»Dienst am Wort – Gedanken zur Sonntagspredigt« – die Predigtzeitschrift für Pfarrer und alle im Dienst der Verkündigung Stehenden. Sie enthält für jeden Sonn- und Feiertag ausgearbeitete Predigten zu Lesung und Evangelium sowie Texte zu einzelnen Gottesdienstelementen.
Unsere aktuelle Ausgabe 2/2010
mit folgenden Beiträgen:
Einführung
Wolfgang Tripp
Liebe Leserinnen und Leser,
»Jetzt ist die Zeit – Ungeduldige ökumenische Zwischenrufe« ist der Titel eines in diesen Tagen im Grünewald erschienenen Buches des Professors für Dogmatik und Dogmengeschichte und Direktor des Instituts für ökumenische Forschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen Bernd Jochen Hilberath.
Im zweiten Teil dieses sehr lesens- und bedenkenswerten Buches legt Hilberath sieben Optionen für eine ökumenische Ausrichtung der Kirchen vor. Die siebte Option ist überschrieben: »Für eine Kirche bei den Menschen«. Die zentralen Thesen lauten: »Christentum ist keine Buchreligion und kein Lehrsystem.
Drei Mahnungen, religiöse Taten nicht zur Selbstdarstellung zu verzwecken, sind in der Auswahl der Leseordnung zusammengefügt. Sie sind parallel aufgebaut und haben in großen Teilen die gleiche Wortwahl. So hören die Gottesdienstbesucher immer wieder vom Lohn, den Menschen erhalten haben, und vom Vater, der Taten vergilt. Viermal gleich spricht der Text vom »Vater, der das Verborgene sieht«. Das Motiv des Sehens und (von den Menschen) Gesehenwerdens zieht sich durch die ganze Perikope. Dieses Stichwort liegt der Predigt zugrunde. Dem menschlichen Wunsch, beachtet – gesehen – zu werden, entspricht Gottes Blick, der bis ins Verborgene hinein geht, und Ansehen schenkt.
»Auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten – seht her, nun schaffe ich Neues!« Ein recht ungewöhnlicher Ton in einer Zeit und besonders in einer Kirche, die doch eher am Alten hängt und das Vergangene festhalten will: Ja, früher …! Früher waren die Kirchen voll – und heute? Die Alten sterben, die Jungen bleiben weg. Früher, da war man stolz auf seine Kirche – das »Haus voll Glorie« schaute weit über alle Land. Heute ist für viele die Kirche »das Letzte«. Früher, da galten noch gemeinsame Werte – was gilt denn heute noch? … Wir kennen dieses Klagelied und könnten es beliebig weitersingen.
Bei der Vorbereitung auf die Karfreitagsliturgie und die Karfreitagspredigt fiel mir ein Gebetszettel zum Bußgottesdienst mit dem Titel »Die fehlende Mitte« in die Hand, herausgegeben vom Deutschen Liturgischen Institut. Er zeigt einen in schwarzer Farbe gedruckten Linolschnitt von Heinz Seeber mit demselben Titel: Die drei Kreuze auf Golgota, das mittlere erkennbar gewaltsam nach hinten umgestürzt, so dass nur noch ein Stumpf zu erkennen ist und davor die am Boden liegende Inschrift des Kreuzes Jesu: INRI.