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| Leseprobe 3 |
| Gründonnerstag |
| Eine Frage der Haltung |
| Lesejahr A – B – C |
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Beitrag zum Evangelium
Einführung
Jesus macht Dinge anders als es Menschen sonst tun, als es andere oft erwarten. Weil er ein weites Herz hat. Und eine enge Verbindung zu seinem Vater. Und aus dieser heraus lebt und handelt er. Der Gottesdienst heute ist voll von Beispielen dafür und es ist schön, dass wir diesen besonderen Abend miteinander feiern. Ich begrüße Sie herzlich! Jesus ist der Herr, aber er wäscht seinen Freunden die Füße. Jesus ist der Sohn Gottes, aber er macht sich klein für uns. Jesus ist der Meister, aber er begegnet allen auf Augenhöhe. Damit zeigt er uns seine übergroße Liebe und nimmt uns mit in die Verbindung zu seinem Vater. Zu diesem Jesus, diesem oft so anderen Jesus, der jetzt auch uns seine Liebe und Zuwendung schenken will, rufen wir:
Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du zeigst uns in Wort und Tat, wie sehr du uns liebst. Herr, erbarme dich.
Du dienst den Menschen und machst dich ganz klein. Christus, erbarme dich.
Du bist unser großes Vorbild. Herr, erbarme dich.
Tagesgebet
Gott, am Abend vor seinem Leiden und Sterben hat Jesus, dein geliebter Sohn, seinen Jüngern die Füße gewaschen und beim letzten Abendmahl den Zeichen von Brot und Wein eine neue Bedeutung gegeben. Er begründete damit einen unzerbrechlichen Liebesbund zwischen sich und uns. Gib, dass wir in diesen Zeichen seine Liebe in unserem Leben spüren. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, der uns Herr und Diener ist.
Vorüberlegungen
Die Liturgie am Gründonnerstag ist voller Zeichen und Symbole, die so sprechend sind, dass sie eigentlich keiner verbalen Deutung bedürfen. Wer den Sklavendienst des Waschens der Füße übernimmt, muss im Grunde nicht erklären, was er da tut. Wer Brot und Wein zum Zeichen einer neuen Gemeinschaft macht, muss nicht viel mehr ausführen. »Tut dies zu meinem Gedächtnis!« Tut es, erlebt es, feiert es! Deshalb halte ich die Predigt an Gründonnerstag sehr knapp und lasse lieber die Zeichen sprechen. Zum Glück – nach Corona – auch wieder mit einer Fußwaschung im Gottesdienst. Wobei wir nicht mehr die Zwölfer-Zahl abbilden, sondern vier Personen wählen – aus den vier Lebensaltern Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Seniorenalter. Allen erweist Jesus diesen Liebesdienst. Und alle sind zum Mahl geladen – die Kommunionkinder, die mitfeiern, erhalten statt der Hostie ein Weckle, das sie teilen sollen. Noch passender ist es natürlich, wenn die Kinder genau an diesem Abend zum ersten Mal am eucharistischen Mahl teilhaben und mitfeiern dürfen.
Liedvorschlag zur Predigt
GL 474 »Wenn wir das Leben teilen«
Predigt
Zum Text: Joh 13,1–15 (Evangelium)
Eine Frage der Haltung
Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße. Die Botschaft, die in dieser ebenso eindrucksvollen wie maßgebenden Gebärde zum Ausdruck kommt, ist eindeutig: Es zählt das Sich-Verbeugen und Klein-Machen, es geht um das Dienen.
So sollen Christinnen und Christen leben
Und zugleich müssen wir es wie Petrus zulassen, dass der Herr und Meister sich klein macht, uns dienen will und sich uns schenkt. Wir müssen unser Ja dazu sagen und uns öffnen. Das gilt für das Waschen der Füße, das gilt aber genauso für das zweite Zeichen, das wir jetzt dann gleich miteinander feiern: Die Kommunion, also die Gemeinschaft mit Jesus – auch das können wir nur nachvollziehen und mitfeiern und zu einer richtigen Gemeinschaft werden, wenn wir in die Haltung des Empfangens gehen. Deswegen bitten wir auch vor der Kommunion immer: »Herr, sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!«
Gottes Ja steht
In seinem ganzen Leben hat Jesus deutlich gemacht – in Worten und Taten: Dieses eine Wort, das wir uns von Gott wünschen, dieses »Ja« zu uns steht – Gott spricht dieses eine Wort: »Ja, du bist gemeint! Ja, du bist geliebt! Immer!« Deshalb gilt: Unsere Seele ist gesund und unser Herz darf sich öffnen. Wenn wir offen sind und bereit zu empfangen, dann kann Gott wirklich zu uns kommen. Und dann kann durch uns und in uns und mit uns das Ja Gottes ausstrahlen und weiterstrahlen.
