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Die Inhalte
der Zeitschrift
»Dienst am Wort«
Herausgeber
Leseprobe 2
22. Sonntag im Jahreskreis
Glaubens-Wege
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Sind Sie schon mal gepilgert zu den großen Wallfahrtsorten wie Santiago de Compostela oder Rom oder nach Israel? Oder war ein Wallfahrtsort in der Nähe [etwa …] einmal Ihr Ziel? Besonders wenn man zu Fuß unterwegs ist oder mit dem Fahrrad, ist nicht nur das Ankommen schön. Auch der Weg zu diesen besonderen Orten ist wichtig. Mit den Gesprächen. Mit der Erwartung auf eine besondere Erfahrung beim Ankommen am heiligen Ziel. Solche Wege spiegeln unsere Lebenswege wider mit der Erwartung, gute Lebensziele zu erreichen. Im Evangelium ist Jesus drei Jahre unterwegs bis zum Ziel seiner Reise, bis zum Höhepunkt seines Wirkens: seine Ankunft in Jerusalem. Dort ist der Gipfel seines Lebensweges: Kreuz und Auferstehung.

Kyrie-Ruf

GL 164 »Der in seinem Wort uns hält«

Tagesgebet

Allmächtiger Gott, wir stehen vor dir mit allem, was wir in dieser Woche erlebt haben, mit dem Schönen und Guten. Dafür sind wir dir dankbar. Mit dem Schwierigen und den Enttäuschungen, die wir erleben mussten. Auch die halten wir dir hin. Wir danken dir, dass wir jetzt bei dir verweilen können. Nimm an unsere Gebete und Lieder, unseren Dank und unsere Bitten. So beten wir zu dir durch unseren Herrn Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.

Vorüberlegungen

Mich haben drei Aspekte bei der Vorbereitung dieses Sonntags sehr angesprochen:
Das unterschiedliche Verhalten von Petrus und Jesus, vergleicht man das Evangelium vom 21. Sonntag mit dem vom 22. Sonntag im Jahreskreis. Am letzten Sonntag gab es eine tiefe Verbindung zwischen Jesus und Petrus, ausgelöst durch das Bekenntnis des Petrus zu Jesus. Am heutigen Sonntag ist viel Verstörendes zu lesen und Fremdheit zu spüren zwischen den beiden.
Jesus ist viel auf dem Weg. Auf diesem Weg lernen Petrus und die anderen Frauen und Männer, die nachfolgen, wer Jesus ist und was seine Botschaft ist. Man kann von den Erfahrungen mit Jesus nur in Geschichten erzählen. Etwas spitz formuliert: Durch das Lernen von Glaubenssätzen lernt man Jesus nicht kennen, sondern durch das Betrachten seines Weges und der Ereignisse auf seinem Lebensweg. Jesus fordert Petrus auf, hinter ihm her zu gehen. Er verwahrt sich dagegen, dass Petrus aufgrund seines Bildes von Jesus ihn vom Weg nach Jerusalem abhalten will. Während in der alten Einheitsübersetzung Jesus zu Petrus sagt: »Weg mit dir, Satan«, heißt es in der neuen Einheitsübersetzung: »Tritt hinter mich, du Satan«. Übersetzt heißt das doch: Petrus, du lernst mich nur kennen, auch als »Christus, den Sohn des lebendigen Gottes«, wenn du hinter mir hergehst und mir nachfolgst.
Glaubenssätze sind wichtig als Orientierung oder wie ein Wanderstab. Aber manchmal muss man ihre Bedeutung und ihren Inhalt durch Lebenserfahrungen neu buchstabieren und verstehen lernen. 

