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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Fest der Darstellung des Herrn
Lesejahr A – B – C
Begrüßung und Einführung
Wir feiern Mariä Lichtmess oder – wie es liturgisch richtig heißt – »Darstellung des Herrn«. Ein Fest zwischen Weihnachten und Ostern, zwischen zwei Festen, bei denen das Licht eine ganz besondere Rolle spielt. Lichtmess lädt uns ein, das neue Licht dieses Jahres zu messen, sich daran zu orientieren, es zu feiern und sich von diesem Licht so ergreifen zu lassen, dass es unseren inneren Funken weckt und stärkt.
Das Evangelium erzählt uns von Hanna und Simeon, zwei betagten Menschen, die auf dieses Licht sehnsüchtig ein Leben lang gewartet haben. Sie verkünden das kleine Kind, das in den Tempel gebracht wird, als Licht der Welt. Jesus Christus ist unser Licht; er macht unser Leben hell. Geben wir seinem Licht in unserem Leben Raum, gerade jetzt in dieser Stunde.

Kyrie-Ruf
GL 129 »Licht, das uns erschien« oder
Jesus Christus, du bist das Licht, das unter den Völkern leuchtet.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, du bist das Licht, das unser Leben hell macht.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus, du bist das Licht, von dem wir einander verkünden.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Barmherziger Gott,
du führst uns zum Licht unseres Lebens. Deine Herrschaft besiegt unsere Dunkelheiten und erleuchtet unsere Not.
Lass uns wie Hanna und Simeon unserer Sehnsucht nach dir trauen, damit wir dich erkennen als Licht auf unserem Weg durch das Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 555 »Morgenstern der finstern Nacht«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 557 »Du höchstes Licht« und GL 155 »Christus ist geboren«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 300,1.4–5 »Solang es Menschen gibt«
Gesang zur Kommunion
GL 278 »Ich will dir danken, Herr«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 294 »Was Gott tut, das ist wohlgetan«

Fürbitten
Gott, Schöpfer der Welt, du hast das Licht von der Finsternis geschieden und deinen Sohn zu uns gesandt, damit er Licht für alle Völker der Welt sei. Höre unsere Bitten:

– Für alle Männer und Frauen, die in Politik und Kirche Entscheidungen treffen müssen: Schenke ihnen dein Licht und deine Weisheit.
– Für alle Menschen, die in der Dunkelheit von Hass, Krieg und Hunger leben müssen: Schenke ihnen dein Licht und deinen Frieden.
– Für alle Traurigen, die in ihrer Sehnsucht enttäuscht wurden und die das Licht dieses neuen Jahres nicht sehen können: Schenke ihnen dein Licht und deine Hoffnung.
– Für alle Väter, Mütter und Kinder, die sich füreinander verantwortlich wissen: Schenke ihnen dein Licht und deine Wärme.
– Für alle Menschen, die uns im Leben und über den Tod hinaus nahe sind: Schenke ihnen dein Licht und dein Leben.

Gott, in deinem Sohn haben Hanna und Simeon dich geschaut und sind dir begegnet. Ihr Lobpreis ist unser Gebet, in dem wir dir danken für deine Güte. Mit ihnen preisen wir dich, den Vater, der uns den Retter und Erlöser geschenkt hat, heute und in Ewigkeit. Amen.

Den Blick in die Zukunft wenden

Vorüberlegungen
Zum Text Lk 2,22–40 (Evangelium)

In diesem Text werden verschiedene Ereignisse vom Evangelisten Lukas zusammengefasst: die Beschneidung und Namensgebung Jesu (Lk 2,20f), das Ritual der Darbringung im Tempel und der Reinigung Mariens (Lk 2,22–24), die Begegnung mit dem greisen Simeon (Lk 2,25–35), die Simeon als Propheten beschreibt, seine Worte, die wir bis heute in der Komplet beten und die die schlimme Verheißung an Maria beinhalten, die Begegnung mit der Prophetin Hanna (Lk 2,36–38), die Rückkehr nach Nazaret mit der Zusammenfassung der Kindheit Jesu (Lk 2,39f). Unter diesen habe ich für die Predigt den Aspekt der Begegnung ausgewählt.

