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Leseprobe 1 |
21. Sonntag im Jahreskreis |
Die enge Tür und Gottes weites Herz |
Lesejahr C |
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Beitrag zum Evangelium
Einführung
Wir dürfen heute wieder Gast sein bei unserem Gott, im Vertrauen darauf, dass seine Tür uns immer offensteht. Doch Glaube bedeutet auch Herausforderung. Gott braucht Menschen, die bereit sind, sich einzusetzen in der Nachfolge Jesu, zu ringen um den rechten Weg. Was bringen Sie aus den vergangenen Tagen mit? Die Erfahrung, bestärkt worden zu sein durch den Glauben? Oder fällt Ihnen das Ja zu Gott und ein konsequentes Leben aus dem Glauben derzeit eher schwer? So oder so gilt: Wir dürfen ihm unser Leben bringen. Sein Erbarmen ist groß, und er will uns heute stärken für unseren Weg.
Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, Gelungenes und Gescheitertes dürfen wir dir bringen. Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, unser Leben in der Nachfolge ist dir wichtig. Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du willst uns stärken für unser Leben aus dem Glauben. Herr, erbarme dich.
Tagesgebet
Großer Gott, in der Taufe hast du uns alle angenommen als deine geliebten Söhne und Töchter. Dein Evangelium gibt unserem Leben Richtung, Sinn und Ziel. Dein Geist macht uns stark für ein Leben in der Nachfolge Jesu. Gib uns den wachen Blick für deine Gaben und mach uns Mut, unseren Glauben im täglichen Leben zu bezeugen in Wort und Tat. Wirke durch unser Tun, damit in dieser Welt dein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit mehr und mehr wächst. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Liedvorschläge
Gesang zur Eröffnung GL 146,1–4 »Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch«
Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium GL 477, 1–2 »Gott ruft sein Volk zusammen« und GL 174/1 »Alleluia« mit Vers aus dem Lektionar
Predigtlied GL 461,1–4 »Mir nach, spricht Christus, unser Held«
Gesang zur Gabenbereitung GL 457,1–3 »Suchen und fragen, hoffen und sehn«
Gesang zur Danksagung GL 456,1.2.4 »Herr, du bist mein Leben, Herr, du bist mein Weg«
Schlusslied GL 478,3–5 »Die Kirche ist erbauet auf Jesus Christ allein«
Vorüberlegungen
In der Zeit Jesu war die Vorstellung von einem »Heiligen Rest« vertraut, der von Gott gerettet wird. In der Regel wurde damit das Volk Israel gleichgesetzt oder aber diejenigen, die den Geboten bis zum Schluss treu geblieben sind. Jesus greift diese Vorstellung auf, setzt allerdings andere Kriterien für die Rettung: Nicht Volkszugehörigkeit oder Treue zu Traditionen ist entscheidend, sondern der persönliche Glauben, das unbedingte Vertrauen auf Jesus und das Leben nach seinem Liebesgebot.
Jesus stellt dem Bild von der »engen« Tür ein Gegenbild von Weite entgegen, wenn er davon spricht, dass die Geretteten aus allen Himmelsrichtungen zusammenströmen, ein Bild, das mehr an eine Völkerwanderung denken lässt als an einen »Heiligen Rest«.
Die Vorstellung, dass es Menschen gibt, die Gott ablehnt, ist uns fremd geworden. Wir haben gelernt, dem Erlösungswillen Gottes keine Grenzen zu setzen. Die Predigt stellt beides nebeneinander: den liebenden Erlösungswillen Gottes und die Tatsache, dass Gott unser Handeln ernst nimmt. Sie ermutigt zu einem ernsthaften, aber angstfreien Blick auf unser Leben und Handeln.
Predigt Zum Text: Lk 13,22–30 (Evangelium)
Die enge Tür – kein einladendes Bild
Einladend wollen wir sein. Weit offene Türen soll die Kirche haben, damit Menschen mit ihren Sorgen und Fragen ankommen und sich willkommen fühlen können! Wie oft machen sich Seelsorgeteams, Kirchengemeinderäte und engagierte Gemeindemitglieder Gedanken darüber, wie wir für mehr Menschen ansprechend und einladend wirken können. Fachleute tüfteln an »niedrigschwelligen« Zugängen zu Glauben und Kirche.
