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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 1
30. Sonntag im Jahreskreis
Freude, die ausstrahlt
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung

Unser christlicher Glaube ist keine abstrakte Lehre, die wir nur im Kopf übernehmen. Glaube fordert immer einen Ausdruck, will sich mitteilen und konkret werden. Zwei große, ganz grundlegende Dimensionen werden uns im heutigen Gottesdienst begegnen: Liebe und Freude. Was wäre unser Christsein ohne Liebe? Aber auch: wie wenig Ausstrahlung hätten wir ohne eine Freude, die von innen nach außen drängt? Lassen wir uns heute dazu anstiften und begrüßen wir zu Beginn dieses Gottesdienstes Jesus Christus in unserer Mitte mit den Worten des Kyrie.

Predigt

Zum Text: 1 Thess 1,5c–10 (2. Lesung)

Menschen mit Ausstrahlung

Es gibt Menschen, die eine ganz besondere Ausstrahlung haben. Jeder von uns kennt solche Menschen. Darunter sind vielleicht manche, die äußerlich besonders schön wirken, weil ihre Gesichter oder Körper fein geformt sind. Dann aber gibt es auch die anderen, deren Gesichtsausdruck eine besondere Wachheit, Wärme und Herzlichkeit ausstrahlt. Menschen mit leuchtenden Augen, die uns auf einer tieferen Ebene ansprechen und faszinieren. Menschen, aus deren Wesen Freude und Zuversicht spricht. Und die auch andere mitreißen und anzustecken vermögen.

Erfüllt von der Freude des Evangeliums


»Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen.« Mit diesen Worten beginnt Papst Franziskus sein großes Schreiben »Evangelii Gaudium«, in dem er flammend wirbt für ein Christsein, das seinen Ursprung hat in der Freude und dem Erfülltsein vom Evangelium. Was sich als Satz ganz unkompliziert und flüssig liest, birgt in Wahrheit eine große Anfrage und Herausforderung. Hören wir nochmals genau hin: »Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen.« Und weiter: »Diejenigen, die sich von Jesus retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude.« Das bedeutet: Als Christen und Nachfolger dieses Jesus von Nazaret sollen wir so sehr erfüllt sein von Freude, dass es unser ganzes Wesen ergreift und auf alles ausstrahlt, was wir sind und tun. Allein dies wird – nach der Überzeugung des Papstes – Entwicklung ermöglichen und Veränderungen schaffen in der Kirche und in der Welt. Die Weitergabe des Glaubens und unser Einsatz für eine bessere Welt haben ihren Ursprung in der tiefen Freude, Lebendigkeit und Geisterfülltheit. Klingt einfach. Und hat es doch in sich, zumal solche Freude natürlich eine andere Qualität hat als eine oberflächliche Fröhlichkeit, wie Papst Franziskus in den folgenden – sehr inspirierenden und lesenswerten – Abschnitten seiner Schrift vertiefend darstellt.

Eine Gemeinde, die ausstrahlt

Auch in der heutigen Lesung aus dem Ersten Thessalonicherbrief geht es um solch eine Freude, die ausstrahlt. Paulus schreibt an die Gemeinde in Thessalonich, die vorbildhaft den Glauben an Jesus Christus angenommen hat und damit auch anderen als Beispiel dient. »Ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit der Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt. So wurdet ihr zum leuchtenden Vorbild für alle Gläubigen in Mazedonien und in Achaia.« Paulus spricht sehr wertschätzend und lobt die Gemeinde dafür, dass sie die christliche Lehre nicht nur auf einer abstrakten Ebene aufgenommen hat, sondern diese auch im ganz konkreten Leben und Umgang erfahrbar wird. Wie besonders, wenn eine Gemeinde so ausstrahlt, dass andere Menschen davon angesprochen und berührt werden! Wie notwendig auch für ihre innere und äußere Weiterentwicklung. Wenn Paulus die Thessalonicher zu Beginn seines Briefes so offensiv lobt und ermutigt, dann bestärkt er die Gemeinde positiv auf ihrem Weg. Und solche Bestärkung tut gut und motiviert für weitere Schritte in die Zukunft.

