglauben geht eine Kraft aus

Und wenn einer sagt, dass der Auferstehungsglaube mir Kraft raubt, die Welt, in der wir leben, ernst zu nehmen, an ihr zu arbeiten und sie zu gestalten, dann sage ich: Im Gegenteil. Auch das sehe ich an Jesus selbst: Gerade weil er sein Leben, das zerbrechliche und angefochtene, ganz in Gottes Hand legen konnte, war er frei für seine Aufgabe in der Welt. Das hat ihn frei gemacht von der Angst um sich selbst, frei für die anderen.

Und ist das nicht auch eine Chance für mich? Dass ich mich in Gott verankert weiß, der mein Leben nicht vergehen lässt! Dass ich mich deswegen – eben mit meinen bescheidenen Kräften – dran machen kann, angstlos Spuren des Friedens, Spuren der Liebe und der Herzlichkeit zu hinterlassen! Dass das abgründige Vertrauen auf Gott mir Mut macht, mich nicht mit Ungerechtigkeiten und Halbheiten abzufinden! Dass mich die Hoffnung, dass ich einmal eine endgültige Zukunft bei Gott haben werde, gelassener, menschlicher, weiter und offener sein lässt in meinem Leben hier und jetzt!

Glaubst du an die Auferstehung? Die Frage steht vor uns, an diesem Sonntag und in diesem November. Und es ist keine nebensächliche oder zusätzliche Frage, sondern es ist die Kernfrage: Will ich leben in einer Welt, die ein Produkt des Zufalls ist? Oder will ich leben in einer Welt, in der ich mich in dem liebevollen Ja Gottes, des Herrn und Schöpfers, gehalten weiß! Dieser Glaube trägt. Er schenkt Hoffnung, nicht nur für das unbekannte Danach, sondern zuerst für das Leben hier. Es geht ja bei weitem nicht nur darum, dass wir es in diesem Glauben an den Leben schaffenden Gott einmal auf dem Sterbebett leichter haben, sondern es geht darum, dass wir unser Leben hier und jetzt wirklich mutig und kraftvoll leben können.

Ich bin nicht fertig mit der Frage nach Tod und Auferstehung. Es bleibt das Fragen. Es bleibt die Unruhe, eine gute, innere Unruhe. Manchmal beschleicht mich die Angst, ob ich mein Vertrauen durchhalten kann. Dann denke ich an das kraftvolle Lebenszeugnis eines Martin Luther King, der vor seinem gewaltsamen Tod gesagt hat: »Ich habe die Ankunft des Herrn gesehen und fürchte nichts mehr.« Und ich denke an das Zeugnis eines bekannten deutschen Theologen, der für seinen Grabstein ein Wort aus dem Hebräerbrief ausgesucht und etwas verändert hat: »Es ist wunderbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!« (vgl. Hebr 10,31)

Ich bin jedenfalls dankbar für das Tor des Lebens, das mir im Glauben an den lebendigen Gott aufgetan ist. Ich bin dankbar und froh, dass uns einer auf dem Weg des Glaubens, auf dem Weg ins Leben, in die Auferstehung, vorangegangen ist: Jesus Christus. Er ist uns voraus. Und er wird uns an der Schwelle zum bleibenden Leben empfangen. So hoffe ich, dass ich auch den letzten, entscheidenden Schritt meines Lebens gut meistern kann.

Fürbitten

Wir vertrauen dem Gott des Lebens, der Jesus von den Toten auferweckt hat und der auch uns zum ewigen Leben ruft. Wir bitten ihn:

- Für alle Getauften: um einen festen Glauben an die Auferstehung und an das neue, ewige Leben, das uns bei dir erwartet. – Du, Gott des Lebens:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
- Für alle, die sich mit dem Glauben schwer tun: um die Gnade und Kraft eines neuen Vertrauens auf dich. – Du, Gott des Lebens:
- Für die Christen, die wegen ihres Glaubens belächelt, verspottet und verfolgt werden: um Glaubensstärke in ihrer Bedrängnis. – Du, Gott des Lebens:
- Für das Miteinander von Menschen verschiedener Kulturen und Religionen in unserem Land: um die Bereitschaft, diese Herausforderung anzunehmen und zu einem guten gemeinsamen Leben beizutragen. – Du, Gott des Lebens:
- Für unsere verstorbenen Angehörigen und Freunde: Um Leben von deinem ewigen Leben, um Licht von deinem erhellenden Licht. – Du, Gott des Lebens:

Ewiger Gott, du hast uns Leben über den Tod hinaus verheißen. In deine Hände geben wir uns. Wir ehren dich, wir danken dir, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Schrenk

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