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| Leseprobe 3 |
| Sechster Sonntag im Jahreskreis |
| Ballzauberer |
| Lesejahr A |
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Beitrag zum Evangelium
Einführung
An diesem Sonntag des Karnevalswochenendes wird ein Evangelium gelesen, das geeignet ist, die Stimmung gehörig zu verhageln. An den tollen Tagen sind die Regeln ja gerne einmal außer Kraft gesetzt. Und ausgerechnet heute hören wir, dass in der christlichen Nachfolge sehr viel mehr von uns verlangt wird als bloße Regelerfüllung. Ja, dass es besser ist, hinkend, blind oder auf sonstige Weise verstümmelt durchs Leben zu gehen, als sich von der Sünde verführen zu lassen. Das klingt nach Aschermittwoch, ist aber der Weg zur Glückseligkeit. Als goldene Regel für diese und alle Tage bleibt Jesu kurze Zusammenfassung: Liebe, das heißt respektiere und sorge dich um deinen Nächsten wie um dich selbst. Wenn Sie das tun, dürfen Sie heute und auch gern noch am Aschermittwoch singen: »Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind.«
Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist gekommen, um das Gesetz und die Propheten zu erfüllen. Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du forderst uns zu größerer Gerechtigkeit heraus. Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du weist uns den Weg zum Himmelreich. Herr, erbarme dich.
Tagesgebet
Allmächtiger Gott, du wohnst in den Herzen derer, die gerecht handeln und wahrhaftig leben. Schenke uns deine Gnade, damit wir zu Menschen werden, die deine Nähe vermitteln und bei denen andere sich aufgehoben wissen. Durch Christus, unseren Herrn.
Vorüberlegungen
Die Perikope des heutigen Sonntags bildet den zweiten Teil der Einleitung zur Bergpredigt. Nach den Seligpreisungen und dem Zuspruch, dass die Menschen in seiner Nachfolge Salz der Erde und Licht der Welt sind, stellt Jesus klar, dass er nicht gekommen ist, um das Gesetz und die Propheten abzuschaffen, sondern um sie zu erfüllen (und nicht, wie es in Gefahr einer antijüdischen Auslegung missverstanden werden könnte, um sie zu überbieten!). Die Predigt reflektiert über die Notwendigkeit von Regeln und ihre Bedeutung für unser Zusammenleben. Doch über das reine Funktionieren hinaus braucht es mehr, um eine Gesellschaft lebenswert zu machen und jedem einzelnen Menschen in ihr ein glückliches Leben zu ermöglichen. Hinter diesem »Mehr« in den zwischenmenschlichen Beziehungen, das letztlich den Willen Gottes für ein Leben in Fülle widerspiegelt, verbirgt sich der Weg zu Seligkeit und Himmelreich.
Liedvorschlag zur Predigt
GL 458 »Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt«
Predigt Zum Text: Mt 5,17–37 (Evangelium)
Wie das Runde in das Eckige kommt
Die vom Deutschen Fußball-Bund herausgegebenen Fußball-Regeln umfassen in der aktuellen Fassung 164 Seiten. Von der Beschaffenheit und Größe des Spielfelds bis zum Eckstoß und der Nachspielzeit legen sie fest, was es an Material und Ausrüstung für ein Fußballspiel braucht und was im Spiel erlaubt und was nicht erlaubt ist. Das ist alles notwendig, es sind die »Basics«. Doch ist damit, um ein legendäres Wort Sepp Herbergers aufzunehmen, das Runde noch lange nicht im Eckigen. Jede Partie folgt zwar den gleichen Regeln, ist aber nervenaufreibend-mitfiebernd-himmelhochjauchzend-zu Tode betrübt-wunderbar einzigartig. Noch einmal, ganz prosaisch, Sepp Herberger: »Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.« Jede Mannschaft ist taktisch anders aufgestellt und das Quäntchen Glück gehört sicher dazu. Es liegt aber vor allem daran, dass, wer die Regeln beherrscht, noch lange kein guter Fußballer ist. Alle Spieler und Spielerinnen verbindet mit Cristiano Ronaldo die Kenntnis des Regelwerks. Aber nicht alle haben seine Intuition, sein Ballgefühl, seine Spielpräsenz und seinen Torinstinkt (und sein Gehalt).
Regeln schaffen Verlässlichkeit
Dieses Beispiel lässt sich auf unser Zusammenleben übertragen. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der nicht auf die eine oder andere Weise geregelt ist: vom Straßenverkehr über die Steuern bis hin zum Haltbarkeitsdatum von Lebensmitteln. Und das ist wichtig. Es garantiert, dass wir uns auf die Dinge und Abläufe, mit denen wir täglich zu tun haben, verlassen können. Regeln geben Sicherheit, Planbarkeit und Ordnung. Sie steuern Abläufe und machen unsere hoch spezialisierte und effiziente Gesellschaft erst möglich. Die Verordnungen und Vorschriften, die es braucht, damit wir verlässlich jeden Morgen frische Brötchen auf den Tisch bekommen, sind mindestens so umfangreich wie das Regelwerk des Deutschen Fußballbundes.
