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»Dienst am Wort«
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Leseprobe 2
Dritter Sonntag der Osterzeit
Wenn die Seele müde ist – Christus geht mit
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Wie die Jünger unterwegs waren, so sind wir es auch: manchmal hoffend, manchmal zweifelnd, manchmal voller Kraft, manchmal erschöpft. In diesem Gottesdienst dürfen wir darauf vertrauen, dass der Auferstandene selbst unter uns ist: im Wort, im Brot, in der Gemeinschaft.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, du Weggefährte: Du gehst mit uns, auch wenn uns die Kraft fehlt.
Herr, erbarme dich.

Herr Jesus Christus, du Weggefährte: Du zeigst dich im gebrochenen Brot.
Christus, erbarme dich.

Herr Jesus Christus, du Weggefährte: Du bleibst bei uns, wenn wir unterwegs sind und Hoffnung suchen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Gott, du hast Jesus Christus ins Leben erweckt.
Er begleitet die müden Emmausjünger auf ihrem Weg. Auch wir sind manchmal müde vom Weg, müde von den Fragen und vom Warten. Der Auferstandene aber lässt uns nicht allein. Christus geht mit uns, auch wenn wir ihn nicht erkennen.
Höre du unsere Klagen, trage mit unsere Erschöpfung, bleibe du in Christus mit an unserer Seite.
Darum bitten wir dich, durch unseren Weggefährten Jesus Christus, mit dem wir dich auch loben und preisen, jetzt und in Ewigkeit.

Vorüberlegungen


Diese Predigt ist aus der Erfahrung erwachsen, wie tief Erschöpfung in unseren Alltag hineinreichen kann – körperlich, seelisch, geistlich. Die Emmausgeschichte berührt deshalb, weil sie zeigt, dass Jesus gerade den Müden und Enttäuschten nahekommt. Er drängt sich nicht auf, sondern geht mit, hört zu, teilt den Weg.
Die Predigt möchte nicht belehrend sprechen, sondern den Weg der beiden Jünger als Erfahrungsraum öffnen – ganz menschlich, ganz alltäglich. Es geht nicht zuerst darum, neue Kraft zu fordern, sondern darum, das leise Geschehen des Trostes wahrzunehmen: das wärmende Herz, das langsame Erwachen der Hoffnung.
Darum werden keine Forderungen gestellt, sondern Hoffnung geweckt, dass Christus überall dort gegenwärtig ist, wo wir ihn oftmals kaum erwarten – im gebrochenen Brot, in der Gemeinschaft und in den Menschen, die uns begleiten.

Liedvorschlag zur Predigt

GL 362 »Jesus Christ, you are my life« oder 
GL 325 »Bleibe bei uns, du Wandrer«

Predigt

Zum Text: Lk 24,13–35 (Evangelium)

Wie mit Blindheit geschlagen

Es gibt Tage, die uns auslaugen. Ereignisreiche Stunden, Gespräche, die nachklingen, Situationen, die uns überfordern oder gar erschrecken – am Ende bleibt oft dieses Gefühl, erschöpft zu sein. Körperlich, seelisch, manchmal bis tief hinein in die Hoffnung. Erschöpfung ist kein Phänomen unserer Zeit allein. Jede Epoche kennt ihr eigenes Müde-Sein, ob durch äußere Umstände, die Weltlage, den Druck, allem gerecht werden zu müssen, oder durch innere Lasten, die uns niederdrücken. Und doch gilt: In dieser Müdigkeit braucht es manchmal nichts so sehr wie einen neuen Blick – einen Perspektivwechsel.
Einen solchen erleben die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Ostern liegt hinter ihnen, das Grab ist leer – und trotzdem gehen sie fort. Fort von Jerusalem, fort von der Hoffnung, fort vom Leben. Ihre Gesichter sind müde, ihr Glaube erschüttert, ihr Herz verdunkelt von Enttäuschung. »Wir aber hofften …«, sagen sie – Worte, die nachklingen wie ein leiser Seufzer.
Die beiden Jünger erkennen Jesus nicht, obwohl er an ihrer Seite geht. Ihre Augen sind gehalten, die Trauer trübt ihren Blick. Vielleicht sind sie zu sehr gefangen in dem, was sie verloren haben. Vielleicht fehlt ihnen schlicht die Kraft zum Hinschauen.

Er legte ihnen dar

Und doch: Jesus sieht sie. Er spürt ihre Müdigkeit, er hört ihren Kummer. Er drängt sich ihnen nicht auf – er geht einfach mit. Schritt für Schritt, so wie sie es gerade schaffen. Er hört zu, fragt nach, erklärt die Schrift – nicht als Lehrer über ihnen, sondern als Begleiter neben ihnen. Während sie gehen, beginnt etwas Unmerkliches: Ihr Herz wird wärmer, etwas regt sich in ihnen – vielleicht zeigt sich schon ein zarter Funke Hoffnung, ein leises Aufwachen.
Ostern beginnt oft so unscheinbar – nicht im Jubel, sondern im wärmenden Herzen einer ahnenden Hoffnung.

