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Leseprobe 1
Pfingsten – Am Tag
Lesejahr A – B – C
Mit Gottes Beistand die Türen der Angst öffnen und Wege des Lebens gehen

Beitrag I zum Evangelium

Einführung

Wir feiern Pfingsten. Pfingsten, das heißt aus dem Griechischen übersetzt ganz nüchtern: Der 50. Am 50. Tag nach Ostern sind wir versammelt, wie damals die Jünger Jesu.
Und dann geschah es: Neue Kraft, neue Hoffnung, neues Leben brach auf. Heiliger Geist. Und wir feiern, weil die Zusage Jesu auch heute gilt: Gottes Geist ist da. Er wirkt unter uns. Er will auch uns von der Angst befreien und neue Türen öffnen. Bereiten wir uns für die Begegnung mitunserem Herrn Jesus Christus und bitten ihn um diesen göttlichen Geist, den Beistand, den er uns verheißen hat.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, dein Geist bewegt die Herzen und stärkt uns im Glauben.
Herr, erbarme dich.
Dein Geist bewegt die Herzen und schenkt uns sichere Hoffnung.
Christus, erbarme dich.
Dein Geist bewegt die Herzen und macht uns Mut zu selbstloser Liebe.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
du lehrst deine Gläubigen durch die Eingießung des Heiligen Geistes, des göttlichen Beistandes.
Gib, dass wir in diesem Geist erkennen, was recht ist, und allezeit seinen Trost und seine Hilfe erfahren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Menschenbruder und göttlichen Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 342,1–6 »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 344 »Komm herab, o Heilger Geist« (Pfingstsequenz) und
GL 175/6 »Halleluja« mit Zwischenvers aus dem Lektionar
Gesang zur Gabenbereitung
GL 349,1–5 »Komm, o Tröster, Heilger Geist«
Gesang zur Kommunion
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 347,1–4 »Der Geist des Herrn erfüllt das All«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 14,15–16.23b–26 (Evangelium)

Die ausgewählte Perikope zu Pfingsten ist aus den Abschiedsreden Jesu bei Johannes (Joh 14–17) entnommen. Hier – und nur beim Evangelisten Johannes – begegnet uns der Begriff des »Beistandes«, griechisch der »Paraklet«. Paraklet, das heißt wörtlich »der Herbeigerufene«, übertragen meint der Begriff einen Beistand bei Gericht, aber auch einen Beistand vor den Mitmenschen und vor Gott. Diesem »Parakleten«, dem personifizierten Heiligen Geist, weist der Evangelist verschiedene Aufgaben zu; hier in Joh 14,16 steht im Vordergrund, dass er stellvertretend für Jesus den Menschen beistehen und bei ihnen bleiben soll. Dann (Joh 14,26) tritt die Aufgabe hinzu, die Christen an die Lehre Jesu zu erinnern.

Die Zusage eines Beistandes für uns Christen, der bei uns ist, auch dann, wenn wir Jesus nicht sichtbar oder spürbar an unserer Seite erfahren, ist auch heute eine wichtige Kraftquelle. So greift die Predigt den Begriff vom Beistand auf und erinnert an die pfingstliche Erfahrung, dass dieser besonders erfahrbar wird in der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden.

Predigt

Wege, die man besser nicht allein geht

Es gibt Situationen im Leben, da tut es gut, wenn man nicht allein ist. Da hat ein Schüler etwas angestellt und nun muss er hingehen, die Tat eingestehen und sich entschuldigen. Da steht ein Verwandtschaftsbesuch an und ich weiß ganz genau: Dieser Teil der Familie ist dem unseren schon lange gram. Eine schwierige Entscheidung steht an über ein große Anschaffung – das neue Auto, ein Haus … Oder da hat sich ein Mensch gar ernsthaft etwas zuschulden kommen lassen und ist nun vorgeladen bei der Polizei oder vor Gericht. Das alles sind Wege, die ein Mensch im Leben manchmal gehen muss. Und dann ist es gut, wenn einer mitgeht, Rat gibt, mit aushält, beisteht. Nicht, um einem den Weg zu ersparen oder abzunehmen. Es gibt Wege, die muss man selbst gehen. Aber wie viel leichter fällt das mit einem Menschen an der Seite, der zu mir hält, ein aufmunterndes Lächeln oder einen guten Rat parat hat. Der auf meiner Seite ist, wenn es hart auf hart kommt. Ein Beistand eben.

