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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
20. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Entschieden Christ sein

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Zu Toleranz, zum Einsatz für den Frieden werden wir ständig aufgerufen. Und der Friedensgruß im Gottesdienst ist hoffentlich nicht nur ein leerer Ritus. Nun sagt Jesus im heutigen Evangelium provokativ: Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern Spaltung. Er ruft also zur Ent-Scheidung, der wir oft genug um des lieben (aber faulen) Friedens willen ausweichen.

Kyrie-Ruf
GL 495/6 »Herr Jesus, du bist unser Friede«

Tagesgebet
Gott unser Vater,
dein Sohn Jesus Christus ist gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen. Er wollte, dass es brennt und die Herzen der Menschen verwandelt.
Verschaffe deinem Wort auch heute Gehör – in der Kirche und durch sie bei den Menschen. Überwinde Trägheit und Unentschiedenheit in unserem
eigenen Herzen.
So bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 12,49–53 (Evangelium)


Die Schärfe dieser Worte (»Feuer«, »Spaltung«, »Zwietracht«) provoziert in einer kirchlichen Situation wie der unseren, wo viel von Dialog, Communio gesprochen wird und manche der Kirche Müdigkeit attestieren oder sie auf dem Rückzug sehen. Die Worte Jesu bei Lukas lassen darauf schließen, dass es entsprechende Tendenzen des Rückzugs in die Ungestörtheit auch in der frühen Christenheit gab. Lukas setzt dagegen die Konsequenz und Entschiedenheit, mit der Jesus den »Weg nach Jerusalem« geht und gestaltet sein Evangelium ab der markanten Stelle Lk 9,51 ganz nach diesem roten Faden. Jesus geht bewusst »in die Todestaufe hinein«. Weniger das stellvertretende Leiden wird betont, sondern der Christus vor Augen gestellt, der uns vorangeht und die Bahn bricht, damit seine Jünger hinter ihm her »das Feuer des Reiches Gottes und der Liebe in die Menschheit tragen«.

Predigt

»Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen«


Es ist kein Feuer mehr. Das Christentum ist ausgebrannt, nur noch Asche, hört man sagen – vor allem im Blick auf die Kirche in unseren Breiten im Vergleich zum Aufblühen der Kirche in anderen Teilen der Welt.

Ich bin skeptisch gegenüber solchen allzu schnellen Urteilen. Natürlich träume auch ich von einem Christentum, das zündet – von einer Kirche, die mitreißt und Profil zeigt, Ich bin begeistert und zugleich beschämt von Frauen und Männern, die Flagge zeigen und gezeigt haben für ihren Glauben, für Gottes Reich in dieser Welt: ein Erzbischof Romero von El Salvador oder die Mönche von Tibhirine in Algerien…

Man diskutiert immer neu über das Verhalten der Christen und der Kirche in der Nazi-Zeit. Wir beklagen, dass man nicht entschiedener aufgestanden ist, etwa gegen die Verbrechen an den Juden – und ahnen zugleich, dass wir selbst wohl kaum mehr Mut gehabt hätten als unsere Väter und Mütter…

Nicht Heldentum ist gefragt …

Nun ist heute bei uns keine Verfolgungszeit und nicht die Zeit des großen spektakulären Heldentums. Zum Helden sind wir Menschen ohnehin nicht geboren, und Helden sind im Evangelium auch nicht gesucht. Wohl aber geht es auch heute für den Christen um Ent-Scheidung, um Entscheidungen. »Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern Spaltung«, sagt Jesus provokativ. Und an ähnlicher Stelle bei Matthäus heißt es gar: »Ich bringe nicht den Frieden, sondern das Schwert!« (Mt 10,34). Gemeint ist natürlich nicht das Schwert als Mordinstrument, sondern das Schwert der Ent-Scheidung (wie es oben am Chorbogen vom Mund des Weltenrichters Christus ausgeht). Auch in der Gewöhnlichkeit des Alltags sind wir, wenn wir unser Christsein ernst nehmen, immer neu zur Entscheidung gerufen – nicht so lebensgefährlich wie in der Gestapo-Zeit, aber ebenso notwendig.

sondern Entscheidung im Alltag

Stehe ich zu meiner Überzeugung, auch wenn ich im Bekanntenkreis anecke?

Schreite ich ein gegen Unrecht oder decke ich es und schweige?

