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Leseprobe 2
Zweiter Sonntag der Osterzeit – Weißer Sonntag
Lesejahr B

Sieg der Liebe

Beitrag zur Lesung

Einführung

Oft verspüren wir Menschen in uns so ein Gefühl, es müsse doch alles anders werden, nicht zuletzt mit uns selber. Im Extremfall möchten wir gewissermaßen uns selbst neu erfinden. Dann neigen wir dazu, uns gehörig unter Druck zu setzen, und oft werden wir an unseren eigenen guten Vorsätzen scheitern. Gut, dass wir in der heutigen Lesung aus dem ersten Johannesbrief von einer Alternative hören. Das neue, andere, bessere Leben; es ist schon längst unter uns. Es geht aus von Jesus Christus, von seinem Tod und seiner Auferstehung. Und es ist ein Leben in der Liebe Gottes.

Predigt

Zum Text: 1 Joh 5,1–6 (2. Lesung)

Die Symbole Wasser und Blut

Es kommt gewiss nicht selten vor, dass uns in den Schriftlesungen Formulierungen und Gedanken begegnen, die uns modernen Menschen sehr fremd erscheinen. So hörten wir in der heutigen neutestamentlichen Lesung davon, dass Jesus »nicht nur im Wasser, sondern auch im Blut« gekommen sei. Eine Ausdrucksweise, die auf uns befremdlich, wenn nicht gar verstörend wirkt. Um den Sinngehalt dieser Aussage zu erfassen, müssen wir deren symbolhafte Bedeutung erschließen. Im Fall des Wassers ist das verhältnismäßig leicht möglich. Wir wissen alle, das Wasser die grundlegende Voraussetzung für Entstehung des Lebens ist. Wenn Astronomen fremde Welten erforschen und sich fragen, ob auf einer fremden Welt die Entstehung von Leben grundsätzlich möglich wäre, dann suchen sie zuerst nach Wasser in der Atmosphäre dieses Himmelskörpers. Wasser ermöglicht Leben; eine einfache Regel, und deshalb ist die Symbolkraft des Wassers für uns ungebrochen.
Viel schwerer tun wir uns mit dem Symbol des Blutes. Es lässt denken an Unfälle und Krankheiten; es erinnert an Gewalt und Krieg. Bei uns in Deutschland leidet es zusätzlich an den Nachwirkungen verlogener Nazisprüche wie »Blut und Ehre« oder »Blut und Boden«. So scheint es eher ein Symbol des Todes zu sein und damit das Gegenteil dessen, was es eigentlich ist: Symbol des Lebens. Blut ist so etwas wie gewandeltes Wasser; aus der Voraussetzung des Lebens ist hier der Träger des Lebens selbst geworden.

Ein Strom von Leben

Wenn es nun heißt, Jesus sei im Wasser und auch im Blut gekommen, dann bedeutet das, ausgedrückt in unserer nüchternen, modernen Sprache: Jesus ist die Voraussetzung wie auch der Träger wahren menschlichen Lebens. Menschliches Leben, ja die ganze Schöpfung, gibt es nur um dieses vollkommenen Menschen Jesus willen. Er trägt das Leben in Fülle in sich; von ihm ausgehend strömt es hin zu uns Menschen und in die ganze Schöpfung. Unsere Schriftstelle bezieht sich natürlich auch auf das Geschehen nach dem Kreuzestod Jesu. Im Johannesevangelium wird erwähnt, dass Blut und Wasser aus der Seitenwunde Jesu flossen. Wir sind es nun gewöhnt, wohl allzu sehr gewöhnt, den Tod Jesu als Opfertod und als Sühne für unsere Sünden zu sehen. Die heutige Perikope und ihr Rückbezug zum Evangelium legen uns eine andere Deutung nahe: Vom Tod Jesu ausgehend ergießt sich ein Strom des Lebens in die Welt und verwandelt unser ganzes Dasein. Jesus stirbt aus Liebe zu den Menschen und aus Liebe zur Wahrheit. Er weigert sich, zu hassen, und er weigert sich auch, sich falschen, menschlichen oder menschgemachten Göttern zu unterwerfen. So blieb er in der Liebe und in der Wahrheit. Und Gott spricht ein letztes und endgültiges Machtwort; er erweckt Jesus vom Tod und zeigt damit, dass diese Art zu leben die Welt und den Tod besiegen wird.