Kein Theater
Denn wenn diese Haltung, die in der Geste des Niederkniens und Dienens und in der Geste des Teilens zum Ausdruck kommt, nicht nur innerhalb dieser Mauern, nicht nur jetzt in dieser einen Stunde gilt, sondern wenn diese Haltung der ganz normale und alltägliche Umgangsstil einer Christengemeinde ist, dann geht es hier und jetzt nicht um das Abspulen eines liturgischen Ablaufs, sondern vielmehr um das Einüben in eine bestimmte Lebenshaltung. Und dann wirkt sich unser Glaube auch in unserem Alltag aus.
In der Eucharistie wird uns – im wahrsten Sinne des Wortes – vor Augen gehalten, was wir als Gemeinde Christi sind bzw. immer mehr werden sollen – der heilige Augustinus sagt: »Seid das, was ihr seht und empfangt, was ihr seid: Leib Christi!« Es geht also um eine Lebensgemeinschaft in und mit Christus. Auch die Geste der Fußwaschung will mehr sein als ein bis heute nachgespielter Ritus, ein hübscher Brauch, der schöne Presse-Fotos bringt. Diese Geste will vielmehr Ausdruck einer Lebenshaltung, eines Lebensstils sein.
Gottes-Dienst
Wie in einem Brennglas zeigt sich hier, was für das Leben der Kirche entscheidend ist: In der Liturgie feiern wir Gottes Dienst an uns, davon lassen wir uns beschenken. Und dann gehen wir zurück in unser Leben, in unseren Alltag, in unsere Beziehungen und strahlen Gottes Ja zu uns aus. Wir dienen den anderen und geben weiter, was wir selbst erlebt haben. Genauso sagt es der Apostel Paulus: »Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann weitergegeben habe.« In Wort und Tat leben wir dann, was uns geschenkt wurde. So dienen wir Gott. »Ein Beispiel habe ich euch gegeben. Wenn nun ich euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.« Denken wir daran, wenn hier jetzt stellvertretend vier Personen die Füße gewaschen werden.
Fürbitten
Am Abend vor seinem Leiden hat Jesus mit seinen Jüngern das Abendmahl gefeiert. Er hat dabei sich selbst als Brot des Lebens angeboten und die Tischgemeinschaft mit ihm zur Mitte für seine Kirche gemacht. Wir wenden uns mit unseren Sorgen und Anliegen an ihn:
– An diesem Abend der Freundschaft und des Verrats beten wir für alle Kriegs- und Krisengebiete auf dieser Welt. Wir beten für die vielen Toten und Verletzten. Und wir beten für alle, die einen lieben Menschen verloren haben. (Christus, höre uns. – Christus, erhöre uns.) – An diesem Abend des Brotbrechens und Teilens beten wir für alle Familien, Freunde und Nachbarn. Wir beten für die vielen fremden Menschen, die auf der Flucht sind, und für die Geflüchteten, die in unserem Land schon angekommen sind. Und wir beten für die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer. – An diesem Abend des Dienens und der Fußwaschung beten wir für alle, die Macht haben. Wir beten für alle, die sich für Frieden und Sicherheit einsetzen. Und wir beten für alle, die ohne große Worte Tag für Tag ihre Pflicht tun und anderen helfen. – An diesem Abend der Hingabe und der Liebe beten wir für alle Menschen auf der ganzen Welt, die krank sind und einsam. Und wir beten für alle, die in der Pflege und in Besuchsdiensten anderen Menschen dienen. – An diesem Abend der Tischgemeinschaft beten wir für alle, die Jesus an seinen Tisch ruft. Wir beten für unsere Kommunionfamilien und für alle, die heute Abend hier sind. Und wir beten für alle, an die wir jetzt denken (kurze Stille).
Herr Jesus Christus, als Brot für das Leben der Welt hast du dich hingegeben und teilst dich immer wieder aus. So bist du uns ein Beispiel der Liebe, des Dienens und des Friedens. Gib uns die Kraft, dir darin zu folgen. Wir danken dir, dass du uns vorangehst und loben und preisen dich, heute an diesem besonderen Tag und bis in alle Ewigkeit. Amen.
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Silke Weihing |
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