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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
18. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr C
Überfluss will überfließen

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Wir sind zum Gottesdienst versammelt – nicht in erster Linie, weil wir Gott einen Dienst erweisen wollen, sondern wegen des Dienstes, den Gott an uns tut: seiner großen Liebe, die er uns schenkt, in Jesus Christus, in seinem Wort, im Brot des Lebens, in seiner Barmherzigkeit. Von dieser Liebe hat er im Überfluss.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, du bist die Mensch gewordene Liebe Gottes.
Herr, erbarme dich.
Aus überströmender Liebe gabst du dich hin.
Christus, erbarme dich.
In deiner Barmherzigkeit füllst du unseren Mangel und unsere Sehnsucht.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet
Gott,
du bist der Ursprung und Grund unseres Daseins. Du sammelst uns vor
dir.
Sei auch unser Ziel und unser Begleiter, damit wir den Weg zu dir nicht
verlieren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung
GL 477 »Gott ruft sein Volk zusammen«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 50/1 »Unsere Tage zu zählen, lehre uns« mit 50/2 (Psalm 90) und
GL 174/3 »Halleluja« und Vers
Gesang zur Gabenbereitung
GL 474 »Wenn wir das Leben teilen«
Gesang zur Kommunion
GL 209 »Du teilst es aus mit deinen Händen«
Dankhymnus/Schlusslied
GL 427 »Herr, deine Güt ist unbegrenzt«

Vorüberlegungen

Zum Text: Lk 12,13–21 (Evangelium)

Die Bitte um Unterstützung bei Erbstreitigkeiten, die Jesus abweist, verknüpft Lukas mit der Beispielerzählung »von der falschen Selbstsicherheit des reichen Mannes«, wie es die Einheitsübersetzung überschreibt. Es geht um das Verhältnis zu Reichtum und Besitz. Die Version der Einheitsübersetzung von Lk 12,15b legt nahe, dass dabei der übergroße Reichtum, der »Überfluss« kritisiert wird. Andere Übersetzungen zielen eher auf den Umgang damit, z. B. Fridolin Stier: »Denn für keinen – habe er auch imÜberfluss – hängt sein Leben an seinem Hab und Gut.« Oder die basisbibel: »Denn auch wenn jemand im Überfluss lebt: Sein Leben hängt nicht von dem ab, was er besitzt.« Das war für mich Impuls, vom Wort »Überfluss« her zu versuchen, die Mahnung Jesu konkret zu machen.

Predigt

Bin ich gemeint?

Wieder einmal redet Jesus den Reichen ins Gewissen. Kein anderer Evangelist hat für dieses Thema so viel Raum wie Lukas. Vielleicht lehnen Sie sich jetzt innerlich zurück mit dem Gedanken, dass Sie nicht zu den Reichen gehören und dass Sie das nichts angeht. Vielleicht aber gehören Sie zu denen, die ein ordentliches Einkommen haben, ein eigenes Haus oder etwas auf der hohen Kante, und die doch ein wenig unruhig werden bei den Worten Jesu. Ob vielleicht doch auch ich gemeint bin?

Reichtum ist eine Versuchung

»Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt« (Lk 12,15b). Jesus erläutert seinen Satz mit einer plastischen Erzählung von dem Reichen, der noch reicher wird und der alles dafür tut, diesen Reichtum für sich zu sichern, der aber schlussendlich nichts davon hat, weil er sterben muss. Die Frage ist, ob Jesus damit den Reichtum an sich verurteilt oder eher das, was Reichtum mit einem Menschen machen kann. Im Gleichnis wird ein Mann gezeichnet, dessen Gedanken nur um sich selbst und um sein Vermögen kreisen. Gespräche führt er mit sich selbst; von anderen Menschen in seiner Nähe ist keine Rede. Er ist einer, der am wahren Leben vorbeilebt, weil er ohne Gemeinschaft und ohne Nähe lebt. Ihm fehlt es an einer Beziehung zu Menschen und auch an einer Bindung an Gott.

Für mich ist das keine Verurteilung von Vermögen oder Überfluss, sondern eine Mahnung, damit recht umzugehen. »Die Armut ist eine Erziehung und der Reichtum eine Versuchung«, sagt ein Sprichwort. Eine Versuchung, den Reichtum nur für sich selbst zu nutzen; eine Versuchung, die den Blick für das Evangelium trübt und einschließt »in einen Kreislauf der Zerstörung und der Sünde«, wie es Papst Franziskus in seiner Predigt zu Beginn der diesjährigen Fastenzeit sagte.

Wann beginnt der Überfluss?

Gegen diese Versuchung setzt Jesus seine Mahnung. Ob ich damit gemeint bin, ob ich angesprochen bin, das muss ich selbst entscheiden. Und das ist nicht leicht zu erkennen.

»Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.« Ich möchte die Aufmerksamkeit auf den Begriff »Überfluss« lenken. Überfluss – das steckt schon im Wort – will überfließen. Vielleicht haben Sie ein Bild vor Augen von einem kleinen Wasserlauf, der in einer Brunnenfassung, in einer Schale aufgefangen wird und überfließt, wenn diese Schale voll ist.

Auf uns übertragen, stellt sich die Frage: Wann beginnt denn der Überfluss? Wie groß darf die Schale sein, die ich für mich selber brauche? Es ist unbestritten, dass ich für mich und meine Familie genug zum Leben brauche und auch vorsorgen muss. Aber wann beginnt der Überfluss? Beim zweiten Auto? Beim dritten Sparbuch? Beim Guthaben, das der Durchschnittsdeutsche auf der hohen Kante hat, derzeit rund 44.000 €, oder beim weltweiten durchschnittlichen Geldvermögen von rund 20.000 € (Quelle: n-tv.de, 29.09.2015)? Dass dieser Wohlstand sehr ungleich verteilt ist, das wissen wir ja. Was von meinem Vermögen brauche ich für mich selbst? Was steht mir auch zu und wo beginnt die verhängnisvolle Tendenz, dass mir der Überfluss unentbehrlich für mich selbst erscheint und andere aus dem Blick geraten?

Wohin fließt der Überfluss?

Wann beginnt der Überfluss? Diese Frage kann nur jede und jeder für sich selbst beantworten. Genauso wie die nächste Frage: Wohin fließt denn der Überfluss, den ich habe? Im Gleichnis will der reiche Mann größere Scheunen bauen; in unserem Bild von der Schale wäre es eine größere Schale für mich selbst. Dann sind wir wieder beim egoistischen und einsamen Ansammeln nur für mich selbst. Wenn meine Schale aber überfließt, dann haben andere etwas davon. Dann wird deutlich, dass ich nicht für mich allein lebe, sondern eingebunden bin in ein großes Netzwerk von Beziehungen und Verantwortlichkeiten. Wie sich das konkret auswirkt, liegt in der Entscheidung jeder und jedes Einzelnen. Ob ich meine Familie unterstütze oder ein Hilfswerk, ob ich fair gehandelte Waren kaufe zu einem etwas höheren Preis oder das T-Shirt oder die Blumen, die nicht unter menschenunwürdigen oder umweltzerstörenden Bedingungen hergestellt werden – Möglichkeiten gibt es unzählige. Es kostet aber den Aufwand, sich für die Welt, in der wir leben, zu interessieren, sich zu informieren, Entscheidungen zu treffen.

Was habe ich im Überfluss?

Überfluss will überfließen. Da stellt sich mir eine dritte Frage, ob ich diesen Satz nicht auf anderes hin übertragen kann. Wenn ich schon kein großes Vermögen habe – was habe ich dann im Überfluss? Vielleicht Zeit. Oder Geduld. Oder eine besondere Begabung. Oder Liebe. Wie viel davon brauche ich für mich selbst? Und was kann ich überfließen lassen auf andere hin, in aller Freiheit und mit Gottvertrauen?

Dann bewege ich mich wohl in der Spur Jesu und bin hineingenommen in den Strom der überfließenden Liebe Gottes, in ein wahres Leben im Überfluss.

Fürbitten
Unser Herz ist manchmal übervoll von Sorgen und Fragen. Wir bringen alles vor Gott und bitten ihn:

- Wir beten für alle, die dich verkündigen; für alle, die nach dir suchen und aus dir leben wollen: Schenke ihnen deinen Geist.
- Wir beten für alle, deren Lebensgrundlage zerstört wurde; für alle, deren Häuser zerbombt wurden, die ihre Heimat oder ihre Familie verloren haben: Schenke ihnen Zukunft.
- Wir beten für alle, die benachteiligt werden; für alle, die unterdrückt werden und sich nicht wehren können: Schenke ihnen Gerechtigkeit.
- Wir beten für alle, die im Luxus leben; für alle, die ihren Wohlstand für sich behalten wollen: Schenke ihnen ein großes Herz.
- Wir beten für alle, die einsam sind; für alle, die enttäuscht wurden und sich zurückziehen: Schenke ihnen Gemeinschaft.
- Wir beten für alle, die mit der Zerbrechlichkeit des Lebens konfrontiert sind; für alle, die schwer krank sind; für alle, die einen Menschen verloren haben: Schenke ihnen Trost.
- Wir beten in der Stille in unseren persönlichen Anliegen …

Barmherziger Gott, wir leben aus deiner überfließenden Liebe. Dir sei Lob und Dank, jetzt und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Beate Jammer

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