Ein Miteinander jenseits des Minimums
Und doch reichen alle Regularien zusammen nicht aus, um unser Leben lebenswert zu gestalten. Das Einhalten von Gesetzen bewahrt uns davor, im Chaos zu versinken. Aber können Sie sich eine Gesellschaft vorstellen, in der alle nur das Nötigste tun? Mich fröstelt schon der Gedanke! Damit aus einer Gesellschaft eine Gemeinschaft wird, braucht es mehr – viel mehr. Erst Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Respekt, Engagement, Höflichkeit und Anstand füllen unsere Beziehungen mit Leben. Der Bäcker verkauft ihnen sicher die morgendlichen Brötchen. Aber wie viel besser starten Sie in den Tag, wenn er oder sie es noch mit einem Lächeln tut und Ihnen gute Besserung für Ihren Schnupfen wünscht? Wenn sich Menschen in Vereinen und Ehrenämtern engagieren, damit ein Brand gelöscht und die Katze vom Baum geholt wird; damit Kinder die Gemeinschaft eines Ferienlagers erleben können und andere in einer schwierigen Lebensphase Unterstützung und ein offenes Ohr bekommen? Wenn Menschen gemeinsam ein Dorf- oder Stadtteilfest organisieren oder gemeinsam gegen Intoleranz und Ungerechtigkeit aufstehen? All das ist nicht selbstverständlich. Es ist die Extrameile, von der Jesus an anderer Stelle spricht. Aber wie kalt und wie herzlos wäre unsere Gesellschaft ohne dieses »Mehr«?
Bekehrung, Gnade, Glück
Im heutigen Evangelium sagt uns Jesus, dass er natürlich nicht gekommen ist, um alle Regeln des Gesetzes abzuschaffen. Ganz im Gegenteil (auch wenn er sie im Zweifelsfall einmal bricht). Aber Regeln – und das weiß das Alte Testament genauso gut wie das Neue – allein reichen eben nicht aus. Es braucht ein Herz und einen Geist im Sinne Gottes (Ez 36,26). Das Gesetz verbietet es, einen anderen Menschen zu töten. Aber bereits Wut und Zorn können eine tödliche Atmosphäre schaffen, in der ein Klima der Angst regiert und unseren Mitmenschen die Luft zum Atmen nimmt. Und natürlich steht ein Mord immer am Ende einer Kette, die ganz klein mit Wut, Eifersucht oder Habgier begonnen hat. Sie können das selbst für die anderen Beispiele aus dem Evangelium durchbuchstabieren. Etwas Verbotenes nicht zu tun, ist das eine. Unsere Haltung im Herzen zu ändern, ist etwas ganz anderes. Es verlangt uns einiges ab. Das Christentum ist anspruchsvoll. Aber es wäre keine Erlösungsreligion, wenn Gott uns mit unserer Anstrengung allein lassen würde. Und es wäre eine Religion ohne Verheißung, wenn dieser Anspruch uns nicht schon jetzt und am Ende glücklich machen würde. Denn der Preis, den es zu gewinnen gibt, ist das Himmelreich, das es schon auf Erden zu verkosten gilt. Niemand hat gesagt, dass das leicht ist. Oder, noch einmal mit Sepp Herberger: »Das nächste Spiel ist immer das schwerste.« Aber am Ende sind wir Weltmeister.
Fürbitten
Guter Gott, in deinen Weisungen erkennen wir deinen guten Willen für das Wohl aller Menschen.
– Wir beten für alle, die sich in der Gemeinschaft der Kirche auf den schwierigen und freudigen Weg deiner Nachfolge gemacht haben. – Wir beten für alle, die unsere Gesetze machen, sie anwenden und über ihre Einhaltung wachen. – Wir beten für alle, denen Recht verweigert wird und die unter Gesetzlosigkeit und Gewalt leiden. – Wir beten für alle, die sich ehrenamtlich und solidarisch in Gesellschaft und Gemeinschaft engagieren. – Wir beten für alle, die sich schwer damit tun, ihre innere Einstellung zu ändern. – Wir beten für alle, die in der Hoffnung auf dich aus diesem Leben geschieden sind. Wir beten in dieser heiligen Messe [oder: in diesem Gottesdienst] besonders für [bitte Namen eintragen].
Denn du, Herr, kommst in unsere Welt und handelst, damit wir leben. Wir loben dich und danken dir durch Christus unseren Herrn. Amen.
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Sabine Schratz |
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