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Die Inhalte
der Zeitschrift
»Dienst am Wort«
Herausgeber
Leseprobe 1
Zweiter Fastensonntag
Eine Vision voller Klarheit
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Es besteht ein Spannungsbogen zwischen unserem Glauben und der harten, notvollen Wirklichkeit des alltäglichen Lebens. Unser Glauben kann uns Klarheit schenken, die uns die Kraft gibt, entschieden hineinzugehen in den Alltag zu unseren Mitmenschen. Jesus nimmt uns heute mit auf den Berg, um uns mit den Jüngern Klarheit zu schenken, entschieden den Weg mit ihm zu gehen.

Kyrie-Ruf
GL 163/4 »Herr Jesus, du rufst die Menschen«

Tagesgebet
Messbuch – Zweiter Fastensonntag

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 429,1.4 »Gott wohnt in einem Lichte«

Antwortgesang
GL 448 »Herr, gib uns Mut zum Hören«

Ruf vor dem Evangelium
GL 176/3 »Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre« mit Vers aus dem Kantorale Nr. 208 »Aus der leuchtenden Wolke rief die Stimme des Vaters«

Gesang zur Gabenbereitung
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben«

Gesang zur Danksagung
GL 363 »Herr, nimm auch uns zum Tabor mit«

Schlusslied
GL 464,1.3.5 »Gott liebt diese Welt«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 9,2–10 (Evangelium)

»Von Zeit zu Zeit muss ich einmal raus.« Das höre ich von vielen Menschen in meiner Umgebung. Und auch ich sage das manchmal. Von Zeit zu Zeit brauche ich einfach Abwechslung. Das brauche ich einfach: ein paar Stunden Ruhe, heitere Musik und auch die Teilnahme an dem einen oder anderen Fest. Das ist für mich dann wie ein Stück Himmel auf Erden. Dieser Anspruch mag manchen als Fluchtreaktion erscheinen, aber in der Dichte und Anstrengung des Lebens ist er immer einsichtiger. Er hilft, freier und entschiedener zu leben. Im Evangelium heute schenkt Jesus seinen Jüngern auf dem Berg Klarheit über seinen Weg und seine Person. Er hilft ihnen, entschieden den Weg mit ihm zu gehen.

Predigt

Christen leben von der Hoffnung. Ihnen ist eine Zukunft von Gott verheißen. Von einem Aufscheinen des Zukünftigen handelt die Szene auf dem Verklärungsberg. Vor den Augen von Petrus, Jakobus und Johannes wird Jesus verwandelt. Das strahlende Weiß seiner Kleidung ist Aufleuchten göttlichen Lichtglanzes. Mit Elija und Mose treten zwei herausragende Gestalten des Volkes Israel hinzu. Ihr Erscheinen untermauert, dass in dem, was geschieht, Himmel und Erde einander berühren. Die Stimme aus der Wolke, in der Gott selbst spricht, weist Jesus als den geliebten Gottessohn aus.

Ein Berg und seine hochragende Gestalt; die Sonne und ihre leuchtende Kraft; eine Wolke und ihre himmlische Botschaft – Urbilder der Bibel, um anschaubar zu machen, was der Name sagt: Verklärung, Verwandlung. Ein flüchtiger Moment nur, und doch von alles entscheidender Bedeutung. Jetzt wird offenkundig, wer Jesus in Wirklichkeit ist. Für einen kurzen Augenblick wird seine verborgene Herrlichkeit sichtbar. Die Verklärung ist eine Vision voller Klarheit. Auf dem Berg wird Jesus durchstrahlt vom Glanz Gottes zu einem Menschen, durch den die Sonne scheint.

Der Hinabstieg in die Wirklichkeit

Die Stunde auf dem Berg hat eine Vorgeschichte: Täglich hat Jesus von Leid und Tod gesprochen. Täglich die Andeutungen von Gefahren und Unheil. Die Stimmung unter den Jüngern sinkt. Jesus kündigt den Jüngern sein Leiden und seinen Tod an und er lässt keine Zweifel aufkommen: das Schicksal des Meisters wird auch das Schicksal der Jünger sein. Diese erschrecken, damit hatten sie nicht gerechnet. Eine handfeste Krise droht.

Die Gotteserfahrung auf dem Berg rückt die Leidensankündigung in das klare Licht der Vollendung. Über dem Weg Jesu und dem Weg seiner Jünger leuchtet eine himmlische Herrlichkeit. Die göttliche Stimme erklingt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.«

Die Jünger aber müssen mit Jesus den Berg der Verklärung wieder hinabsteigen in die konkrete Wirklichkeit. Bis nach Jerusalem, bis zum Ölberg, bis zum Kreuz. Die in Jesus offenbar gewordene Herrlichkeit hebt die Niedrigkeit seines Lebens nicht auf. Die Jünger werden zurückgestoßen aus der Klarheit in die Ungewissheit. Petrus wollte auf dem Berg dem vorbeugen: Es ist gut, dass wir hier sind; wir wollen drei Hütten bauen. Dem Augenblick Dauer verleihen, etwas tun, damit der Augenblick nicht vergeht. Sonst wäre alles wie vorher. – Das ist die Not des Petrus. Das ist unsere Not.

Petrus darf nicht auf dem Berg bleiben. Der Weg geht weiter nach Jerusalem. Die Verklärungsgeschichte spricht nicht nur von dem Geschenk, dass einem Klarheit gegeben wird. Sie spricht auch von der Not, sich in dieser Klarheit nicht ansiedeln zu dürfen.

