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Leseprobe 3
19. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung
Was mir der Glaube bedeutet

Predigt
Zum Text: Röm 9,1–5 (2. Lesung)

Der Römerbrief und was er voraussetzt

Der Apostel Paulus schreibt einen Brief an die christliche Gemeinde in Rom. Anders als bei seinen vorausgehenden Briefen an Gemeinden kennt er diese Gemeinde nicht. Aber er hat ein Anliegen und deswegen schreibt er. Dieses Anliegen kommt aber erst gegen Ende des Briefs zur Sprache Röm 15,23–34. Paulus schreibt da:
»Ich habe mich seit vielen Jahren danach gesehnt, zu euch zu kommen, wenn ich einmal nach Spanien reise. Auf dem Weg dorthin hoffe ich, euch zu sehen und dann von euch für die Weiterreise ausgerüstet zu werden.«
Es ist schon erstaunlich, dass man unter den christlichen Gemeinden über solche Entfernungen hinweg voneinander weiß und die Gemeinden auch Anlaufstellen für Christen auf der Reise sind. Nicht weniger erstaunlich finde ich es, dass Paulus, der doch im Osten des römischen Reiches missioniert, auch den Christen im Westen des Reiches vom Hörensagen bekannt ist. Erstaunlich weiterhin, dass Missionare auf Gastfreundschaft und materielle Hilfeleistung zählen konnten. Und schließlich muss erstaunen, dass Paulus schon wieder weiterziehen will, um in Spanien das Evangelium zu verkünden. Er hatte doch erst vor wenigen Jahren in Kleinasien und Griechenland Gemeinden gegründet. Man brauchte ihn dort sicher noch, um diese jungen Gemeinden zu festigen und zu betreuen.
»Betreuen« – gerade dies ist es doch, nebenbei gesagt, was nicht wenige Gemeinden bei uns heutzutage vermissen – seelsorgerliche Betreuung, »flächendeckende« Versorgung mit Priestern. Paulus meint offensichtlich, dass eine Gemeinde, in die der Glaube an Jesus Christus eingepflanzt ist, auch für das gemeinsame Leben aus diesem Glauben gestärkt und ausgerüstet ist. An dieser Stelle atme ich tief durch. Konnte man das nur damals voraussetzen? Kann eine christliche Gemeinde heute nicht auch weitgehend ihr Gemeindeleben aus dem Glauben selbst gestalten?

Das Problem des Paulus

Was man in Rom von Paulus gehört hat, war vor allem für die Christen aus der Tradition des jüdischen Glaubens nicht ohne Probleme. Denn er vertritt die Überzeugung, dass die Bindung an Jesus frei macht von vielen jüdischen Auslegungen des göttlichen Gesetzes. Nimmt Paulus seine religiösen Wurzeln nicht mehr ernst? Darauf geht er in einer leidenschaftlichen Passage seines Briefes ein. Unsere heutige Lesung ist der Anfang davon. Dieser Abschnitt zeigt auch, mit welcher Hingabe er an seiner Herkunft hängt. Paulus leidet darunter, dass die meisten in seinem Volk den erwarteten Messias in Jesus nicht erkannt haben.
Hier stocke ich wieder. Das kommt mir in einer anderen Weise irgendwie bekannt vor. Leiden in der deutschen Kirche nicht viele Gläubige genau darunter, dass es nicht zu gelingen scheint, unseren nächsten Mitmenschen den Glauben weiterzugeben beziehungsweise den Glauben zu bewahren? Trotz des Bemühens, den Glauben, in allen persönlichen Grenzen zwar, zu leben, springt der Funke nicht über, interessiert das andere nicht. Und Menschen schauen viel mehr auf Stars und Sternchen, die uns die Medien aufbereiten und modellieren, als dass sie auf positive Beispiele gelebter Menschlichkeit und gelebten Glaubens schauen. Das wirklich Gute scheint medial zu langweilig zu sein. Freilich, viele ernsthafte Christen können dieses Unbehagen nicht so theologisch aufgeladen formulieren wie der Apostel Paulus. Aber man weiß um das Problem und leidet darunter.
Paulus stellt sich und seinen Lesern vor Augen, dass doch seinem Volk, den Israeliten, von Gott in der Geschichte so viel gegeben worden war. Jahwe hat sie in ein Verhältnis genommen wie einen Sohn. Er hat an diesem kleinen Volk unter vielen anderen und größeren Völkern seine Herrlichkeit gezeigt. Zudem hat Israel nicht irgendeine selbstgestrickte Ordnung des Zusammenlebens, sondern eine von Gott, die in dieser unvergleichlichen Qualität und Weitsicht dem Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft förderlich ist.
Und dennoch und trotz allem haben die Israeliten den von Gott Gesandten mehrheitlich nicht erkannt. Das ist nicht nur für Paulus ein Rätsel, das ist ein wirkliches Mysterium. Aber, und das gilt es aufmerksam zu registrieren, es liegt dem Apostel fern, deswegen den Glauben seines Ursprungs abzuwerten oder die Menschen schlecht zu machen. Im Gegenteil, er leidet unter dieser Tatsache, sie belastet Herz und Gemüt.