In der Lesung hörten wir diesen Fall: Jeremia, der Prophet, hat gegen den Krieg protestiert und wird als »Wehrkraftzersetzer« fast gelyncht. Nur ein Einziger – und ausgerechnet ein Fremder, Ebed-Melech – traut sich, vor den König zu treten und gegen dieses Vorgehen Einspruch zu erheben…

Halte ich mich heraus, wenn auf böse Weise Stimmung gemacht wird, oder mische ich mich ein?

Halte ich einem schwierigen Menschen die Stange oder lasse ich ihn fallen?

Lasse ich mir Kritik gefallen oder schieße ich gleich zurück? Schaffe ich mir Raum für Stille und Gebet oder lasse ich mich treiben?

Ist mir die Stunde Gottesdienst am Sonntag wichtiger als Ausschlafen?

Im konkreten Alltag erweist sich jedenfalls die Entscheidung für Christus eher als in Jubelstürmen bei Papstmessen oder in feierlichen Treueschwüren.

Eine Intervention, die Eindruck macht

Die Intervention des Ebed-Melech für Jeremia gegen die erdrückende Mehrheit der anderen macht jedenfalls beim König Eindruck und wird für Jeremia zur Rettung. Nicht immer wird entschiedenes Eintreten so Erfolg haben. Aber auch der Einzelne kann durchaus etwas bewegen. Ja, mehr als zu anderen Glaubenszeiten ist heute der Mut, die Zivilcourage des Einzelnen gefragt.

Man ist schnell dabei, über schwindende Zahlen in der Kirche zu klagen. Aber auch eine kleine Zahl kann Ferment sein, kann Maßstäbe setzen. Vom »Salz der Erde« spricht Jesus, und er rechnet offensichtlich nicht damit, dass eines Tages die ganze Suppe aus Salz besteht.

Man ist nie fertig damit, sich zu entscheiden

Freilich: Es gilt immer neu, sich als Christ zu entscheiden. Man ist nie fertig damit. Insofern ist das Wort vom »entschiedenen Christentum« oder der Name »entschiedener Christ«, den sich manche geben, ein wenig zu stramm – und fragwürdig, weil in vielen Fragen heute Entscheidungen in ehrlicher Auseinandersetzung erst reifen müssen. Fanatismus jedenfalls hat mit Entschiedenheit im Sinn des Evangeliums nichts zu tun!

Kirche als Stütze und Korrektur

Entscheidung für Christus und seinen Weg ist im Alleingang aber kaum durchzuhalten. Wir brauchen die Gemeinde, die Kirche als Gemeinschaft derer, die einander tragen und korrigieren. So sehr es auf unser Zeugnis als Einzelne ankommt, wir werden nicht Kurs halten können ohne die Weggemeinschaft mit Christus und mit denen, die er gerufen hat. Darum sind wir ja auch hier versammelt und hoffen, dass ein Funke von seinem Feuer in unserem Herzen und in unserem Leben zündet.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 241,1–4 »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft«
Antwortgesang und Halleluja-Ruf
GL 725/1 »Herr, deine Treue« mit 725/2,1–6 (Psalm 40) und GL 530/7
»Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 624 »Auf dein Wort, Herr, lass uns vertrauen«
Gesang zur Kommunion
GL 620 »Das Weizenkorn muss sterben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 614 »Wohl denen, die da wandeln«

Fürbitten
Gott unser Vater, wir leiden unter der Halbherzigkeit unserer Entscheidungen und der mangelnden Strahlkraft der Kirche. Wir bitten:

– Für die Kirche: Stärke sie, dass sie furchtlos und weltoffen zugleich Zeugnis geben kann für dein Reich.
(Sende deinen Geist.)
– Für die Frauen und Männer, die als Christen öffentliche Verantwortung tragen: Gib ihnen Klugheit und Mut, in deinem Sinn zu handeln.
– Für alle, die in Gewissenskonflikten stehen: Erleuchte sie und hilf ihnen zu einer guten Entscheidung.
– Für Menschen, die um ihres Glaubens und ihrer Überzeugung willen schikaniert und angefeindet werden: Gib ihnen Kraft aus der Gewissheit, dass du an ihrer Seite bist.
– Für die jungen Menschen, die nach Orientierung suchen: Öffne ihr Herz für das Wahre und Gute und lass sie nicht zufrieden sein mit billigen Antworten.

So bitten wir durch Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn.
Amen.

Thomas Keller

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