Bergerfahrungen des Glaubens

Unser Glaube braucht immer wieder Momente der Klarheit, in denen uns aufleuchtet, wer Jesus Christus wirklich ist: Auch für unseren Glauben benötigen wir Bergerfahrungen, bei denen wir vielleicht erschauern oder uns Tränen in den Augen stehen oder das Herz ganz warm wird. Erfahrungen, in denen vom Kopf ins Herz dringt, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist und wir zu ihm gehören, dass wir seine Nachfolger sein dürfen. Gott kann solche Augenblicke schenken. Doch sie sind seltene Höhepunkte, die uns im Nachhinein oft wie ein Traum vorkommen.

Aber solche Erfahrungen sollen uns helfen, im Glauben entschieden zu leben. Denn unser Weg geht immer wieder vom Berg hinunter in die Niederungen der Not unserer Welt. Und manchmal auch unserer eigenen Not. Da brauchen wir Augenblicke der Klarheit. Nicht nur der Erklärung – das ist Sache der Bücher, in denen wir manches über uns und die Welt finden können. Nicht nur der Aufklärung, sondern der Verklärung, die für uns Kraft und Entschiedenheit enthält. Die Klarheit des Glaubens hilft uns zur entschiedenen Praxis des Alltags. Der Opium-Vorwurf verfängt nicht. Die Klarheit des Glaubens ist keine Aufforderung zum Aussteigen. Sie gibt Kraft, in der harten Wirklichkeit des Lebens entschieden zu handeln. Weder die Mühen des Alltags noch die schmerzlichen und leidvollen Erfahrungen des Lebens bleiben dem erspart, der an Jesus Christus glaubt. Aber der Blick auf den verklärten Herrn ist Ansporn und Ermutigung, auf die Vollendung des Lebensweges bei Gott zu hoffen. Wer täglich mit Leid konfrontiert ist, der braucht Augenblicke, wo er vergessen kann. Wer viel Not durchmachen muss, der darf sich Momente gönnen, die für ihn ein Stück Himmel auf Erden bedeuten. Wer solche Augenblicke sucht, der reißt nicht aus, sondern holt sich Kraft, um wieder entschiedener seine Lebenslast tragen zu können.

Der Schlüssel des Wortes

Die Verklärungsgeschichte bietet einen Schlüssel, wie man seines Glaubens gewiss bleiben kann in einer Welt, in der man es nicht mit dem verklärten Jesus zu tun bekommt; wo man nur Menschenworte hört; in der man die Kirche als eine Gemeinschaft erlebt, in der es sehr menschlich zugeht, allzu menschlich bisweilen. Denn wir gehen nicht ungeschützt und unbehütet unseren Weg – da ist noch die Stimme, die aus der Wolke dringt: »Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!« Das ist das Wort. Dieses Wort will uns begleiten. Jesus selbst, seine Verkündigung und sein Leben, bleibt als das Bild des Menschen, wie Gott ihn in Treue will – nicht außerhalb unseres Lebens.

Es ist der Sinn der österlichen Bußzeit, der Fastenzeit, dass wir uns von Gott seinen Sohn vorhalten lassen mit seinem Leben und Weg und uns dazu sagen lassen: »Hört auf ihn!« Unser entschiedenes Leben ergibt sich aus den Worten und aus dem Handeln Jesu, aus dem Leben des irdischen Jesus. Wir sind durch die Verklärungserzählung aufgerufen, uns an den Worten und Taten Jesu auszurichten. Entschiedenheit engt nicht ein, sondern zeigt den Weg zum erstrebten Ziel und macht dadurch frei. Entschieden leben im Hören auf den Herrn heißt: nicht festhalten wollen, sondern immer wieder bereit sein loszulassen; den Mut haben, die zahllosen menschlichen Notsituationen zu lindern und zu beheben helfen. Mit wohlwollendem Herzen die Lebenspraxis anderer Menschen begleiten. Trotz vieler Enttäuschungen die Hoffnung nicht aufgeben.

Keiner, keine von uns ist Petrus, Jakobus oder Johannes. Doch wir alle dürfen durch das Wort und das Beispiel Jesu Klarheit gewinnen und Entschiedene werden. Dass wir daraus leben – Gott möge es schenken!

Fürbitten


Du hast den Glauben in uns geweckt, treuer Gott, hast dein Evangelium uns zugesprochen. Wir rufen zu dir:

– Für Menschen, die Bedenken haben, sich mit dir einzulassen. Komm ihnen entgegen, damit sie es mit dir wagen wollen.
(Zeige uns dein Angesicht.)
– Für Menschen, die in Entbehrung und Armut leben, die von der Grausamkeit der Welt schockiert sich zurückziehen. Schick ihnen Boten zu Hilfe.
– Für Menschen, die Neues und Ungewohntes wagen sollen. Gib ihnen Zuversicht und Entschiedenheit.
– Für uns alle, damit wir die Kraft haben, auch gegenüber jenen gerecht und gut zu sein, die uns fremd sind, die anders denken als wir, die uns lästig sind.

Gott und Vater, zeige uns, was es heißt, auf deinen Sohn zu hören und ihm entschieden zu folgen. Darum bitten wir durch ihn Christus, unserem Bruder und Herrn. Amen.

Johannes Kreidler

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