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| Leseprobe 1 |
| Osternacht |
| Das Geheimnis des Lebens |
| Lesejahr A |
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Beitrag zum Evangelium
Einführung
In dieser Nacht feiern wir das Fest des Lichtes und des Lebens. An vielen Orten wird heute das Osterfeuer entzündet und leuchtet für unsere manchmal so dunkle Welt draußen, aber auch für uns selbst, für unser ganz persönliches Leben. Dunkelheit, Tod und Trauer haben nicht das letzte Wort, Zweifel und Sorgen werden verwandelt, damals und heute. Gott rührt uns – zart, leise, wie einer, der uns bei der Hand nimmt und uns in sein Geheimnis führt. So dürfen wir jetzt miteinander in diesen Gottesdienst eintreten – mit allem, was uns bewegt: vielleicht mit mancher Müdigkeit, mit Sorge oder Angst, doch auch mit Freude und Zuversicht. Gott ruft uns zusammen, damit wir seine Osterbotschaft hören – und lernen, in ihr zu leben. Christus spricht: »Ich war tot, und siehe – ich lebe.« So dürfen wir glauben: Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaft auferstanden!
Kyrie-Ruf
Herr Jesus Christus, du bist das Licht, das in die Dunkelheit unserer Welt hineinleuchtet. Wo wir noch am Grab stehen und suchen, rufst du uns schon ins Leben. Herr, erbarme dich.
Auferstandener Christus, du begegnest uns auf unseren Wegen, in Furcht und in Freude, im Zweifel und im Glauben. Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du führst uns an der Hand in das Geheimnis des Lebens hinein. Mach uns zu Menschen, die deinem Licht vertrauen. Herr, erbarme dich.
Tagesgebet
Gott des Lebens, du hast in der Auferstehung deines Sohnes das Dunkel der Welt durchbrochen und verwandelst Trauer in Hoffnung, führst uns hinein in dein Geheimnis, das Leben, das stärker ist als der Tod. Lass uns glauben, dass dein Licht auch unsere Nacht erhellt und deine Liebe keine Grenzen kennt. Dir vertrauen wir durch Christus, unseren Herrn.
Vorüberlegungen
Manchmal beginnt Ostern leise. Nicht mit Posaunen und Jubel, sondern mit einem tastenden Gehen – so wie bei den Frauen am Grab. Sie kommen früh am Morgen, noch in der Dunkelheit, voll Trauer, voller Fragen. Sie wissen nicht, was sie erwartet. Dann geschieht etwas, das alles verändert: Ein Engel, Licht, Bewegung, ein Stein, der weggerollt ist. Und mitten in der Erschütterung hören sie die Worte: »Fürchtet euch nicht! Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!« Diese Botschaft ist zu groß, um sie sofort zu begreifen. Die Frauen laufen los – gefühlsmäßig zwischen Furcht und Freude, zwischen Zittern und Glauben. Und dann, auf dem Weg, begegnen sie Jesus selbst. Nicht im Grab, sondern auf dem Weg. Er spricht sie an, ganz schlicht: »Seid gegrüßt!« Vielleicht ist das ein entscheidender Punkt: Ostern ereignet sich nicht dort, wo wir den Tod vermuten, sondern dort, wo wir uns wieder auf den Weg machen. Das ist auch der rote Faden der Predigt: Gott führt uns – wie das Mädchen ihren Großvater – an der Hand in sein Geheimnis hinein. Nicht, um es zu erklären, sondern um es mit uns zu teilen. Damit wir darin leben können: im Vertrauen, in der Hoffnung, im Licht. Liedvorschlag zur Predigt GL 383 »Ich lobe meinen Gott« oder GL 707 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg–Stuttgart) »Herr, du bist die Hoffnung«
Predigt
Zum Text: Mt 28,1–10 (Evangelium)
Das Geheimnis des Lebens
»Ich verrate dir jetzt ein Geheimnis«, sagte das kleine Mädchen zu ihrem Großvater. Er war wieder traurig – denn Oma war vor einem Jahr gestorben. Sie nahm ihn bei der Hand, führte ihn in die alte Scheune, löste vorsichtig einige Bretter hinter dem Heuhaufen und zeigte ihm drei kleine Dinge: Ein Schneckenhaus, eine Feder und ein Fläschchen mit Duftöl. »Das ist mein Schatz!«, sagte sie leise – und legte den Finger auf die Lippen: »Pst!« Der Großvater nickte nur. Sie erklärte ihm nicht, was diese drei Dinge bedeuten sollten. Aber er spürte: Sie hat ihm ihr Geheimnis anvertraut. Und dieses Vertrauen – das rührte ihn tief. Auf einmal war er gar nicht mehr so traurig, obwohl er seine Frau immer noch vermisste.
