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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Fünfter Fastensonntag
Lesejahr B

Mit Hingabe leben und glauben

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Sie kennen vielleicht die Redewendung vom Leben »wie Gott in Frankreich«, wenn jemand Luxus und Müßiggang genießt. Das Lied »Wer leben will wie Gott auf dieser Erde« nimmt etwas anderes in den Blick und fährt fort: »muss sterben wie ein Weizenkorn«. Nicht das eigene Wohlergehen, sondern die Hingabe bis in den Tod zeichnet Jesus Christus aus – und jeden, der mit ihm verbunden ist und in seiner Nachfolge steht. Wie jeden Sonntag feiern wir Jesu Tod und Auferstehung und lassen uns mit hineinnehmen und verwandeln.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist den Weg der Liebe bis ins Letzte gegangen.
Herr, erbarme dich.
Du rufst uns, dir zu nachzugehen.
Christus, erbarme dich. Du stärkst uns auf unserem Lebensweg.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
dein Sohn hat sich dem Kreislauf des Lebens hingegeben und ist in den Tod gegangen. So konntest du deine übergroße Liebe an ihm und an uns erweisen.
Wir bitten dich: Mache uns stark in der Liebe und fähig zur Hingabe, damit dein Leben unter uns Raum gewinnt.
Darum bitten wir im Heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Schlussgebet
Barmherziger Gott,
die Hingabe deines Sohnes am Kreuz schenkt uns dein Leben. In Wort und Brot haben wir von diesem Leben Anteil empfangen.
Lass daraus Kraft wachsen für unseren Glauben und für ein Leben in Hingabe.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 460 »Wer leben will wie Gott auf dieser Erde«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 639/1 »Erbarme dich meiner« mit GL 639/2 (Psalm 51) und GL 176/3
»Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 425 »Solang es Menschen gibt auf Erden«
Gesang zur Kommunion
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 297 »Wir danken dir, Herr Jesus Christ«

Vorüberlegungen


Zum Text: Joh 12,20–33 (Evangelium)

Das Bild vom Weizenkorn ist eigentlich eine bäuerliche Binsenweisheit. Im Johannesevangelium steht es für den Kreislauf des Lebens, für Tod und Auferstehung Jesu Christi, aber auch für das Lebensprinzip eines Christen in der Nachfolge. In den darauf folgenden Versen interpretiert Johannes dieses Wort. Für die Predigt war Vers 25b leitend: »Wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.« Das Paradox, dass in Tod und Hingabe das Leben zu finden ist, erschließt sich für Menschen, die sich glaubend darauf einlassen.

Predigt

Wofür geben Menschen sich hin? Wofür sind Menschen bereit, gar ihr Leben zu riskieren?
Für seine Frau spendet ein Mann eine Niere. Für ihre Kinder verzichten Eltern auf ein ruhiges Leben. Für ein Hobby setzt so mancher viel Geld und Zeit ein. Für einen sportlichen Erfolg quält sich mancher bis zum Umfallen.
Das alles ist Hingabe. Für ihre Leidenschaft nehmen Menschen auch etwas Unangenehmes hin. Für ein größeres Ziel nehmen Menschen einen Verzicht oder Schmerz in Kauf.
Hingabe hat aber auch eine negative, dunkle Seite: Auch ein Selbstmordattentäter gibt sich für ein vermeintlich Größeres hin und zieht dadurch andere mit in den Tod. Einer, der in seinem Beruf vorwärts kommen möchte, ist womöglich so getrieben, dass er seine Gesundheit und seine Familie vernachlässigt. Und ein Suchtkranker wird vielleicht alles tun, um kurzfristig seine Qual zu erleichtern.

Die Hingabe Jesu

Sich einer Sache oder einem Menschen hinzugeben, dabei können Menschen also Erfüllung finden oder sich selbst aufgeben oder sich ganz verlieren. Und auf das erste Hören ist es nicht klar, was Jesus von uns will, wenn er uns auffordert, unser Leben gering zu achten. »Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.«
Tatsächlich war Jesu Leben eine einzige konsequente Hingabe. Sein größeres Ziel war immer die »Verherrlichung des Vaters«, wie es der Evangelist Johannes ausdrückt. Dass Gottes Größe und Güte zum Vorschein kommen; dass Gottes Liebe und Erbarmen zum Tragen kommen: heute schon, unter den Menschen, auf dieser Welt. Dafür hat Jesus gelebt – bis in den Tod hinein. Dabei hat er sein Sterben gewiss nicht leichtfertig und mit Leichtigkeit in Kauf genommen; das heutige Evangelium erzählt auch davon, dass seine »Seele erschüttert« war. Mit zitterndem Herzen sieht Jesus seinen Tod vor sich. Er nimmt ihn aber an, weil er der Preis ist für etwas unendlich Großes: für das ewige Leben in Gott. Und mehr noch: dass dieses göttliche Leben nicht Jesus allein vorbehalten ist, sondern durch ihn allen offen steht, die an ihn glauben. Dass dieses göttliche Leben nicht erst nach dem Tod geschenkt wird, sondern heute schon erreichbar ist für alle, die sich mit Jesus Christus verbinden. Das ist die »Frucht«, die Jesus in dem Bildwort vom Weizenkorn meint, die Frucht, die aus dem Weizenkorn entsteht, das in die Erde fällt und stirbt und keimen und wachsen kann zu neuen, vielen Körnern. Den Menschen, die mit ihm verbunden sind, schenkt er nach seinem Tod weiterhin seine Gemeinschaft und ein Leben in Gott. Dafür wird er aktiv sorgen: »Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen« (Joh 12,32).

