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| Leseprobe 3 |
| Erntedank |
| Unser Blick auf die Welt |
| Lesejahr A |
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Einführung
Am 4. Oktober vor 800 Jahren starb Franz von Assisi. Er ist ein beeindruckender Mensch gewesen, seinen Namen kennen auch heute noch viele. Franz von Assisi prägte eine Lebensweise, die sich an Armut und am Evangelium orientierte. Auf ihn geht die Gründung des Ordens der Franziskaner und der Klarissen zurück. Viele von uns kennen Texte, die Franziskus verfasste. Der wohl berühmteste Text ist der Sonnengesang. Damit verfasste Franziskus einen Lobpreis auf die Schöpfung. Es ist ein poetisches Glaubensbekenntnis, dass die Elemente der Erde als Geschwister anspricht. Bruder Sonne, Wind und Feuer kommen darin ebenso vor wie Schwester Mond, Wasser und Erde. Wann, wenn nicht an Erntedank, können wir in dieses Lob des Franz von Assisi einstimmen? Heute ist der Tag, an dem wir Gott für die Gaben der Erde danken. Wir preisen seine Schöpfung, die unser Leben ermöglicht.
Kyrie-Ruf
Jesus Christus, du hast uns eine enge Verbindung zum Vater vorgelebt und Franz von Assisi ist dir auf diesem Weg gefolgt. Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, Franz von Assisi lebte Geschwisterlichkeit nicht nur mit den Menschen, sondern mit der ganzen Schöpfung. Christus, erbarme dich.
Jesus Christus, jeden Tag sehen und erleben wir unsere Umgebung, die Natur, die Schöpfung. Sie gibt uns, was wir zum Leben brauchen. Herr, erbarme dich.
Tagesgebet
Lob sei dir, Gott, dass du auf der Erde so vielfältige Formen des Lebens erschaffen hast: Pflanzen und Tiere, Berge und Täler, Wüste und Eis. Staunend stehen wir vor deiner Schöpfung. Wir bewundern ihren Anblick und ihr Zusammenspiel. Lass uns die Erde bewahren und schützen, denn von ihren Gaben leben wir. Dank sei dir, du Schöpfer der Welt. Wir loben und preisen dich durch Christus, unseren Herrn.
Vorüberlegungen
Die Predigt verknüpft verschiedene Anliegen: Es ist Erntedank, was den Blick auf die Schöpfung, den Dank für die Gaben und unseren Umgang mit dem Planeten lenkt. Am 4. Oktober denken wir zugleich an den 800. Todestag von Franz von Assisi. Einer seiner bedeutendsten Texte, der uns überliefert wurde, ist der Sonnengesang. In seiner Schlichtheit spricht uns dieser Text auch heute noch an. Er zeigt eine tiefe Verbundenheit des Menschen Franziskus mit seiner Umwelt. Staunend, wertschätzend und lobend schaut er auf das Werk Gottes, in dem er leben darf. Diese Haltung zur Schöpfung kann uns auch heute inspirieren. Sieger Köder hat den Sonnengesang in ein Bild umgesetzt. Man findet ihn als Glasfenster in der Franziskuskapelle in der Marienpflege in Ellwangen. Das Motiv als Entwurf für die Kinderpflege steht auch als Andachtsbild zur Verfügung (farbliche Fassung bestellbar beim Kunstverlag Ver sacrum: Sonnengesang des Franz von Assisi, Bestell-Nr: 983 BL). Die Predigt bezieht sich auf das Andachtsbild, ist aber auch ohne dieses verstehbar.
Liedvorschlag zur Predigt
GL 466 »Herr, dich loben die Geschöpfe« oder GL 58/1+2 Psalm 104 Predigt
Zum Text:
Ps 104 / 1 Kön 17,8–16
Wenn Sie ihre Lebenswelt beschreiben, was sehen Sie da? Ist es der Blick auf das Rechteck ihres Computerbildschirms oder Ihres Handys? Ist es das Leben in der Sicherheit Ihrer Wohnung mit Kühlschrank, Herd und Heizung? Ist es das Lebensgefühl in einem Auto, das durch die Landschaft rauscht oder sich mühsam im Stau voran arbeitet? Was gehört für Sie zu Ihrer Lebenswelt? Ist es der Blick auf die Spritpreise, das Verfolgen der Nachrichten aus der ganzen Welt, das Wahrnehmen von Krisen und Kriegen? Besteht Ihre Lebenswelt aus den Menschen, mit denen sie leben und arbeiten? Oder fällt Ihnen etwas ganz anderes ein, wenn Sie Ihre Lebenswelt beschreiben? Die Musik, das Verweilen? Der Blick in die Ferne auf Berge oder das Meer? Oder wendet sich Ihr Blick dem Nahen zu: dem Garten, dem Platz in der Sonne?