Zum Fest Darstellung des Herrn

Schon im 4. Jahrhundert feierte man das »Fest der Begegnung«, wie es in der Ostkirche bis heute noch heißt. Im 6. Jahrhundert wurde das Fest in den Kalender der römischen Kirche aufgenommen, allerdings unter dem Aspekt der Reinigung Mariens – ein Ritual des jüdischen Volkes, das das kultische Bad der Frau sechs Wochen nach der Geburt vorschreibt, und das ja dann bis in das vergangene Jahrhundert in der katholischen Kirche aufgegriffen wurde …
Schon bald wurden Christus als »Licht der Welt« und Maria als »Mutter des Lichtes« mit Kerzenprozessionen gefeiert. Dies führt zu der Bezeichnung »Mariä Lichtmess«. Die Liturgiereform stellte den Christusbezug des Festes her durch die Namensgebung »Darstellung des Herrn«; ebenso wurde mit dieser Reform die alte Tradition, dass der weihnachtliche Festkreis bis zum 2. Februar reicht, aufgehoben. Bis heute lassen noch manche Gläubige und Gemeinden zumindest die Krippe bis zu diesem Datum stehen, um den weihnachtlichen Glanz in das Kirchenjahr hineinzutragen (vgl. Overath, Astrid, Denn meine Augen haben das Heil gesehen, in: Eltrop, B., Hecht A., Lamberty-Zielinski, H., Theuer, G., FrauenBibelArbeit Bd. 11 Frauensehnsucht, Stuttgart 2003, 61–67, hier 61f).

Predigt

Ein sicheres Gefühl oder wer und was findet sich?

Frauen, die ja bekanntermaßen gerne einkaufen, werden dieses Gefühl besonders gut verstehen können: Da sieht frau ein Kleid, einen Pulli, eine Jacke – und in dem Moment weiß sie: Genau das ist es! Das ist das Stück, das mir noch gefehlt hat, das zu meinen Lieblingsstücken gehören könnte und von dem ich mich ganz bestimmt einmal nur schwer trennen kann. Manchen Männern soll es so mit ihren Autos oder Fahrrädern gehen und Kinder wissen sowieso fast immer ganz genau, was sie wollen und was nicht.
Jedenfalls ahnen oder wissen Sie, auf welches Gefühl ich anspreche. Es gibt Momente, da »funkt« es; da passt alles; da wissen wir, was richtig und was zu tun ist; da merken wir, dass wir uns mit der Person ganz bestimmt verstehen werden. Diese Momente bergen ein Gefühl von vollkommener Zufriedenheit, ein Stück Glück.
Ein solches Gefühl trage ich immer in dieses Evangelium hinein, wenn ich mir die Begegnung der Personen vorstelle. Maria und Josef mit ihrem Kind, Hanna und Simeon, die sich im Tempel finden. Wer kommt hier zusammen? Aber eben auch: Was kommt hier zusammen, dass ein solches Gefühl entsteht?

Maria und Josef, jung und arm, mit ihrem Kind …

Maria und Josef sind mit ihrem Kind hier, um die Vorschriften des Gesetzes zu erfüllen. Sie wollen ein Ritual vollziehen, das ihnen wichtig und für sie bedeutend ist. Gottes Wille und ihr Wunsch, diesen Willen zu erfüllen, führt sie in den Tempel. So ist dieses Ritual nicht einfach nur ein Ritual, sondern Ausdruck dafür, dass dieses Kind von Gott geschenkt ist. Es ist ihnen anvertraut und sie danken Gott dafür. Sie wissen auch, dass Gottes Fürsorge und Liebe uns Menschen gedeihen lässt; dass wir sie brauchen, um vom Leben in Fülle zu kosten.
Maria und Josef bringen Gott dar, was er ihnen gegeben hat: Leben. Deshalb sind sie in den Tempel gekommen, diesen Ort, der Heil und Frieden birgt, weil er von der Gegenwart Gottes erfüllt ist. In diesen Tempel tragen sie ihr Kind hinein als Zeugnis für Gottes lebendige Gegenwart.

Simeon und Hanna, hochbetagt und voller Sehnsucht …

Und Simeon und Hanna? Von Simeon wird gesagt, dass ihn Gottes Geist in den Tempel führte. Hanna wird ebenso als Prophetin – also von Gottes Geist erfüllt – beschrieben. Hanna und Simeon lassen sich wie Maria und Josef von Gottes Willen führen. Sie haben ein Leben lang ihre Sehnsucht nach dem Messias wach gehalten. Sie haben nicht resigniert, sondern an die Erfüllung ihrer Erwartung und Hoffnung geglaubt.

