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| Leseprobe 2 |
| Dritter Fastensonntag |
| Lautwerden für Menschen in Not |
| Lesejahr A |
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Beitrag zur Lesung
Einführung
Heute hören wir in der ersten Lesung von der Verzweiflung des Volkes Israels in der Wüste. Nach langer Wanderung haben sie Durst und wissen nicht mehr weiter. Sie schreien mit Mose zu Gott, der ihnen lebendiges Wasser schenkt. Auch wir bringen all das, was uns auf der Seele brennt, in dieser Feier vor unseren Gott. Er schenkt uns sein Wort und stärkt uns mit seinem Leib.
Liedvorschlag zur Predigt
GL 453 »Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott« GL 846 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Da wohnt ein Sehnen tief in uns«
Predigt
Zum Text: Ex 3,3–7 (1. Lesung)
Als Kind habe ich die Geschichten, die von Mose erzählen, geliebt. In meiner Vorstellung war er ein weiser Mann, der in jeder Situation ruhig geblieben ist und immer einen Ausweg wusste. Besonders angetan hat es mir natürlich die Erzählung, in der er das Meer geteilt hat. Komme, was wolle, Mose hatte in meiner Vorstellung immer einen Plan, wie es weitergehen soll.
In der heutigen Lesung bekommt das verklärte Bild meiner Kindheit einen ganz schönen Dämpfer. Das Volk ist müde, hat Hunger und Durst und macht Mose für die ausweglos erscheinende Situation verantwortlich. Plötzlich wird sogar die Situation der Unterdrückung in Ägypten verklärt, scheint sie doch in diesem Moment das kleinere Übel zu sein. Mose ist genauso überfordert und schimpft vor Gott über dieses Volk. Sorgen, Angst und Not kommen nicht immer leise und demütig daher, sondern haben eine große negative Kraft in sich.
Auch die Menschen heute sind in Not
In mir steigen Bilder auf, die ich gerade aus Deutschland kenne. Ich erlebe so viele Menschen, deren Hoffnung geplatzt ist, die Angst haben vor der Zukunft. Eigentlich wollten sie bis zu ihrer Rente in ihrem Betrieb arbeiten und ein gutes Auskommen haben, nun droht die Kündigung. Oder das Geld reicht schon jetzt, mitten im Arbeitsleben kaum – wie soll es denn dann im Ruhestand aussehen, wenn die Rente noch weniger ist? Manche Krankheit wird zum großen Problem, wenn gute Pflege einfach nicht mehr zu bekommen ist. Und über die Grenzen hinaus in andere Länder möchte man so oft gar nicht mehr schauen; die Angst, dass ein skrupelloser Machthaber Deutschland in einen Krieg zieht, ist nicht mehr weit weg. Wenn ich mit diesen Bildern vor Augen wieder Mose in unserer heutigen Lesung anschaue, ist er mir plötzlich viel näher als der Held meiner Kindheit. Eigentlich sollte er ja klug und besonnen reagieren, und doch stimmt er ein in das Schreien des Volkes Israels. Auch das ist eine Erfahrung, die wir vermutlich alle kennen: Manchmal findet man keine tröstenden Worte mehr. Oder sie wirken wie eine lahme Beschwichtigung, die dem Ernst der Situation nicht gerecht wird.
Not und Leid erfordern Auseinandersetzung
Es gibt Situationen im Leben, da kann man nicht mehr vertrauensvoll mit liebevollen Worten beten. Manchmal muss man sein Leid, seine Wut, seine Not hinausschreien. Angst verändert Menschen, lässt sie zornig und ungerecht werden. Und dann braucht es Menschen, die mit einem in die Auseinandersetzung gehen, die mit einem ringen, bis man gemeinsam einen Lösungsansatz gefunden hat.
Mose tut etwas, das ich in meinem Leben als guten Weg kennen gelernt habe, er bleibt auf Gottes Aufforderung hin nicht passiv, sondern sucht sich in den Ältesten des Volkes Mitstreitende und geht erste Schritte hin zu einer Lösung. Welch schönes Bild zeigt uns da diese Lösung: Wenn Menschen die ersten Schritte gehen, dann schenkt Gott das Ankommen dazu, plötzlich fließt aus einem unscheinbaren Stein das rettende Wasser.
Auch die Kirche muss für Menschen in Not laut werden
Diese Geschichte aus dem Alten Testament zeigt mir deutlich, was ich von meiner Kirche erwarte: Keine frommen Sonntagsreden, keine harmonisierenden Gebete, sondern eine Kirche, die mit den Armen und Verzweifelten zu Gott schreit. Eine Kirche, die sich anfragen lässt, die sich auseinandersetzt und auch Ohnmacht aushält. Eine Kirche, die eine laute Stimme in der Gesellschaft hat, nicht, um sich selbst darzustellen, sondern um für Menschen in Not die Stimme zu erheben.
Mose als echter Mensch
Wenn ich ehrlich bin, gefällt mir nun der neue Mose, den ich in dieser Lesung besser kennenlernen durfte, besser als der Held meiner Kindheit. Er zeigt mir, wie wichtig es ist, auch seine Verzweiflung und Überforderung vor Gott zu bringen, sich streitbar zu zeigen, um dann bereit zu sein für eine echte Lösung. Nur dann kann Gott wirken, wenn wir mit Leidenschaft für ein gutes Ende kämpfen. Seien wir doch gemeinsam laut vor unserem Gott, lassen wir unsere Angst und unsere Wut zu. Eine echte Beziehung hält das aus oder macht sie sogar noch stärker. Denn Lösungen werden uns oft nicht kampflos geschenkt, sondern müssen mit Leidenschaft erstritten werden.
Fürbitten
Wie Mose in der Wüste erheben auch wir unsere Stimme vor Gott und beten für alle Menschen, die seine Hilfe brauchen:
– Lasst uns beten für die Verzweifelten, die sich allein gelassen fühlen und nach denen niemand mehr schaut! (Schicke du ihnen lebendiges Wasser.) – Lasst uns beten für die Traurigen, die keine Kraft mehr haben, die nächsten Schritte zu tun. – Lasst uns beten für die Verbitterten, die niemanden mehr an sich heranlassen aus Angst, wieder verletzt zu werden. – Lasst uns beten für die Menschen, die Verantwortung übernommen haben in Kirche und Gesellschaft. – Lasst uns beten für die Hoffnungsvollen, die immer wieder andere anstecken mit ihrem Optimismus. – Lasst uns beten für uns und für alle, die wir lieben.
Gott, unser Vater, wir danken dir, dass du da bist, wenn wir zu dir schreien. Du gibst uns nicht auf, sondern suchst mit uns gemeinsam den heilenden Weg. Amen.
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Sabine Mader |
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