Ein einfaches Gebot

Worin also besteht Erlösung? Nicht unbedingt in einem Sühneopfer, sehr viel mehr dagegen darin, dass ein Mensch – Jesus Christus – nicht den üblichen Gesetzen dieser Welt folgte, sondern in letzter Konsequenz in der Wahrheit und der Liebe lebte. Religionen neigen immer und überall dazu, den Menschen Lasten aufzuerlegen: Sie müssen Opfer bringen, um das Wohlgefallen der Götter zu erringen und zu erhalten. Stellvertretend wurden dafür Opfertiere geschlachtet. Oder Menschen mussten sich strengen Moralvorschriften unterwerfen, wiederum mit demselben Ziel: Gott oder die Götter zu besänftigen. So gerät man mächtig unter Druck; Menschen scheiterten und scheitern auch noch heute daran.

Demgegenüber hören wir im ersten Johannesbrief davon, dass die Gebote Gottes nicht schwer sind. Das trifft deshalb zu, weil es eigentlich nur ein einziges Gebot gibt. Und das besteht darin, im Geiste Christi zu leben, also an die Liebe und an die Wahrheit zu glauben. An deren Sieg glauben wir seit der Auferweckung Jesu Christi. Im Verborgenen gehört er schon zur Realität dieser Welt und er hat begonnen, sie allmählich umzuformen. Im Gegensatz zum bloßen Gehorsam gegenüber Gesetzesvorschriften bedeutet dies einen viel tiefergehenden Wandel.

Leben in göttlicher Fülle

In unserem Glauben nehmen wir schon etwas vorweg von einer wirklich erlösten Welt, einem wirklich befreiten Leben. Glauben an die Auferweckung, an den Sieg des Lebens über den Tod, lässt schon hier und jetzt ein großes Aufatmen durch die ganze Schöpfung gehen. Menschen müssen sich nicht mehr permanent vom Tod bedroht fühlen. Genau dieses Gefühl führt sie nämlich immer wieder dazu, sich in kleinliche und nur vermeintliche Sicherheiten zu flüchten: der eigenen Größe und Macht oder der ebenso falschen Stärke, »eingekauft« durch Opfergaben oder ängstliches Wohlverhalten. Stattdessen stehen wir doch schon in einem wahren Strom neuen Lebens. Oder, ausgedrückt in einer uralten Symbolsprache: Jesus Christus, der diese dem Tod verfallene Welt besiegt hat, kommt zu uns im Wasser und im Blut. Damit bringt er uns das Leben, das Leben in unendlicher, göttlicher Fülle.

Fürbitten
In den Sorgen und Nöten unserer Zeit wenden wir uns an dich, Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn – denn du hast uns den Weg zum wahren Leben bereitet:

- Für alle Menschen, die unter lieblosen Gesetzen und engstirnigen Moralvorstellungen leiden: Lass sie deine befreiende Liebe erfahren.
(Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.)
- Für alle, denen es schwer fällt, an Gottes Liebe und Güte zu glauben: Lass ihnen Menschen begegnen, die ein Zeichen dieser Liebe sind.
- Für alle, denen Autorität und irdische Macht gegeben ist: Führe sie zu einem verantwortungsbewussten Handeln zum Wohl der Menschen.
- Für unsere Kirche, die sich oft schwer tut, die Befreiung im Glauben zu verkünden und schon in dieser Freiheit zu leben: Ermutige alle Gläubigen dazu, freimütig Zeugnis zu geben und kraftvoll in deinem Geist zu handeln.
- Für unsere Verstorbenen: Lass sie teilhaben am unendlichen Leben im Reich deines Vaters.

Gott, Vater im Himmel, du hast uns deinen Sohn Jesus Christus gesandt, damit wir ein neues Leben haben in der Fülle deines Geistes – jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Norbert Klinger

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