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Die Inhalte
der Zeitschrift
»Dienst am Wort«
Herausgeber
Leseprobe 1
13. Sonntag im Jahreskreis
Unbequem
Lesejahr A
Beitrag zum Evangelium

Einführung

Die Worte Jesu können manchmal sehr unbequem sein. Nicht nur unbequem für andere, sondern vor allem unbequem für uns. So ist das auch im heutigen Evangelium. Jesus sagt, wer zu ihm passt und fordert uns auf, mit ihm zu gehen. Und das hat Folgen.

Kyrie-Ruf


Herr Jesus Christus, du gehst deinen Weg mit Gott.
Herr, erbarme dich.

Wir folgen dir, so gut wir es eben können.
Christus, erbarme dich.

Durch unser Mitgehen verändert sich unser Leben.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Guter Gott,
wir folgen den Spuren deines Sohnes.
Führe uns in das Geheimnis seiner Gegenwart, damit wir mit ihm gehen
und das Leben finden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir lebt und dem wir folgen.

Vorüberlegungen


Das Evangelium ist unbequem und herausfordernd. Es wird verständlicher, wenn man die Aussagen Jesu zum einen mit dem ersten Gebot (Ex 20,3) in Verbindung bringt und zum anderen die aktive Aufnahme des eigenen Kreuzes als Konsequenz der Nachfolge Jesu versteht. Verständlicher wird es, unbequem bleibt es. Das bekannte Kirchenlied »Mir nach, spricht Christus, unser Held« bietet die Möglichkeit, den Inhalt zu vertiefen.

Liedvorschlag zur Predigt

GL 461 »›Mir nach‹, spricht Christus, unser Held«

Predigt
Zum Text: Mt 10,37–42 (Evangelium)

Unangenehm …


»›Mir nach‹, spricht Christus, unser Held, mir nach, ihr Christen alle!« Klar und deutlich ruft Jesus in diesem Kirchenlied zur Nachfolge auf. Das, was er sagt, ist anspruchsvoll. Und es ist unangenehm.

… sind die Worte Jesu …

Der Liedtext stammt aus dem 17. Jahrhundert. Er bezieht sich auf das heutige Evangelium. Dort hören wir einen unbequemen Jesus: »Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.« – »Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.« Und schließlich: »Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.«

… und sie ziehen eine klare Trennlinie.

»Ist meiner nicht wert.« Das heißt mit heutigen Worten: Der oder die passt nicht zu mir. Mit ihr oder ihm habe ich nichts zu tun. Das ist eine klare Aussage – das ist eine klare Trennlinie. Jesus sagt, wer zu ihm passt und wer nicht. Dabei spricht er nicht nur seine damaligen Zuhörerinnen und Zuhörer an. Jesus meint uns. Uns, die wir als Christinnen und Christen seinen Namen tragen. Jesus provoziert. Wirklich verstehen können wir das, was er sagt, nur auf dem Hintergrund seines eigenen Glaubens.

Auf dem Hintergrund des ersten Gebotes …


Jesus war ein gläubiger Jude. Zu den Grundlagen seines Glaubens gehören die Zehn Gebote, die Moses dem Volk Israel überbrachte. Dort spricht Gott gleich im ersten Gebot: »Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.« Das Gebot ist eindeutig. Am Anfang von allem und über allem steht Gott. Niemand und nichts anderes hat Platz neben ihm. Erst das vierte Gebot sagt dann: »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.« Vater und Mutter zu ehren, ist zwar so wichtig, dass es in den Zehn Geboten steht. Doch steht es nicht an erster Stelle. Denn an erster Stelle steht allein Gott. Nur Gott.

… wird Jesu Wort zugleich verständlicher und herausfordernder.

Die Forderung Jesu, ihn mehr zu lieben als Vater und Mutter, kommt damit dem ersten Gebot sehr nahe. Die jüdischen Zuhörerinnen und Zuhörer seiner Zeit haben die Verbindung zum ersten Gebot vermutlich sofort verstanden. Die einen waren empört. Die anderen haben in ihm den Messias, den Christus, gesehen. Sie passen zu ihm und folgen ihm: sie. Doch das hat einen Preis.

