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Die Inhalte
der Zeitschrift
»Dienst am Wort«
Herausgeber
Leseprobe 3
26. Sonntag im Jahreskreis
Übung macht den Meister
Lesejahr C
Beitrag zur Lesung

Einführung


Im Glauben zu bleiben, kann manchmal schwer sein. Wie kann ich mit meinen Glaubenszweifeln umgehen? Mich dafür verurteilen? Nein, lieber nicht. Sonst mache ich mich zu meinem eigenen Feind. Besser ist es, wenn ich mich mit meinen Fragen und Zweifeln annehme, geduldig bleibe, um den Beistand des Heiligen Geistes bitte und mich vielleicht an eine geistliche Begleitung wende. Dann kann ich im Glauben reifen. Dann kämpfe ich den guten Kampf des Glaubens und tanze den guten Tanz des Lebens.

Predigt
Zum Text: 1 Tim 6,11–16 (2. Lesung)

Training und Übung …


Atemberaubende Sprünge zeigt die Eiskunstläuferin im Wettbewerb. Kraftvoll und mit Schwung bewegt sich der Turner am Reck. Mit leidenschaftlicher Eleganz schwebt das Tanzpaar im Tango über das Parkett. Das alles sieht beeindruckend einfach aus. Doch wir wissen, dass nicht nur Talent, sondern vor allem ausdauerndes Training und konzentrierte Übung hinter ihrem Können stehen. Übung macht den Meister.

… braucht das christliche Leben …


Durch die Taufe sind wir Christin und Christ geworden. Der Heilige Geist lebt in uns und befähigt uns. Das ist Geschenk und Versprechen zugleich. Es ist die Grundlage unseres christlichen Lebens. Doch so wie selbst der talentierteste Sportler das Training braucht, braucht auch das christliche Leben die Übung. Um Leistung geht es dabei jedoch nicht. Um Entwicklung schon. Es geht darum, in der Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst zu wachsen und zu reifen. Hilfreich sind dabei zum Beispiel geistliche Übungen, sogenannte Exerzitien, seien sie schweigend oder in Bewegung, einzeln oder in der Gruppe, abgeschieden im Exerzitienhaus oder im Alltag auf der Straße. Das spirituelle Training ist überall möglich.

… und dazu auch Beständigkeit und Kondition

Das Wissen, dass es für das geistliche Leben Übung braucht, ist alt. In der zweiten Lesung haben wir gehört, wie der Apostel Paulus seinen Schüler Timotheus – und damit auch uns – zu einem spirituellen Fitnessprogramm auffordert: »Strebe nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut!« Wie kann solch ein Streben aussehen? Ausdauer und Kondition gehören dazu. Und die gewinnt man eben durch das Training einzelner Bereiche.

Das Streben nach Gerechtigkeit, …


Wenn es zum Beispiel um Gerechtigkeit geht, dann schauen wir meist auf uns selbst: Was steht mir zu? Was wird mir vorenthalten? Werde ich gerecht behandelt? Die geistliche Übung der Gerechtigkeit führt dagegen über mich selbst hinaus. Werden andere gerecht behandelt? Kommen sie zu ihrem Recht? Werde ich durch mein Handeln beispielsweise den Lebenschancen kommender Generationen gerecht?

… nach Frömmigkeit, …

Auch das Streben nach Frömmigkeit geht über die bloße Einübung religiöser Praktiken hinaus und führt in die Tiefe. Wo kann ich Gott finden? In mir selbst, im Nächsten und überall. Oder auch andersherum: Von Gott kann ich mich überall finden lassen. So nimmt meine Frömmigkeit die Gegenwart ins Gebet. Und die Gegenwart führt mich zur Andacht.

… nach Glauben …

Auch der Glauben geht über das gesprochene Glaubensbekenntnis hinaus. Die eigenen Glaubenserfahrungen und -zweifel füllen die Buchstaben des Bekenntnisses mit Leben. Aus dem verkündeten Glauben wird der gelebte Glauben. Und aus dem gelebten Glauben wird ein Zeugnis, das weitererzählt werden kann.

… und Liebe …


Die Liebe beschränkt sich nicht auf die zwischenmenschliche Liebesbeziehung, auf Partnerschaft, Ehe und Familie. Die Liebe trägt bereits die Fähigkeit zur Caritas, zur Nächstenliebe, in sich. In einer globalisierten und medial vernetzten Welt werden so die scheinbar Fernsten zu unseren Nächsten.

… braucht Ausdauer und Standhaftigkeit

Dieser christliche Übungsweg, zu dem Paulus auffordert, ist anspruchsvoll. Er braucht ein ganzes Leben. Er ist nie abgeschlossen. Für dieses Trainingsprogramm braucht es Ausdauer. Oder wie Paulus sagt: Es braucht Standhaftigkeit. Es braucht Mut und gegenseitige Ermutigung. Denn das christliche Training ist zugleich Einzel- und Mannschaftssport. Wir brauchen einander.

Die Sanftmut hält das spirituelle Leben beweglich, …

Doch wozu braucht es die Sanftmut, die Paulus ganz zum Schluss nennt? Auch hier hilft der Vergleich mit dem Sport. Wer die Ausdauer trainiert, der muss sich auch strecken und dehnen, um beweglich zu bleiben. Und auf das Gleichgewicht kommt es ebenfalls an. Der christliche Übungsweg verträgt keine einseitigen Belastungen. Die christliche Übung braucht Geschmeidigkeit und Ausgeglichenheit. Die Sanftmut trägt dazu bei, dass wir nicht verurteilen, nicht verhärten und dabei die innere Balance verlieren. Die Sanftmut lässt uns locker bleiben. Sie hilft, verständnisvoll und liebevoll mit sich selbst und mit anderen umzugehen. Ohne die Sanftmut würde aus dem Streben nach Gerechtigkeit nur autoritäre Rechthaberei werden, aus Frömmigkeit entstünden Heuchelei und Scheinheiligkeit, aus Gläubigen würden religiöse Fanatiker und aus der befreienden Liebe würde abhängig machende Überfürsorglichkeit. Die Sanftmut bewahrt davor.

… sodass wir den guten Tanz des Lebens tanzen können


Mit der Gabe des Heiligen Geistes und dem geistigen Training können wir uns in unserem spirituellen Leben weiterentwickeln. So können wir einzeln und als Gemeinschaft den »guten Kampf des Glaubens« kämpfen und den guten Tanz des Lebens tanzen.

Fürbitten


Guter Gott, den guten Kampf des Glaubens können wir nur mit dir gewinnen. Daher bitten wir dich:

– Um Frieden und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft, zwischen den Völkern und Nationen.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Um einen Glauben, der weiterführt, eine Hoffnung, die trägt, und eine Liebe, die Kirchen und Religionen miteinander verbindet.
– Um Sanftmut in den Herzen, zwischen den Menschen, in Ehen, Partnerschaften und Familien, in Schulen und am Arbeitsplatz.
– Um Beistand und Kraft, Trost und Befreiung für die Armen und am Rande Stehenden, für die Kranken, Leidenden und Trauernden.
– Um Leben und Lebensfreude für die Verstorbenen.
– Wir beten einen Moment in Stille.

Guter Gott, wenn du bei uns bist, können wir dieses Leben bestehen. Und wir können es nicht nur bestehen, sondern es aus deiner Fülle leben. Dafür danken wir dir, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Michael Wollek

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