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Die Inhalte
der Zeitschrift
»Dienst am Wort«
Herausgeber
Leseprobe 3
Fünfter Sonntag der Osterzeit
Herausforderungen begegnen: synodal – innovativ – geistlich
Lesejahr A
Beitrag zur Lesung

Einführung

Die Sonntage der Osterzeit führen uns in die Urgemeinde nach Jerusalem. Ausschnitthaft und doch höchst spannend erleben wir mit, wie sich Nachfolge Jesu, Christsein durch die Herausforderungen gestaltet – und zwar als Ausdruck des Deutens der Erfahrung Jesu Christi im Geiste Gottes. Diesen Geist teilen wir und dürfen uns auch von den Christen der Urgemeinde inspirieren lassen.

Vorüberlegungen

Die Betrachtung des Textes greift auf die innere, geistliche Dynamik zurück, die die Erzählung der Berufung der sieben Diener des Tisches beinhaltet. Sie bleibt daher nicht dabei stehen, festzustellen, dass Kirche hier die Basis für das Diakonenamt sieht, sondern die Betrachtung nimmt ernst, wie in synodaler und geistlich geprägter Haltung ein Erfordernis zu einer innovativen Lösung geführt wird – ein Vorbild für Kirche zu allen Zeiten.
Gemeinschaften leben von Idealen: in der Partnerschaft, als kleine Gruppe, in institutionellen Gemeinschaften. Solange alles gut geht, sprechen wir gerne davon, dass Menschen ein Herz und eine Seele seien. Tauchen aber Konflikte auf, die nach einer Lösung rufen, dann greifen wir heutzutage auf Angebote der Beratung zurück. Mit ihrer Hilfe wird Motivation gestärkt und man findet sich wieder zusammen, findet das Gemeinsame neu. Auch die ersten Christen setzten auf Beratung – und hatten dabei Gottes Geist als Coach – und mehr. Bieten die Erfahrungen der Urgemeinde nicht nur Erinnerungen, sondern auch Impulse für uns heute?

Liedvorschlag zur Predigt

GL 409 »Singt dem Herrn ein neues Lied« oder
GL 860 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg–Stuttgart) »Vertraut den neuen Wegen«

Predigt

Zum Text: Apg 6,1–7 (1. Lesung)

Wachstum und Konflikt

Zwischen Ostern und Pfingsten gibt die Apostelgeschichte Einblicke in die frühe Christengemeinschaft. Was dort erzählt wird, lässt sich auch danach befragen: Wie gelingt es, den eigenen Glauben an den Auferstandenen im Alltag zu leben, und zwar so, dass die Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger ihr Zusammen so ausbildet, wie es der Nachfolge Jesu entspricht?
Vom Wachsen der Gemeinde in Jerusalem wird häufig gesprochen und diese Gemeinschaft beschrieben als »ein Herz und eine Seele« (Apg 4,32). Verglichen mit uns, könnte es deprimierend wirken: Unsere Gemeinden schrumpfen, es gibt auseinanderdriftende Interessen auf allen Ebenen.
Der heutige Textabschnitt zeigt uns einen handfesten Streit in der Urgemeinde. Wir erfahren: Aus der Diaspora stammende, griechisch sprechende, arme Witwen werden bei der Almosenverteilung benachteiligt. Sie leiden materielle Not. Verständlicherweise fangen die Betroffenen an, zu murren. Auf die Spannungen zwischen Einheimischen und Auswärtigen, wohl auch zwischen Männern und Frauen, muss reagiert werden, soll nicht das Gemeinsame aufs Spiel gesetzt werden. Die Risse in der Jerusalemer Gemeinde lassen unterschiedliche kulturelle und geistliche Prägungen erkennen. Die Apostelgeschichte erzählt daher von Wegpunkten zur Konfliktlösung. Diese ermöglichten nicht nur damals Neues, sondern zeigen in ihrer geistlichen Dynamik auch für heute wegweisende Momente auf.

Ernstnehmen und Beteiligen

Die Zwölf als Leitungsgremium der Jerusalemer Gemeinde nehmen das Murren ernst. Sie wollen handeln, aber nicht auf der Basis von Entscheidung im kleinen Kreis. Die ganze Gemeinde ist vom drohenden Zerreißen betroffen. So werden alle Jüngerinnen und Jünger zusammengerufen. Ein kirchlicher Grundsatz, der auch heute gelebt wird im synodalen Weg der Kirche, lautet: Was alle betrifft, muss von allen beraten und gebilligt werden. Auch im spätrömischen Recht findet sich dieser Satz (»Quod omnes tangit, ab omnibus approbari debet« »Was alle betrifft, muss von allen gebilligt werden«), der in das mittelalterliche Kirchenrecht einzog.
Nicht nur die unmittelbar Betroffenen erhalten also eine Lösung. Ein »betrifft mich nicht« kann es nicht geben, denn die Auswirkungen wird die ganze Gemeinschaft zu tragen haben.

