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| Leseprobe 2 |
| Fronleichnam |
| Fleisch und Blut und Brot |
| Lesejahr A |
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Beitrag zum Evangelium
Einführung
Noch mehr als sonst ist der Fronleichnamsgottesdienst ein Fest für alle Sinne: Wir riechen Blumen, sehen das Grün von Gras und jungen Bäumen, hören Musik, singen festliche Lieder, gehen bewusst durch die Straßen, feiern (essen und trinken) miteinander – und vor allem erspüren und verschmecken wir das Himmelsbrot, das heute im Zentrum steht: Leib und Blut Jesu Christi, der sich darin mit uns verbindet. Und der uns zu einer Gemeinschaft formt. Lassen wir uns mit unseren Sinnen darauf ein.
Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist jetzt mitten unter uns. Herr, erbarme dich.
Du willst unser Leben heilen und verwandeln. Christus, erbarme dich.
Du bleibst bei uns, wenn wir in unseren Alltag zurückkehren. Herr, erbarme dich.
Tagesgebet
Jesus Christus, du unser Bruder und Herr, wir feiern deine Hingabe: Du gabst dich den Menschen hin und warst ganz für sie da. Du gabst dein Leben hin im Sterben am Kreuz und wurdest auferweckt. Du gibst dich heute an uns hin im Brot des Lebens, in deinem Wort und in deiner Gegenwart, die uns begleitet. Öffne uns für das Geheimnis der Hingabe und schenke uns durch den Anteil an deinem Fleisch und Blut Kraft und Engagement, mit dir unsere Welt zu gestalten. Lob und Dank bringen wir dir, der du im Heiligen Geist mit Gott dem Vater lebst und liebst in Ewigkeit.
Vorüberlegungen
Die Rede von »Fleisch und Blut« Jesu Christi, das gegessen und getrunken werden soll, ist vermutlich für viele kirchenferne Menschen fremd und unverständlich, vielleicht sogar obszön. Dagegen sind Mitfeiernde der Gottesdienste von klein auf gewohnt, beim Kommunionempfang die Hostie bei den Worten »der Leib Christi« entgegenzunehmen. Die Verse aus dem Johannesevangelium, die die Leseordnung für das Fronleichnamsfest im Lesejahr A vorsieht, spiegeln sowohl die Provokation wider, die in diesen Begriffen zu finden ist – damals wie heute –, als auch die immense Bedeutung der eucharistischen Mahlgemeinschaft für die christlichen Gemeinden. Die Predigt versucht daran anzuknüpfen.
Liedvorschlag zur Predigt
GL 209 »Du teilst es aus mit deinen Händen«
Predigt
Zum Text: Joh 6,51–58 (Evangelium)
Das Evangelium zu diesem Fronleichnamsfest ist dicht gefüllt mit vielen Begriffen. In den acht Versen kommt sechs Mal das Wort »Fleisch« vor, genauso oft das Wort »Brot«. Von »Blut« ist vier Mal die Rede. Um das Essen geht es in jedem der Verse: »wer von diesem Brot isst« oder »wer mein Fleisch isst« oder »jeder, der mich isst«. Damit ist klar, dass dieser Abschnitt des Johannesevangeliums wie maßgeschneidert zum Fronleichnamsfest passt, dem Fest, bei dem die Eucharistie und der Leib des Herrn im Mittelpunkt stehen.
Missverständnisse
Es ist aber auch kein Wunder, dass diese Begriffe missverstanden werden können, sind sie doch sehr direkt, plastisch und körperlich. »Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?«, fragen sich einige jüdische Zuhörer, denen es aus religiösen Gründen verboten ist, Blut zu verzehren. Aber ist es nicht offensichtlich, dass Jesus etwas Anderes meinte als seinen Körper und seine Körpersäfte? Und doch bleiben die Begriffe mehrdeutig und offen für andere Sichtweisen. Damit spielt auch die religions- und kirchenkritische Skandaloper »Sancta«, die im vergangenen Jahr in Schwerin, Wien und Stuttgart aufgeführt wurde. Darin wird – vor laufender Kamera und auf eine große Leinwand projiziert – einer Protagonistin ein Stück Haut aus ihrem Rücken geschnitten, gebraten und in einer Persiflage auf die heilige Messe in einem Kelch dargereicht. In unserem Evangelium aber geht es nicht um körperliches Essen und es geht auch nicht darum, was in einen Magen hineingeht. Es geht Jesus Christus darum, was er für die Menschen ist; was sich in ihren Herzen und in ihrem Verstand abspielt; was sich in unseren Herzen und in unserem Leben ereignet.