Der Glaube in der Zeit

Paulus stellt sich im Römerbrief der Reflexion über den Glauben mit seiner Geschichte einerseits und seiner Wirklichkeit in der Gegenwart andererseits. Ebenso, welches Erscheinungsbild dieser Glaube jetzt abgibt. Er unterzieht sich also der Mühe, die wir als Kirche und als Gläubige immer einmal wieder leisten müssen: unser Glaube in der (deutschen) Gegenwart, in der wir leben. Ich meine, wir sollen nicht unseren Blick in Umfragen über Kirche und Glaube, in Statistiken und Zahlen erstarren lassen. Mir scheint eher ein Blick darauf hilfreich zu sein, was mir, dem Einzelnen, der Glaube denn gibt und bedeutet:
Der Glaube lässt mich meinen Platz und meine Stellung in der Welt und Schöpfung erkennen. Aus dem Glauben weiß ich, dass Gott durch Jesus meinem Leben ein Begleiter ist. Durch Jesus weiß ich, dass Gott uns Menschen liebt; wir brauchen uns nicht, durch welche Opfer auch immer, seine Zuneigung zu erkaufen. Auch die scheinbar dunkelste Stunde besitzt einen göttlichen Schimmer. Dieses irdische Leben ist der erste Teil. Der Tod ist der Übergang zum anderen Teil, dem Leben bei Gott. Die Lebensordnung Jesu zeigt uns: Wer dem Leben der Mitmenschen dient, dem kommt das Leben entgegen.
Wer dies mit allen Grenzen, die auch zu uns gehören, bejahen kann, wer aus einem solchen Fundament zu leben sich bemüht, für den trifft zu jeder Zeit und in allem Umständen Jesu Wort aus der Bergpredigt zu: »So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen« (Mt 5,16).

Fürbitten
Herr unser Gott, unsere Bitten verbinden wir mit dem Vertrauen, dass du uns hörst und die Welt zum Guten führen willst:
- Für unser Land: dass die Menschen wieder zu einem Glauben finden, der ihnen Sinn und Lebenskraft verleiht.
(V.: Herr, erbarme dich. – A: Herr, erbarme dich.)
- Für die kommende Generation: dass die jungen Menschen die Spur Jesu in ihrem Leben entdecken.
- Für alle, denen das Leben nur mit Hilfe von Drogen erträglich erscheint: dass sie den Sinn ihres Lebens finden.
- Für alle Eltern, die ihren Kindern den Glauben vermitteln wollen: dass sie allen Hindernissen gewachsen seien.
- Für unsere Welt: dass sie immer mehr das Leben Jesu Christi als Modell des Zusammenlebens und den Weg zu Gott entdecken.
Herr unser Gott, erhöre uns im Namen deines Sohnes Jesus Christus, für den wir dir danken, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Johannes Jeran

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