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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Vierter Fastensonntag
Der richtende und rettende Christus?
Lesejahr B
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Nicht zu richten ist Christus gekommen, sondern zu retten. Dieses Evangelienwort wird uns heute zugesprochen. Laetare, »Freue dich«, steht seit alters her als Leitwort über dem vierten Fastensonntag: Freue dich, denn das Fest der Auferstehung rückt näher. Freue dich, Jesus Christus und kein anderer ist dein Richter, er sorgt für die Gerechtigkeit, die wir so oft vermissen. Und mehr noch ist er dein Retter, der deine Barmherzigkeit höher schätzt als deine Schuld.
Diesem Richter und Retter dürfen wir unser Leben bringen und seiner Barmherzigkeit vertrauen.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, nicht zu richten, bist du gekommen, sondern zu retten.
Herr, erbarme dich.
Nicht am Unrecht hast du Freude, sondern an der Gerechtigkeit.
Christus, erbarme dich.
Nicht den Tod des Sünders willst du, sondern seine Umkehr zum Leben.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Großer Gott,
wir dürfen uns auf Ostern vorbereiten, und heute feiern wir dankbar, dass das Fest der Auferstehung nahe heranrückt.
Gib uns noch größeren Eifer für ein Leben voll Barmherzigkeit, damit wir Christus immer ähnlicher werden und deinem Reich der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und des Friedens Raum schaffen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, den gerechten Richter, unseren Retter und Herrn.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 481,1–2.6 »Sonne der Gerechtigkeit«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 74/1 »Wie könnte ich dich je vergessen« mit 74/2 (Psalm 137) oder
GL 370,1–3 »Christus, du Herrscher Himmels und der Erde« und
GL 176/4 »Ruhm und Preis und Ehre«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 474,1–5 »Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot«
Gesang zur Kommunion
GL 210 »Das Weizenkorn muss sterben«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 377,1–2 »O Jesu, all mein Leben bist du«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 3,14–21 (Evangelium)

Im Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus, wie es Johannes überliefert, begegnet uns in wenigen Sätzen eine Zusammenfassung der ganzen Heilssendung Jesu (Joh 3,16) sowie die johanneische Sichtweise des göttlichen Gerichtes. Dieses ist gekennzeichnet durch die Zusage, dass es vor allem ein rettendes Gericht ist (Joh 3,17), sowie durch den Maßstab des Glaubens an den Gottessohn, und zwar zu Lebzeiten – das Gericht ist dann nur noch die Feststellung des Glaubens oder Nicht-Glaubens (Joh 3,18).

Im Rahmen der Predigtreihe zur Fastenzeit richtet sich in dieser Predigt der Blick vor allem auf die Person Jesu Christi, der uns hier als Richter und Retter vorgestellt wird – als rettender Richter. Die Predigt hebt die Ermutigung hervor, die uns durch dieses Christusbild zugesprochen wird, und stellt den Kontrast zu manchen angstmachenden Gerichtsbildern heraus. Um die Verbindung mit dem täglichen Handeln herzustellen, werden die johanneischen Gedanken ergänzt durch den Maßstab der Barmherzigkeit, entnommen aus der Gerichtsvision bei Matthäus (Mt 25,31–46).

Predigt

Ein gerechter Richter wird geschätzt

Bei Umfragen zum Ansehen verschiedener Berufe gibt es einen, der immer ganz vorn in der Rangliste steht: der Richter. Es herrscht Einigkeit, dass es eine zutiefst notwendige und gute Aufgabe ist, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen. Und dass Richter dies tun, auch in unserer Zeit und Gesellschaft. Umgekehrt: Wenn Richter sich für das Unrecht einspannen lassen und ungerechte Urteile fällen, dann löst das Verstörung und Verachtung aus. Das gilt für die Richter der Volksgerichtshöfe im Dritten Reich, das galt auch schon in biblischen Zeiten, die Heilige Schrift berichtet an vielen Stellen davon.

