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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
29. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Das Schreien der Erwählten

Beitrag zum Evangelium


Einführung

Wir kommen zusammen, um zu beten – aber hört Gott unsere Gebete auch? Wir bringen unser Leben zur Sprache, was uns freut und was uns bedrückt – aber lässt sich Gott davon berühren? Wir meinen, beten sei immer nur sprechen – aber spricht Gott auch in der Stille zu uns? Wenn wir mit einem Menschen sprechen, merken wir sofort, ob er uns zuhört oder nicht; wir bekommen Antwort oder auch keine, aber in jedem Fall wissen wir Bescheid. Bei Gott ist es anders: Hier gibt es kein Bescheidwissen, sondern nur Glauben und Vertrauen. Wir beten, weil wir glauben, und wir vertrauen, weil wir beten. Das eine gibt es ohne das andere nicht, und immer ist es Gott selbst, der uns zum Beten und damit zum gläubigen Vertrauen auf ihn ermuntert.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du ermutigst uns zur Ausdauer im Gebet.
Herr, erbarme dich unser.
Dir vertrauen wir unsere Nöte und unser ganzes Leben an.
Christus, erbarme dich unser.
Du hörst unser Beten und bist uns eine starke Hilfe in aller Not.
Herr, erbarme dich unser.

Tagesgebet
Gott, unser Vater,
du weißt, was wir zum Leben brauchen, noch bevor wir dich darum bitten. Du kannst ermessen, was uns bedrückt, noch bevor wir es aussprechen. Voll Vertrauen beten wir zu dir, weil Jesus uns dazu ermutigt, und dein Geist betet in uns, wo wir nicht ein noch aus wissen.
Lass uns den Glauben an deine starke Hilfe nie verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung GL 302 »Erhör, o Gott, mein Flehen«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 293 »Auf dich allein ich baue« und GL 530/1 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung GL 300 »Solang es Menschen gibt auf Erden«
Gesang zur Kommunion GL 298 »Herr, unser Herr, wie bist du zugegen«
Dankhymnus/Schlusslied GL 473 »Im Frieden dein, o Herre mein«

Vorüberlegungen


Zum Text: Lk 18,1–8 (Evangelium)

Das Gleichnis vom Richter und der Witwe gehört sachlich eng zusammen mit der Gebetsunterweisung in Lk 11,1–13. Ihre Grundlage bildet das Vaterunser (Lk 11,2–4), das in der Versuchungsbitte gipfelt und damit um die Bewahrung des gläubigen Gottvertrauens bittet. Ebenso zielt das unablässige Gebet (Lk 18,1), das unser Gleichnis illustriert (Lk 18,2–5), letztlich auf den Erhalt des Glaubens und damit auf das lebendige Vertrauen in Gott (Lk 18,8). Ist es im Gleichnis vom bittenden Freund dessen Dreistigkeit, die zum Erfolg führt (Lk 11,5–8), so erreicht die Witwe in unserem Fall durch die unaufhörlich wiederholte Forderung ihr Ziel (Lk 18,3–5). Geben Menschen, obwohl sie böse sind, ihren Kindern dennoch gute Gaben (Lk 11,11–13), so verhilft der Gott und Menschen verachtende Richter der hartnäckigen Witwe am Ende doch zu ihrem Recht (Lk 18,5). Die Anwendung des Gleichnisses (Lk 18,6–7) schließt in dreifacher Weise vom Geringeren auf das Bedeutendere: Wenn schon der ungerechte Richter schlussendlich Recht schafft, um wie viel mehr der gerechte Gott! Wenn schon eine unangesehene Witwe mit ihrem Bitten Erfolg hat, dann erst recht die Auserwählten Gottes! Bringt schon die Witwe ihr Anliegen immer aufs Neue vor, so schreien die Auserwählten regelrecht bei Tag und Nacht zu Gott. Im Zusammenhang der lukanischen Gebetsunterweisung lassen sich unserem Gleichnis drei theologische Kernaussagen entnehmen: Für die Jünger und Jüngerinnen Jesu heißt Beten wesentlich Bitten; im Gebet sollen sie allezeit mit Gott verbunden bleiben; nur so kann sich auch das gläubige Vertrauen auf Gott bis zum Ende durchtragen.

