|
Leseprobe 2 |
25. Sonntag im Jahreskreis |
Ein Gauner als Vorbild? |
Lesejahr C |
 |
Beitrag zum Evangelium
Einführung
Wenn wir im gemeinsamen Gottesdienst Gottes Wort aus der Heiligen Schrift hören, dann empfinden wir das manchmal als gewohnte Routine. Es kann sich aber lohnen, immer wieder einmal genau hinzuhören. Manchmal entdecken wir im Gehörten ein Hoffnungswort, das genau in unsere aktuelle Lebenssituation hineinspricht. Manchmal kann Gottes Wort aber auch ganz schön irritierend und herausfordernd sein, kann unsere festen Meinungen und auch unsere Gottesbilder in Frage stellen. Öffnen wir unsere Herzen, um in dieser Feier dem lebendigen Wort Gottes neu zu begegnen.
Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, dein Wort stärkt uns und fordert uns heraus. Herr, erbarme dich.
Du stehst an unserer Seite trotz all unserer Schwächen und Fehler. Christus, erbarme dich.
Du zeigst uns die grenzenlose Liebe Gottes. Herr, erbarme dich.
Tagesgebet
Heiliger Gott, du liebst uns Menschen – grenzenlos und bedingungslos. Dadurch ermutigst du uns, dich und unsere Mitmenschen zu lieben. Lass diese Liebe in uns wachsen und lass uns so den Weg zum wahren Leben finden. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung GL 422,1–3 »Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium GL 143,1–3 »Mein ganzes Herz erhebet dich« und GL 175/5 »Halleluja«
Gesang zur Gabenbereitung GL 186,1–3 »Was uns die Erde Gutes spendet«
Gesang zur Danksagung GL 395,1–3 »Den Herren will ich loben«
Schlusslied GL 456 »Herr, du bist mein Leben« oder GL 887,1–2 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Mit dir, Maria, singen wir«
Predigt Zum Text: Lk 16,1–13 (Evangelium)
Eine der erfolgreichsten Fernsehserien der letzten 20 Jahre war die amerikanische Serie »Breaking Bad«, die von dem an Krebs erkrankten Chemielehrer Walter White erzählt, der ins Drogengeschäft einsteigt, um seiner Familie ausreichend Geld hinterlassen zu können. Im Lauf der Serie taucht er immer tiefer ins kriminelle Milieu ein und verliert nach und nach alle moralischen Skrupel.
Die ganze Serie über schwankt der Zuschauer, ob Walter White nun in erster Linie ein Held oder ein Schurke ist. Und es ist tatsächlich besorgniserregend, dass man sich beim Schauen der Serie immer wieder dabei ertappt, dass man sich mit einem Mann identifiziert, der ganz furchtbare Dinge tut.
Mit Jesus im kriminellen Milieu
Nicht nur Breaking Bad, auch das heutige Gleichnis führt uns ins kriminelle Milieu hinein.
Im Zentrum steht ein Betrüger, und wir fragen uns vielleicht ein bisschen verwirrt: Will Jesus jetzt, dass wir den Mann als Helden oder als Bösewicht sehen? Sollen wir uns mit ihm identifizieren oder nicht doch eher empört über ihn sein? Empfiehlt Jesus uns etwa tatsächlich einen Betrüger als Vorbild?
Es ist das vielleicht schwierigste, wahrscheinlich das durchgeknallteste von allen Gleichnissen Jesu.
Wie passt das alles zusammen?
Die Verwirrung steigert sich noch, wenn wir hören, was Jesus nach diesem Gleichnis zu seinen Jüngern sagt. Das sind Worte Jesu, mit denen wir wahrscheinlich spontan mehr anfangen können als mit der vorangehenden eigenartigen Geschichte.
»Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen.« So etwas verstehen wir. Oder auch der bekannte Satz: »Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.«
So gesehen scheint es, dass der Verwalter in der Geschichte wohl doch eher ein Bösewicht ist, denn an diese moralischen Prinzipien hält er sich offensichtlich nicht.
Allerdings endet die Geschichte damit, dass der Gauner ausdrücklich gelobt wird, »weil er klug gehandelt hatte«. Hier scheint irgendwie alles nicht recht zusammenzupassen. Was nun?