Eine gerechte, sichere und friedliche Gesellschaft kann es nur geben, wenn die Menschen mit gerechten Richtern rechnen können, die gerechte Urteile fällen. Urteile nach Recht und Gesetz, das auf jeden Fall. Aber wahre Gerechtigkeit ist noch mehr: Das Recht muss auf die jeweilige Situation eines Menschen angewandt werden, damit ihm das Urteil im wahrsten Sinne des Wortes gerecht wird. Deshalb kann das Amt des Richters auch nicht von einem juristisch korrekt programmierten Computer übernommen werden. Es braucht den Menschen, und zwar den Menschen mit Format, der das Recht anwendet und für Gerechtigkeit sorgt. Dann übt ein Gericht seine Aufgabe für die Gesellschaft in rechter Weise aus. Und es schafft viel Lebensqualität in unserem Land, dass die Gerichte, vom Bundesverfassungsgericht bis zum Amtsgericht vor Ort, doch sehr weitgehend ihren Dienst in gerechter Weise tun und so Rechtssicherheit für jedermann schaffen.

Das göttliche Gericht – als Drohinstrument missbraucht


Wohl dem, der einen gerechten Richter findet – das gilt auch für uns Menschen vor Gott. Die Bibel lehrt uns, dass es ein göttliches Gericht gibt, dass wir alle eines Tages dort für unser Leben geradestehen werden. Der Richter wird Christus sein, und wir lesen beim Evangelisten Matthäus, welches der Rechtsmaßstab seines Gerichtes ist: Hungernden zu essen geben, Durstenden zu trinken, Nackten Kleidung, Obdachlosen Raum, Kranke und Gefangene zu besuchen, mit einem Wort: Barmherzigkeit. »Was ihr einem meiner geringsten Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan«, sagt Christus, der Richter.

Der Richter ist also Gottes Sohn, der – wir haben es soeben gehört – nicht in die Welt gekommen ist, um zu richten, sondern um zu retten. Ein Richter, dessen Aufgabe ist, zu retten. Was könnten wir uns besseres wünschen?

Merkwürdig, dass es im Lauf der Geschichte unserer Kirche lange Zeit gelungen ist, diesen rettenden Richter Jesus Christus als Drohinstrument zu missbrauchen. Generationen von Christen wurde mit der Ankündigung des Gerichtes Angst eingejagt, ein übertriebenes Sündenbewusstsein geweckt, dass es nahezu unmöglich erschien, vor diesem Gericht zu bestehen. Wehe dem Menschen, der starb, ohne seine Sünden restlos gebeichtet zu haben! Ein skrupulöser, angstbesetzter Glaube war die Folge – und was Wunder, dass die Christen das irgendwann nicht mehr glauben wollten und sich in den letzten Jahrzehnten in großer Zahl von der Beichte verabschiedet haben. Und vom Gericht möchte erst recht keiner mehr etwas hören.

Die Welt ist nicht gerecht, deshalb braucht es das Gericht

Und das ist ein großer Verlust! Denn es braucht doch ein göttliches Gericht. Denn die Welt und unsere menschlichen Gesellschaften sind nicht durchweg gerecht. Ja, ein guter Richter kann im Einzelfall Recht schaffen. Aber vieles bleibt unrecht: Böse Taten schlimmsten Ausmaßes bleiben ungesühnt. Zutiefst gute Menschen gehören zu den großen Verlierern in unserem Weltgeschehen. Allzu oft werden die Reichen reicher, die Armen ärmer. Allzu oft kommen die Übeltäter ungeschoren davon, triumphieren die Gewalttäter.

Die Welt, in der wir leben, wäre kurz gesagt zum Verzweifeln, gäbe es da nicht die Aussicht, dass Gott all das Unrecht richtet, dass er es, wie wir umgangssprachlich sagen, »wieder richtet«, dass er es recht macht und für Gerechtigkeit sorgt. Darauf dürfen wir hoffen und vertrauen – und das ohne Angst.

Christus, Richter und Retter

Denn: Der Richter ist Christus, der Retter, der Erlöser. Nochmals im Wortlaut: »Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.« Was heißt das anderes, als dass dieser Richter nach dem Guten sucht. Er will nicht verwerfen, er will retten. So wird er nicht zuerst Fehler und Sünden suchen und herausheben, so sehr und schmerzlich auch diese bei der Begegnung mit Christus einmal sichtbar sein werden. Aber vor allem sucht er nach unserer Barmherzigkeit, die uns rettet. Und da zählt jeder Bissen Brot, jeder Schluck Wasser, jede Liebestat.

