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Leseprobe 2
Weihnachten – In der Heiligen Nacht
Die Farbe der Nacht
Lesejahr A – B – C
Beitrag zur Lesung

Einführung

Weihnachten ist ein Fest, das wohl niemandem wirklich egal ist. An Weihnachten kommt man nicht vorbei. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man Christ ist oder nicht. Eingefleischte Weihnachtshasser mag es geben, aber die meisten Menschen verbinden etwas Positives mit dem Fest. Man kann es unterschiedlich aufladen: als Fest der Familie, der Liebe, des Friedens. Es kann stehen für alles, was uns im Leben geschenkt ist und es reich macht (und daran mögen die vielen gekauften Geschenke erinnern). Es kann stehen für die großen Gefühle und die Sehnsucht nach einer heilen Welt. All das hat hier und jetzt seinen Platz. Denn wir feiern die Geburt Christi, der in unser Leben kommt, damit wir es in Überfülle haben.

Predigt

Zum Text: Jes 9,1–6 (1. Lesung)

Zweimal im Jahr holt uns die Kirche zu nachtschlafender Zeit aus dem Haus oder womöglich sogar aus dem Bett: zu Weihnachten und zu Ostern. In diesen Nächten feiern wir die zentralen Geheimnisse unseres Glaubens: dass Gott Mensch geworden ist in Jesus Christus und ihn nach Leiden und Tod zu neuem Leben auferweckt hat. Um uns leichter und tiefer eintauchen zu lassen in diese Geheimnisse, greift die Liturgie in die Trickkiste unserer Körperlichkeit und bedient sich unserer Erfahrung mit dem Wechsel von Tag und Nacht, unserem Erleben von Licht und Dunkelheit. Nachts wach zu sein, ist für die meisten von uns eher ungewöhnlich. Normalerweise schlafen wir. Wer aber nachts wach ist – und das nicht, weil er/sie arbeiten oder sich um andere kümmern muss – der kann sich …

Der Zauber der Nacht

… von der Nacht verzaubern lassen. »Trägt nicht alles, was uns begeistert, die Farbe der Nacht?«, fragt der Dichter Novalis. Die Nacht ist die Zeit der Stille, des Alleinseins oder des Allein-Zu-Zweit-Seins der Liebenden; die Zeit der Sehnsucht und Träume, der Weite und Unendlichkeit und Schönheit des Sternenhimmels. Die Nacht ist Zeit, wenn alles still wird, wenn keine Ablenkung mehr da ist, wenn sich unsere Sinne auf andere Dinge konzentrieren können, wenn alles durchsichtig wird für Dimensionen des Lebens, die der Tag und Alltag uns vorenthalten. Die Nacht ist die Zeit des Verborgenen und des Geheimnisses, das sich uns offenbart, wenn wir Augen für nichts anderes mehr haben müssen. Sie ist die Zeit des Staunens. Wenn Sie es können, lauschen Sie heute hinein in die Nacht: auf dem Weg nach Hause oder wenn später alle im Bett sind.

Der Schrecken der Nacht

Nun kann man das Zitat von Novalis leicht abwandeln und fragen: »Trägt nicht auch alles, was uns ent-geistert, die Farbe der Nacht?« Alles, was uns beschwert, was uns Sorgen macht und uns nicht schlafen lässt? Ist nicht die Nacht auch eine Zeit der Unsicherheit, des Zweifels, der Angst und der Albträume? Nacht und Dunkelheit können symbolisch stehen für die Schwierigkeiten und Probleme des Lebens und für das Leiden. Einige unter uns werden solche Probleme heute besonders spüren. Sorgen lassen sich nicht einfach abstellen. Weihnachten ist ein Fest der Familie. Wie viel Traurigkeit ist in diesem Moment hier in der Kirche, weil ein verstorbener Partner fehlt oder Familienmitglieder weit weg sind? Wie viel Dunkelheit ist draußen in der Welt?

Heilige Nacht

Heute Nacht ist Weihnachten, Heilige Nacht. Was diese Nacht von allen anderen Nächten unterscheidet, ist, dass sie Zauber und Zweifel, Staunen und Schrecken, Traum und Trauer umfängt und in Freude, Trost, Erfüllung und Hoffnung verwandeln will. Heute feiern wir, dass Gott, der unendlich Große, der Schöpfer all dessen, was uns verzaubert, was uns träumen lässt, was uns mit seiner Schönheit überwältigt, was das Gute im Leben ausmacht, ganz klein in unsere Welt gekommen ist. Als Mensch, als einer von uns, als Kind in der Krippe begegnen wir ihm, und er lächelt uns an.

Aber das alles wäre reine Sentimentalität, wenn er nicht auch als der käme, der Licht in die Welt aller zu bringen verheißt, die im Dunkeln leben und in der Finsternis wohnen. Gott wird Mensch. Das heißt: Er kommt in unser Leben mit all seinem Chaos und Durcheinander, mit all seinen Beziehungen und Missverständnissen, mit all seiner Wurstigkeit und Unfertigkeit, mit all seinem Chaos, mit aller seiner Trauer, Ungerechtigkeit, Gewalt, seinen Sorgen und seinem Leid. Die Botschaft von Weihnachten lautet: Gott weiß, was es heißt, Mensch zu sein, und wie schwer es manchmal ist, das Leben auszuhalten. Er lässt uns nicht allein. Er ist bei uns mit seiner Stärke, seinem Rat und seinem Frieden. Jetzt, in diesem Moment, greift er nach unserem Herz.

Möge die Pracht dieser Nacht uns und alle Welt heute berühren: dass wir jubeln können und uns freuen, dass sie uns Schwung gibt und Flügel verleiht, den Frieden, den die Engel uns verkünden, in uns zu bewahren und in der Welt strahlen zu lassen.

Fürbitten

Herr, unser Gott, du kommst in unsere Welt, um uns zu retten
und zu heilen. Wir bitten dich:

- Für die Christen auf der ganzen Erde, die heute in der Freudeüber die Geburt deines Sohnes vereint sind: Schenke uns die Kraft, deine Liebe vor allen Menschen zu bezeugen.
- Für alle Menschen guten Willens, die sich, gleich welcher Religion und Weltanschauung, um ein mehr an Gerechtigkeit und Menschlichkeit bemühen: Stärke sie in ihrem Willen zum Guten und lass uns immer neue Wege der Zusammenarbeit finden.
- Für die Mächtigen dieser Erde, in deren Hand das Wohlergehen der Völker liegt: Lass sie die Friedensbotschaft des Engels hören und als Auftrag verstehen.
- Für alle, die unter dem Joch des Krieges, der Vertreibung und Unterdrückung leiden: Schaffe Hoffnung und Zukunft, wo wir selbst keine Wege der Hilfe sehen.
- Für unsere Verstorbenen, deren Verlust wir heute besonders spüren: Gewähre uns einst neu die Gemeinschaft mit ihnen in der ewigen Freude des Himmels.

Denn du, Gott, lässt dein Licht in der Dunkelheit dieser Welt erstrahlen. Du lässt uns nicht in der Finsternis zurück. Wir loben dich und danken dir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Sabine Schratz

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