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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Weihnachten – In der Heiligen Nacht
Lesejahr A–B–C
Gottesdienst I

Einführung
Dunkel und Licht, Kälte und Wärme, ein Kind und der große Gott, das Ineinander dieser Pole macht das Besondere dieser Nacht aus. Nur wer die Kälte kennt, nur wer aus der Nacht kommt, kann das warme Licht erkennen und sich ihm zuwenden, kann sich dem zuwenden, der unsere Dunkelheiten durchdringt und unser Leben hell und warm macht. Öffnen wir unsere Herzen für die Botschaft dieser Nacht.

Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du wurdest ein Kind dieser Erde.
Herr, erbarme dich.
Du bist Gottes Licht in der dunklen Welt.
Christus, erbarme dich.
Du verbindest Himmel und Erde.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
diese Nacht zeigt uns das Geschenk deiner Liebe: Du teilst unser Leben.
Dieses Geheimnis erfülle unsere Herzen und diese Feier und verwandle uns und unsere Welt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Schlussgebet
Großer Gott,
du kamst zu den Menschen in einem kleinen Kind, du kamst zu uns in dieser Feier in Wort und Brot.
Wir bitten dich: Komm auch in unser Leben, in unseren Alltag. Wärme uns mit deiner Liebe in Enttäuschung und Traurigkeit, in Streit und Schmerz, in Glück und Versöhnung, du, der lebendige Gott, durch Christus, unseren Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
Ankündigung des Weihnachtsfestes nach dem römischen Martyrologium oder
GL 107,1–2 »Macht hoch die Tür«
Glorialied
GL 134 »Lobt Gott, ihr Christen alle gleich«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 149/1 »Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil« mit 740/2 (Psalm 96) und GL 532/3 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 132 »Es ist ein Ros entsprungen«
Gesang zur Kommunion
GL 140 »Zu Betlehem geboren«
Dankhymnus
GL 141 »Ich steh an deiner Krippe hier«
Schlusslied
GL 145 »Stille Nacht, heilige Nacht«

Fürbitten
Guter Gott, du lässt es in unserem Leben und in unserer Welt hell und warm werden. Das glauben wir – und deshalb bitten wir dich:

– Für die Menschen, die in diesen Tagen eine neue Heimat suchen: Lass sie gute Aufnahme finden.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Für die Menschen, die im Krieg unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen und die sich nach Frieden sehnen: Lass Leben wachsen.
– Für die Menschen, die in leeren, lieblosen Beziehungen stehen: Wärme und öffne ihre Herzen.
– Für die Menschen, die krank sind, die Schmerzen haben, die einsam sind: Schicke Tröster und Helfer in ihr Leben.
– Für die Menschen, die in diesen Tagen einen Menschen verloren haben – durch Tod oder Trennung: Lass sie trotz allem auf dich vertrauen.

Gott, du bist uns Menschen zugewandt. Dafür danken wir dir, in dieser Heiligen Nacht und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

Wer schenkt uns Wärme?

Vorüberlegungen
Zum Text: Lk 2,1–14 (Evangelium)

Jedes Jahr zur Heiligen Nacht steht der Prediger/die Predigerin vor der Herausforderung, die Christen der Kerngemeinde wie die einer »Heiligabend-Religion« (Matthias Morgenroth) gleichermaßen anzusprechen. Die Predigt setzt deshalb bei der weitverbreiteten Sehnsucht nach einer kalten weißen Weihnacht und Erfahrungen von Kälte im übertragenen Sinn an.
Die Predigt weitet den Blick über das kleine Gotteskind hinaus. Nur vom erwachsenen Jesus und seiner Botschaft her erschließt sich der tiefe Sinn des Weihnachtsfestes.

Predigt

In unseren Breiten assoziieren wir Weihnachten mit Kälte, Schnee und Dunkel und mit heimeligen Lichtern in warmen Stuben. Jedes Jahr werden die Träume von einer weißen, kalten Weihnacht beschrieben und besungen. Auch eines unserer alten deutschen Weihnachtslieder singt vom kalten Winter: »Es ist ein Ros entsprungen ... mitten im kalten Winter wohl zu der halben Nacht.«
Meistens kommt es dann ganz anders. Seit Jahren gibt es keine richtig kalte weiße Weihnacht. Mit dem Klimawandel wird das nicht anders werden.