Predigt

Anliegen

Die meisten Menschen denken beim Beten zuallererst ans Bitten. Das gilt nicht zuletzt für die, welche selten oder gar nie beten. Anscheinend ist es immer noch die sprichwörtliche Not, die uns das Beten lehrt. Das Beten kommt uns in den Sinn, wenn uns etwas fehlt oder wenn wir die Dinge nicht mehr in der Hand haben. Frieden und Gesundheit, Glück und Erfolg sind Umfragen zufolge die häufigsten Gebetsanliegen unter Jugendlichen. Dabei liegen die Probleme mit derlei Bitten auf der Hand. In jeder heiligen Messe beten wir um den Frieden, ohne dass die Welt über die Jahrhunderte spürbar friedlicher geworden wäre. Viele kranke Menschen wünschen sich sehnlich ihre Gesundheit zurück und beten darum, ohne dass ihr Wunsch dadurch schon in Erfüllung ginge. Glück und Erfolg – wer wünscht sich das nicht? Und doch bleibt das Glück nur selten ungetrübt, und wer heute erfolgreich und angesehen ist, kann morgen schon ganz unten landen. Was können da unsere Gebete ausrichten? Welchen Sinn soll es haben, Gott um Dinge zu bitten, die scheinbar eher nach dem Zufallsprinzip verteilt werden, noch dazu an die Guten und Bösen gleichermaßen? Es ist nur zu verständlich, dass Menschen das Beten sein lassen oder gar nicht erst damit anfangen, wenn sie ihre wichtigsten Anliegen darin nicht ernstgenommen sehen.

Ausdauer

Umso mehr muss es verwundern, mit welchem Nachdruck Jesus darauf besteht, dass seine Jünger »allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten« (Lk 18,1). Die gleiche Anweisung lesen wir außerdem bei Paulus: »Betet ohne Unterlass« (1 Thess 5,17). In der Ostkirche hat man diese Forderung ganz wörtlich genommen und daraus die Praxis des Herzensgebetes entwickelt. Das immer gleiche Gebet – meistens nur ein paar Worte – wird dabei ununterbrochen gemurmelt, bis es einem so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass das Herz es ganz alleine betet, ohne dass man es noch bewusst tun müsste. Interessanterweise ist nun aber auch das Herzensgebet in seiner grundlegenden Form ein biblisches Bittgebet: »Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner« (vgl. Mk 10,47). Es kommt also nicht allein darauf an, durch irgendein Gebet mit Jesus in Verbindung zu bleiben, sondern durch die unaufhörliche Bitte um sein Erbarmen. Im Gleichnis Jesu ist es genauso: Immer aufs Neue fordert die Witwe von dem ungerechten Richter ihr Recht. Genau darin wird sie den Jüngern Jesu zum Vorbild: Auch wir sollen nicht nur immer und überall zu Gott beten, sondern ihn jederzeit konkret um die Dinge bitten, die wir zum Leben brauchen.

Vertrauen

Aber warum nur will Gott von uns andauernd gebeten sein? Behandelt er uns wie kleine Kinder, denen man erst noch Manieren beibringen muss, damit sie auch schön brav »bitte« und »danke« sagen? Natürlich nicht. Aber nur wo einer den anderen aufrichtig um etwas bittet, entsteht die Art von Beziehung, in der jeder dem anderen seine Freiheit lässt und gleichzeitig noch etwas von ihm erwartet. Gott hätte uns als seine Marionetten erschaffen können. Aber weil es Liebe nur in Freiheit gibt, wollte er, dass wir frei sind, um ihn und einander zu lieben. Deshalb zwingt er uns nicht zu seiner Liebe, sondern er wirbt um uns und fordert unsere Gegenliebe heraus, indem er uns zuerst geliebt hat. Wir können seiner Liebe gegenüber gleichgültig bleiben. Wir können unser Leben frei gestalten, ohne jemals etwas von ihm zu erwarten. Aber das ist sicher nicht die Haltung der Jünger Jesu. Wenn wir nichts mehr von Gott erwarten, wenn wir gar nichts mehr von ihm erbitten, worin äußert sich dann unser abgrundtiefes Vertrauen, dass er uns schon alles geben wird, was wir zum Leben brauchen? Wo die Bitte verstummt, stirbt auch die Beziehung. Wo das gläubige Gottvertrauen keinen alltäglichen Ausdruck mehr findet, ist es bald nur noch abstrakte Theorie, aber keine wirkliche Kraft zum Leben mehr. Deshalb fordert uns Jesus in seinem Gleichnis nicht nur zum Beten, sondern vor allem zum Bitten auf.