Franziskus’ Blick auf die Welt
Vor rund 800 Jahren lebte Giovanni di Pietro di Bernardone in Assisi. Wir kennen ihn besser unter dem Namen Franz von Assisi oder Franziskus. Er entschied sich für ein sehr armes, sehr schlichtes Leben. Daher kehrte er seiner wohlhabenden Familie den Rücken und widmete sein Leben Gott. Sein Lebensumfeld bestand nun aus einfachen Hütten vor den Toren der Stadt. Was er als Lebenswelt ansah und schätzte, war die Natur und alle Geschöpfe in ihr. In allem, was er sah, erkannte er Gottes Wirken und Gottes Gegenwart. Das veranlasste ihn, den Sonnengesang zu verfassen. Das Lied des Franziskus beginnt mit dem Lob der Sonne. Ihre Pracht, ihr Glanz und ihr Leuchten ist für Franziskus ein Sinnbild für Gott. So ist Gott: Sein Scheinen berührt die Erde und lässt die ganze Schöpfung gedeihen. Franziskus betrachtete die Sonne als Bruder und den Mond und die Gestirne als Schwestern. Um dieser Geschwisterlichkeit Ausdruck zu verleihen, hat der Künstler Sieger Köder Sonne und Mond in seinem Bild Gesichter verliehen.
Lob der Elemente und ihres Wirkens, damit die Erde fortbesteht
Unter dem Himmel befindet sich der Wind. Auch ihm wurde durch den Künstler Sieger Köder ein Gesicht gemalt. Der blasende Mund und die wehenden Haare zeigen, dass es beim Wind um Dynamik geht. Er bewegt die Luft und die Wolken. Durch ihn wird das Wetter geprägt. Das Wetter wiederum sorgt für Blühen, Wachsen und Gedeihen auf der Erde. Deshalb lobt Franziskus den Wind als seinen Bruder. Auch Wasser und Feuer betrachtet Franziskus als Geschwister. Schwester Wasser lobt er, weil sie nützlich, rein und kostbar ist. Ohne Wasser kein Leben auf der Erde. Bruder Feuer dagegen steht für Licht in der Nacht, Stärke und Fröhlichkeit. Im Mittelalter zählte man das Feuer wie das Wasser zu den Grundelementen der Erde. Es stand für Energie, Lebendigkeit und Leidenschaft. Die braune Farbe der Erdschollen lenkt in Sieger Köders Bild den Blick auf Mutter Erde. Aus ihr geht das Grün der Pflanzen hervor, die Fülle der Blüten und das Wachstum der Getreideähren. Sie erhält und lenkt im Zyklus des Wachstums das Leben von Menschen und Tieren.
Lob für Menschen, die Liebe und Hingabe zeigen
Nachdem Franziskus das Wirken und Wachsen in der Natur betrachtet hat, richtet er nun den Blick auf das Zusammenleben der Menschen. In seinem Leben hat er die Erfahrung gemacht, dass da nicht alles gut und friedlich läuft. Daher setzt er Kontrapunkte. Franziskus lobt jene, die um der Liebe willen verzeihen. Auch lobt er jene, die Krankheit und Not ertragen und jene, die Frieden leben und bewahren. Im Bild von Sieger Köder finden wir diese Menschen im unteren Drittel dargestellt. Da sind Mann, Frau und Kind, die einander umarmen und sich nicht von dem Kranken abwenden, sondern sich zu ihm beugen. Wir sehen die Armen symbolisiert in der Frau, die einen leeren Topf hält und der Speise und Nahrung fehlt. Sie erinnert an die Frau aus dem Buch der Könige, der der Prophet Elija begegnet (1 Kön 17,8–16). Auch sie hatte kaum noch etwas in ihrem Krug. Daher war sie bereit, zusammen mit ihrem Sohn eine letzte Mahlzeit zu essen und dann zu sterben. Nachdem sie jedoch Elija ein kleines Gebäck bereitet hatte, wurde ihr Topf niemals mehr leer. Der Topf füllt sich von allein, denn Gott sorgte für sie.
Lob des Todes als Übergang
Dass zum Lob der Schöpfung auch der Tod gehört, erscheint uns nicht sofort einleuchtend. Franziskus hat diese Strophe erst spät dem Lied hinzugefügt. Damals war er aufgrund seiner Lebensweise schon sehr geschwächt. Wegen einer Augenkrankheit fehlte ihm zudem das Augenlicht. Er war fast völlig erblindet. Offenbar fühlte er seinen Tod nahen. Und doch singt Franziskus einen Lobpreis auf den Tod. Er nimmt ihn als unentrinnbar an. Der Tod macht ihm keine Angst, denn Franz erwartet einen Hinübergang. Schwester Tod ist für ihn eine Botin eines neuen, anderen Lebens. Im Bild von Sieger Köder sieht man daher einen Mann in Franziskanerkutte in der Umarmung des blau gewandeten Todes. Die skelettartigen Hände umfassen den Mönch, der Totenschädel schmiegt sich an sein Gesicht. Doch es ist kein Bild des Schreckens, sondern eines der Zuwendung und Begleitung. Schwester Tod gehört für Franziskus zum Leben und der Schöpfung dazu.