Die Gedanken Jesu im heutigen Evangelium scheinen da in eine ganz andere Richtung zu gehen: Von einer engen Tür ist da die Rede und davon, dass diese Tür durchaus auch irgendwann verschlossen sein kann und kein Durchkommen mehr möglich ist. Um durchzukommen, gilt es »sich abzumühen«, so lesen wir. Ja, im griechischen Originaltext steht sogar das Wort für »kämpfen«: Kämpft darum, durch die enge Tür zu gelangen! Von wegen niederschwellig. Der Zugang zur Tür, von der Jesus spricht, will erarbeitet sein.
Die Tradition vom »Heiligen Rest«
Was ist das für eine Tür? Wohin führt sie? Was ist das für ein Ort, für den zu kämpfen es sich nach Ansicht Jesu offensichtlich lohnt?
Am Anfang steht die Frage der Jünger: »Sind es nur wenige, die gerettet werden?« Anders als für uns ist das für die Menschen damals ein vertrautes Thema. Schon die Propheten kennen den Gedanken, dass Israel als auserwähltes Volk Gottes so etwas wie der »Heilige Rest« der Menschheit ist, den Gott vor dem ewigen Verderben bewahrt. In der Zeit Jesu gab es einflussreiche Gruppen, die den Gedanken zuspitzen: Nur diejenigen sind gerettet, die alle Gebote des jüdischen Volkes treu befolgt haben! Wer kann das schon von sich sagen? Also können ja wohl nicht viele gerettet werden. Wenige gehören dazu – die vielen bleiben draußen und sind verdammt. Solche Vorstellungen eigneten sich dann hervorragend dazu, den Menschen Angst einzujagen und das Selbstbewusstsein der eigenen kleinen Gruppe zu stärken: Wir sind die Guten. Wir gehören dazu.
Das wiederum gab es nicht nur zur Zeit des irdischen Lebens Jesu. Auch unsere Kirche kannte bis vor wenigen Jahrzehnten Höllenpredigten, die Angst vor der Verdammnis schürten. Und manche Sekten, leider auch extreme Gruppen in unseren Kirchen, sehen sich noch heute als den »Heiligen Rest«, der gerettet ist, und schauen herab auf die vermeintlich schlechteren Christen, die nicht dazu gehören und von Gott verworfen sind.
Unser Leben zählt vor Gott
Ist das wirklich Jesu Verkündigung? Will er den Seinen wirklich Angst davor einjagen, nicht gut genug zu sein für einen Platz bei Gott? Schauen wir genauer hin:
Jesus antwortet auf die Frage seiner Jünger nicht: Alle ohne Unterschied werden gerettet. Denn das hieße dann eben auch: Es ist letztlich vor Gott gleichgültig, was ihr tut. So ist es eben nicht: Unser Leben zählt vor Gott. Er braucht Menschen, die entschieden Ja sagen zum Glauben, die Zeugnis geben von diesem Glauben, auch dann, wenn sie damit nicht nur Zustimmung ernten. Die nach Jesu Gebot selbstlos lieben, auch dann, wenn die Liebe nicht erwidert wird.
Für uns kann das heißen: Ja, seid einladend, werbt für den Glauben in unserer Kirche. Aber lügt den Menschen nicht vor, dass Christsein so etwas sei wie eine religiöse Wellnessveranstaltung. Oder ein Weg zu einem Leben ohne Sorgen, Probleme und Schmerzen. Zum Weg mit Jesus gehört auch das Kreuz. Christliches Leben bedeutet gewiss nicht nur, aber schon auch immer wieder einmal zu kämpfen. Aber, so Jesus, der Kampf lohnt sich! Denn so bleibst du auf dem Weg, der für dich und die Mitmenschen zu einem guten, erfüllten Leben führt. So trägst du bei, dass Jesu Vision vom Reich Gottes, einem Leben in Frieden und Gerechtigkeit für alle, Wirklichkeit werden kann.