Kirche in der säkularen Welt

Gemeinden mit Strahlkraft sind nicht unbedingt das Bild, das wir in der heutigen Zeit mit der Kirche in unserem Land und westlichen Kulturkreis verbinden. Immer weniger Priester und pastorales Personal, die Zusammenlegung von Kirchengemeinden zu größeren Einheiten, schwindende Kirchenbindung und das Gefühl von Überalterung lasten schwer auf der Stimmung gerade auch innerhalb der Gemeinden. Mit Entwicklungsund Strukturprozessen versuchen viele Diözesen, neue Wege zu gehen und Anstöße zu geben für eine neue Gestalt von Kirche inmitten einer immer säkularer werdenden Gesellschaft. Und doch herrscht oft das Gefühl vor, nicht wirklich zu wissen, wie es gut und zukunftsfähig weitergehen kann. Es gibt sie nicht, die Patentrezepte oder durchschlagenden Erfolge, nicht die große Erweckung. Aber auch kein Zurück zu der Zeit, als die Kirchen am Sonntag noch voller waren – aus welchen Gründen auch immer. Was gibt uns eine Perspektive für die Zukunft? Was nährt die Hoffnung, dass die Gemeinden auch weiterhin Orte sein können, an denen unser Glaube eine sichtbare Gestalt gewinnen kann?

Befreit zum Leben und zur Freude Sowohl der Apostel Paulus als auch Papst Franziskus ermutigen dazu, sich der eigenen Wurzeln bewusst zu werden und dem Feuer des Heiligen Geistes Raum zu geben. Wenn wir uns nicht wirklich immer wieder ganz grundlegend anrühren lassen vom Evangelium, der Frohen Botschaft, dann droht unser Engagement zu verpuffen. Es geht nicht ohne inneres Feuer, ohne eine Faszination, ohne eine Begeisterung, die auch nach außen drängt. Wir brauchen Menschen mit leuchtenden Augen. Menschen, die sich inspirieren lassen von der Freude des Evangeliums. Und die dies auch zum Ausdruck bringen. »Die Christen müssten erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte«, so formulierte es einmal der Philosoph und Religionskritiker Friedrich Nietzsche. Dieser scharfe Satz eines Kritikers von außen mag abwertend klingen. Aber im Grunde bringt er auch das Kernanliegen Jesu auf den Punkt. Nachfolge geht nicht im Lauen und Getrübten oder in der vorrangigen Konzentration auf das Schwere und Unmögliche. Wer nur lamentiert, der wird niemand anderen für sich und die Botschaft gewinnen können. Hören wir nochmals den eingangs zitierten Satz von Papst Franziskus aus Evangelii Gaudium: »Diejenigen, die sich von Jesus retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude.« Ermutigen wir einander, der Frohen Botschaft zu trauen. Versuchen wir, uns zu befreien von allem, was zerstörerisch wirkt. Und hören wir nie auf, nach der Freude zu suchen, die uns von innen her ergreift und zu Menschen mit einer besonderen Ausstrahlung und leuchtenden Augen machen will.

Fürbitten
Guter Gott, du sendest uns in die Welt, um Liebe und Freude auszustrahlen und anderen Menschen Hoffnung zu geben.
Dafür brauchen wir deinen Beistand. Wir bitten dich:

- Um Glauben, dass wir durch dich zum Leben befreit sind. Damit auch andere Menschen glauben und gut leben können.
- Um Hoffnung, dass es eine gute Zukunft gibt für die Kirche, Gesellschaft, unsere Welt. Damit auch andere Menschen hoffen können.
- Um Liebe, die unsere Herzen ergreift und uns achtsam leben lässt. Damit auch andere Menschen von unserer Liebe berührt werden können.
- Um Freude, ohne die unser Blick eingetrübt und verdunkelt wird. Damit auch andere zum Leuchten angesteckt werden.
- Um Trost für alle, die trauern um den Verlust eines geliebten Menschen.

Guter Gott, du bist ein Gott, der uns Leben in Fülle verheißt. Dir vertrauen wir uns an und bitten um deine Nähe und deine Begleitung, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Annegret Hiekisch

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