Unser heutiger Umgang mit der Schöpfung
In unserer heutigen Welt liegt uns das Lob der Schöpfung nicht so leicht auf der Zunge. Wir erleben die Natur weniger unmittelbar. Geschützt durch Dächer und Wände, ummantelt von Autos oder Zügen sind wir den Naturgewalten nicht direkt ausgesetzt. Lebensmittel finden wir wie selbstverständlich in den Geschäften vor. Wenn doch ein Pilz oder eine Missernte auf der anderen Seite der Erde dafür sorgt, dass es keine Mandeln, Tee oder Kaffee gibt, dann ist das für uns ärgerlich, aber nicht lebensbedrohlich. Ohne Sorge sind wir dennoch nicht. Zu unserem heutigen Leben gehört ein riesiger Ressourcenverbrauch. Wir verbrennen Öl und Gas, um zu fahren, zu heizen, zu produzieren. Wir brauchen enorme Energiemengen für die Entwicklung neuer Technologien wie für die Künstliche Intelligenz. Wir leben von den Gaben der Erde. Anders als zur Zeit des Franziskus vor 800 Jahren haben wir Maschinen und Düngemittel, um der Erde ein Vielfaches der Früchte von damals abzugewinnen. So könnten Milliarden von Menschen ernährt werden.
Auf den Spuren des Franziskus gehen
Zugleich treiben wir Raubbau an den Ressourcen der Erde. Was wir verbrauchen, übersteigt deutlich die Regenerationsfähigkeit der Erde. Und wir haben keine Erde in Reserve. Umso mehr ist es wichtig, dass wir uns an Erntedank bewusst machen: Wir leben von der Erde und dem, was Gott uns damit schenkt. Wir sollten schätzen, was uns die Erde an guten Gaben spendet. Es ist wichtig, dass wir mit all den Gaben der Erde sorgsam und zukunftsorientiert umgehen. Die Erde wurde uns von Gott anvertraut – aber nicht nur für uns, sondern auch für zukünftige Generationen. Es täte uns gut, mehr von der Haltung des Franz von Assisi zu leben: mit Ehrfurcht und Staunen auf die Schöpfung zu schauen, sorgsam mit ihren Gaben umzugehen und Verantwortung für sie zu übernehmen. Denn Franziskus hat ganz recht: Unsere Welt ist großartig, und wir verdanken sie Gott. Gelobt sei Schwester Erde, denn sie ist es, die uns erhält und lenkt!
Fürbitten
»Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen« so verhieß es der Prophet Elija der Witwe in Sarepta. Du, guter Gott, hast uns die Gaben der Schöpfung als Nahrung und Unterhalt anvertraut. Wir rufen zu dir:
– Schöpfer der Welt, wie Franz von Assisi loben wir dich für die Sonne. Sie schenkt uns Wärme, Energie und erhellt unser Leben. Lass uns ihre Gaben weise nutzen. – Schöpfer der Welt, wie Franz von Assisi loben wir dich für das Wasser. Es löscht täglich unseren Durst, wässert unsere Felder, reinigt und erfrischt. Lass uns seine Gaben zum Wohl aller einsetzen. – Schöpfer der Welt, wie Franz von Assisi loben wir dich für die Erde. Sie ist unterschiedlich beschaffen und bringt viele Grundnahrungsmittel hervor: Reis, Kartoffeln und Getreide, Hopfen, Reben und Früchte. Lass uns diese Gaben teilen, damit alle davon leben können. – Schöpfer der Welt, wie Franz von Assisi loben wir dich für den Wind. Er ist eine Kraft, die wir wie Öl, Gas und Sonne zur Energiegewinnung nutzen. Hilf uns, mit den Ressourcen der Erde maßvoll und klug umzugehen. – Schöpfer der Welt, wie Franz von Assisi loben wir dich für die Menschen, die verzeihen können, die Frieden stiften und Liebe schenken. Ohne sie wäre das Leben auf der Erde kalt und Feindschaft endlos. Stärke die Gabe zur Freundlichkeit auch in uns. – Schöpfer der Welt, wie Franz von Assisi hoffen wir, dass der Tod nur ein Übergang ist. Nimm unsere Verstorbenen auf in dein Reich.
Dank sei dir, guter Gott, für alle Gaben der Schöpfung und dass wir auf dieser Erde leben dürfen. Wir loben und preisen dich, jetzt und alle Tage bis hinein in die Ewigkeit. Amen.
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Beatrice Dörner |
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pastoral.de
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