Delegation als Gewinn für alle

Die Apostel plädieren für eine Trennung zwischen dem »Dienst an den Tischen« und dem »Dienst am Wort«. Letzterem ordnen sie sich selbst zu. Man könnte befürchten, damit würde eine unterschiedliche Bewertung von Verkündigung und Dienst ausgesprochen. Wäre eine Lösung auf der Basis von Wertigkeit unterschiedlicher Dienste aber wirklich eine Lösung? Bewertungsfragen finden sich immer wieder in den neutestamentlichen Texten, auch unter den Aposteln, und immer wieder wird deutlich gemacht, dass Wertungen von Diensten und Charismen der falsche Ansatz sind. Paulus bringt es auf den Punkt, wenn er vielmehr darauf verweist, dass alle um die verbindenden Werte von Glauben, Hoffen und Lieben miteinander ringen sollen.
Die Delegation von Aufgaben wird zu dem Schritt, die Spannung aufzulösen. Die Verantwortlichen akzeptieren dabei: Sie allein können nicht alles erledigen, was zu tun drängt. Sie wägen ab und entscheiden, ohne Angst zu haben, etwas dabei zu verlieren. Sie setzen ihre Hoffnung auf den Erhalt der Gemeinschaft. Alle vertrauen darauf, in der Gemeinschaft die Kompetenzen zu finden, die diese braucht. 

Kompetenzorientierung: Geist, Weisheit, Integrität

Die geschwisterliche Gemeinschaft trägt die Auswahl der sieben Gemeindemitglieder. Was sie für ihre Aufgabe mitbringen sollen: ihr guter Ruf, ihre Integrität, und dass ihr Leben vom Geist und von der Weisheit Gottes geprägt ist. Die Wahl fällt auf Menschen aus der Gruppe der griechisch sprechenden Christen. So entsteht eine Gruppe, die künftig relativ autonom die eigenen Belange regeln soll. Befremdlich erscheint uns heute, dass nur Männer gewählt wurden, keine Witwe als Betroffene des Konfliktes. Aus heutiger Sicht wäre das ein weiterer Schritt. Solche zeitbedingten Brüche in der Erzählung dürfen spürbar bleiben und brauchen nicht ignoriert zu werden, weil sie auch die Zeitbezogenheit von Lösungen signalisieren.

Kirchliche Lösungen sind geistliche Lösungen

Was in der Erzählung eigens betont wird: Die Übertragung des Dienstes ist nicht bloß ein funktionaler Akt. Sie geschieht unter Gebet und Handauflegung. Was in der Gemeinde der Jüngerinnen und Jünger zu tun ist, ist immer eingebunden in eine Form der Einbeziehung Gottes im Gebet, als Danksagung für die Menschen, die sich in den Dienst rufen lassen, und als Bitte um die Unterstützung Gottes durch den Geist Gottes, damit gelingen kann, was die Gemeinde braucht. Das Zeichen der Handauflegung unterstreicht, dass die beauftragten Gemeindemitglieder weiterhin mit Unterstützung rechnen können, dass man sich nicht abspaltet, sondern auch in der Differenzierung für das Ganze sich einsetzt. Das Leben der Kirche ist getragen davon, dass der Geist Gottes übertragen wird auf alle, die mit dieser Kraft das tun, was getan werden muss. Schließlich ist sie auch Ausdruck der Mitverantwortung an der Leitung.
Auch unsere Kirche und ihre Gemeinden/Gemeinschaften stehen vor großen Herausforderungen: Die lassen sich nicht von einigen wenigen bewältigen. Sie brauchen das Miteinander aller (!) und das Wahrnehmen von Verantwortung, die über den eigenen Kirchturm hinausschaut. Neues finden, um dem Glaubensleben neuen Raum schaffen zu können, heißt eben auch, dass es Anerkennung braucht, dass durch Gottes Geist all die Kompetenzen für das Gemeindeleben gegeben sind, die gebraucht werden. Daher darf im Vertrauen auf Gottes Geist auch heute die Bereitschaft wachsen, sich zu neuen Formen der Beauftragung von Aufgaben wie in der Jerusalemer Urgemeinde führen zu lassen, auch wenn im Augenblick niemand genau weiß, was sich da entfalten wird. Dann verliert niemand, dann gewinnen alle. Wenn dieses Vertrauen wächst, dann darf man auch vertrauen, dass sich neue Impulse ergeben in der Verkündigung des Wortes der frohmachenden Botschaft Jesu Christi – und neues Wachstum.

Fürbitten


Wir treten vor Gott mit unseren Anliegen, weil wir wissen, dass sein Geist uns das rechte Wort gibt. So bitten wir:

– Hilf uns und allen Christen, zu lebendigen Steinen zu werden, zu Menschen, die deinem Beispiel folgen und für andere da sind.
– Wir bitten für all jene, die auf ihrem Lebensweg unsicher geworden sind, die verwirrt sind und Orientierung suchen.
– In diesen Tagen empfangen Kinder und Jugendliche die Sakramente der Erstkommunion und der Firmung: Bereichere ihr Leben mit den vielfältigen Gaben Geistes.
– Wir bitten für die Opfer von Gewalt und Krieg und für alle, die durch Terror und Hass Leid erfahren haben.
– Wir bitten für die Verstorbenen und all jene, die in Trauer zurückgeblieben sind.

Gott, du schaffst in der Kirche deines Sohnes immer wieder Raum zu neuen Aufbrüchen und zum Miteinander. Dafür danken wir dir mit deinem Sohn, Jesus Christus, unserem Herrn, in der Gemeinschaft des Geistes. Amen.

Christoph Schmitt

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