Was nicht zählt vor Gott
Dann aber sagt Jesus noch mehr, und damit bricht er das enge Bild des »Heiligen Restes der Perfekten« auf, damit schafft er große Weite:
Zum einen erteilt er allen Ideen eine Absage, nur eine bestimmte Gruppe von Menschen könne zu den Geretteten gehören. Für Gott zählt nicht, ob einer Jude oder Heide ist, ob er zu dieser oder jener Konfession oder Partei gehört. Für Gott zählt allein, was jeder Mensch ganz persönlich tut. Gutes tun statt Böses, jeder nach seinen Möglichkeiten. Seinem Gewissen folgen. Nicht auf irdische Mächte vertrauen, sondern auf Jesus Christus. Er ist der Weg durch die enge Tür. Der Glaube an ihn, ein Leben nach seinem Gebot der Liebe, das Vertrauen auf seine Barmherzigkeit, das allein zählt.
Zum anderen spricht Jesus gar nicht von einem »Heiligen Rest«, von wenigen, die gerettet werden können, im Gegenteil! Von Norden, Süden, Osten, Westen werden sie kommen, aus allen Himmelsrichtungen werden sie herbeikommen und zusammenströmen! Jesus ist offensichtlich optimistisch: Er vertraut auf das Gute im Menschen und rechnet damit, dass viele sich berühren und locken lassen von seiner Botschaft, vom Weg des Evangeliums.
Gottes Tisch hat Platz.
Für jede und jeden Nein, keine Rede von Drohbotschaft und Höllenpredigt, Jesus macht Mut, nicht Angst! Ja, du kannst gerettet werden, so heißt das Evangelium. Und ja, es braucht dafür deinen Einsatz. Aber der lohnt sich. Der Tisch im Reich Gottes ist reich gedeckt, auch für dich.
Das sollen alle wissen! Deshalb ist es gut, wenn wir die Türen unserer Kirchen und Gemeinden weit öffnen und die Menschen einladen. Machen wir es wie Jesus: Vertrauen wir auf das Gute im Menschen, rechnen wir damit, dass er durch unser Zeugnis viele berühren und begeistern kann und in seine Nachfolge ruft. Vielleicht nicht per Mitgliedschaft in einer bestimmten Gruppe, Konfession oder Gemeinde. Aber, das haben wir ja gerade gelernt: Darauf kommt es am Ende, wirklich am Ende, auch nicht an.
Fürbitten
Großer Gott, du zeigst uns den Weg zu einem gelingenden Leben für uns und für deine ganze Schöpfung. Jede und jeden brauchst du, der bereit ist, diesen Weg zu gehen und sich einzusetzen für eine Welt nach deinem Willen. Wir vertrauen darauf, dass du uns für diese Aufgabe stärkst mit deinem Beistand. So bitten wir:
– Wir bitten für die Regierenden, die Verantwortung tragen für Krieg und Frieden, für eine gerechte Gesellschaft, für einen nachhaltigen Umgang mit deiner Schöpfung: (Stärke uns mit deinen Gaben!) – Wir bitten für alle, die Menschen in Not helfen, die sich einsetzen in Kriegsgebieten und Flüchtlingslagern, bei Naturkatastrophen und in der Hungerhilfe: – Wir bitten für Papst Leo, unseren Bischof N. und alle Frauen und Männer, die in deiner Kirche Verantwortung tragen: dass dein Evangelium glaubwürdig verkündet und gelebt wird: – Wir bitten für alle, die in ihrem Glauben müde und verzagt geworden sind, für alle, die von den Anforderungen ihres Alltags überfordert sind: – Wir bitten für die Schwerkranken und Sterbenden und für alle, die ihnen beistehen und sie pflegen:
Gott, du mutest uns manches zu auf unserem Weg der Nachfolge. Aber du lässt uns dabei niemals allein. Jesus hat uns gezeigt, dass du uns auf den Kreuzwegen des Lebens besonders nahe bist und unsere Lasten mitträgst. Dafür danken wir dir und preisen dich, heute und bis in Ewigkeit. Amen.
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Stefan Möhler |
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