… begegnen sich im Tempel

Diese vier Menschen treffen mit und durch das kleine Kind aufeinander und es ist klar, dass ihr Treffen nicht einfach zufällig ist. Sie spüren diesen besonderen Moment, den ihnen ihre Begegnung schenkt. Sie ahnen etwas von dem Geheimnis, das dieses Kind birgt und von dem ihnen ein Stück offenbart wurde.
Diese Begegnung stillt die Sehnsucht, die Hanna und Simeon so lange in sich getragen haben. Simeon spricht es aus in den Worten: »Nun lässt du deinen Knecht, Herr, in Frieden scheiden, denn meine Augen sahen das Heil.« Er spürt, welche Geistkraft von Jesus ausgeht, und kann sich ihr ganz anvertrauen. Auch Hanna fängt an zu verkünden, erzählt allen, die mit ihrer Sehnsucht in den Tempel kommen, von Jesus und der Zukunft, die er mit sich bringt.
Es ist wieder dasselbe Gefühl, wahrscheinlich nur intensiver und ganz aus dem Inneren kommend: Hanna und Simeon wissen einfach, dass es dieses Kind ist unter den vielen, die zum Tempel gebracht werden. Und für dieses Kind beginnen sie Gott zu preisen.

Das innere Wissen der Prophetin und des Propheten ...

Mich haben an diesem Evangelium zwei Dinge beschäftigt: Zum einen fasziniert mich die Sicherheit von Hanna und Simeon im Moment der Begegnung. Es kommt mir vor, als hätten sie ein Leben lang unerschütterlich an diese Sehnsucht in ihrem Innern geglaubt und darauf vertraut, dass Gott sie erfüllen wird. Und sie spüren genau, dass jetzt in dem Moment, durch das kleine Kind, das Maria und Josef bringen, ihre Sehnsucht gestillt werden wird. Vermutlich weiß keiner der beiden, wie das geschehen wird, aber sie glauben daran, dass Jesus Zukunft mit sich bringt, Licht sein wird für alle Völker. Damit können sie auch ihren Blick in die Zukunft wenden, obwohl sie schon hochbetagt sind.
Da stelle ich fest, dass ich im Unterschied zu diesen beiden ganz oft viel kleinere Sehnsüchte mit der Realität abwürge und erledige. Ich formuliere sie oft gar nicht erst, weil ich die Enttäuschung nicht aushalten will. Damit nehme ich aber mir und anderen die Chance für besondere Begegnungen, Überraschungen und für Momente, in denen ich Glück erleben könnte. Hanna und Simeon lehren mich, dass es sich lohnt, Sehnsucht in sich zu tragen, gegen alle Vernunft, gegen alle Wirklichkeit, weil sich damit der Blick in die Zukunft wendet.

… geführt von Gottes Geistkraft ...

Das Zweite hängt mit dem Ersten zusammen: Hanna und Simeon lassen sich von Gottes Geist leiten – ein Leben lang. In diesem Geist wird ihre Sehnsucht gestillt und sie preisen Gott für die Zukunft, die kommen wird. Nicht für das Leben, das ihnen geschenkt wurde, sondern für das, was sie vermutlich gar nicht mehr erleben werden, sondern nur erahnen und erhoffen können. Sie reden davon, bringen prophetisch das ins Wort, was sie erfahren haben: Wir haben das Heil gesehen, das Heil für alle Völker.

… wendet den Blick in die Zukunft

Vier Menschen werden durch dieses kleine Kind zusammengeführt: Mann und Frau, Jung und Alt. Alltägliche Frömmigkeit, die bestimmte Rituale vollzieht, und geistgeführtes Leben kommen zusammen, weil alle sich von Gottes Willen leiten lassen. Vier Menschen haben auf ihre Sehnsucht vertraut und sind ihr nachgegangen, Tag für Tag. Sie glauben daran, dass Gott es ist, der Begegnung ermöglicht, in der sein Geist lebendig wird. Sie wissen, dass ein Weg mit Gott nicht harmlos und leicht werden wird. Aber gerade in dieser Vielfalt weist ihre Begegnung in eine Zukunft, in der Gottes Heil durch dieses Kind aufstrahlen wird.
Sehnen wir uns nach einer solchen Begegnung?

Barbara Janz-Spaeth

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