Jesus verheißt den Jüngern einen Beistand auf ihrem Weg

Einen Beistand hat auch Jesus seinen Jüngern verheißen, so haben wir es eben gehört. Es ist ein Abschnitt aus einer großen Rede Jesu an seine Jünger, die der Evangelist Johannes überliefert. Er berichtet vom Letzten Abendmahl vor Jesu Leiden und Tod, von der Fußwaschung und vom Verrat des Judas. Und dann von dieser Rede, in der Jesus von seinem Weggehen spricht, und von seinem Auftrag an die Jünger: Seine Gebote sollen sie halten, an seinem Wort festhalten. Einander lieben, auch in der Verfolgung standhalten. Und zusammenstehen, eins sein. Und zum Auftrag kommt der Trost, die Ermutigung, die Verheißung: »Ich lasse euch nicht allein zurück. Der Vater wird euch einen Beistand geben, einen Beistand, der bleibt, der euch an mich erinnert und alles lehrt. Den Beistand, den Heiligen Geist.«

Offensichtlich sah Jesus ganz klar, dass der Weg, der vor den Jüngern lag, kein einfacher war. Sein Leiden, seinen Tod am Kreuz mussten sie miterleben, dann die kaum fassbare Botschaft von der Auferstehung, den Glauben an Jesus bezeugen in einer gegnerischen Umgebung, seine Botschaft bewahren und weitertragen, durch alle Zweifel und Meinungsverschiedenheiten hindurch. Kein einfacher Weg, aber: Ihr habt einen Beistand. Ihr müsst den Weg nicht allein gehen. Gottes Geist ist mit euch, gibt euch Mut und Kraft und die richtigen Worte. Auf ihn könnt ihr euch verlassen.

Pfingsten: Gott macht seine Verheißung wahr

Das ist die Verheißung, und am ersten Pfingstfest erfuhren die Jünger, wie es wahr wurde: Gottes Beistand machte ihnen Mut, die Türen ihrer Angst zu öffnen und hinauszutreten. Gottes Beistand verlieh ihnen Worte, die ankamen, über alle sprachlichen und kulturellen Grenzen hinweg. Und dieser Pfingstgeist, der blieb. Die neubelebte Jüngergemeinschaft wuchs und hatte Bestand, trotz aller Verfolgungen und Rückschläge. Davon berichten die Apostelgeschichte und die Paulusbriefe, davon berichtet die wechselvolle Geschichte der Kirche seither und bis heute. An Pfingsten erfuhren die Jünger: Gott macht seine Verheißung wahr. Auf seinen Beistand können die Christen, kann die Kirche bauen. Das ist der Grund, warum auch wir heute froh und dankbar Pfingsten feiern.

Gottes Beistand, der Heilige Geist: Zusage auch für uns Christen heute

Jesus erspart seinen Jüngern die schweren Wege nicht. Das ist heute nicht anders als damals. Ja, es gibt die freudigen Sonnentage im Leben eines Christen, an denen der Glaube Freude macht und stärkt, an denen in der Nachfolge Jesu vieles gelingt, an denen wir uns geborgen wissen in der Gemeinschaft derer, die unseren Glauben teilen. Aber es gibt auch die anderen Tage, wir wissen es alle: Es gibt die Zeiten des Zweifels, der Gottesferne, in denen wir uns von Gott und von den Menschen im Stich gelassen fühlen. Es gibt die Erfahrung der nicht erhörten Gebete. Es gibt die Zeiten, in denen die Kirche mehr Ärgernis als Heimat ist.
Gerade diese Zeiten sind der Ernstfall für den Heiligen Geist. Wann, wenn nicht dann, brauchen wir einen Beistand auf unserem Weg, einen, auf den wir uns verlassen können, der uns zeigt: Du bist nicht allein. Du kannst es schaffen. Ich bin an deiner Seite und erinnere dich an die Worte Jesu, die dir auch jetzt Quelle der Kraft und des Lebens sein wollen.