Die bewusste Entscheidung, Jesus nachzufolgen, hat Konsequenzen

Denn wer sich zu Jesus Christus bekennt, wer also zu ihm passt, der nimmt auch die Folgen dieses Bekenntnisses auf sich. Die Folge heißt, das eigene Kreuz auf sich zu nehmen. Es wird mir nicht durch andere auferlegt. Mein Kreuz nehme ich selbst auf. Hinter Jesus herzugehen und ihm auf seinem Weg zu folgen, ist die eigene, aktive und bewusste Entscheidung. Es ist ein Ja zu allem, was eine Folge dieser Entscheidung ist. Mein Kreuz aufzunehmen, bedeutet daher nicht, Schicksalsschläge oder Krankheit demütig zu ertragen. Es sind vielmehr die Konsequenzen, die aus der Nachfolge Jesu entstehen.

… für das eigene Leben.

Doch warum sollte man das überhaupt tun? Was ist so besonders an Jesus, dass man ihm nachfolgen möchte und sogar dazu bereit ist, die Konsequenzen zu tragen? Der Schlüssel zur Antwort auf diese Frage liegt in der nächsten Aussage Jesu im Evangelium: »Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.« Das klingt wie eine allgemeingültige Lebensregel. Die folgende Übersetzung fasst den Sinn schärfer: »Wer sich bereits selbst gefunden hat, der wird sich verlieren, doch wer sich selbst um meinetwillen verliert, der wird sich selbst finden.«

Ein Leben in der Nachfolge Jesu …

Es geht um mich selbst. Es geht um die Frage, was ein erfülltes Leben ist. Wer meint, sein Leben, sich selbst, bereits gefunden zu haben, der hat damit meistens das Streben nach Ruhm, Macht, Besitz und Erfolg im Sinn. Doch das führt nicht zur Erfüllung, sondern zum Verlust. Denn auf diesem Lebensweg bleibt man selbst, bleiben die Mitmenschen, die Schöpfung und damit auch Gott auf der Strecke. Es ist ein Leben, das nicht verbindet, sondern trennt. Ein verlorenes Leben.

… führt auf einen neuen Weg …

Wer sein bisheriges Leben jedoch verloren hat, weil er sich am Vorbild Jesu orientiert, der wird sein Leben finden. Der wird ein Leben finden, dass ihn oder sie mit sich selbst, mit den Mitmenschen, mit den Mitgeschöpfen und mit Gott verbindet. Die Wüstenmönche des 4. Jahrhunderts drückten diesen Sinneswandel mit wenigen Worten aus: »Du willst deinen Weg finden – verlasse deinen Weg.« Es ist schon auffallend, dass es oft Kinder aus reichen Elternhäusern sind, die ihren vorherbestimmten, wohlhabenden Weg verlassen und stattdessen ihren Weg mit Gott gehen. Beispiele für diese Kursänderung sind Heilige wie Augustinus, Franz und Klara von Assisi, Ignatius von Loyola oder Teresa von Avila.

… der durchaus unbequem und anstrengend ist.

Doch diese Kursänderung ist nicht einfach. Sie durchzuhalten erst recht nicht. Leben in der Nachfolge Jesu ist daher ein Kampf – ein Kampf vor allem mit sich selbst. Doch ein Kampf, der sich lohnt, weil wir auf diese Weise zu Jesus »passen« und zu uns selbst finden. So wie das Lied sagt: »Wer nicht gekämpft, trägt auch die Kron des ewgen Lebens nicht davon.« Oder weniger martialisch: Unser Leben ist eine Reise, in der wir nicht nur dem Namen nach zu Christus gehören, sondern uns mehr und mehr auf ihn einlassen und damit das Leben gewinnen.

Fürbitten


Herr Jesus Christus, dich suchen wir als den Erlöser. Dich bekennen wir als den Retter. Wir rufen zu dir:

– Für unsere Welt, die sich so nach Frieden sehnt, bitten wir um deinen Frieden.
(Wir bitten dich, erhöre uns.)
– Für alle, die nach dem Sinn in ihrem Leben suchen, bitten wir um deine Gegenwart.
– Für alle, die mit ihrem Glauben ringen, bitten wir um deinen Heiligen Geist.
– Für alle, die von Schmerz, Leid und Krankheit getroffen sind, bitten wir um deinen Beistand.
– Für alle Sterbenden und für unsere Verstorbenen bitten wir um das ewige Leben. Wir beten einen Moment in Stille.

Du, Jesus Christus, führst uns ins ewige Leben. Dir danken wir, dich loben wir, jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen. 

Michael Wollek

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