Glauben bedeutet, sich hinzugeben

Das heißt aber auch, dass wir Christinnen und Christen in dieses Geschehen von Sterben und Neuwerden hineingezogen werden. Dass wir aufgerufen sind, es Jesus nachzumachen. »Wer sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben« (Joh 12,25). Ist das göttliche Leben tatsächlich dieses Größere, für das wir bereit sind, uns hinzugeben? Was ist es, was Glaubende antreibt? Modern gefragt: Was haben wir davon, wenn wir unser Leben gering achten?
Diese Frage kann jeder nur für sich selber beantworten. Antworten gibt es viele. »Ohne den Glauben wäre ich schon längst untergegangen«, sagt jemand, oder: »Gott ist das Fundament, auf dem ich mein Leben aufbaue und das mir Vertrauen gibt.« Oder: »Manchmal spüre ich, dass ich in Gott geborgen bin. Das lässt mich auch in den Zeiten hoffen, in denen ich durch das Dunkel gehe.«
Aus solchem Glauben heraus schauen Christen mit einem anderen Blick auf das Leben. Da geht es nicht nur um die eigene Person und das eigene Glück. Christen wissen, dass die Gemeinschaft mit Jesus Christus und das Leben von Gott her zwar ein Geschenk sind, aber dass es auch von ihrer Seite etwas dazu braucht: die Offenheit für Gottes Wirken; das Bemühen, die eigene Bequemlichkeit zu überwinden und die Beziehung zu Gott und Jesus Christus zu pflegen; die Anstrengung, den Weg der Nachfolge Jesu zu beschreiten und gegen den Strom zu schwimmen und Nein zu sagen gegenüber lebensfeindlichen oder unmenschlichen Strukturen. Denn Christen können von sich selber absehen, können ihr Leben gering achten, aber sie achten das Leben anderer sehr hoch. Und das ist auch der Unterschied zu Menschen, die sich einer Sache hingeben und dabei sich selbst oder anderen Schaden zufügen. Christen sehen von sich selber ab, aber nehmen andere Menschen wertschätzend und achtend in den Blick.
Gerade heute, am Misereor-Sonntag, sehen wir die vielen Menschen, deren Leben von anderen gering geachtet wird, die unterdrückt und ausgebeutet werden, die als Mittel zum Zweck benutzt werden. Oder Menschen, die ihrer Würde beraubt werden, denen ihre Heimat abgesprochen wird oder die vertrieben und ausgegrenzt werden.
Christen lieben das Leben. Sie begegnen dem Leben mit Hochachtung. Deshalb sind sie auch bereit, mit Hingabe zu leben, mit Hingabe zu lieben und mit Hingabe zu glauben.

Übung für die fünfte Fastenwoche

Evangelium: Joh 12,20–33

Zum Üben:

Ich nehme das Gebet des Niklaus von der Flüe in die nächsten Tage. Ich schreibe es ab oder lerne es auswendig oder trage es bei mir. Ich spreche es immer wieder. Ich versuche, mich in einer Haltung der Hingabe und Aufmerksamkeit einzuüben: gegenüber dem, was ich gerade tue; gegenüber dem Menschen, der mir gerade begegnet.

Zum Nachdenken: GL 9/4

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott, gib alles mir,
was mich fördert zu dir.

Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.

Niklaus von der Flüe (1417–1487)

Fürbitten
Wir sind hineingenommen in das Heilsgeschehen von Tod und Auferstehung. Zu Gott, von dem wir das Leben haben, rufen wir:

- Wir bitten für die Menschen, die falschen Idealen nachjagen und dadurch sich und anderen schaden.
- Wir bitten für die Menschen, die in Unrechtsstaaten ausgebeutet und unterdrückt werden.
- Wir bitten für die Menschen, die in unserem Land ausgestoßen und abgestempelt werden.
- Wir bitten für Suchtkranke und ihre Angehörige, die nicht aus dem Teufelskreis herausfinden.
- Wir bitten für diejenigen, die nur um sich kreisen und auf ihr eigenes Wohl bedacht sind.
- Wir bitten für die Menschen, die sich aufzehren in der Pflege und im Dasein für andere.
- Wir bitten für unsere Verstorbenen, die auf ein Leben in deiner Gegenwart hofften.

Herr, unser Gott, dir vertrauen wir unser Leben und Sterben an.
Dir sei Ehre und Lobpreis in Ewigkeit. Amen.

Beate Jammer

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