Freundschaft

Eine solchermaßen lebendige Gottesbeziehung ist mit unseren alltäglichen menschlichen Beziehungen durchaus vergleichbar. Das macht der Schweizer Jesuit Hans Schaller mit eindrücklichen Worten deutlich: »Wir können dem Mitmenschen für eine Gabe oder einen erwiesenen Dienst danken, jedoch meist nicht fraglos darum bitten. Wir überlegen uns deshalb oft zögernd, was wir von wem erbitten dürfen und können. Offensichtlich verlangt eine Bitte nach dem Maß ihrer Größe eine besondere Basis des Vertrauens, weil sie den Gebetenen in tieferer Weise engagiert, in seiner Güte und Hilfsbereitschaft zentraler aufruft. Vielleicht haben wir schon die Erfahrung gemacht, dass eine Freundschaft in dem Augenblick in ein anderes, höheres Stadium tritt, wo wir den Freund erstmals um etwas zu bitten wagen. Und umgekehrt können wir erfahren, dass die menschlichen Beziehungen dort stagnieren, sich rückbilden oder sogar absterben, wo nichts mehr in Forderung und Bitte verlangt werden kann. Warum eigentlich? Weil hier, in der freundschaftlichen Beziehung, durch die Zumutung zu helfen, die Tragfähigkeit von Vertrauen ernsthaft geprüft wird. Gewiss. Sicher aber auch deshalb, weil die Bitte den andern gleichsam direkt anfasst, angeht, sich ins Zentrum seiner Freiheit vorwagt. Und in der Art, wie dieses Wagnis der Bitte beantwortet wird, zeigt sich, was an Zuneigung, Hilfsbereitschaft und Güte im Angesprochenen vorhanden ist. Etwas ganz Ähnliches geschieht im bittenden Beten.«

Erwählung


Wenn all das schon für die menschlichen Beziehungen gilt, dann erst recht für die Treue Gottes zu uns und unser Vertrauen zu ihm – zumindest sieht es Jesus so. Wenn schon ein Mann, der Gott und Menschen verachtet, der Richter in unserem Gleichnis, sich von der hartnäckigen Forderung der armen Witwe bewegen lässt, sollte Gott dann von unseren Bitten ungerührt bleiben? Nein, das kann nicht sein: Wenn seine Liebe zu uns mehr ist als eine abstrakte Idee, wird er nicht zögern, uns zu helfen. Und wenn schon die Witwe, die dem Richter nichts als lästig ist, von ihm schlussendlich Recht bekommt, sollte Gott dann uns, seinen auserwählten und geliebten Kindern, nicht auch zu ihrem Recht verhelfen? Doch, auf jeden Fall, sind doch selbst die Haare auf unserem Kopf allesamt gezählt (Lk 12,7), und nicht eines davon soll uns gekrümmt werden (Lk 21,18). Wenn schon die Witwe in einer einzigen Sache den Richter unaufhörlich bedrängt, sollten wir dann nicht die vielfältigen Nöte unseres Lebens genauso unablässig vor Gott bringen? Jesus selbst hat es getan und in seinem Erdenleben »Bitten und Flehrufe vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte«, wie der Hebräerbrief es sagt (Hebr 5,7). Dabei geht es nicht darum, dass unsere Wünsche erfüllt werden, weder alle noch sofort, sondern es geht darum, dass unser Vertrauen auf Gott lebendig bleibt, ohne das es im Alltag keinen Glauben gibt. Gott hat uns erwählt und als seine Kinder angenommen; deshalb rufen wir zu ihm in allem, was uns bewegt.

Fürbitten

Herr, unser Gott, unsere Zeit liegt in deinen Händen. Du schenkst sie uns als eine Zeit des Heils. Wir bitten dich für die Menschen, die Unheil erfahren:

– Für die Menschen, denen die Zeit lang wird: die körperlich und seelisch Kranken, die zu Unrecht Gefangenen.
(Herr, erbarme dich.)
– Für die Menschen, die das Beten verlernt haben oder es leid geworden sind zu beten: die Satten und Zufriedenen, die Enttäuschten und Hoffnungslosen.
– Für die Menschen, die am Unrecht in der Welt verzweifeln: die Unterdrückten und Verfolgten, die rechtlich und wirtschaftlich Benachteiligten.
– Für die Menschen, deren Lebenspläne scheitern: Partner, die sich trennen; Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit sehen.
– Für unsere Verstorbenen: Heile ihren Unglauben und vollende ihren Glauben.

Herr, unser Gott, dein ist die Zeit und die Ewigkeit, dein ist die Macht und die Herrlichkeit in alle Ewigkeit.
Amen.

Wilfried Eisele

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