Liedvorschlag zur Predigt


GL 453 »Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott« oder
GL 553 »Jerusalem, du hochgebaute Stadt«

Predigt

Zum Text: Mt 16,21–27 (Evangelium)

Glaubenswege


Haben Sie das noch im Ohr? Dieses heftige Wort Jesu an Petrus im Evangelium eben: »Tritt hinter mich, du Satan!« Ein Ärgernis bist du mir! Eine deutliche Zurechtweisung des Petrus durch Jesus. Du Satan – Petrus wird beschimpft, weil er sich gegen Jesus stellt.
Dabei klang es im Evangelium vom vergangenen Sonntag ganz anders. Da bekannte sich Petrus klar und eindeutig zu Jesus und sagte: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Aufgrund dieses Glaubensbekenntnisses sagte Jesus zu Petrus: Du bist der Fels, auf den ich meine Kirche bauen werde. Was für ein Kontrast zwischen diesen beiden Evangelien, die nur wenige Verse auseinander liegen!
Das Bekenntnis zu Jesus Christus abzulegen, ist eine Seite. Eine andere aber ist es, dem Weg Jesu zu folgen. Als Jesus eine Möglichkeit dieses Weges benennt, nämlich sein Leiden und seine Hinrichtung in Jerusalem, lehnt Petrus diesen Weg ab. Dieser Weg passt nicht zu seinem Glaubensbekenntnis: Jesus als Christus, als Sohn Gottes! Glaubensbekenntnisse können fragwürdig werden Das eine ist, ein Glaubensbekenntnis zu sprechen. Aus diesem Glaubensbekenntnis zu leben, ist ein anderes. Lebenswege laufen nicht immer glatt. Das zeigt auch der Weg Jesu. Petrus wird aufgefordert, sich hinter Jesus zu stellen und ihm einfach nachzugehen. Er kann Jesus nicht einfach sagen, welchen Weg dieser gehen soll. Der Weg Jesu ist kein Wunschkonzert, wie es sich Petrus vorstellt, und wie er es im Bekenntnis ausgedrückt hat. Der Weg Jesu ist mit riesigen Herausforderungen versehen. Wir wissen alle, wie er geendet hat.

Herausgeforderter Glaube


Nicht nur auf dem Lebensweg Jesu wird sein Vertrauen in Gott, seinem Vater herausgefordert. Auch auf unserem Lebensweg gibt es viele solcher Herausforderungen. Und manches Mal gerät unser Glaube in Bedrängnis. Es gibt mehr Fragen als Antworten. Es gibt mehr Zweifel als Bekenntnis.
Als sie am Grab ihrer Tochter stand und stumm das Vaterunser mitbetete, gab es kein Echo des Glaubens in ihrem Herzen. Was ihrem Leben zugemutet wurde war zu schwer. In dieser Situation den Glauben beizubehalten und das Glaubensbekenntnis innerlich zu bejahen, war eine große Zumutung. Erst allmählich wuchs in der Mutter die Zuversicht, dass Gott auch im Tod ihrer Tochter nahe ist. Dass im Tod Himmel und Erde sich berühren und der Tod verwandelt wird in ewiges Leben, dieser Glaube musste in ihr neu wachsen. Aber sie verstand, warum in ihrer anderen Tochter der Glaube nicht wuchs.

Unser Lebensweg im Licht des Weges Jesu


In der Apostelgeschichte werden die Christen bezeichnet als Anhänger des Weges Jesu (Apg 9,2). Das bedeutet nicht nur, dass die ersten Christen sich absetzen von ihrem bisherigen Glaubensweg als Juden. Es bedeutet auch, den Weg Jesu zu betrachten und in Verbindung zu bringen mit dem eigenen Lebensweg. Jesus war herausgefordert, das Vertrauen in Gott, seinen Vater, nicht zu verlieren. In der Versuchungsgeschichte wird es sehr deutlich, wie Jesus ringen musste. In seiner Kreuzigung wird dieses Vertrauen noch einmal hart auf die Probe gestellt. So kann es auch in unserem Leben sein. Wenn etwas Bedrohliches vor uns auftaucht, dann wehren wir es ab: Nein, das möchten wir nicht! Wir hoffen, dass wir vor solchen Schwierigkeiten verschont werden. Verständlicherweise wollte auch Petrus die Voraussage über Jesu Leiden nicht akzeptieren. Aber die Wirklichkeit lässt uns oft keine Wahl.
Der tschechische Theologe Tomáš Halík hat zu dieser Seite unseres Glaubens, den Satz geprägt: »Die Wahrheit ist ein Buch, das noch keiner von uns zu Ende gelesen hat.« In Abwandlung möchte ich sagen: Der Glaube ist dein Buch, dass noch keiner von uns zu Ende gelesen hat.