Das Wesen eines Geheimnisses
Ein Geheimnis teilt man nicht mit jedem. Nur mit Menschen, die einem wichtig sind. Nur mit jenen, denen man vertraut, wie das Mädchen ihrem Großvater. So dürfen auch wir das Ostergeheimnis verstehen: als ein Geheimnis, das Gott uns anvertraut, weil wir ihm wichtig sind. Vielleicht ist Gott wie jemand, der uns an Ostern bei der Hand nimmt, uns in sein Geheimnis hineinführt und uns einen Blick auf seinen kostbarsten Schatz schenkt: »Im Tod ist das Leben.« Das ist das Geheimnis des Glaubens.
Kein Rätsel – vielmehr ein Raum
Aber Vorsicht – das Ostergeheimnis ist kein Rätsel! Ein Rätsel will gelöst werden, damit man es danach weglegen kann. Ein Geheimnis aber will bewohnt werden. Es begleitet uns im Alltag, es wächst mit uns, wir werden mit ihm vertraut, werden in ihm heimisch, lebendig. Gott vertraut uns sein Geheimnis an, damit wir darin leben – damit wir aus diesem Geheimnis der Auferstehung leben können. Doch wie ist das zu verstehen?
Vom Hören zum Leben
Im Evangelium hören wir, wie Menschen, die in Trauer und Enttäuschung gefangen waren, durch die Botschaft eines Engels berührt wurden. Nach und nach kam Hoffnung zurück, wurde der Mut stärker, öffnete sich Zukunft. Es war, als hätten sie die Osterbotschaft nicht nur gehört, sondern bewohnt. Sie ließen sich berühren, ihr Herz wurde offen, ihr Blick weit. Vielleicht kann uns das der Großvater lehren. Er ließ sich von seiner Enkelin und »ihrem Geheimnis« berühren, sein Herz öffnen und an die Hand nehmen – und er erinnerte sich an die drei Zeichen, die ihm das Mädchen gezeigt hatte. Vielleicht könnten diese auch für uns drei Zeichen des Lebens werden: Das Schneckenhaus: Wir dürfen uns immer geborgen wissen. Gott ist da – und nimmt uns an der Hand. Die Feder: Wir müssen das Leben nicht immer schwernehmen. Es gibt einen Weg, eine Tür, durch die Licht hereinfällt. Das Duftöl: Es breitet sich über Grenzen hinaus, überwindet Mauern des Zweifels. Es riecht nach Leben, nach Weite, nach Auferstehung. Gott führt hinaus – bis an den Horizont.
Das Ostergeheimnis
Vor diesem Ostergeheimnis können auch wir nur staunend dastehen – wie jene Frauen am Grab und später auch die Jünger. Die durften hineinschauen und einen Blick wagen, der alles verwandelte und sie zu Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung machte. Wir könnten Zuschauer bleiben, draußen am Eingang. Oder wir lassen uns tiefer hineinführen – lassen den Duft der Auferstehung und des Lebens in unsere Seele ziehen, damit wir wirklich aus dem Geheimnis leben. Denn der Engel spricht: »Er ist nicht hier – er ist auferstanden!« Und dieser Auferstandene will auch dich bei der Hand nehmen, dich in das tiefere Geheimnis deines Lebens führen – und dich darin wohnen lassen!
Fürbitten
Gott du zeigst dich in dieser Nacht des Wachens und in all unseren Dunkelheiten als ein Gott des Lichtes und des Lebens.
Dich bitten wir: – Für Menschen, die trauern, zweifeln, keine Hoffnung mehr sehen: Lass dein Licht in ihre Dunkelheit leuchten und zeige ihnen Wege des Lebens. – In Christus schenkst du uns das Licht: (Wir bitten dich, erhöre uns.) – Für Menschen in Politik, Kirche und Gesellschaft, die Entscheidungen für andere treffen müssen: Schenke ihnen Mut, Weisheit und Mitgefühl. – In Christus schenkst du uns das Licht: – Für alle, die im Krieg leben, für Geflüchtete, für Menschen in Angst und die Gewalt erfahren: Lass Ostern werden und Frieden – in vielen Herzen und zwischen Völkern. – In Christus schenkst du uns das Licht: – Für uns hier, die wir heute Ostern feiern: Lass uns Menschen des Lichtes sein, die dein Geheimnis weitertragen in die Welt – durch Güte, Vertrauen und offene Herzen. – In Christus schenkst du uns das Licht: – Für alle, die uns vorausgegangen sind – besonders für jene, die wir in diesen Tagen vermissen: Schenke ihnen das Leben in deiner Fülle und tröste die, die zurückbleiben. – In Christus schenkst du uns das Licht:
Guter Gott, wir kommen zu dir, weil du uns einlädst. Lass uns nun ruhen an deinem Tisch und dich feiern in Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt, jetzt und in Ewigkeit. Amen.
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Markus Hirlinger |
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