Eine erste Überlegung, die uns vielleicht helfen kann, irgendwie durchzusteigen, ist, uns vorzustellen, wie Lukas sein Evangelium schreibt. Er hat eine ganze Fülle an Material vor sich: Sätze, die Jesus gesagt hat; Geschichten, die Jesus erzählt hat; Wundererzählungen, die über Jesus berichtet wurden; Berichte von Menschen, die Jesus im Gegensatz zu Lukas persönlich gekannt haben.
Lukas kann zunächst einmal überhaupt nicht alles in sein Evangelium hineinpacken. Er muss auswählen. Und er muss entscheiden, in welche Reihenfolge er all das, was er über Jesus erzählen will, bringen soll. Nun hat Lukas diese eigenartige Geschichte über den unehrlichen Verwalter vor sich. Lukas entscheidet sich, diese Geschichte gleich an das Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater anzuhängen.
Und dann hat er noch ein paar Lehrsätze Jesu über den Umgang mit Geld, die ihm am Herzen liegen, für die er bisher in seinem Evangelium aber keinen geeigneten Platz gefunden hat. Und so hat Lukas vielleicht einfach beschlossen: In der Geschichte geht es um Geld, da kann ich doch gut diese anderen Sätze Jesu über das Geld anhängen.
Diese eher moralischen Anweisungen Jesu über den Umgang mit Geld sind zwar wichtig – und wären eine eigene Predigt wert –, aber sie haben mit der eigenartigen Geschichte wenig zu tun und können uns eher nicht helfen, diese Geschichte zu verstehen.
Eher hilft uns schon, dass die Geschichte direkt an die Geschichte vom Vater und seinen beiden Söhnen anschließt. Im Verlauf des Lukasevangeliums spricht Jesus immer mehr von einem Gott, der seine Macht und Liebe gerade dann erweist, wenn Menschen am Ende sind, wenn sie schuldig geworden sind, wenn sie scheitern, wenn sie im buchstäblichen oder im übertragenen Sinn tot oder so gut wie tot sind.
Dann nämlich zeigt sich auf überwältigende Weise die Liebe Gottes. Das verlorene Schaf wird nach Hause getragen. Die verlorene Münze, die irgendwo herumliegt, wird gefunden. Der Sohn, der nichts mehr zum Leben hat, wird vom Vater aufgenommen und mit einem Fest willkommen geheißen.
Die Geschichte vom Gauner
Und nun diese bizarre Geschichte. Ein Verwalter, vermutlich ein Sklave, wird offensichtlich anonym beschuldigt, das Vermögen seines Herrn zu verschleudern, also zu veruntreuen. Offensichtlich treffen die Anschuldigungen auch zu, der Verwalter macht jedenfalls keine Anstalten, die Vorwürfe abzustreiten. Er wird fristlos entlassen und soll Rechenschaft über seine Verwaltung ablegen, also wohl Kassensturz machen und seine Bücher übergeben.
Es ist eigentlich recht witzig, wie der Verwalter nun über seine Zukunft nachdenkt, nachdem er rausgeflogen ist: »Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich.« Was bleibt? Vor der Übergabe der Bücher noch ein letztes großes Gauner-Ding zu drehen.
Er lässt die Schuldner seines Herrn antanzen und fälscht zusammen mit ihnen deren Schuldscheine – in der Hoffnung, dass später eine Hand die andere wäscht und sie ihn dann »in ihre Häuser aufnehmen«.
Und jetzt wird es komplett absurd. Der Herr kommt dem Verwalter auch dabei auf die Schliche. Aber anstatt ihn nach der Kündigung für diese Schurkerei jetzt auch noch vor Gericht zu ziehen oder ihm an die Gurgel zu gehen, ruft er in etwa aus: »Mensch, Junge, gratuliere! Du bist ein echtes Genie! Was für ein sagenhafter Einfall, das mit den Schuldscheinen!« Der Herr scheint komplett verrückt geworden zu sein.
Was passiert hier, und was sollen wir als Hörer dieser Geschichte daraus mitnehmen? Es ist nicht verwunderlich, dass sich die meisten Ausleger mit diesem Gleichnis extrem schwertun. Drei Gedanken können vielleicht weiterhelfen.
