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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 3
Weihnachten – Am Tag
Lesejahr A–B–C
Gottesdienst II

Begrüßung und Einführung
Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, sei mit euch!
Die Heilige Nacht, in die wir voll Erwartung hineingegangen sind, ist vorüber. Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Sie vom erlösenden Geheimnis dieses Festes angerührt worden sind und dass Sie in all den guten Worten und Geschenken das erlösende Wort vernommen haben, das uns Gott in Jesus Christus gegeben hat. Dieses Wort ist nicht in einer Feier ausgeschöpft. Wir lassen es uns heute am Weihnachtstag (in diesem festlichen Gottesdienst) neu sagen – ja, wir werden ein Leben lang nicht damit fertig, es zu erfassen.
Das Kind in der Krippe ist nicht Kind geblieben. Es ist zugleich der ­Kyrios, der Herr der Welt und unseres Lebens. Seiner Barmherzigkeit vertrauen wir auch unser Ungenügen an.
»Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen …«
Der allmächtige Gott hat sich unser erbarmt. Er hat sein erlösendes Wort gesprochen durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Kyrie-Ruf
GL 524 »Gott des Vaters ewger Sohn«

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
So hilf uns, Ja zu sagen zu unserem Leben auch in seiner Verletzlichkeit und Begrenztheit, da er es mit uns geteilt hat: Jesus Christus, unser Bruder und Herr, der mit dir lebt und wirkt, heute und in Ewigkeit.

Fürbitten
Herr, unser Gott, Friede auf Erden kann nur werden, wo wir deine Ehre suchen und deine Wege gehen. Wir bitten:

– Für die Menschen des Landes, in dem Jesus geboren wurde; für die Völker im Irak und im Sudan, die zwischen Angst vor neuem Terror und Hoffnung auf Frieden leben. Wir bitten:
(Herr, gib deinen Frieden.)
– Für die Führer und Lehrer in den großen Religionen, die Einfluss haben auf viele Menschen und blindem Fanatismus wehren können. Wir bitten:
– Für die Menschen, die in diesen Tagen in tiefes Leid gestürzt sind: durch Unglück und Tod oder auch durch eigenes Verschulden. Wir bitten:
– Für alle, die uns nahestehen, deren Sorge und Not wir kennen – und für die, die eine schwere Last tragen, ohne dass wir es erfahren. Wir bitten:
– Für die Verstorbenen, denen wir vieles verdanken, aber auch für die, denen wir manches schuldig geblieben sind – oder sie uns. Wir bitten:

So bitten wir durch Jesus Christus, der auch unserer Zeit zum Heil geboren ist. Amen.

Und das Wort ist Fleisch geworden

Vorüberlegungen
Zum Text: Joh 1,1–18 (Evangelium)

Was kann man am Weihnachtsmorgen noch Neues und zu Herzen Gehendes sagen – nach der schon vergangenen Weih-Nacht? Der so steile und feierlich-distanziert klingende Prolog des Johannesevangeliums hilft, den Schritt von einer »Krippenseligkeit« zu einem weiterführenden und nüchternen Nach-Denken zu tun. Das fast rohe Wort vom »Fleisch« ist der Ausgangs- und Zielpunkt der folgenden Predigt: »Und das Wort ist Fleisch geworden.« Dass Gott sich in Christus »eingefleischt« hat in diese Welt, ist der harte, aber zugleich auch heilsame Anstoß unseres Glaubens. Im Gespräch mit dem Islam – aber auch in Absetzung von esoterisch-romantischer Religiosität, wie sie auf dem Buchmarkt boomt – ist dieser Anstoß das »unterscheidend Christliche«.

Predigt

Wir kommen aus der Weih-Nacht mit ihrem anrührenden Zauber und feiern jetzt am Tag das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in vollem Licht. Aller Zauber und alle Festlichkeit sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es an Weihnachten um einen harten Anstoß geht: Das Wort ist Fleisch geworden – sagt das Johannesevangelium in fast brutaler Rohheit.
Das harte Wort »Fleisch«
»Fleisch« – das passt eigentlich so gar nicht in unser stilvoll hergerichtetes weihnachtliches Design. »Fleisch«: Das hat mit Verderblichkeit zu tun, mit Verfallsdatum (ein Dauerthema in den Medien der letzten Zeit!). »Fleisch«: Das heißt doch Hinfälligkeit, Vergänglichkeit, Sterblichkeit. »Und alles Fleisch, es ist wie Gras«: Vielen ist der eindrucksvolle Chor aus dem Brahms-Requiem im Ohr.

Einfleischung Gottes

Heute feiern wir allen Ernstes, dass Gottes ewiges Wort Fleisch geworden ist! Dass er sich in dem sterblichen und schließlich am Kreuz elend zu Tode gebrachten Menschen Jesus von Nazaret unser »sterbliches Fleisch« zu eigen gemacht hat. Wir feiern »In-karnation«, wörtlich: »Ein-fleischung« Gottes in diese Welt. Das ist über alle Krippenromantik hinaus der harte Anstoß von Weihnachten – und auch der harte Anstoß, ja die Trennlinie im Gespräch mit unseren jüdischen und erst recht muslimischen Glaubensbrüdern und -schwestern.