Für die Erfahrung des Beistandes braucht es die Gemeinschaft der Kirche

Nun mag mancher sagen: Das ist ja gerade mein Leid in den schweren Tagen, dass ich dann keinen Beistand erfahre; dass ich erlebe: Gott hilft mir nicht, wenn ich ihn am dringendsten brauche. Ja, es ist so: Gottes Verlässlichkeit zeigt sich nicht darin, dass wir ihn jederzeit fassen könnten. Dass wir etwas von ihm spüren könnten, dann wenn wir es uns wünschen. Dass wir ihn und seine Wege verstehen könnten. Die Verheißung Jesu bedeutet: Sein Beistand ist auch bei dir, wenn du es nicht merkst. Wenn du an den Kreuzwegen deines Lebens dich allein gelassen fühlst. Gottes Beistand ist und bleibt an deiner Seite.

Nun ist die Frage: Kann ein Mensch in schwerer Situation das glauben? Und darin Trost finden? Ist das nicht eine Überforderung? Doch, das ist es. Es braucht für diesen Glauben die Gemeinschaft. Es braucht Mitmenschen, die stellvertretend glauben und hoffen können und die deshalb den Einsamen und Verzweifelten menschlichen Beistand anbieten. Die bleiben und mit aushalten. Es braucht die Gemeinschaft der Betenden, die für die eintreten, die nicht mehr beten können. Geist-Erfahrung ereignet sich vor allem in der Gemeinschaft, dort, wo Menschen Kirche sind und den Mitmenschen im Glauben beistehen.

Der Geist ruft aus der Vereinzelung zur Gemeinschaft

So ist das Pfingstfest wahrhaftig das Geburtsfest der Kirche: Gottes Beistand ist jedem einzelnen Christen verheißen. Aber seine ermutigende Kraft entfaltet er vor allem dort, wo Christen ihren Glauben und ihr Leben miteinander teilen. Wo sie sich als Kirche versammeln, mit ihrer Hoffnung und ihren Zweifeln, mit ihren Talenten und mit ihren Schwächen und Sünden.

Und das gilt nicht nur für unsere Kirche als ganze und auch nicht nur dort, wo Papst oder Bischöfe die Gläubigen um sich versammeln. Das gilt genauso für die Kirche im Kleinen. Für Familien, die miteinander beten. Für Nachbarn, die einander in christlicher Nächstenliebe beistehen. Für unsere Gemeinde, in der wir unseren Glauben feiern in den Sakramenten und Gemeinschaft im Glauben erleben können und in der tätigen Nächstenliebe. All das ist Kirche – all das sind Orte, an denen Jesu Zusage auch heute gilt: Habt keine Angst, habt Mut! Gottes Beistand ist da. Und bleibt bei euch. Habt also Mut, auch die schweren Wege zu gehen. Habt Mut, zu handeln und zu entscheiden. Habt Mut, Zeugen zu sein für die Menschenliebe Gottes und für das Evangelium. Ihr geht nicht allein. Ihr geht mit Gottes Beistand.

Fürbitten
Heiliger Geist, göttlicher Beistand, wo du bist, ist Leben. Wo du wirkst, werden Türen geöffnet, zeigen sich Perspektiven, wächst neue Hoffnung. So stiftest du immer wieder die Gemeinschaft der Kirche. Wir bitten dich auch heute:

- Komm, Heiliger Geist, und erfülle deine Kirche. Stärke die Christen im Vertrauen und in der Zuversicht. Hilf den Leitenden zu guten Entscheidungen, die der Kirche eine Zukunft eröffnen.
(Komm, du Kraft von oben!)
- Komm, Heiliger Geist, und bewege alle, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen. Ermutige sie zum Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Erde für unsere Nachkommen.
- Komm, Heiliger Geist, und präge unsere Kirchengemeinde. Mach uns zu einer guten Gemeinschaft, an der erkennbar ist, was Christsein heißt, in der Menschen einander verstehen und gegenseitig tragen.
- Komm, Heiliger Geist, und stärke alle Menschen, die an ihre Grenzen gekommen sind, die erschöpft oder verzweifelt sind, die ihr Glaube nicht mehr trägt. Lass sie deinen Beistand und den Beistand der Mitmenschen erfahren.

Denn dein Wirken hält die Kirche lebendig. Dein Leben, dein Feuer, deine Kraft ist unsere Stärke. Du bist und bleibst verlässlich für uns da. Dafür danken wir dir und preisen dich mit Gott dem Vater und Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn. Amen.

Stefan Möhler

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