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| Leseprobe 3 |
| 17. Sonntag im Jahreskreis |
| Zwei Könige – zwei Bitten |
| Lesejahr A |
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Beitrag zur Lesung
Einführung
Willkommen zur Feier des sonntäglichen Gottesdienstes. Er ist uns geschenkt vom liebenden Gott als Raum zum Aufatmen und Durchatmen und um neue Kraft zu schöpfen für den Alltag. Wir sind eingeladen, auf Gottes Wort zu hören und im Mahl der Liebe uns zu stärken für die täglichen Herausforderungen des Lebens. Und wir dürfen vertrauen: Gott hat ein offenes Ohr für alles, was uns bewegt und am Herzen liegt.
Liedvorschlag zur Predigt
GL 433,2 »Schweige und höre« oder GL 448 »Herr, gib uns Mut zum Hören«
Predigt Zum Text: 1 Kön 3,5.7–12 (1. Lesung)
Kennen Sie König Midas? Er lebte im 7. Jahrhundert vor Christus in Griechenland. Als er von einem der Götter einen freien Wunsch geschenkt bekam, zögerte er nicht lange und bat darum, dass sich alles, was er berührt in Gold verwandeln soll. Die Bitte wurde gewährt. Doch der Jubel war nur kurz. Auch das Essen in des Königs Hand wurde zu Gold und das kann man bekanntlich nicht essen. In der heutigen Lesung schenkt Gott einem anderen König eine freie Bitte. König Salomo hatte erst vor kurzem den Thron seines verstorbenen Vaters David geerbt. Jung und unerfahren, wie er war, hatte er sicher viele Wünsche. Anders aber als König Midas gibt er keine schnelle Antwort. Nachdenklich breitet er vor Gott seine Sorgen aus. Angesichts seines verantwortungsvollen Amtes und der Größe seines Volkes fühlt er sich überfordert, weiß nicht ein noch aus. Seine Bitte, die er schließlich ausspricht, überrascht und zeugt von wahrhaft königlicher Weitsicht. »Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht!« Salomo erkennt: Ohne auf sein Herz und damit auf Gott zu hören, kann er kein gerechter Herrscher und Richter sein. Er bittet um einen Maßstab, der hilft, richtig im Sinne und Geiste Gottes zu entscheiden und dabei das Ganze im Auge zu behalten. Er ahnt, dass dieser Maßstab im eigenen Herzen geborgen ist und sich mit einem feinen Gehör für Gottes leise Stimme erspüren lässt zum Wohl der ihm anvertrauten Menschen. Die selbstlose, kluge und bescheidene Bitte Salomos gefällt Gott und wird gewährt. Die Weisheit des Salomo wird legendär und bringt ihm internationale Anerkennung, aber auch Reichtum ein. Die Bibel verschweigt nicht, dass Salomo trotz seiner Weisheit kein Heiliger war. Die leise Stimme seines Herzens wurde wohl ab und zu übertönt vom Streben nach Macht. Nicht immer behielt er das Wohl seines Volkes im Auge. Um Gott einen prunkvollen Tempel und für sich selbst einen großartigen Palast zu bauen, ließ er das Volk harte Fronarbeit verrichten und verlangte so hohe Steuern, dass sich viele von ihm abwandten. Im Alter ließ er sich von einigen seiner über siebzig ausländischen Frauen – die meisten hatte er aus politischem Kalkül geheiratet – zum Götzendienst verführen. Er kehrte Gott, der ihn so reich beschenkt hatte, den Rücken zu. Nach seinem Tod zersplitterte schließlich sein Königreich.
Und wir?
Nicht nur Könige und Richter müssen gerechte Urteile fällen und brauchen daher einen Maßstab für Gut und Böse. Täglich urteilen auch wir – bewusst oder unbewusst – über Menschen, Ereignisse, Informationen. Woran messen und beurteilen wir unsere Entscheide? Sind es, wie bei König Midas, die eigenen, materiellen Interessen? Oder haben wir – ähnlich wie König Salomo – auch das große Ganze, das Wohl und Wehe der Mitmenschen und unserer Welt im Auge? Die heutige Lesung lädt uns ein, vor Gott unsere Maßstäbe zu überdenken und einzugestehen, dass uns oft Einsicht und Durchblick fehlen, um einer Situation gerecht zu werden und wir darum immer mal wieder weder ein noch aus wissen. Bevor wir urteilen, beurteilen oder verurteilen sollen und dürfen auch wir, wie König Salomo, Gott um Weisheit und Weitsicht bitten, um den Maßstab eines hörenden, aufmerksamen Herzens, offen für die meist leise göttliche Stimme. Auch uns wird es nicht immer gelingen. Auch wir sind und bleiben, wie Salomo, schwache Menschen. Aber wir dürfen vertrauen, dass immer wieder ein Neuanfang möglich ist.