Glaubenssätze als Wanderstock

Gott sei Dank haben wir dieses Buch des Glaubens, die Evangelien. Gott sei Dank haben wir den Gottesdienst, in dem wir den Glauben beten, singen, in Gesten und Sprechen ausdrücken können, damit er immer wieder in unser Leben hineinwirken kann.
Ich will ein anderes Bild gebrauchen: Der Glaube ist wie ein Wanderstock auf unserem Lebensweg. Manchmal möchten wir diesen Stock wegwerfen, weil er uns zu wenig stützt und uns nutzlos scheint. Manchmal aber sind wir dankbar, in ihm eine Stütze zu haben, ohne den wir nur schwerlich unseren Weg weitergehen können. Und manchmal nehmen wir diesen Stock gar nicht wahr. Wir tragen ihn locker in der Hand, weil der Weg leicht und eben ist und voller Segen. Gott sei Dank steht uns dieser Stock zur Verfügung: Unser Glaube an Jesus, den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes.
Weil Petrus hinter Jesus hergegangen ist – Gott sei Dank hat er die Aufforderung Jesu angenommen, sich hinter Jesus zu stellen und einfach mit ihm zu gehen – hat er nicht nur das unerträgliche Leiden Jesu erleben müssen, sondern durfte auch Zeuge seiner Auferstehung sein.
Das ist mein Gebet für Sie und mich: Im Lesen der Evangelien, im Betrachten des Weges Jesu möge der Glaube an Jesus Christus uns tragen und stützen.

Fürbitten

Als Jüngerinnen und Jünger in der Nachfolge Jesu sind wir hier versammelt. Wir wollen dir, Gott, für alle guten Erfahrungen danken und dich für die kommende Woche bitten:

– Um ein gutes Miteinander in der pilgernden Kirche, in der die Träger der verschiedenen Ämter, Dienste und Charismen in einem guten Miteinander für dein Reich wirken. – Stille –
Du Gott mit uns auf dem Weg:
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Um ein Leben frei von Gewaltakten, Kriegen und Terror, das allen Menschen der verschiedenen Länder, Völker und Ethnien Freiheit und Frieden ermöglicht. – Stille – 
Du Gott mit uns auf dem Weg:
– Um Nachhaltigkeit im Umgang mit den vorhandenen Ressourcen, damit auch nachkommende Generationen von den guten Früchten deiner Schöpfung leben können. – Stille –
Du Gott mit uns auf dem Weg:
– Um Wachsamkeit gegenüber Manipulation, gefälschten Nachrichten und Gruppenzwang, die uns hindern, entsprechend unserem Gewissen unseren Weg zu gehen und zu handeln. – Stille – 
Du Gott mit uns auf dem Weg:
– Um Hoffnung und Zuversicht für alle, die gerade schwierige Zeiten durchleben, deren Lebensweg gerade sehr holprig und unübersichtlich geworden ist. – Stille – 
Du Gott mit uns auf dem Weg:
– Um Dankbarkeit für alle Verstorbenen, mit denen wir gemeinsam Abschnitte unseres Lebens gegangen sind und denen wir viel verdanken. Beschenke sie mit deiner ewigen Nähe. – Stille –
Du Gott mit uns auf dem Weg:

Weil du mit uns bist, wenn wir das uns Mögliche tun, aber alles von dir erwarten, danken wir dir und preisen dich jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Karl-Heinz Sülzenfuß

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