Dann sahen sie ihn nicht mehr

Wie sind wir unterwegs in diesen Tagen? Wohin gehen unsere Gedanken, wenn wir müde sind? Vielleicht ist der Auferstandene auch an unserer Seite – nur dass wir ihn nicht erkennen, weil uns die Erschöpfung den Blick vernebelt.
Die Erzählung der beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus zeigt uns: Christus geht mit. Er begegnet uns im Wort, das uns stärkt, im Brot, das wir miteinander teilen, im Zusammensein, das Trost schenkt. In der Eucharistie öffnet er uns die Augen – nicht mit großen Worten, sondern durch Nähe. Er gibt sich selbst, damit wir aus seiner Kraft leben können.
Glaube ist kein »Sprint«, sondern ein Weg. Er kennt Umwege, Zweifel und mühsame Anstiege. Aber auch Wegstrecken, auf denen die Seele wieder atmet – wo Hoffnung sichtbar wird und das Herz zu brennen beginnt. Ostern heißt nicht: Alles ist leicht. Ostern heißt: Wir gehen nicht allein.

Sie brachen auf und kehrten um

Am Ende der Emmausgeschichte entschwindet Jesus. Nicht deshalb, um fernzubleiben, sondern damit die Jünger selbst aufbrechen. Der Weg, der wegführte von der Hoffnung, wird zum Rückweg ins Leben. Gestärkt, verwandelt, mit neuem Mut machen sie sich auf.
Das ist für mich die österliche Botschaft für uns heute: Christus, der Auferstandene, ist unser Weggefährte. Er geht mit – durch Müdigkeit und Zweifel, durch Fragen und Erschöpfung. Er bleibt, wenn wir stehen bleiben wollen. Er trägt die Hoffnung in unsere Leere hinein.

Der Herr ist wirklich auferstanden

Ich möchte uns ermutigen: schauen auch wir diese Tage auf die Spuren seiner Gegenwart. Wir können sie erkennen, in seinem Wort, im gebrochenen Brot, in der Liebe, die wir einander schenken.
Deshalb können auch wir österlich auf die Frage antworten: Wo ist Gott in meinem Leben?

• Ja, Christus ist gegenwärtig im gebrochenen Brot – in der Eucharistie, in der er sich selbst schenkt.
• Ja, Christus ist unter uns in der Gemeinschaft, die wir heute feiern – im Hören, Beten und Danken.
• Ja, Christus ist mit uns als Weggefährte – durch Menschen, die uns begleiten und stärken auf unserem Weg.

Fürbitten

Guter Gott, du gehst mit uns auf allen Wegen. In österlicher Hoffnung bringen wir unsere Bitten vor dich:

– Für unsere Welt: Wo Menschen wie die Emmausjünger enttäuscht und erschöpft unterwegs sind – durch Krisen, Krankheit oder Überforderung: Schicke ihnen Begleitung, die Hoffnung weckt. Gib Zuversicht inmitten von Mühsal und Beschwernis.
– Für Kranke und Leidende: Stärke die Müden und Trauernden, die nicht mehr genau hinschauen können. Lass sie deine Lebenskraft wahrnehmen und im Glauben wachsen, auch wenn sie zweifeln, bis dass ihre Herzen in Liebe brennen.
– Für die Erschöpften: Begleite die Menschen, die müde geworden sind vom Leben, und jene, die erschöpft sind durch Krankheit, Sorge oder Überforderung. Schenke ihnen Menschen, die ihnen zuhören, und lass sie deine Nähe spüren.
– Für die Mächtigen und alle, die Verantwortung tragen in Politik, Gesellschaft und Kirche: Bewahre sie davor, von Angst oder Macht geleitet zu werden. Bestärke sie darin, Wege des Friedens, der Gerechtigkeit und der Achtung vor dem Leben zu suchen.
– Für uns selbst: Öffne unsere Augen für deine Gegenwart im Alltag, stärke unseren Glauben auf den oft mühsamen Wegen und lass unsere Herzen brennen für das Leben.
– Für unsere Verstorbenen und für alle, die wir vermissen: Nimm sie auf in dein österliches Licht und vollende, was in ihrem Leben unvollendet blieb.

Guter Gott, du kennst unsere unausgesprochenen Bitten und das, was uns heute bewegt. Dir vertrauen wir uns an durch Jesus Christus, unseren Herrn und Weggefährten. Amen.

Holger Winterholer

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