Neue Horizonte in Jesus Christus
Dem alttestamentlichen König haben wir etwas voraus: In Jesus Christus ist Gott ein Mensch geworden wie wir, er kennt die menschlichen Grenzen und Schwächen aus eigener Erfahrung. In ihm ist die göttliche Weisheit und Liebe zu allen Menschen sicht- und erfahrbar geworden. Er hat uns vorgelebt, was es heißt, ein hörendes Herz zu haben für seinen Vater und für die Menschen. Sein Wunsch war es, dass wir es ihm gleichtun. Als Kraftquelle hat er den Seinen denselben Geist verheißen, der auch ihn beseelte: den Geist der Wahrheit und Liebe. Nach Jesu Rückkehr zum Vater beteten seine Jüngerinnen und Jünger einmütig um diese Kraft von oben und ihre Bitte wurde am Pfingstfest erhört. Die Heilige Geistkraft mit ihren reichen Gaben wurde ausgegossen über sie und alle Menschen offenen Herzens. Nach Paulus ist Weisheit die erste und wichtigste dieser Geistesgaben, die Weisheit eines hörenden Herzens. (1 Kor 12,8–10). In Taufe und Firmung wurde sie auch unserem Herzen eingepflanzt und damit haben wir die Fähigkeit erhalten, auf unser Herz zu hören und mit seiner Hilfe das Gute vom Bösen zu unterscheiden.
Nur Samen
Warum nur spüren wir so wenig davon – in unserem Leben und in unseren Kirchen? Ob die vielen Reize, Stimmen und Impulse, die täglich auf uns einprasseln, die innere Stimme übertönen? Oder werden wir zu sehr beherrscht vom Hunger nach »Mehr«: mehr Spaß, mehr Konsum, mehr Macht, größere Perfektion und Anerkennung? Könnte es sein, dass wir auch im religiösen Leben zu ungeduldig sind und schnelle Resultate sehen möchten – ähnlich dem jungen Mann in der folgenden Geschichte, der im Traum einen Laden betrat: Hinter der Theke stand ein Engel. Hastig fragt der junge Mann ihn: »Was verkaufen Sie, mein Herr?« Der Engel antwortete freundlich: »Alles, was Sie wollen.« Der junge Mann begann aufzuzählen: »Dann hätte ich gern • das Ende aller Kriege in der Welt, • bessere Bedingungen für die Randgruppen der Gesellschaft, • Arbeit für die Arbeitslosen, • mehr Gemeinschaft und Liebe in der Kirche • und … und … .« Da fiel ihm der Engel ins Wort: »Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen.« Es waren nur Samen der Weisheit, die Salomo geschenkt wurden. Nicht alle sind aufgegangen. Es sind nur Samen des Geistes der Weisheit, die uns in Taufe und Firmung ins Herz gelegt wurden. Dass wenigstens einige davon aufgehen, wachsen und Frucht bringen, ist unsere Lebensaufgabe. Dazu brauchen auch wir ein Herz, das auf die leise göttliche Stimme hört, die uns auch in den Nöten, Ängsten und Bedürfnissen der Mitmenschen nah und fern erreichen will. Darum machen wir uns heute und immer wieder die Bitte des Königs Salomo zu eigen und beten: »Gott, gib uns ein hörendes Herz, das das Gute vom Bösen zu unterscheiden vermag.«
Fürbitten
Wir kommen zu dir, barmherziger Gott, mit unseren Wünschen, Sehnsüchten, Anliegen und Bitten, im Vertrauen, dass du uns hörst.
– Wir bitten dich für alle, die in Politik und Wirtschaft für das Wohl und Wehe vieler Menschen Verantwortung tragen, dass sie sich nicht nur von Eigeninteressen leiten lassen. – Wir bitten dich für alle, die beauftragt sind, den Menschen deine Barmherzigkeit und Liebe zu verkünden in Wort und Tat, dass sie offen sind für die Fragen, Sorgen und Anliegen der heutigen Zeit und bereit, die tradierte Botschaft in neuen, verständlichen Worten zu verkünden. – Wir bitten dich für alle, die von Schicksalsschlägen betroffen sind und nach dem Warum und Wozu fragen, dass sie die Kraft finden, das Geschehene zu verarbeiten und einen neuen Anfang zu wagen. – Wir bitten dich für alle, die vom Alter oder von Krankheiten geschwächt oder sonst in ihren Lebensmöglichkeiten eingeschränkt sind, dass ihnen verständnisvolle Menschen zur Seite stehen und ihnen helfen, neue Perspektiven zu finden. – Wir bitten für unsere Verstorbenen, besonders auch für die Opfer von Kriegen, Katastrophen und Gewalt, dass du ihnen in deinem Reich des Friedens neue, unvergängliche Heimat schenkst.
Herr, dir in die Hände sei Anfang und Ende, sei alles gelegt. Lob sei dir und Preis. Amen.
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Eva-Maria Zwyer |
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