Aufruf zum klugen Handeln
Der erste Gedanke ist noch relativ brav. Er lässt sich aus den der Geschichte folgenden Sätzen ableiten, von denen wir nicht sicher sagen können, ob sie ursprünglich zu der Geschichte dazu gehört haben oder ob Lukas sie auch woanders her hat: »Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht.«
Die Geschichte will dann in erster Linie sagen: Der Gauner, ein Kind dieser Welt, war klug, als er gemerkt hat, dass es für ihn ernst wird. Er hat überlegt und dann entschlossen gehandelt, um dafür zu sorgen, dass er weiterhin gut leben kann.
Ihr Kinder des Lichtes sollt euch ebenso klar darüber werden, dass es auch für euch ernst wird, denn das Reich Gottes steht vor der Tür. Macht euch Gedanken und handelt entschlossen so, dass ihr gut im Reich Gottes leben könnt.
Der Gott, der nicht rechnet
Auch wenn das sicher nicht falsch ist und zu anderen Stellen passt, wo Jesus Ähnliches sagt, ist ein anderer Gedanke vielleicht noch wichtiger und überzeugender. Die Pointe ist, dass hier die ganze Buchhaltung über den Haufen geworfen wird. Der Verwalter sorgt dafür, dass das ganze System von Schulden und Abrechnung hinfällig wird. Jeder gibt einfach das, was er kann, und der Herr lässt es damit gut sein. Ja, ganz offensichtlich gefällt dem Herrn dieses neue System am Ende der Geschichte viel besser als das alte System der peniblen Abrechnung der Schulden.
Das passt perfekt zu dem Gott, den Jesus uns in den Geschichten zuvor gezeigt hat: der Hirte, der dem einen verlorenen Schaf nachläuft und nicht rechnet, ob es sich lohnt, die 99 zurückzulassen; die Frau, die die Drachme findet und dann mit ihren Freundinnen ein Fest feiert, das wahrscheinlich viel mehr kostet als eine Drachme; der Vater, der für den zurückgekehrten Herumtreiber eine Party schmeißt, noch bevor dieser ernsthaft bereut und ohne dass er etwas wieder gut machen könnte.
Gott hat aufgehört zu rechnen. Er schenkt seine Liebe und seine Vergebung ganz unabhängig davon, was wir vorzuzeigen haben oder ob wir es irgendwie verdient haben.
Jesus an der Seite der Gauner
Der letzte Gedanke hängt damit zusammen und treibt das Ganze auf die Spitze. Mit wem identifiziert Jesus sich selbst in der Geschichte, die er erzählt? Offensichtlich mit der eigenartigen Hauptperson, mit dem Verwalter, mit dem kleinkriminellen Gauner, der, als sein bisheriges Leben zu Ende geht, Schluss macht mit dem System der Abrechnung und großzügig den armen Schluckern ihre Schulden schenkt.
Jesus steht nicht in erster Linie auf der Seite der Anständigen, der Moralischen, derer, die im Leben alles mehr oder weniger richtig machen. Jesus identifiziert sich mit den Versagern, mit den Schuldigen, mit den Gaunern, mit den Sündern. Er stirbt am Kreuz den Tod eines Kriminellen und macht dabei Schluss mit der Vorstellung eines Gottes, der penibel abrechnet, was wir uns verdient haben und was wir schuldig geblieben sind, sondern der seine Buchhaltung aus der Hand legt und seine Arme weit ausbreitet, um alle Schuldigen und Verlorenen – und das sind wir alle – in seine Arme zu schließen.
Fürbitten
Vertrauensvoll tragen wir unsere Anliegen im fürbittenden Gebet vor Gott:
– Für unsere Kirche und für alle Menschen, die die frohe Botschaft von einem liebenden Gott verkünden. – Für alle, die Macht haben und Verantwortung tragen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien. – Für Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, für alle, die in moralischen Fragen um den richtigen Weg ringen. – Für alle, die Not leiden, für die Hungernden, für die Kranken und Verzweifelten, für die Menschen im Krieg und auf der Flucht. – Für alle Verstorbenen, die wir schmerzhaft vermissen, und für alle Toten, an die sich niemand mehr erinnert.
Gott, du hörst unser Beten. Unsere Sorgen und Anliegen sind dir nicht gleichgültig. Auf dich hoffen wir, dich loben und preisen wir heute und in Ewigkeit. Amen.
|
Dominik Weiß |
|
|
|
pastoral.de
|
Das bewährte
BasisProgramm
auf CD-ROM

oder
Die
Web-Plattform
im Browser
 |
Vergleichen Sie hier
|
 |
|
Bücher & mehr |
|
|