Ein guter Richter ist der, der nicht allein das Recht anwendet, sondern dem Menschen in seiner einmaligen Situation gerecht zu werden sucht. Was für menschliche Gerichte gilt, gilt im Übermaß für das göttliche Gericht: Christus, der Richter und Retter, wird jedem Menschen gerecht werden, dem Guten und dem Bösen, dem Verbrecher wie dem Heiligen. So wird er all das Unrecht in dieser Welt wieder richten und bereiten für die Ewigkeit.

Dieses Gericht dürfen wir ersehnen und uns dafür bereiten

Dass Gott bei jedem Menschen, auch beim schlimmsten Verbrecher, nach dem verborgenen Guten sucht, das sollten wir auch diesem gönnen. Und für uns selbst dürfen wir dieses Gericht herbeisehnen: Es kommt die Zeit, da alles Gescheiterte, Egoistische, Schuldige in unserem Leben, aller Schmerz, der uns zugefügt wurde und den wir anderen zugefügt haben, gerichtet, geheilt, erlöst wird. Und was bleibt und zählt, ist unsere Barmherzigkeit.

Noch drei Wochen, dann feiern wir wieder Ostern, die Auferstehung dieses Richters und Retters. Drei Wochen, in denen wir täglich Gelegenheit haben, barmherzig zu handeln, zu sprechen, zu leben. Und unseren Glauben an ihn zu erneuern, den Christus, den rettenden Richter.

Fürbitten

Großer Gott, Leid und Unrecht in unserer Welt bedrücken uns. Du bist gerecht, du willst Gerechtigkeit, nicht erst am Ende der Zeiten. Darauf vertrauen wir, und so bitten wir dich:

- Für alle Opfer von Krieg, Unrecht und Gewalt, und für alle, die sich einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit:
(V/A: Gerechter Gott, steh ihnen bei!)
- Für alle, die ihre Macht zum Nachteil der Mitmenschen ausleben, die sich auf Kosten der Ärmeren bereichern und nicht von ihrem Irrweg loskommen.
- Für Verantwortliche in Politik und Wirtschaft, die Entscheidungen treffen können, um die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Wohlstand auf unserer Erde zu beenden.
- Für alle Christen in deiner Kirche, die du berufst, deine Frohe Botschaft zu verkünden und für eine gerechtere Welt einzutreten.
- Für alle, die ein hartes Herz haben und nur ihre eigenen Interessen sehen können, und auch für alle, die unter ihnen leiden.
- Für die Schwerkranken und Sterbenden, für diejenigen vor allem, die mit Angst deinem göttlichen Gericht entgegensehen.

Gott, du bist gerecht und barmherzig. Dafür danken wir dir und preisen dich, heute und alle Zeit. Amen.

Gebet für die Woche
Christus, Richter und Retter

Jesus Christus, Richter und Retter,
Sieh das Unrecht in unserer Welt.
Höre die Schreie der Unterdrückten, Misshandelten und Ausgebeuteten.
Schau auf den Hunger, die Armut und Not so vieler Menschen.
Wehre dem Bösen, heile die Wunden,
stärke alle, die Gerechtigkeit schaffen und barmherzig handeln.

Jesus Christus, Richter und Retter,
Sieh das Unrecht in meinem Leben.
Höre mein Seufzen über die Kränkungen, die Wunden, die ich erleide.
Schau auf das Leid, das ich den Mitmenschen zufüge, gewollt oder ungewollt.
Wehre dem Bösen, heile die Wunden,
stärke mich zu einem Leben in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Jesus Christus, Richter und Retter,
du selbst bist Opfer geworden von Unrecht und Gewalt.
Du hast geschrien vor lauter Schmerz in deiner Not am Kreuz.
Du leidest mit am Unrecht der Menschen, damals und heute.
Wehre dem Bösen, heile die Wunden,
richte sie wieder, diese Welt, in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Jesus Christus, Richter und Retter,
auf dich will ich bauen,
dir will ich vertrauen.
Dir sei Lobpreis in Ewigkeit.
Amen.

Stefan Möhler

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