»Aus Fleisch und Blut«
»Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.« In der deutschen Sprache sagt man: »Das ist ein Mensch aus Fleisch und Blut« und meint damit eine reale, wirklich existierende Person, ein Mensch zum Anfassen, mit Gefühlen, mit Kanten und Stärken und Schwächen, keine Maschine und keine künstliche Intelligenz. Ein Mensch aus Fleisch und Blut – das war Jesus von Nazareth. Ein Mensch, der für andere da war, aufmerksam, zugewandt, hingebungsvoll, heilsam. Der sich berühren ließ und andere berührte. Und der zugleich aus Gott war, vom »Vater gesandt«, um der Welt Leben zu schenken; der sich hingab in Leid und Tod und von Gott auferweckt wurde. Hingabe ganz und gar! Jesus Christus gab sich selbst hin, sein Fleisch und Blut, und eröffnete uns dadurch neues Leben. Er gibt sich hin wie lebensnotwendiges Brot und verbindet sich mit uns. Das ist wirklich ein »Geheimnis des Glaubens«, ein Geheimnis, in das ich mich nur hineinstürzen kann, vertrauensvoll, ihm folgend, manchmal zitternd und zagend. Ein Geheimnis, das uns auch miteinander verbindet. Gerade am Fronleichnamsfest feiern viele Gemeinden diese Verbindung mit Blumen und Gemeindefesten.
»Sein Fleisch und Blut«
»Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.« Im Deutschen sagt man auch: »Das ist mein Fleisch und Blut, mein eigen Fleisch und Blut«, und meint damit direkte Verwandte wie Kinder oder Geschwister. Ja, wir sind Fleisch und Blut Jesu Christi, auf immer miteinander verbunden. Auch wenn ich meine eigenen Wege gehe, wenn ich mich entferne oder ihn aus den Augen verliere; wenn ich zweifle oder aufbegehre, so bleibt er an meiner Seite, vielleicht still und unerkannt, wie ein Bruder, der nicht locker lässt, oder ein Freund, der einfach da ist. Gerade am Fronleichnamsfest feiern viele Gemeinden dieses Miteinander-Unterwegssein in öffentlichen Gottesdiensten, bei Musik und in Prozessionen.
»In Fleisch und Blut übergehen«
Die deutsche Sprache kennt noch eine weitere Redewendung: »In Fleisch und Blut übergehen.« Damit ist gemeint, dass etwas, sei es eine Handlung, ein Verrichten, ein Wissen, so verinnerlicht wird, dass es zur Selbstverständlichkeit wird. Meistens braucht es dazu Wiederholung oder Übung. Beim Autofahren etwa schalten wir ganz automatisch von einem Gang in den anderen, ohne darüber nachzudenken. »Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.« Wenn wir beim Kommunionempfang das heilige Brot in uns aufnehmen, dann nehmen wir Jesus Christus in uns auf, sein Wesen, seine Gegenwart, seine Liebe, seine Gemeinschaft. Wir lassen Jesus Christus in uns ein und lassen uns von ihm selbst verwandeln. Wir lassen ihn in unser Fleisch und Blut übergehen, werden selbstverständlich Träger Christi; wir verinnerlichen seine Wesensart, so dass wir von ihr eingefärbt werden und sie durch uns hindurchgeht in unsere Welt, hinein in unseren Alltag, in unseren Umgang miteinander, in unsere Handlungen. Mich berührt jedes Jahr bei der Fronleichnamsprozession der Gedanke, dass wir das heilige Brot in der Monstranz durch die Straßen tragen und es verehren, auch wenn gleichzeitig die im Zug der Prozession Mitgehenden fast alle kurz zuvor an der Kommunion teilhatten und so das heilige Brot in sich tragen. Ich stelle mir vor, dass wir alle, jede und jeder einzelne von uns, die wir an der Prozession teilnehmen, somit zu Monstranzen werden für Jesus Christus, das Lebensbrot. Durch uns lässt er wirklich werden, dass er in die Welt ausstrahlt. Auch durch unser brüchiges und vorläufiges Dasein hindurch. Mit jedem Kommunionempfang mag sich dieses Bild mehr und mehr in uns verinnerlichen. So mag Jesus Christus mehr und mehr in unser Fleisch und Blut übergehen.
Fürbitten
Jesus Christus ist zutiefst mit uns verbunden. Wir sind sein Fleisch und Blut. So können wir uns mit unseren Sorgen voll Vertrauen an ihn wenden.
– Wir sorgen uns um unsere gespaltene und von Kriegen gebeutelte Welt: Zeige Wege des Friedens und der Gerechtigkeit. (GL 474 Kehrvers »Jesus Christ, Feuer, das die Nacht erhellt, Jesus Christ, du erneuerst unsre Welt«) – Wir sorgen uns um unsere Kirche und Gemeinden: Sei du bleibende Orientierung in allen Veränderungen. – Wir sorgen uns um unsere Kinder und deren Zukunft: Behüte sie in deinem Segen und begleite sie auf ihren Wegen. – Wir sorgen uns um unsere Gesellschaft und den rauer werdenden Umgangston zwischen Menschen: Lass uns mit Respekt und Achtung aufeinander zugehen. – Wir sorgen uns um kranke und leidende Menschen, die uns nahestehen: Stärke sie und uns mit Vertrauen und Gelassenheit.
Jesus Christus, unser Bruder und Herr, mit dir wollen wir unterwegs sein. Dir wollen wir nachfolgen. Wir danken dir für deine Gegenwart in uns und unter uns, heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.
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Beate Jammer |
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