Kälte in unserer Welt

Und dennoch möchte ich heute von einer Kälte reden, der Kälte, die in unserer Welt und zwischen Menschen herrscht: eine Kälte, die davon kommt, dass im Arbeitsprozess oft nur mehr die Harten und Skrupellosen noch bestehen, dass sich einer vom anderen abschottet, die Reichen von den Armen, die Gesunden und Starken von den Kranken und Angeschlagenen, die Einheimischen von den Fremden, eine Kälte, die daher rührt, dass jede und jeder nur nach sich selbst und dem eigenen Glück schaut. Manchmal kann es Menschen eiskalt ums Herz werden, wenn Zuneigung erstarrt und wenn sich Enttäuschung und Missverständnis wie eine Eiskruste über Gefühle legen. Gerade dann begegnen wir einander mit harten Worten und scharfen Spitzen, die verletzen. Wir tun einander weh und empfinden Verletzungen.
Wer löst die Erstarrung? Was schenkt uns Wärme? Viele Menschen setzen hohe Erwartungen in ein harmonisches, friedliches Weihnachtsfest, auf eine warme Atmosphäre und müssen eine Enttäuschung erleben, müssen erleben, dass die Probleme, die sie mit dem Partner, mit der ­Familie haben, gerade dann zum Ausbruch kommen. Weder der Weihnachtsrummel noch die teuren Geschenke, noch das Idyll der Krippe bringen die ersehnte Wärme.

Kälte in Betlehem

Auch damals in Betlehem sah die Realität anders aus und war sehr hart. Zwei Menschen, die kein Dach überm Kopf haben, die nicht wissen wohin, eine junge Mutter, die ungeschützt, armselig und allein ihr Kind zur Welt bringen muss, ein Kind in einer harten Krippe und Hirten, arme, kleine Leute, die vielleicht auch nicht so recht wissen, was da passiert und ob sie helfen können. Und eine Nacht, die vielleicht gar nicht so kalt war, in der aber eine andere Kälte herrschte, die Kälte des Abgewiesenseins und der Verweigerung, die Kälte der Armut, der Bedürftigkeit und Ohnmacht.
Wer löst die Erstarrung? Was schenkt uns Wärme? Wärme entsteht dort, wo Menschen einander wirklich begegnen, wo sie sich sehen und annehmen, so wie sie sind, wo Menschen sich füreinander interessieren. Dass ich an einem Menschen Interesse habe, echtes Interesse, ist die Voraussetzung dafür, dass ich ihm zuhören kann, dass er mir wichtig wird, dass wir uns begegnen können. Solch ein Interesse schafft Beziehung und Wärme, ob im privaten oder gesellschaftlichen Raum.

Jesus schenkt Wärme

Von Jesus wird später erzählt, dass er das konnte, Wärme schenken, Menschen voller Interesse begegnen. Er, dessen Geschichte einen so harten, kalten Anfang hatte, er, der selbst erlebte, wie das ist, ausgestoßen, verachtet und angezweifelt zu sein, er holte Menschen aus der tödlichen Isolation heraus. Er befreite Menschen aus verkrusteten Zwängen. Er schenkte kalten Menschen zärtliche Umarmungen und taute erstarrte Herzen auf. Er erzählte in Geschichten und Beispielen von Gott und machte deutlich: Gott hat Interesse an den Menschen. Gott hat ein echtes, warmes Interesse an jeder, an jedem. Nicht fern im Himmel will er thronen, sondern den Menschen begegnen, bei den Menschen sein, mit ihnen gehen durch Kälte und Wärme.
Weihnachten erfüllt die Sehnsucht nach Wärme
Deshalb feiern wir Weihnachten, gerade auch in der Kälte und in der Nacht. Vielleicht nur, weil wir eine Sehnsucht in uns spüren nach einer wärmeren und besseren Welt, vielleicht, weil uns die Hoffnung trägt, dass auch in unserer kalten Welt Wärme möglich ist, vielleicht aber auch im festen Vertrauen darauf, dass Gott uns auch heute begegnet mit seinem warmen Interesse, dass er die Kälte in uns wandeln kann in zärtliche und tatkräftige Wärme. Das tut er seit der Nacht von Betlehem.

Beate Jammer

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