Nicht Verwandlung!

Natürlich ist Missverständnissen zu wehren: Gott »verwandelt« sich nicht in einen Menschen (so wie im Märchen oft »Verwandlung« geschieht: der Prinz in den Froschkönig und umgekehrt). Gott bleibt Gott! Es wird auch nicht bloß eine »Verkleidung« inszeniert (wie es der Liedtext etwas missverständlich nahelegt: »in unser armes Fleisch und Blut verkleidet sich das ewig Gut« GL 130,2). Nein: Im Menschen Jesus von Nazaret inkarniert sich Gott in diese Welt, er nimmt unser sterbliches Fleisch zu eigen an und bleibt doch Gott:
»Dich, wahren Gott, ich finde in meinem Fleisch und Blut«, so singen wir. Ein Geheimnis, das man nicht rational begreifen kann – das man nur fassen kann, wenn man sich in es hineinversenkt, ja wenn man es feiert (wie wir es in diesem Gottesdienst tun).

Gott finden in unserem Fleisch

Dann aber kann uns in diesem Geheimnis der Inkarnation Gottes auch das innerste Geheimnis unseres eigenen Lebens neu aufgehen. Wenn Gott mit uns »den Weg allen Fleisches« geht, dann gewinnt unser Leben gerade in seiner Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit göttliche Würde – vom kleinsten, völlig unselbstständigen und hilflosen, ja sogar vom noch ungeborenen Kind bis hin zum alten, gebrechlichen und vielleicht dementen Menschen.
Ja, in der Verletzlichkeit unseres Lebens ist Gott näher als in der größten Perfektion. Ein perfektes Monster kann nicht lieben – und es ist auch nicht liebenswert. Gerade aus der Verletzlichkeit und Angewiesenheit unseres Wesens erwächst die göttliche Fähigkeit zur Liebe. Eine Welt, in der niemand getröstet werden muss, in der keine Verletzung geheilt und keine Hilfe geleistet werden muss – eine Welt, in der kein ermutigendes Wort nötig ist, wäre eine arme und kalte Welt. Ja, »dich wahren Gott ich finde in meinem Fleisch und Blut« (GL 140,4).

Auferstehung des »Fleisches«

»… das Wort ist Fleisch geworden«: Das anstößige Wort vom Anfang des Evangeliums hat seine Entsprechung am Ende: »Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches.« Man hat die Anstößigkeit dieses Wortes im Credo leider entschärft und vor Jahren ersetzt durch den im wahrsten Sinn blutleeren Satz: Ich glaube an die Auferstehung der Toten. Nein: Diesem »Fleisch« – gemeint ist natürlich nicht der Aggregatzustand von Molekülen, sondern der Mensch, mit allem, was er auf dieser Erde mit Leib und Seele erfahren hat, mit allen Begegnungen, mit allem, was ihn berührt und erfüllt und begeistert hat, aber auch mit allem, was ihm durch Schmerzen und Niederlagen hindurch zu eigen geworden ist –, diesem Menschen »mit Fleisch und Blut« ist die große Verheißung gegeben, die Auferstehung heißt. Dieses mit Verfallsdatum behaftete »Fleisch«, ja die konkrete Lebens- und Leidens- und Liebesgeschichte jedes Menschen hat Gott in der Menschwerdung seines Sohnes angenommen und wird ihm »ewige Ehre« erweisen, wie die Alte Kirche sagt.

Angelpunkt des Heiles

»Caro cardo salutis«: Das Fleisch ist der Angelpunkt des Heiles. So spannt sich der Bogen vom Anfang des Evangeliums (das Wort ist Fleisch geworden) bis zum Ende, zur Vollendung (Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches).
Die Abtei Maria Wald in der Eifel1 hat einen Kapitelsaal mit einem spätgotischen Netzgewölbe. Der Schlussstein, der alles trägt, ist ein Herz. Im Lauf der Jahre hat einer der Mönche, wahrscheinlich ohne sich viel zu denken, einen Haken in diesen Schlussstein gebohrt – vielleicht um einen Adventskranz daran aufzuhängen. Caro cardo salutis! Es ist das verwundbare, ja das durchbohrte Herz, das alles trägt und an dem alles hängt.

Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung
GL 130 »Gelobet seist du, Jesu Christ«
Antwortgesang mit Halleluja-Ruf
GL 484/1 »Jubelt, ihr Lande, dem Herrn« mit 151/3 (Psalm 96) und
GL 531/5 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung
GL 114,1–4 »Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein’ höchsten Bord«
Gesang zur Kommunion
GL 140,1–4 »Zu Betlehem geboren«
Dankhymnus / Schlusslied
GL 144,4–5 »Gott ist im Fleische«

Thomas Keller

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